Rundumblick. Manzara Istanbul-Zimmer mit Aussicht.
Rundumblick Manzara Istanbul-Zimmer mit Aussicht.
Weitblick. Manzara Istanbul-Raum mit Bosporusblick.
Weitblick Manzara Istanbul-Raum mit Bosporusblick.
Goldkupfer. Die Rezeption von Manzara Istanbul
Goldkupfer Die Rezeption von Manzara Istanbul
Lichtdurchflutet. Der Manzara-Veranstaltungssaal Supa Salon in der Surije Pasaji.
Lichtdurchflutet Der Manzara-Veranstaltungssaal Supa Salon in der Surije Pasaji.

Neue Perspektiven öffnen, den Kulturaustausch zwischen Ost und West und interkulturelle Netzwerke stärken: das waren die Ziele als Manzara Istanbul vor mehr als zehn Jahren gegründet wurde. Der Weg dahin führte über den Stadtteil Galata. Hier renovierten und vermieteten die Gründer, das deutsch-türkische Architektenpaar Erdoğan Altındiş und Gabriele Kern-Altındiş, Wohnungen mit zum Teil atemberaubendem Rundumblick auf den Bosporus und das Goldene Horn – getreu der türkischen Bedeutung des Wortes Manzara: Ausblick. Möglichst dicht an der Stadt und ihren Menschen boten sie Istanbul-Reisenden ihren ganz persönlichen Blick auf die Stadt. Nach den Wohnungen folgten ein Kunst- und Atelierhaus und in der Suriye Pasaji der Supra Salon (Istiklal Caddesi) für Lesungen, Konzerte und Tagungen. Seit einigen Jahren lobt Manzara jährlich ein Stipendium für deutschsprachige Architekten aus. Heute zählt Manzara Istanbul mit zu den ambitioniertesten Kulturinstitutionen der Metropole.
Manzara Istanbul ist aber nicht nur als ein umtriebiges Kulturprojekt zu verstehen, sondern auch als ein sensibles Stadterneuerungskonzept. Anstatt bestehende Häuser niederzureißen oder zu entwohnen, zu sanieren und teuer zu verkaufen, zeigen die beiden Architekten und Designer einen alternativen Weg der punktuellen Stadtsanierung. In enger Abstimmung mit den jeweiligen Eigentümern, setzen sie deren Wohnungen instand. Die Apartments werden für eine gewisse Zeit als Ferienwohnungen zwischengenutzt, bevor sie den Besitzern renoviert wieder übergeben werden. Diese schrittweise Instandsetzung der Stadtteile kann als wirksames Werkzeug gesehen werden, mit dem die voranschreitende Gentrifzierung bestimmter Mahalles nicht aufgehalten, aber zumindest entschleunigt werden kann. Die Architekten verlegten im Grunde das Raumprogramm eines klassischen Hotels in den Stadtraum.

Die Architekten verlegten das Raumprogramm eines klassischen Hotels in den Stadtraum.

Die Rezeption des „Hotels“ befindet sich im Erdgeschoß eines Hauses in der Tatarbeyi Sokak. Die Straßen, Gassen und Plätze der Stadt entsprechen der Lobby, den Fluren und Treppenhäusern eines Hotels. Angrenzende Cafés (wie z. B. die Galata Kitchen) werden als Frühstücks- und Mittagsrestaurant eingebunden. So erneuert das Konzept nicht nur sanierungsbedürftige Bausubstanz sondern stimuliert auch den umliegenden Kiez. Diese Art der urbanen Akupunktur ist allerdings nur so lange wirksam, wie das fragile Verhältnis zwischen ständig und temporär genutztem Wohnraum ausgewogen bleibt. Die Manzara-Mahallepunktur zeigt, dass Stadtentwicklung auch behutsam, ausgleichend und an den Bedürfnissen sowohl der Touristen als auch der Einheimischen ausgerichtet sein kann.

Manzara Ayvalik.
Manzara Ayvalik "Für uns ist Manzara zur Community geworden – ein Ort, an dem wir unsere individuellen Ideen und Vorstellungen leben können. Manzara Ayvalik holt nun diese Ideale, die wir bereits in Istanbul verwirklicht haben, ans Meer!" – Manzara Website. © Manzara Ayvalik

Der Kurzfilm "Ayvalık‘ta Görüşürüz! Wir sehen uns in Ayvalik" ist eine Fallstudie der Fakultät für Tourismus der Hochschule München in Kooperation mit Manzara Istanbul.

Als Kulturinstitution fördert Manzara Istanbul Forschungsarbeiten zu den Themen „Architektur und Kunst“ und lobt regelmäßig Stipendien aus. Während meiner mehrmonatigen Stipendiatenzeit 2013 ist „IN Istanbul“ entstanden – eine Forschung zu informeller Architektur. Meinen Abschlusstext zum Ende meines Istanbulaufenthalts finden Sie hier: Blau leben.

Weitere Informationen zu Übernachtungen und zum Kulturprogramm:

Manzara Istanbul

Supa Salon

Manzara Ayvalik

Unsere Café-Empfehlung: Galata Kitchen.

Von Hendrik Bohle Architekt, Autor und Stadtforscher, veröffentlicht am .