Gastbeitrag von Thomas Ruttig. Den Originaltext (und weitere Artikel über Afghanistan) finden Sie auf seinem Blog Afghanistan Zhaghdablai.

Die Harten-Brücke. Gesamtansicht mit Schlot der alten Waffenfabrik im Hintergrund
Die Harten-Brücke Gesamtansicht mit Schlot der alten Waffenfabrik im Hintergrund © Thomas Ruttig
Die Harten-Brücke. Mit einem der modernen Hochzeitspaläste im Hintergrund
Die Harten-Brücke Mit einem der modernen Hochzeitspaläste im Hintergrund © Thomas Ruttig
Harten-Brücke. Blick nach Westen
Harten-Brücke Blick nach Westen © Thomas Ruttig
Die Harten-Brücke. Am Maschinkhana von der Flussseite aus gesehen
Die Harten-Brücke Am Maschinkhana von der Flussseite aus gesehen © Thomas Ruttig
Die Harten-Brücke. Müllinseln im Kabulfluss
Die Harten-Brücke Müllinseln im Kabulfluss © Thomas Ruttig
Die Harten-Brücke. Mit den Nordpfeilern
Die Harten-Brücke Mit den Nordpfeilern © Thomas Ruttig
Die Harten-Brücke. Südpfeiler mit Laterne und Amanullah Wappen
Die Harten-Brücke Südpfeiler mit Laterne und Amanullah Wappen © Thomas Ruttig
Die Harten-Brücke. Mit Detailaufnahme des Südpfeilers
Die Harten-Brücke Mit Detailaufnahme des Südpfeilers © Thomas Ruttig
Die Harten-Brücke. Auch als Kinderspielplatz beliebt
Die Harten-Brücke Auch als Kinderspielplatz beliebt © Thomas Ruttig
Harten-Brücke. Gedenktafel für den Ingenieur Walter Harten
Harten-Brücke Gedenktafel für den Ingenieur Walter Harten © Thomas Ruttig

Einen eigenen Wikipedia-Eintrag hat er noch nicht (ein Platz ist schon reserviert), und auch sonst scheint nicht viel von dem deutschen Ingenieur Walter Harten bekannt zu sein – außer dass er zu einem Team von 22 deutschen Ingenieuren gehörte, das im Auftrag des afghanischen Königs Amanullah (1919-29; verstorben 1960 in der Schweiz) 70 moderne Gebäude in der afghanischen Hauptstadt Kabul errichtete. Dazu gehört auch der berühmte Dar-ul-Aman-Palast, oft fälschlich als "Königspalast" bezeichnet, aber eigentlich für das afghanischen Parlament gedacht. Der Name bedeutet Haus der Friedens, nimmt aber auch den Namen des Königs auf. Neben ihrer Arbeit bildete das Team, das zuletzt (wohl ab 1928) von dem ehemaligen Berliner Geheimen Regierungsrat Josef Brix (nach dem in Berlin ein Platz benannt ist) geleitet wurde, beim Bau des Palastes ca. 700 einheimische Fachkräfte aus. Vorher scheint, der Inschrift auf der Brücke zufolge, Harten Chef-Ingenieur für Dar-ul-Aman gewesen zu sein. Zum Einzug des Parlaments kam es nicht mehr, denn Amanullah wurde 1929 gestürzt, der Bau dann für andere Zwecke genutzt. Bis zum sowjetischen Einmarsch 1979 diente er tatsächlich als Präsidentenpalast. Danach beherbergte er das Verteidigungsministerium, bevor das Gebäude während der Fraktionskriege (1992-96) nachhaltig zerstört wurde.
Zu den weiteren vom Team errichteten Bauwerken gehört die Harten-Brücke – in Kabul als Pul-e (H)arten oder Pul-e Artal bekannt. Sie überquert westlich der alten Waffenfabrik (Maschinkhana), kurz vor dem Kabuler Zoo und dem Stadtteil Deh Mazang linkerhand den Kabul-Fluss in Richtung Guzargah und "Kanonenberg" (Westen) sowie zum Ibn-Sina-Hospital (östlich). Inzwischen wurde die Brücke, wohl wegen Reparaturbedarfs, für den Fahrzeugverkehr gesperrt. Nur noch Fußgänger und – wie beim meinem Abstecher vor einigen Tagen – Schafherden dürfen sie überqueren. Mit ihrer wohl über zehn Meter betragenden Breite eignet sie sich auch gut zum Fußballspielen.

Der Dar-ul-Aman Palast. Von Walter Harten
Der Dar-ul-Aman Palast Von Walter Harten © Jan Dimog

Der Palast im Stil des Klassizismus wurde in den 1920er Jahren im Auftrag des Königs Amanullah Khan vom Architekten und Ingenieur Walter Harten erbaut. Nach Bränden (1969) und Artelleriebeschüssen (in den 1990ern) der Mudschaheddin wurde der Dar-ul-Aman endgültig zur Ruine. (JD)

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