Die Athener Akropolis ragt weit aus dem weißen Häusermeer heraus. In der Antike ein idealer Burgberg nur vom Westen her zugänglich. Umkämpft und verehrt wechselte sie im Laufe ihrer 4.000-jährigen Geschichte vielfach ihre Gestalt. Aber immer blieb sie das Herz der Stadt. Heute sind nur noch eine Handvoll Gebäude erhalten, aber sie prägen unser Bild der Antike seit zwei Jahrhunderten. Ein Idealbild der Klassik, denn alles was nicht in dieses Bild passte und in den Jahren hinzugefügt wurde, ist mittlerweile wieder verschwunden: eine Moschee, Minarette, ein Palast, Häuser, Ställe, die engen Gassen. Noch für viele Jahrzehnte wird die Athener Akropolis eine Großbaustelle sein und damit eine immer werdende Ruine bleiben.

Die Akropolis. Die Hochstadt der Klassik, vom nördlich gelegenen Kolonaki-Viertel aus gesehen, erhebt sich auf einem 156 Meter hohen Kalksteinsockel über der Athener Ebene. Die Ruinen der noch bestehenden Bauten prägen maßgeblich unser Bild der Antike.
Die Akropolis Die Hochstadt der Klassik, vom nördlich gelegenen Kolonaki-Viertel aus gesehen, erhebt sich auf einem 156 Meter hohen Kalksteinsockel über der Athener Ebene. Die Ruinen der noch bestehenden Bauten prägen maßgeblich unser Bild der Antike. © Jan Dimog
Die Propyläen. Eine breite Freitreppe führte schon in der Antike Menschen mit ihren Opfergaben in den heiligen Bezirk. Zuvor sollten sie eines der neuartigsten und visionärsten attischen Bauten der Klassik durchschreiten: die Propyläen. Sie entstanden 437–432 v. Chr. nach Entwürfen des Architekten Mnesikles. Weg, Landschaft und Baukörper ließ er gekonnt miteinander verschmelzen. Die überwältigende Vollkommenheit der Toranlagen ist noch heute zu spüren.
Die Propyläen Eine breite Freitreppe führte schon in der Antike Menschen mit ihren Opfergaben in den heiligen Bezirk. Zuvor sollten sie eines der neuartigsten und visionärsten attischen Bauten der Klassik durchschreiten: die Propyläen. Sie entstanden 437–432 v. Chr. nach Entwürfen des Architekten Mnesikles. Weg, Landschaft und Baukörper ließ er gekonnt miteinander verschmelzen. Die überwältigende Vollkommenheit der Toranlagen ist noch heute zu spüren. © Hendrik Bohle
Der Nike Tempel. Der kleine Tempel steht exponiert auf einer Felszunge unweit der Propyläen. Geweiht wurde er der Kriegsgöttin Nike, die im Kampf gegen die Invasion der Perser den Griechen beiseite gestanden haben soll. Errichtet wurde er zwischen 427 und 425/424 v. Chr. nach Entwürfen des Architekten Kallikrates. Auch die Sieger der Panathenäen,
Der Nike Tempel Der kleine Tempel steht exponiert auf einer Felszunge unweit der Propyläen. Geweiht wurde er der Kriegsgöttin Nike, die im Kampf gegen die Invasion der Perser den Griechen beiseite gestanden haben soll. Errichtet wurde er zwischen 427 und 425/424 v. Chr. nach Entwürfen des Architekten Kallikrates. Auch die Sieger der Panathenäen, "der Olympischen Spiele der Antike", wurden an diesem Ort geehrt. © Hendrik Bohle
Das Erechtheion. Er ist seit jeher der heilige Ort auf der Akropolis. Verschiedene kultische Funktionen und ionische Raumkomponenten wurden harmonisch zu einem Ganzen gefügt. Besonders augenfällig ist die Korenhalle an der Südansicht. Sie ist, anders als die übrigen Ansichten, schlicht mit einem Flachdach gedeckt und ohne Giebeldreieck ausgebildet. Sechs schlanke Mädchengestalten tragen die schwere Last des Gebälks: die Karyatiden.
Das Erechtheion Er ist seit jeher der heilige Ort auf der Akropolis. Verschiedene kultische Funktionen und ionische Raumkomponenten wurden harmonisch zu einem Ganzen gefügt. Besonders augenfällig ist die Korenhalle an der Südansicht. Sie ist, anders als die übrigen Ansichten, schlicht mit einem Flachdach gedeckt und ohne Giebeldreieck ausgebildet. Sechs schlanke Mädchengestalten tragen die schwere Last des Gebälks: die Karyatiden. © Jan Dimog
Der Parthenon. Er ist der größte, bekannteste und glanzvollste Bau des heiligen Bezirks. Der Parthenon wurde in nur knapp 15 Jahren Bauzeit etwa zwischen 447 und 432 v. Chr. von dem genialen Baumeister Phidias errichtet. Selbst beim Anblick seiner wenig erhaltenen Fragmente ist die einstige Leichtigkeit, Eleganz und Harmonie des Tempels zu spüren.
Der Parthenon Er ist der größte, bekannteste und glanzvollste Bau des heiligen Bezirks. Der Parthenon wurde in nur knapp 15 Jahren Bauzeit etwa zwischen 447 und 432 v. Chr. von dem genialen Baumeister Phidias errichtet. Selbst beim Anblick seiner wenig erhaltenen Fragmente ist die einstige Leichtigkeit, Eleganz und Harmonie des Tempels zu spüren. © Jan Dimog
Die Akropolis. Großbaustelle und immer werdende Ruine.
Die Akropolis Großbaustelle und immer werdende Ruine. © Hendrik Bohle
Das alte Akropolismuseum. Im Schatten des Parthenon-Tempels entwarf Patroklos Karantinos 1937 das alte Akropolismuseum. Hier lag früher das Heiligtum des Pandion. Um das neue Bauwerk aus der Ferne möglichst unscheinbar wirken zu lassen, platzierte er das Museum sorgfältig in einer Senke des Felsens. Im Stil der klassischen Moderne besteht das Gebäude aus einem Stahlbeton-Skelett mit Ausfachungen aus lokalem Naturstein. Schnell war klar, dass das Gebäude für die Fülle der Ausgrabungen zu klein werden würde. 2007 geschlossen, sollen hier zukünftig die Museumsverwaltung und ein öffentliches Café einziehen.
Das alte Akropolismuseum Im Schatten des Parthenon-Tempels entwarf Patroklos Karantinos 1937 das alte Akropolismuseum. Hier lag früher das Heiligtum des Pandion. Um das neue Bauwerk aus der Ferne möglichst unscheinbar wirken zu lassen, platzierte er das Museum sorgfältig in einer Senke des Felsens. Im Stil der klassischen Moderne besteht das Gebäude aus einem Stahlbeton-Skelett mit Ausfachungen aus lokalem Naturstein. Schnell war klar, dass das Gebäude für die Fülle der Ausgrabungen zu klein werden würde. 2007 geschlossen, sollen hier zukünftig die Museumsverwaltung und ein öffentliches Café einziehen. © Hendrik Bohle

"Concept, not form, is what distinguishes architecture from mere building."

Bernard Tschumi

Das neue Museum von Bernard Tschumi und Michael Photiadis entzieht sich dem reinen ästhetischen Vergleich mit den Klassikern der Antike. Alles an diesem zu einem schwebenden Ganzen gefügten Gebäude ist logisch. Unscheinbar, wie sein Vorgänger ist es allerdings nicht. Es ist ein gebautes Konzept. Kontext und Inhalt bestimmen seine Gestalt, die sich der kulturgeschichtlichen Bedeutung unterordnet. Der Parthenon ist nur etwa 350 Meter entfernt und der Untergrund des Museums besteht fast vollständig aus den Ruinen eines antiken Stadtviertels. Alles ist auf die Exponate, die Akropolis, die Stadt ausgerichtet. Das Museum steht auf gewaltigen Betonstützen. Einhundert Säulen wurden in enger Abstimmung mit den Archäologen sorgfältig positioniert, um die darunterliegende Grabungsstätte zu schützen. Anders als viele ihrer Kollegen verzichteten die Architekten auf eine allürenhafte Bämm!-Architektur, wenngleich der massive Baukörper im starken Kontrast zu seiner kleinteiligen Umgebung steht. Sobald man allerdings das Gebäude betritt, verflüchtigen sich jegliche Zweifel. Der gesamte Innenraum ist gebaute Bewegung. Keine Aneinanderreihung verschiedener statischer Räume, sondern ein fließender kulturhistorischer Rundgang. Tschumi begreift das Museum als dreidimensionale Promenade. Der vertikale Weg führt von den Ausgrabungen über die Ausstellungsräume mit den Propyläen, dem Nike-Tempel und dem Erechtheion bis hinauf in die Parthenon-Galerie, dem Höhepunkt der Klassik. Um dreiundzwanzig Grad gedreht, entspricht sie exakt der Ausrichtung des gleichnamigen Tempels. Sein fein gearbeiteter Fries (eine Mischung aus Kopien und Originalen, da sich ein großer Teil von ihnen im Londoner British Museum befindet) ist als eine Aneinanderreihung einzelner Sequenzen so inszeniert, das er erstmalig als geschlossene Folge auf Augenhöhe betrachtet werden kann. Das neue Akropolismuseum ist einzigartig. Anregend und kraftvoll rückt es die bisher verstreuten Relikte der klassischen Kunst der Bilderhauerei und der Architektur in ein vollkommenes Licht.

" ... we aimed to arrive at the clearest concept possible, the most concise and elegant expression of the set of ideas that embodied the remarkable challenges of the project."

Bernard Tschumi
Kontrastreich. Der mächtige Museumsbau ragt aus der kleinteiligen Baustruktur des Viertels selbstbewusst hervor. Die klare Strukturierung des Gebäudes ist auch aus der Ferne gut zu erkennen.
Kontrastreich Der mächtige Museumsbau ragt aus der kleinteiligen Baustruktur des Viertels selbstbewusst hervor. Die klare Strukturierung des Gebäudes ist auch aus der Ferne gut zu erkennen. © Jan Dimog
Komponiert. Das Museum ist aus drei unabhängigen Baukörpern gefügt. Das untere Band umschließt die Grabungsstätte. Der mittlere Teil, in dem die Hauptausstellungsräume angeordnet sind, folgt im Westen und Süden dem Straßenverlauf. Den krönenden Abschluss bildet die Parthenon-Galerie. Sie ist um 23 Grad gedreht und entspricht somit exakt der Ausrichtung des gleichnamigen Tempels.
Komponiert Das Museum ist aus drei unabhängigen Baukörpern gefügt. Das untere Band umschließt die Grabungsstätte. Der mittlere Teil, in dem die Hauptausstellungsräume angeordnet sind, folgt im Westen und Süden dem Straßenverlauf. Den krönenden Abschluss bildet die Parthenon-Galerie. Sie ist um 23 Grad gedreht und entspricht somit exakt der Ausrichtung des gleichnamigen Tempels. © Bernard Tschumi Architects
Gespiegelt. Auf den ersten Blick etwas befremdlich, tritt der völlig transluzente Bau in einen besonderen Dialog mit der Stadt. Kontext und Inhalt bestimmen seine Gestalt, was besonders im Innenraum erfahrbar wird.
Gespiegelt Auf den ersten Blick etwas befremdlich, tritt der völlig transluzente Bau in einen besonderen Dialog mit der Stadt. Kontext und Inhalt bestimmen seine Gestalt, was besonders im Innenraum erfahrbar wird. © Hendrik Bohle
Geschichtet. Die rund um das Gebäude verlaufenden Auskragungen und einfachen Schichtungen verweisen dezent auf eine charakteristische Athener Wohnhaus-Typologie der Nachkriegsmoderne, die sogenannten Polykatoikia.
Geschichtet Die rund um das Gebäude verlaufenden Auskragungen und einfachen Schichtungen verweisen dezent auf eine charakteristische Athener Wohnhaus-Typologie der Nachkriegsmoderne, die sogenannten Polykatoikia. © Jan Dimog
Gedreht. Während die Fensterflächen der unteren Geschosse durch die Dachüberstände teilweise verschattet werden, ist die abschließend gedrehte Parthenon-Galerie mit einer zweischaligen Glasfassade versehen. Die erhitzte Luft wird durch Konvektion nach oben abgeführt, während kalte Luft von unten nachströmt.
Gedreht Während die Fensterflächen der unteren Geschosse durch die Dachüberstände teilweise verschattet werden, ist die abschließend gedrehte Parthenon-Galerie mit einer zweischaligen Glasfassade versehen. Die erhitzte Luft wird durch Konvektion nach oben abgeführt, während kalte Luft von unten nachströmt. © Jan Dimog
Einblendend. Ein gewaltiger Fächer reckt sich dem Besucher am Haupteingang entgegen. Ein besonderer Kniff, der dabei hilft, einen fließenden Übergang vom gleißendem attischen Licht, über den verschatteten Eingangsbereich bis in die abgedunkelte Empfangshalle zu inszenieren.
Einblendend Ein gewaltiger Fächer reckt sich dem Besucher am Haupteingang entgegen. Ein besonderer Kniff, der dabei hilft, einen fließenden Übergang vom gleißendem attischen Licht, über den verschatteten Eingangsbereich bis in die abgedunkelte Empfangshalle zu inszenieren. © Jan Dimog
Schwebend. Das gesamte Gebäude, nicht nur wie hier an der Eingangsrampe, schwebt über der gewaltigen Grabungsstätte eines antiken Stadtbezirks.
Schwebend Das gesamte Gebäude, nicht nur wie hier an der Eingangsrampe, schwebt über der gewaltigen Grabungsstätte eines antiken Stadtbezirks. © Jan Dimog
Sichtbar. Der Ort selbst wird zum Exponat. Große gläserne Bodenplatten erlauben immer wieder Blicke auf die archäologischen Schätze der Stadt.
Sichtbar Der Ort selbst wird zum Exponat. Große gläserne Bodenplatten erlauben immer wieder Blicke auf die archäologischen Schätze der Stadt. © Jan Dimog
Überdacht. Direkt über der Haupteingangsrampe befindet sich das Café mit einer teils überdachten Terrasse mit Blick auf die Akropolis. Sie ist eine Anspielung auf die in Griechenland weit verbreiteten überdachten Innenhöfe.
Überdacht Direkt über der Haupteingangsrampe befindet sich das Café mit einer teils überdachten Terrasse mit Blick auf die Akropolis. Sie ist eine Anspielung auf die in Griechenland weit verbreiteten überdachten Innenhöfe. © Jan Dimog
Fließend. Im Hauptausstellungsraum stehen die Exponate verstreut zwischen den hoch aufragenden Säulen. Die Besucher schreiten frei durch den Raum und können die Exponate von allen Seiten betrachten. Große Glasfronten lassen viel natürliches Licht in den Saal fallen. Der Umgang mit natürlichem Licht war einer der entscheidenden Entwurfsparameter.
Fließend Im Hauptausstellungsraum stehen die Exponate verstreut zwischen den hoch aufragenden Säulen. Die Besucher schreiten frei durch den Raum und können die Exponate von allen Seiten betrachten. Große Glasfronten lassen viel natürliches Licht in den Saal fallen. Der Umgang mit natürlichem Licht war einer der entscheidenden Entwurfsparameter. © Jan Dimog
Allseitig. Die Karyatiden sind räumlich exakt so angeordnet, wie an ihrem ursprünglichen Standort am Erechteion. Die Kunstfertigkeit ihrer Schöpfer kann allerdings hier von allen Seiten betrachtet werden.
Allseitig Die Karyatiden sind räumlich exakt so angeordnet, wie an ihrem ursprünglichen Standort am Erechteion. Die Kunstfertigkeit ihrer Schöpfer kann allerdings hier von allen Seiten betrachtet werden. © Hendrik Bohle
Transparent. Sonnenlicht fällt durch die Decke der Parthenon-Galerie und durchdringt alle gläsernen Zwischendecken des zentralen Rechtecks bis in die tief gelegene Grabungsebene.
Transparent Sonnenlicht fällt durch die Decke der Parthenon-Galerie und durchdringt alle gläsernen Zwischendecken des zentralen Rechtecks bis in die tief gelegene Grabungsebene. © Jan Dimog
Aufsteigend. Eine gläserne Rampe und marmorne Freitreppe führt in den oberen Ausstellungssaal. Der Rundgang soll an den beschwerlichen Aufstieg auf den Tempelberg erinnern. Dieses Gefühl wird durch den Wechsel der Raumhöhe von fünf Metern auf das Dreifache verstärkt.
Aufsteigend Eine gläserne Rampe und marmorne Freitreppe führt in den oberen Ausstellungssaal. Der Rundgang soll an den beschwerlichen Aufstieg auf den Tempelberg erinnern. Dieses Gefühl wird durch den Wechsel der Raumhöhe von fünf Metern auf das Dreifache verstärkt. © Jan Dimog

Von Hendrik Bohle Architekt, Autor und Stadtforscher, veröffentlicht am .