Zu unserem Interview mit Tor Seidel: „Dubaism“

Billboard.  25°06‘58“N 55°08‘11“E
Billboard 25°06‘58“N 55°08‘11“E © Tor Seidel
The Gate.  25°12'50''N 55°16'50''E
The Gate 25°12'50''N 55°16'50''E © Tor Seidel
The Villa.  25°12'53''N 55°14'53''E
The Villa 25°12'53''N 55°14'53''E © Tor Seidel
Business Bay.  25°11‘38“N 55°16‘41“E
Business Bay 25°11‘38“N 55°16‘41“E © Tor Seidel
Zabheel.  25°12'33''N 55°16'59''E
Zabheel 25°12'33''N 55°16'59''E © Tor Seidel
Dubailand Global Village.  25°04'22''N 55°18'13''E
Dubailand Global Village 25°04'22''N 55°18'13''E © Tor Seidel
Flight.  25°11'42''N 55°16'47''E
Flight 25°11'42''N 55°16'47''E © Tor Seidel
Sheikh Zayed Road, Downtown at night.  25°12'28''N 55°16'15''E
Sheikh Zayed Road, Downtown at night 25°12'28''N 55°16'15''E © Tor Seidel
Downtown, Burj Khalifa.  25°12‘28“N 55°16‘15“E
Downtown, Burj Khalifa 25°12‘28“N 55°16‘15“E © Tor Seidel
The Dubai.  Erschienen bei Hatje Cantz
The Dubai Erschienen bei Hatje Cantz © Tor Seidel

Diese Stadt elektrisiert. Das gibt der Fotograf Tor Seidel in unserem Interview "Dubaism" unumwunden zu. Gleichzeitig irritiert ihn der Ort. Auch das gibt er zu. Sein Bildband "The Dubai" ist die fotografische Bestätigung dieser beiden Pole. Oder vielmehr: eine fotophilosophische Annäherung an eine "wie ein Projekt geplante" Überstadt, so der Künstler im Gespräch. Tatsächlich scheint es vor Projekten nur so zu wimmeln. Ich kenne Dubai von mehreren Recherchereisen und bin oft von der rasenden Geschwindigkeit der Veränderungen beeindruckt. Die Stadt, die beinah deckungsgleich mit dem Emirat ist (im Gegensatz z. B. den Nachbaremiraten mit mehreren En- und Exklaven und z. T. Flächenemirate sind) erscheint mir wie in einem dauerfiebrigen Schüttel-Turbo. Und mittendrin und zugleich in der Minderheit (Anteil der Expats an der Bevölkerung über 80 Prozent) sind die weiß- und schwarzgekleideten Emiratis, die über allem zu schweben scheinen. Jedenfalls bewegen sie sich so. Was hinter dem Schweben, den Aufwallungen und der Vehemenz steckt, zeigt Seidel. Über acht Jahre begleitete er sein Fotoobjekt Dubai, dokumentierte und inszenierte es, setzte es nicht ins rechte Licht, legte den welthöchsten Turm Burj Khalifa und den Foster-Bau "The Index" in die horizontale (im Buch auf Seite 7 und 8 sowie 58 und 59), lässt Models auf riesigen Werbeplakaten alienhaft entrückt erscheinen – und tatsächlich wirkt die Stadt auf den Bildern wie ein Ort, den man nicht auf diesem Planeten verorten würde. Aus der extraterrestrischen Wüstenlandschaft wachsen Gebilde und Gebäude wie aus einem dystopischen Science Fiction-Universum. Die Raumschiffwelt von Elysium, die Cloud Atlas-Zeitwelten, das Filterhafte aus Minority Report, das Monochrome von Gattaca. Einerseits. Andererseits ist Dubai eben doch nicht so außerirdisch. Die Betonstümpfe und die Glanztürme stehen auf der Erde, der arabischen Halbinsel, eingerahmt von anderen Glas-Aluminium-Konstruktionen und Stahlbauten, während das Grün und die Natur um sie zu ranken scheinen (Seiten 38 und 39). Trostlos, einsam, traurig: so wirkt Dubai auf vielen der Fotografien. Zugleich aber auch menschlich und fern jenes rauschhaften Dubai-Deliriums, das sich global in den Marketingköpfen festgesetzt hat. Seidels Dubai bekommt etwas nahbares und exponiertes. Die Kunst ist es hierbei, nicht geierhaft-voyeristisch zu werden, sondern dokumentarisch und wahrhaftig mit einer eigenen Handschrift. Wenn das die Definition ist, so ist "The Dubai" ein echtes Kunststück.

Unsere Link-Empfehlungen mit weiteren Informationen:

Tor Seidel

The Dubai

Hatje Cantz

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Von Jan Dimog Autor, Redakteur und (Foto)Journalist, veröffentlicht am .