Hehe-Kunst statt Dumm-dumm-Geschossen

Metalheads.
Metalheads © Mentalgassi
Crumpled Faces.
Crumpled Faces © Mentalgassi
Crumpled Faces.
Crumpled Faces © Mentalgassi
Crumpled Faces.
Crumpled Faces © Mentalgassi
Crumpled Faces.
Crumpled Faces © Mentalgassi
BVG.
BVG © Mentalgassi

Wenn Mentalgassi-Kunst einen Lachklang hätte, wäre es ein raffiniertes "Hehe". Manchmal auch ein herzhaftes "Haha". Aber ein derbes, missgünstiges Hoho oder etwa ein dümmliches Harhar würden S. und J. gar nicht erst konzipieren. Insofern sind die ersten fröhlichen Minuten des Gesprächs mit den beiden in ihren Kreuzberger Arbeitsräumen Hehe-Bestätigung und Kunsterklärung in einem. Denn das Trio – der dritte war bei dem Gespräch nicht dabei – hat einen heiteren Blick auf die Welt. Glascontainer, Ticketentwerter der Berliner Verkehrsbetriebe BVG und Plakatschichten verwandeln sich in ihrem Humorkosmos in Staffellagen mit Knitter-Grimassen und Pussy Riot-Masken.

Kunst mit Kniff

Heute ist die Kombination aus Installationen, Fotografie, Street Art und Grafikdesign, aus Umdeutung und Interpretation des öffentlichen Raums ihr Kennzeichen. Am Anfang war es Graffiti. Die nächsten Entwicklungen wurden durch neue Jobs und den Umgang mit weiteren medialen Werkzeugen begünstigt. Vor allem die Fotografie spielte eine große Rolle. Für die Namensfindung sind durchzechte Nächte, sonntägliche Katerspaziergänge mit dem Hund eines Mitbewohners und viele Gespräche über die Möglichkeiten und Mittel von Kunst und Kultur hilfreich. Bei so einem Gemisch kann es nur einen Namen geben: Mentalgassi. Das war 2006.
Warum die Kürzel? S. und J. "Es geht nicht um uns. Es geht um die Sachen." Das gilt auch für Auftragsarbeiten, z. B. für Amnesty International und das Projekt "Making the invisible visible" in London. 2010 beklebten sie Zäune mit Bildern von Gefangenen. Der mentalgassige Kniff: die Gitter der Zäune sind Gitterstäbe und die Gesichter sind nur aus einem bestimmten Winkel erkennbar.

"Making The Invisible Visible" – Installationen von Mentalgassi in London in Zusammenarbeit mit Amnesty International nach der Exekution von Troy Davis in den USA.

Pimp My Carroça

Aus dem gleichen Jahr stammt auch ihre Zusammenarbeit mit der Mode- und Schuhmarke Converse. Am Berliner Alexanderplatz verwandelten sie Säulen und großflächige Plakatflächen unter einer der Stadtbahnbrücken in grimassenhafte Fotoinstallationen. Wer den zugigen "Alex" kennt, weiß, dass der Platz kein heimeliger Raum des Verweilens ist. Wie beim Amnesty International-Projekt setzten Mentalgassi auf visuelle Täuschung. Je nach Standort änderte sich die Mimik der Plakatgesichter. Plötzlich blieben Menschen stehen, machten Schritte zurück, bewegten sich zur Seite und machten die windige Brücke zum Kunstraum. "Für die Auftragsarbeiten sind wir gefragt worden", erklären sie. Weitere Anfragen schlossen sich an. Es folgten Streetart- und Fotofestivals unter anderem in Berlin, Brasilien, Frankreich, immer im öffentlichen Raum, immer mit Stadtbezug. "Da sind wir gut rumgekommen", stellen sie nüchtern fest.

Converse.
Converse © Mentalgassi
Converse.
Converse © Mentalgassi
Converse.
Converse © Mentalgassi
Converse.
Converse © Mentalgassi
Converse.
Converse © Mentalgassi
Converse.
Converse © Mentalgassi
Pimp My Carroça, Sao Paulo.
Pimp My Carroça, Sao Paulo © Mentalgassi
Pimp My Carroça, Sao Paulo.
Pimp My Carroça, Sao Paulo © Mentalgassi
Cidade das Artes, Rio.
Cidade das Artes, Rio © Mentalgassi
Cidade das Artes, Rio.
Cidade das Artes, Rio © Mentalgassi
Cidade das Artes, Rio.
Cidade das Artes, Rio © Mentalgassi
Cidade das Artes, Rio.
Cidade das Artes, Rio © Mentalgassi
Cidade das Artes, Rio.
Cidade das Artes, Rio © Mentalgassi
Balloon Heads Berlin.
Balloon Heads Berlin © Mentalgassi
Balloon Heads Berlin.
Balloon Heads Berlin © Mentalgassi
Balloon Heads Berlin.
Balloon Heads Berlin © Mentalgassi
Balloon Heads Berlin.
Balloon Heads Berlin
Balloon Heads Berlin.
Balloon Heads Berlin
Vevey.
Vevey © Mentalgassi
Vevey.
Vevey © Mentalgassi

Pimp My Public Spaces

A propos rumkommen. Wer in Berlin mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, begegnet menschlicher Selbstdarstellungsvielfalt in einer Form, die selten langweilt, oft anstrengend ist und einen immer wieder in dieser ungefilterten, intimen Art erstaunen lässt. Die Berliner Selbstvergessenheit und Geschmacklosigkeit, sagen die einen. Die berühmte Berliner Freiheit, die anderen. Jedenfalls ein Motiv, das sich das Straßenkünstlerkollektiv von Mentalgassi nicht entgehen lassen konnte. Warum also nicht gleich ein U-Bahn-Wagen in ein Wohnzimmer mit Gardine, Teppich und Kissen verwandeln? Eine Fotokabine in ein Klohaus? Ein Telefonhäuschen in eine Dusche? So viel Berlinismus muss sein. Das Projekt hieß "Public Intimacy". Die Verwandlung der Flächen des öffentlichen Personennahverkehrs geschah Mentalgassi-typisch: humorvoll und doppeldeutig. Ganz so wie der Besuch in ihren Arbeitsräumen, wo viel gelacht wurde – oft über Inhalte mit Substanz.

Public Intimacy.
Public Intimacy © Mentalgassi
Public Intimacy.
Public Intimacy © Mentalgassi
Public Intimacy.
Public Intimacy © Mentalgassi
Public Intimacy.
Public Intimacy © Mentalgassi
Public Intimacy.
Public Intimacy © Mentalgassi

Mentalgassi treten im Mai auf dem "Cheap Street Poster Art Festival" in Bologna, Italien auf. Danach ist ihre Kunst in San Sebastian, Spanien im Rahmen des Programms zur europäischen Kulturhauptstadt zu sehen.

Cheap Street Poster Art Festival

Mentalgassi auf dem Cheap Street Poster Art Festival

Cheap Streetposter Art Festival.
Cheap Streetposter Art Festival © Mentalgassi

Von Jan Dimog Autor, Blogger und (Foto)Journalist, veröffentlicht am .