Klar und weiß.  Sharjah Art Foundation Art Spaces
Klar und weiß Sharjah Art Foundation Art Spaces © Jan Dimog
Wegweisend.  Sharjah Art Foundation Art Spaces
Wegweisend Sharjah Art Foundation Art Spaces © Jan Dimog
Kunst und Grün.  Sharjah Art Foundation Art Spaces
Kunst und Grün Sharjah Art Foundation Art Spaces ©Jan Dimog
Linien als Sitzgelegenheit.  Sharjah Art Foundation Art Spaces
Linien als Sitzgelegenheit Sharjah Art Foundation Art Spaces © Jan Dimog

Bemerkenswert ist die Bescheidenheit, jedenfalls für emiratische Verhältnisse. Es ist zwar weniger von Größe und Gigantismus die Rede, trotzdem ist das Projekt nicht weniger ambitioniert, nicht weniger als eine Meisterleistung, wenn die Altstadt von Sharjah im Jahr 2025 auf 35.000 Quadratmetern wiederauferstanden sein wird. Gebaut wird mit historischem Material, mit Steinen aus Korallen, dem traditionellen Baumaterial der Gegend. Bis vor wenigen Jahrzehnten standen hier auch zahlreiche Areesh-Hütten, aus Stämmen, Wedeln und Fasern von Palmen bestehende einfache Behausungen. Dann kam der erste Bauboom in den 1970 und 1980er Jahre und die Betonmoderne überlagerte das kleine Areal. Stück für Stück weicht der Beton nun und schon jetzt kann man erahnen, wie es früher hier ausgesehen haben muss.

Kunst und Kultur statt Kommerz und Kapital

Sharjah ist 2.600 Quadratkilometer groß und zählt um die 800.000 Einwohner. Im Gegensatz zu den Nachbarn Dubai und Abu Dhabi, die beide in ihre Hypermoderne und Maximalmachbarkeit enteilt sind, setzt Sharjah auf andere Werte und Geschwindigkeiten. Natürlich ist jede Parkanlage perfekt manikürt, sind die Straßen SUV-breit, glänzen die Moscheen gülden. Aber die Totalüberwältigung gibt es im gemächlicheren Sharjah nicht. Stattdessen gibt es Museen, Galerien, Kunst, Kultur. Viele Einrichtungen kann man schon jetzt im historischen Viertel und nebenan im Kunstviertel erleben und besuchen. Besonders eindrucksvoll sind Bait Khalid Bin Ibrahim (das Haus eines führenden Perlenhändler-Clans im bahrainischen Stil), das Sharjah Kunstmuseum (für regionale Kunst und temporäre internationale Ausstellungen) und das kleine Kalligraphienmuseum, das einzige seiner Art in der Region. Kalligraphien sämtlicher Epochen und aus allen Ecken der islamischen Welt sind hier ausgestellt. Zum Abschluss des Kulturganges geht es zum Museum islamischer Zivilisation, einem ehemaligen Souk. Die Exponate in diesem großartigen Haus reichen von wertvollen altertümlichen Manuskripten bis zur jüngsten Damenmode. Die Bandbreite der über 5.000 Exponate, die sich über 1.400 Jahre erstrecken, ist enorm und sollte nicht im Eildurchgang absolviert werden, wie überhaupt die Gegend sehr für Spaziergänge und Entdeckungen geeignet ist, wie z. B. die labyrinthischen Sharjah Art Foundation Art Spaces.
Mein Tipp: flanieren, zwischendurch mal einen Karak trinken (traditioneller Tee mit Milch) und unbedingt Zeit lassen bei den Erkundungen durch die Gassen und Galerien, Märkte und Museen. Am besten kommen Sie am späten Nachmittag, um der größten Hitze zu entkommen. Zudem verleiht die schnell einsetzende Dämmerung dem Quartier eine bläulich-warme Atmosphäre. Auch eine spannende Erfahrung in diesem Land der Bling-Bling-Bestmarken: Kunst und Kultur übernehmen das Kommando. Das Herz schlägt bereits.

Sharjah Art Foundation Art Spaces.  Die Lage der Art Spaces im Rekonstruktionsprojekt Heart of Sharjah.
Sharjah Art Foundation Art Spaces Die Lage der Art Spaces im Rekonstruktionsprojekt Heart of Sharjah. © SAF
Sharjah Art Foundation Art Spaces.  Die einzelnen Art Spaces-Bereiche
Sharjah Art Foundation Art Spaces Die einzelnen Art Spaces-Bereiche © SAF

Im August 2016 kommt der Architekturführer Vereinigte Arabische Emirate in den Handel. Das beim Berliner Verlag DOM publishers erscheinende Buch mit 540 Seiten thematisiert die zeitgenössische Architektur und Bautradition der sieben Emirate. Interviews, Essays und architektonische Rundgänge sind ebenso Teil des Buchs wie Berichte über komplexe, städtebauliche Eingriffe und Großprojekte wie Heart of Sharjah.

Von Jan Dimog Autor, Redakteur und (Foto)Journalist, veröffentlicht am .