Die Philippinen sind das am schnellsten wachsende Smartphone-Land Südostasiens, Manila bekam vor einiger Zeit den Titel "SMS-Hauptstadt" der Welt aufgrund der intensiven Nutzung der Kurznachrichten. Als SMS-Nation mit leidenschaftlichen Smartphonisten könnte man annehmen, dass die Nutzung alter Medien auf den Philippinen nichtexistent ist. Das Buch beispielsweise hat hier, wie in vielen Ländern dieser Welt, einen schweren Stand. Das hat auch die Kreativen von WTA Architecture + Design Studio beschäftigt. Für ihn, so der Inhaber und Geschäftsführer William T. Ti, sind "Bücher ewig. Geschichten werden von Generation zu Generation weitergetragen und sind eine der wichtigsten Quellen für Kreativität und Erfindungsgeist." Daher, so Ti weiter, haben Büchereien eine wichtige Rolle. Doch angesichts der rasanten technologischen Entwicklungen steht auch deren Status zur Disposition. Wie relevant sind Büchereien heute? Wie kann ihre Stellung verbessert werden? Sollten sie neu erfunden werden oder kann Architektur sie zeitgemäß weiterentwickeln?

"Es ist ein Platz und eine Idee, eine mobile Bibliothek für eine mobile Generation."

William T. Ti, Gründer und Geschäftsführer von WTA Architecture + Design Studio
The Book Stop Project.  Die mobile Bibliothek ist Finalist des diesjährigen World Architecture Festival – in der Kategorie "Small Projects".
The Book Stop Project Die mobile Bibliothek ist Finalist des diesjährigen World Architecture Festival – in der Kategorie "Small Projects". © WTA Architecture + Design Studio
The Book Stop Project.
The Book Stop Project © WTA Architecture + Design Studio

Die Antwort kostet um die 8000 Euro und ist ein Pop-Up-Projekt, eine temporäre, mobile Lösung. Das Book Stop Project gleicht in seinem Konzept einem Portal, durch das Literatur-Interessierte schreiten können. Die Welt der Bücher wird anschaulich zu einem Universum der vielfältigen Ideen und Möglichkeiten.
"Es ist alles zugleich, ein Platz, ein Karree und Trapez und erlaubt einem wechselnde Ansichten mit den Lücken und Leerstellen," erklärt Ti die Konstruktion mit dem perforiertem Stahlblech. Auf diese Weise strahlt das Book Stop Project vieles gleichzeitig aus: Solidität und Halt, Öffentlichkeit und Offenheit. Ein wichtiges Stichwort der Designer von WTA Architecture + Design Studio ist "refocus". Eine Bibliothek ist ein Ort der Bücher und des Lesens, aber auch ein Platz der Interaktion und des Lernens. Doch anstelle eines großen Gebäudes einer typischen Bibliothek an einem festen Ort erschafft das Book Stop Project ein Netzwerk aus mobilen Räumen, die in der ganzen Stadt verteilt sind. In den nächsten Monaten will das Büro drei weitere Bücherstopps aufstellen. In einer modernen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts kann es keine Bibliothek mit den online verfügbaren Büchern aufnehmen. Umso wichtiger ist es den WTA-Designern die Definition einer Bücherei zu erweitern. Der für diese Diskussion gelungene Beitrag von WTA Architecture + Design Studio zeigt die Möglichkeiten von informeller Architektur und mobilen Lösungen auf. Wenn der Leser nicht zur Bücherei kommt, stellt sich die Bibliothek da auf, wo die Leser sind – auf Plätzen, in Parks, in belebten Märkten, an frequentierten Achsen.
Oder wie es Bürochef Ti formuliert: "Du gehst hinein, du gehst hinaus. Du gibst ein Buch und erhältst für deine Spende ein anderes Buch. Es ist ein Platz und eine Idee, eine mobile Bibliothek für eine mobile Generation."

Die Definition einer Bibliothek erweitern und an die Anforderungen des 21. Jahrhunderts anpassen.

The Book Stop Project.
The Book Stop Project © WTA Architecture + Design Studio
The Book Stop Project.
The Book Stop Project © WTA Architecture + Design Studio
The Book Stop Project.
The Book Stop Project © WTA Architecture + Design Studio
The Book Stop Project.
The Book Stop Project © WTA Architecture + Design Studio
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The Book Stop Project © WTA Architecture + Design Studio
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The Book Stop Project © WTA Architecture + Design Studio
The Book Stop Project.  Lesungen, Performances und Diskussionen sind Teil des Konzepts der mobilen Bibliothek.
The Book Stop Project Lesungen, Performances und Diskussionen sind Teil des Konzepts der mobilen Bibliothek. © WTA Architecture + Design Studio

Von Jan Dimog Autor, Redakteur und (Foto)Journalist, veröffentlicht am .