Der „Deutsches Spionagemuseum“-Rundgang ist der zweite Teil unserer „Unsichtbar“-Reihe, begonnen haben wir mit „Operation Abgang“.

Grünlich.  Die Kennfarbe des Museums, unterstützt durch knapp 97.000 (nicht nur grüne) LEDs, 650 Leuchten, 205 Monitoren und Touchscreens sowie 19 Laserprojektoren.
Grünlich Die Kennfarbe des Museums, unterstützt durch knapp 97.000 (nicht nur grüne) LEDs, 650 Leuchten, 205 Monitoren und Touchscreens sowie 19 Laserprojektoren. © Jan Dimog
Bitte lächeln.  Im Eingangsbereich
Bitte lächeln Im Eingangsbereich © Jan Dimog
Eine Zeitreise.  Durch die Geschichte der Spionage von den Kundschaftern der Bibel bis zu den Whistleblowern der Gegenwart.
Eine Zeitreise Durch die Geschichte der Spionage von den Kundschaftern der Bibel bis zu den Whistleblowern der Gegenwart. © Jan Dimog
Stufenweise.  Auch Treppen sind Teil des Edutainment-Konzepts
Stufenweise Auch Treppen sind Teil des Edutainment-Konzepts © Jan Dimog
Übergang.  Der Weg zur Ausstellungsfläche im zweiten Geschoss.
Übergang Der Weg zur Ausstellungsfläche im zweiten Geschoss. © Jan Dimog
Spionage-Trabant.  Trabi mit eingebauten Infrarotblitzlichtern und Spezialkameras in der Seitentür.
Spionage-Trabant Trabi mit eingebauten Infrarotblitzlichtern und Spezialkameras in der Seitentür. © Jan Dimog
Objektiv.  Ist hier nichts. Denn die Ausrüstungen für Mikrofotografie wurden beim Abfotografieren von Dokumenten genutzt – durch die Staatssicherheit der DDR.
Objektiv Ist hier nichts. Denn die Ausrüstungen für Mikrofotografie wurden beim Abfotografieren von Dokumenten genutzt – durch die Staatssicherheit der DDR. © Jan Dimog
Auf Klarheit.  Und Übersicht wurde wert gelegt. Insgesamt gibt es 14 Themenbereiche, z. B. die Welt der Geheimdienste, Doppelagenten und Geheimdienstaktionen.
Auf Klarheit Und Übersicht wurde wert gelegt. Insgesamt gibt es 14 Themenbereiche, z. B. die Welt der Geheimdienste, Doppelagenten und Geheimdienstaktionen. © Jan Dimog
Wanzen-Treter.  Schuhabsatz mit Wanze, (vermutlich) vom rumänischen Geheimdienst; späte 1960er-Jahre.
Wanzen-Treter Schuhabsatz mit Wanze, (vermutlich) vom rumänischen Geheimdienst; späte 1960er-Jahre. © Jan Dimog
Giftschrank.
Giftschrank © Jan Dimog
Maskenhaft.  Und aktuell. Das Museum spannt den Themenbogen von der Bibel bis zu den Hackern unserer Zeit.
Maskenhaft Und aktuell. Das Museum spannt den Themenbogen von der Bibel bis zu den Hackern unserer Zeit. © Jan Dimog
Bitte weiterhin lächeln.  Im Eingangsbereich. Dahinter befindet sich die ungeschickt platzierte Garderobe. Wer die nutzt, weiß wovon die Rede ist.
Bitte weiterhin lächeln Im Eingangsbereich. Dahinter befindet sich die ungeschickt platzierte Garderobe. Wer die nutzt, weiß wovon die Rede ist. © Jan Dimog

In dieser Grünanlage sprießt und gedeiht es. Passend zum althochdeutschen Verb gruoen, das "wachsen" bedeutete. Grün steht auch als Signalfarbe für das Positive oder Ordnende: siehe grüne Welle oder die Grünphase im Straßenverkehr. Anders dagegen das Giftgrün. Oder grün vor Neid. Dass jemand gelb vor Neid wird, gibt es auch, wird hier aber vernachlässigt. Denn mit der grünen Bandbreite ist auch das inhaltlich-thematische Spektrum des neuen Spionagemuseums beschrieben. "Wo einst die Mauer die Stadt teilte, gibt das Deutsche Spionagemuseum (ehem. Spy Museum Berlin) einen einzigarten Einblick in das Schattenreich der Spionage", heißt es auf dem Flyer mit dem Titel "Hauptstadt der Spione". Und weiter: "Den Besuchern stehen modernste Technologien zur Seite, um die raffinierten und zum Teil skurrilen Methoden von Agenten und Geheimdiensten multimedial und interaktiv 'aufzudecken'. Eine packende Zeitreise von den biblischen Kundschaftern bis in die Gegenwarten und Zukunft auf 3.000 qm." Modern und multimedial ist es tatsächlich. An mehreren Wänden und in diversen Ecken flimmert und schimmert es, vieles kann mit fettigen Fingern angetouchscreened werden, an anderen Stellen wiederum kann man sich als Mission Impossibelchen am Laserparcour versuchen. Zumindest die Teenagerbesucher tun es lustvoll juchzend. Die anderen und Erwachsenen können sich an Chiffriermaschinen wagen. Oder sich mit Wissen und Anekdoten zuschütten, begleitet von reichhaltigem Anschauungsmaterial. Dort erkennt der Besucher, dass all die Mythen und Geschichten über diese 007-Schlapphüte tatsächlich wahr sind. Wanzen hier, Verrat und Doppelzüngigkeit dort und eine Menge Abstruses und Wunderliches. Oder wussten Sie, dass die Stasi die Körpergerüche von Dissidenten archivierte? Dass Technik, Chemie und Physik das Werkzeug der Späher und Spitzel war und ist, überrascht dagegen nicht. Schon erschreckender und gleichzeitig nicht neu sind die Täuschungsmanöver und Tricks, eingebettet in psychologische (Un)Menschlichkeiten mit dem Ziel, den anderen zu enttarnen und zu überführen. Insofern hat sich am Wirken und Tun des, laut Eigenaussage des Museums, "zweitältesten Metiers der Weltgeschichte" nichts geändert. Die Präsentation hingegen ist up to date bis hin zum Umgang und Missbrauch von Big Data. Hightech hin oder her: den nahen Potsdamer Platz, einer der Brennpunkte des Kalten Krieges, wird man danach ein wenig anders sehen. Fehlt nur noch der Nebel.

Von Jan Dimog Autor, Redakteur und (Foto)Journalist, veröffentlicht am .