Längenfeld. Blick auf die Aqua Dome-Therme
Längenfeld Blick auf die Aqua Dome-Therme © Aqua Dome
Aqua Dome. Die Becken in der Außen-Therme
Aqua Dome Die Becken in der Außen-Therme © Aqua Dome

Berge, Meere und Wüsten: die Natur dient Architekten, Designern und Künstlern oft als Vorlage für ihre Entwürfe, Kreationen und Werke. Ähnlich verhält es sich mit der alpinen Bergwelt des Ötztals. Muster und Formen, Härte und Harmonie der prächtigen Erhebungen und Senken sind abgewandelt und abstrahiert in zahlreiche Gebäude eingeflossen. Bei meiner ersten Reise vor einigen Jahren haben mich sowohl Eindrücklichkeit der Natur als auch das Design zeitgenössischer Bauten überrascht und überzeugt. Das Ziel dieser Reise war denn auch vor allem das: die Erkundung der zeitgenössischen Ötztal-Architektur in drei Teilen.
In diesem Teil geht es nach Längenfeld, Sölden und Obergurgl-Hochgurgl. Teil 2 thematisiert das Naturhotel Waldklause und in der letzten Geschichte fahren wir auf 2175 Meter Höhe zum Top Mountain Crosspoint des Tiroler Architekten Michael Brötz. Das Gebäude vereint Motorradmuseum, Gastronomie, Skilift- und Mautstation und ahmt in seiner gebauten Bewegung eine Schneeverwehung nach. Zum Stichwort Bewegung passt es, dass wir mit der Deutschen Bahn kooperiert haben und mit dem Zug angereist sind. Insofern schließt sich hier der Kreis, denn Nachhaltigkeit ist etwas, das uns im Ötztal immer wieder begegnen wird. Vor allem im wunderschönen und entrückten Naturhotel Waldklause in Längenfeld.

Naturhotel Waldklause.
Naturhotel Waldklause © Waldklause
Naturhotel Waldklause.
Naturhotel Waldklause © Waldklause
Naturhotel Waldklause.
Naturhotel Waldklause © Waldklause
Naturhotel Waldklause.
Naturhotel Waldklause © Hendrik Bohle
Naturhotel Waldklause.
Naturhotel Waldklause © Hendrik Bohle

Längenfeld

Das Wasser des nah gelegenen Bachs gluckst glücklich. Es wirbelt plätschernd am Viersterne-Superior-Naturhotel Waldklause entlang. Drumherum beeindruckt das Tiroler Berg-Wald-Panorama. Inmitten dieser Kulisse steht die 2004 eröffnete und vom Architekten Markus Kastl geplante Waldklause. Auftraggeber war die Familie Auer, die in Längenfeld bereits 1957 einen Campingplatz mit Restaurant betrieb. Nach dem Erfolg des 1994 eröffneten Restaurants Waldklause, kam 10 Jahre später das 55-Zimmer-Hotel dazu. Wir empfehlen unbedingt hier zu übernachten und wer das nicht macht, sollte wenigstens eine Mahlzeit einplanen, entweder das reichhaltige Frühstück oder das Abendmenü. Das Konzept der Ganzheitlichkeit und Nachhaltigkeit findet sich auch in der Tiroler Küche des Betriebs wieder. Mehr über die Waldklause im zweiten Teil unserer Ötztal-Serie.
Nur wenige Minuten Fußweg entfernt und ebenfalls 2004 eröffnet, ist der Aqua Dome, die größte Therme Tirols und ein führendes Wellnessresort Österreichs. Die gesamte Anlage erstreckt sich auf über 50000 Quadratmeter und trotz dieser Größe wirkt es angesichts der Bergkulisse nicht raumeinnehmend oder dominant, was auch an der aufgelockerten Aufteilung des Resorts liegt. Viersterne-Superior-Hotel und Therme stehen in einem parkähnlichen Gelände und sind sowohl ober- wie unterirdisch miteinander verbunden. Der Thermendom aus Stahl, Stein und Wasser und Herzstück der Anlage hat die Form eines gläsernen Kristalls und soll die umliegende Bergwelt spiegeln. Das eigentliche architektonische Markenzeichen des Resorts ist in der Freilufttherme: hier gruppieren sich drei runde Schalenbecken mit einem Durchmesser von 12 bis 16 Metern um den fast transparent wirkenden Glaskegel. Das Schweben ist hier architektonisches Programm und wer in den Becken liegt und auf das mächtige Bergpanorama blickt, weiß was „auf Wolke 7 schweben“ wirklich bedeutet. Wir empfehlen mindestens einen halben Tag für die Therme einzuplanen – nicht nur wegen der Größe und des vielfältigen Angebots. Auch Zeit und Muße sind Teil der Aqua Dome-Philosophie.
Geplant wurde die Therme 2001 von SPLUSN Schnögass + Nußbaumer Ziviltechniker GmbH aus Wien, Fertigstellung war im August 2004. Acht Jahre später folgte die Erweiterung des Hotels und des Spabereiches mit dem Spa 3000, das besonders eindrucksvoll gelungen ist. Die aus dreieckförmigen KLH-Platten geformte Konstruktion bildet eine Hülle mit Spitzen und Dreiecken. Die spitz zulaufenden, verglasten Gauben geben von innen nach außen den Blick frei auf die Bergwelt. Holzbauer & Partner und Wolfgang Vanek waren für die Erweiterung verantwortlich, das Innendesign übernahm der Klagenfurter Architekt Arkan Zeytinoglu mit seinem Team. Für die Hotellobby entwickelte das Büro ein Raum-in-Raum-Konzept, der Bereiche voneinander trennt, aber trotzdem für Semitransparenz sorgt. „Die Verbindung von Architektur und Musik ist wichtig für seine Architektur und prägt seine Konzeptionen“, heißt es auf der Website der Firma zur Biografie von Zeytinoglu. Die Beschreibung passt gut zum nächsten Ziel in Längenfeld. Denn umrahmt von der Polytechnischen Schule und der Landesmusikschule steht der Musikpavillon. Die auf Akustik spezialisierten Architekten von unizono GmbH setzten die Bergwelt en miniature in Längenfeld ein. Je nach Standpunkt zeigt der Pavillon Faltungen, Öffnungen und Einschnitte, ein in seiner kompakten Konzentration überzeugender Bau inmitten der Fachwerk- und Traditionsarchitektur im Ortskern.

Aqua Dome. Thermenresort
Aqua Dome Thermenresort © Hendrik Bohle
Aqua Dome. Spa 3000 mit den Spitzen als Erweiterung der Thermenanlage
Aqua Dome Spa 3000 mit den Spitzen als Erweiterung der Thermenanlage © Jan Dimog
Aqua Dome.
Aqua Dome © Hendrik Bohle
Aqua Dome. Der Blick vom Hotel auf die Thermenanlage
Aqua Dome Der Blick vom Hotel auf die Thermenanlage © Hendrik Bohle
Aqua Dome. Der Außenbereich
Aqua Dome Der Außenbereich "Talfrische" mit den charakteristischen Becken und dem Glaskegel © Hendrik Bohle
Aqua Dome. Im Eingangsbereich der Therme werden Werke einheimischer Künstler ausgestellt.
Aqua Dome Im Eingangsbereich der Therme werden Werke einheimischer Künstler ausgestellt. © Hendrik Bohle
Aqua Dome. Die Balkone der erweiterten Hotelanlage
Aqua Dome Die Balkone der erweiterten Hotelanlage © Jan Dimog
Natur, Berge, Himmel. Längenfelder Aussichten
Natur, Berge, Himmel Längenfelder Aussichten © Hendrik Bohle
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© Hendrik Bohle
Längenfelder Traditionsarchitektur.
Längenfelder Traditionsarchitektur © Hendrik Bohle
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© Hendrik Bohle
Musikpavillon. Von den unizono Architekten
Musikpavillon Von den unizono Architekten © Hendrik Bohle
Musikpavillon.
Musikpavillon © Hendrik Bohle
Musikpavillon.
Musikpavillon © Hendrik Bohle
Musikpavillon.
Musikpavillon © Hendrik Bohle
Musikpavillon.
Musikpavillon © Hendrik Bohle

Sölden

In Sölden hat unizono ebenfalls eine Akustikkonstruktion aufgestellt. Der 2014 eröffnete Pavillon mit der Membranbauweise zählt mit der Gaislachkoglbahn und dem spektakulären Ice Q zu den Vertretern feiner und cooler Alpinarchitektur. Ansonsten ist Sölden als Stätte des Skiweltcups, fantastischer Skigebiete und Après Ski-Ballermann bekannt und beliebt. Der Erfolg gibt Sölden Recht. Es wird gebaut und geklotzt, es entstehen Übernachtungsmöglichkeiten irgendwo zwischen Blockhaus-Romantik, amerikanischer Lodge-Anmutung und Protz-Design im aufdringlichen Solarium-Ambiente. Zwischendurch jedoch weiß dieser kleine, große Ort mit Bauten zu überraschen, wie mit der Friedhofserweiterung der Pfarrkirche Mariae Heimsuchung. Gemäß Tiroler Tradition schlug der Innsbrucker Architekt Raimund Rainer die Bebauung im Umfeld der Kirche vor. Ursprünglich hatte die Gemeinde die Nutzung eines gekauften Grundstücks für den neuen Friedhof geplant. Unter schwierigen konstruktiven und räumlichen Voraussetzungen setzte er die Erweiterung und den neuen Kirchvorplatz um und konnte zudem eine zweigeschossige Tiefgarage, ein Kleinkraftwerk und einen weiteren Bereich der nahen Schule integrieren. Wichtigstes Gestaltungselement ist die schräg gestellte Umfassungsmauer. Fertigstellung war 2009. Der neue Kirchvorplatz schafft es, modern und fast unsichtbar zu sein. Das muss eine Sichtbetonkonstruktion inmitten der Almhütten- und Traditionsarchitektur erst schaffen.
Nur wenige hundert Meter entfernt wurde bei der Gaislachkoglbahn dagegen ganz auf Sichtbarkeit gesetzt. Dass der 38 Millionen Euro teure Spektakel keine reine Showeinlage ist, zeigen die Zahlen. Der erste Abschnitt der aus zwei Sektionen bestehenden Bahn ist die (noch) leistungsstärkste Seilbahn der Welt: 3600 Personen pro Stunde können in knapp sieben Minuten in Gondeln für je acht Personen von 1363 auf 2174 Meter Höhe gebracht werden. Um zur Spitze auf 3040 Meter Höhe zu gelangen, steigt man in der Mittelstation um in die 28-Personen-Gondeln der 3-S-Bahn. 3S steht für die 3-Seil-Technik, bei der zwei Tragseile und ein Zugseil zum Einsatz kommen. Im Gespräch mit dem Betriebsleiter Michael Gritsch erläutert er die Feinheiten der Anlage. So ruhen die 3S-Bahn auf drei riesigen Stützen mit Abständen bis zu 1200 Meter. Noch nie wurde diese besonders sichere Seilbahnart in so großer Höhe errichtet. Wegen der extrem schwierigen Baubedingungen im Permafrostboden wurde mit einem computergesteuerten Hydrauliksystem eine Technik entwickelt, die Geländebewegungen unter dem Stationsfundament ausgleicht.
Zu diesen beeindruckenden Ingenieursleistungen passt die ästhetische Architektur des Innsbrucker Architekturbüros Johann Obermoser für die drei Stationen. Die elegant geschwungenen Stahlskelette sind von einer transparenten, reißfesten Kunststofffolie ummantelt und geben so ungewöhnliche Einblicke auf das Innenleben und die Struktur der kokonartigen Transparenz-Konstruktionen, inklusive Ausblicke auf die grandiose Bergwelt.

Almzeit. Auf der Mittelstation bei den Tiroler Stuben. Unsere Empfehlung für gute regionale Küche – oder auch einfach für guten Kaffee und Kuchen.
Almzeit Auf der Mittelstation bei den Tiroler Stuben. Unsere Empfehlung für gute regionale Küche – oder auch einfach für guten Kaffee und Kuchen. © Hendrik Bohle
Gaislachkoglbahn. Mittelstation
Gaislachkoglbahn Mittelstation © Hendrik Bohle
Gaislachkoglbahn.
Gaislachkoglbahn © Hendrik Bohle
Gaislachkoglbahn.
Gaislachkoglbahn © Ötztal Tourismus
Ice Q. Das Glas-Spektaktel-Restaurant auf 3000 Meter Höhe.
Ice Q Das Glas-Spektaktel-Restaurant auf 3000 Meter Höhe. © Ötztal Tourismus / Rudi Wyhlidal
Ice Q. Restaurant mit Panoramablick
Ice Q Restaurant mit Panoramablick © Ötztal Tourismus / Rudi Wyhlidal
Sölden.
Sölden © Hendrik Bohle
Sölden.
Sölden © Hendrik Bohle
Sölden.
Sölden © Jan Dimog
Musikpavillon.
Musikpavillon © Hendrik Bohle
Musikpavillon.
Musikpavillon © Jan Dimog
Pfarrkirche Mariae Heimsuchung.
Pfarrkirche Mariae Heimsuchung © Jan Dimog
Kirchvorplatz. Der Pfarrkirche
Kirchvorplatz Der Pfarrkirche © Jan Dimog

Obergurgl-Hochgurgl

Die gebaute Schneeverwehung steht auf 2175 Meter Höhe. Was in der Natur für große Schwierigkeiten und oft das Ende einer jeden Autofahrt bedeutet, ist hier die Krönung des Traums der Touristiker-Zwillinge Alban und Attila Scheiber. Das im April 2016 eröffnete und vom Tiroler Architekten Michael Brötz geplante Top Mountain Crosspoint vereint mehrere Funktionen und Räume in einer Formensprache, die Bewegung, Stärke und Naturbezug zugleich artikuliert. Mit dem Top Mountain Cross Motorcycle Museum hat es das höchstgelegene Motorradmuseum Europas (wunderbar in seinem Umfang konzentriert kuratiert). Gastronomie, Seilbahnhaltepunkt und Mautstation komplettieren die Verwehung. Mehr über das Top Mountain Crosspoint im dritten Teil unserer Ötztal-Serie.
Dass die Ötztaler die touristisch-architektonische Entwicklung ihrer Region vorantreiben, zeigt nicht nur der Crosspoint. Hinzu kommen kleine, feine Perlen wie Akustikarchitekturen und Sichtbetonlösungen. Sölden hat als Skihochburg des gesamten Tales sicherlich eine Sonderrolle. Der 3000-Einwohner-Ort zählt im Winter weit über 2 Millionen Übernachtungen und ist regelmäßig in den Top 3 der besucherstärksten Destinationen Österreichs. Solche Zahlen verlocken und verpflichten zugleich. Pünktlich zur Wintersaison 2016/17 errichten die Bergbahnen Sölden eine neue, topmoderne Zubringerbahn zum Giggijoch. Die neue 10er-Einseilumlaufbahn eröffnet mit einer Rekordförderleistung von 4.500 Personen pro Stunde eine neue Dimension in Sachen Kapazität, aber auch Komfort. Sie wird die Gaislachkoglbahn als leistungsstärkstes Transportmittel in die Höhen ablösen. Bei der Gestaltung der neuen Giggijochbahn ist das Innsbrucker Architektubüro Johann Obermoser verantwortlich. Wie beim Gaislachkogl kann man erwarten, dass auch beim neuen Projekt die Verbindung aus Technik, Ingenieurskunst und Architektur gelingen wird.
Für eine weiterhin perfekte, skitouristische Infrastruktur ist gesorgt, Prestigeprojekte festigen Söldens Ruf als unangefochtenes Besucherzentrum des Tals. Gleichzeitig profitieren die anderen Orte von dieser Stärke. Denn die Vielfalt ist das große Plus des Ötztals. Wer das aufgetakelte Après-Ski-Brimborium mag, weiß wohin es geht. Die sportlichen Besucher kennen ihre Ziele sowieso. Und wer einfach nur genießen, entspannen und seine Gedanken schweifen lassen möchte: der wird in einigen Gebäuden Muster und Formen, Härte und Harmonie der prächtigen Erhebungen und Senken wiedererkennen. Dazu muss man kein Architekt, Designer oder Künstler sein.

Top Mountain Crosspoint.
Top Mountain Crosspoint
Am Top Mountain Crosspoint.
Am Top Mountain Crosspoint © Hendrik Bohle
Top Mountain Crosspoint.
Top Mountain Crosspoint © Jan Dimog
Top Mountain Motorcycle Museum.
Top Mountain Motorcycle Museum © Jan Dimog
Top Mountain Motorcycle Museum.
Top Mountain Motorcycle Museum © Jan Dimog
Der Steg. Bei der Mautstation in Hochgurgl, noch auf Nordtiroler Seite, befindet sich
Der Steg Bei der Mautstation in Hochgurgl, noch auf Nordtiroler Seite, befindet sich "Der Steg". Hier gibt es Informationen zur Landschaft und zur Siedlungsgeschichte im hochalpinen Raum von Hochgurgl/Obergurgl. © Jan Dimog

Unsere Architekturreise wurde von Ötztal Tourismus, dem Naturhotel Waldklause und der DB unterstützt.

Von Jan Dimog Autor, Blogger und (Foto)Journalist, veröffentlicht am .