Odate Jukai Dome Park. Modell der Mehrzweckhalle von Toyo Ito, Fertigstellung 1997
Odate Jukai Dome Park Modell der Mehrzweckhalle von Toyo Ito, Fertigstellung 1997 © Architekturmuseum der Technischen Universität München
Bauen mit Holz. Ein Projekt des Architekturmuseums und der Professur für Entwerfen und Holzbau der Technischen Universität München mit einem klar strukturierten Ausstellungskonzept.
Bauen mit Holz Ein Projekt des Architekturmuseums und der Professur für Entwerfen und Holzbau der Technischen Universität München mit einem klar strukturierten Ausstellungskonzept. © Architekturmuseum der Technischen Universität München
Bauen mit Holz. Die Modelle sind die zentralen Elemente der Ausstellung.
Bauen mit Holz Die Modelle sind die zentralen Elemente der Ausstellung. © Architekturmuseum der Technischen Universität München
Bauen mit Holz. 52 ausgewählte internationale Beispiele wegweisender Holzarchitektur.
Bauen mit Holz 52 ausgewählte internationale Beispiele wegweisender Holzarchitektur. © Architekturmuseum der Technischen Universität München
Alpenhotel Ammerwald, Reutte. Das Architektenteam (Oskar Leo Kaufmann / Albert Rüf ZT GmbH, Dornbirn, Österreich) nahm die Vorfertigungsmethode aus der Automobilbranche zum Vorbild und kombinierte 2 Bauweisen: feuchteunempfindlicher Beton und Holz. Das Hotel ist vom Untergeschoss bis zum ersten Obergeschoss in Massivbauweise errichtet. Darauf stapelt sich der Zimmertrakt mit komplett vorgefertigten Raumzellen aus Holz weitere 3 Etagen hoch.
Alpenhotel Ammerwald, Reutte Das Architektenteam (Oskar Leo Kaufmann / Albert Rüf ZT GmbH, Dornbirn, Österreich) nahm die Vorfertigungsmethode aus der Automobilbranche zum Vorbild und kombinierte 2 Bauweisen: feuchteunempfindlicher Beton und Holz. Das Hotel ist vom Untergeschoss bis zum ersten Obergeschoss in Massivbauweise errichtet. Darauf stapelt sich der Zimmertrakt mit komplett vorgefertigten Raumzellen aus Holz weitere 3 Etagen hoch. © Architekturmuseum der Technischen Universität München
Gemeindezentrum Ludesch. Architekten Hermann Kaufmann ZT GmbH, Schwarzach, Österreich. Fertigstellung 2005
Gemeindezentrum Ludesch Architekten Hermann Kaufmann ZT GmbH, Schwarzach, Österreich. Fertigstellung 2005 © Bruno Klomfar
Illwerke Zentrum Montafon Vandas. Architekten Hermann Kaufmann ZT GmbH in Vandans, Österreich. Fertigstellung 2013.
Illwerke Zentrum Montafon Vandas Architekten Hermann Kaufmann ZT GmbH in Vandans, Österreich. Fertigstellung 2013. © Norman Radon
Wohnhaus Esmarchstrasse. Das siebengeschossige Holz-Mehrfamilienhaus im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg vereint aus Sicht des Brandschutzes hochleistungsfähige Erschließung mit der Forderung nach individuell gestaltbaren Grundrissen. Das offene Treppenhaus aus Stahlbeton ist von den Wohnungen abgerückt und bleibt dadurch im Brandfall rauchfrei. Für die Wohnungen ist so eine dritte Fassade entstanden. Von Kaden Klingbeil, Berlin. Fertigstellung 2008.
Wohnhaus Esmarchstrasse Das siebengeschossige Holz-Mehrfamilienhaus im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg vereint aus Sicht des Brandschutzes hochleistungsfähige Erschließung mit der Forderung nach individuell gestaltbaren Grundrissen. Das offene Treppenhaus aus Stahlbeton ist von den Wohnungen abgerückt und bleibt dadurch im Brandfall rauchfrei. Für die Wohnungen ist so eine dritte Fassade entstanden. Von Kaden Klingbeil, Berlin. Fertigstellung 2008. © Bernd Borchard
Elefantenhaus Zoo Zürich. Die 6800 Quadratmeter große Holzschale wölbt sich netzartig über dem Elefanteninnengehege. Die freitragende Schale hat 271 eingeschnittene Oberlichter. Von Markus Schietsch Architekten GmbH, Zürich. Fertigstellung 2004
Elefantenhaus Zoo Zürich Die 6800 Quadratmeter große Holzschale wölbt sich netzartig über dem Elefanteninnengehege. Die freitragende Schale hat 271 eingeschnittene Oberlichter. Von Markus Schietsch Architekten GmbH, Zürich. Fertigstellung 2004 © Andreas Buschmann

Starke Impulse für eine ressourcenschonendere Architektur

Dieser Geruch. Harzig, warm, aromatisch. Holz entfaltet bereits mit dem Duft eine Wirkung, die auf den ersten Geruch sehr präsent ist und danach noch lange bleibt. Wer dafür empfänglich ist, den wird Holz erden, beruhigen, entspannen. Für alle anderen ist der Baustoff ein wieder angesagtes Material. Eine erstaunliche Karriere und Wiederentdeckung angesichts der Klischees über Holz, einem vermeintlich gemütlichen, altmodischen Stoff, gut genug für die Ferienstimmung und wie gemacht für Tourismusarchitektur.
Der neuen Holz-Zeit widmet sich die Ausstellung "Bauen mit Holz – Wege in die Zukunft" im Martin-Gropius-Bau, die noch bis zum 15. Januar 2017 zu sehen ist. Gleich der Start der Ausstellung ist eine Einladung die Holzarchitektur unserer Zeit zu entdecken – in Form der kunstvoll inszenierten Holzmodelle. Die zentralen Elemente der Schau sind nicht nur Blickfänge, sondern auch State of the Art-Exemplare. Sie zeigen die heutigen Möglichkeiten des modernen Holzbaus, auch und vor allem im urbanen Kontext. Das Zusammenspiel mit den Projektbeschreibungen nebst großzügiger, klarer Bebilderung, Visualisierungen und Plandarstellung funktioniert gut. Unterteilt haben das die Kuratoren, der Professor für Architekturgeschichte an der TU München und Gründungsdirektor des NS-Dokumentationszentrums München Winfried Nerdinger und Hermann Kaufmann, Professor am Institut für Entwerfen und Bautechnik an der TU München, in insgesamt acht Räume:
1. Wald und Holz
2. Ökobilanzierung
3. Der andere Bauprozess
4. Die Tektonik der Holzarchitektur im digitalen Zeitalter
5. Holz im urbanen Kontext
6. Neues Bauen im Bestand
7. Neue Dimensionen
8. Vertrautes Material – Neue Ästhetik

Gerade die Möglichkeiten des Baustoffs werden detailliert und anschaulich aufgezeigt. Bautechnische Holzbau-Forschungen haben den Brand- und Lärmschutz verbessert und computergenierte Berechnungs- und Fertigungsmethoden ermöglichen völlig neue Formen der Gestaltung. Einer der ältesten Baustoffe der Menschheit präsentiert sich in einer Vielfalt, die starke Impulse für eine ressourcenschonendere Architektur setzt. Guten Schlagzeilen, gutem Image und technischen Quantensprüngen zum Trotz: "Ganz nüchtern betrachtet, ist die Holzbauquote in der Stadt nach wie vor marginal, und die wenigen realisierten Projekte verzerren durch ihre verdiente Publizität etwas das Bild."
Das konstatieren Kurator Hermann Kaufmann und Architekt David Wolfertstetter, um das Bild zugleich kenntnisreich zu ergänzen. Sie erwähnen den Holzreichtum in Europa, "der es theoretisch erlauben würde, sämtliche Bauten aus Holz zu bauen, ohne dass damit Raubbau an unseren Wäldern betrieben werden müsste." Sie führen das hohe Vorfertigungspotenzial des modernen Holzbaus an, der es ermögliche schnell, störungsarm und qualitativ hochwertig zu bauen. Ein wichtiger Faktor besonders im urbanen Bereich. Dass der Holzbau auch aus architektonischer Sicht überzeugen kann, ist aus ihrer Sicht eindeutig. Das tun sie in der Tat. Den Beweis liefert die Schau in den hohen Räumen des Martin-Gropius-Baus, die auf ihre Art wie ein Showroom des modernen Holzbaus funktioniert mit eleganter, kluger und zum Teil spektakulärer Holzarchitektur. Ebenso luftig, präzise und überzeugend ist die Kataloggestaltung gelungen, die das Konzept und den Inhalt der Ausstellung wiedergeben kann. Wem es möglich ist, sollte "Bauen mit Holz – Wege in die Zukunft" unbedingt in den Prachtsälen des Kunstgewerbemuseums erleben. Und den Holzduft tief inhalieren.

Baun mit Holz – Wege in die Zukunft. Herausgegeben von Hermann Kaufmann und Winfried Nerdinger in Zusammenarbeit mit Martin Kühfuss, David Wolfertstetter, Mirjana Grdanjski. Erschienen bei Prestel.
Baun mit Holz – Wege in die Zukunft Herausgegeben von Hermann Kaufmann und Winfried Nerdinger in Zusammenarbeit mit Martin Kühfuss, David Wolfertstetter, Mirjana Grdanjski. Erschienen bei Prestel.

Von Jan Dimog Autor, Blogger und Journalist, veröffentlicht am .