Amanda Levete. Die Architektin wurde 1955 in Bridgend, Wales, Großbritannien, geboren. Sie studierte an der Londoner Architectural Association School of Architecture und arbeitete nach ihrem Abschluss bei Architekten wie Alsop & Lyall und YRM Associates. 1989–2008 war sie Partnerin in dem von ihrem späteren Ehemann Jan Kaplický gegründeten Architekturbüro Future Systems. 2009 gründete sie ihre eigene Firma AL_A.
Amanda Levete Die Architektin wurde 1955 in Bridgend, Wales, Großbritannien, geboren. Sie studierte an der Londoner Architectural Association School of Architecture und arbeitete nach ihrem Abschluss bei Architekten wie Alsop & Lyall und YRM Associates. 1989–2008 war sie Partnerin in dem von ihrem späteren Ehemann Jan Kaplický gegründeten Architekturbüro Future Systems. 2009 gründete sie ihre eigene Firma AL_A. © Peter Guenzel
MAAT. Das 20 Millionen Euro-Museum wurde nach fünfjähriger Bauzeit im Oktober 2016 eröffnet. Die vollständige Eröffnung findet im März 2017 statt.
MAAT Das 20 Millionen Euro-Museum wurde nach fünfjähriger Bauzeit im Oktober 2016 eröffnet. Die vollständige Eröffnung findet im März 2017 statt. © Hendrik Bohle
MAAT.
MAAT "Ambition shapes our work. We are at our best with clients whose ambition reaches beyond physicality, functionality and budget; those who want to move the game on, to transform themselves and create significant and positive impact beyond the building, on the community and city context", die Selbstbeschreibung von AL_A klingt wie die Idee zur neuen Kunsthalle des MAAT-Komplexes in Lissabon. © Hendrik Bohle
MAAT. Auftraggeber war der portugiesische Energiekonzern Fundação Energias de
Portugal (EDP).
MAAT Auftraggeber war der portugiesische Energiekonzern Fundação Energias de Portugal (EDP). © Jan Dimog
MAAT. Die linear-organischen Formen des Projekts sind je nach Perspektive mal dramatisch ...
MAAT Die linear-organischen Formen des Projekts sind je nach Perspektive mal dramatisch ... © Hendrik Bohle
MAAT. ... mal kantig ...
MAAT ... mal kantig ... © Hendrik Bohle
MAAT. ... dann wieder schwungvoll ...
MAAT ... dann wieder schwungvoll ... © Hendrik Bohle
MAAT. ... und nie langweilig.
MAAT ... und nie langweilig. © Hendrik Bohle
MAAT. Bei unserem Besuch im Herbst 2016 gab es noch Feinschliffarbeiten für die Eröffnung im Frühjahr 2017.
MAAT Bei unserem Besuch im Herbst 2016 gab es noch Feinschliffarbeiten für die Eröffnung im Frühjahr 2017. © Hendrik Bohle
MAAT. Das Dach der Kunsthalle und die Brücke Ponte 25 de Abril.
MAAT Das Dach der Kunsthalle und die Brücke Ponte 25 de Abril. © Jan Dimog
MAAT. Das begehbare Dach der Kunsthalle mit drei Köpfen.
MAAT Das begehbare Dach der Kunsthalle mit drei Köpfen. © Jan Dimog
MAAT. Das Dach als Inszenierung und öffentlicher Platz.
MAAT Das Dach als Inszenierung und öffentlicher Platz. © Jan Dimog
MAAT. AL_A beschreibt es so:
MAAT AL_A beschreibt es so: "A new public space is formed on the roof of the building. By day, the roof is a place to meet, with views over the river and across to the old city. By night, it becomes an outdoor cinema framed by the romantic panorama of historic Lisbon." © Hendrik Bohle
MAAT. THE LINK-Autor Jan Dimog und das Treffen der Materialien und Formen der neuen Kunsthalle.
MAAT THE LINK-Autor Jan Dimog und das Treffen der Materialien und Formen der neuen Kunsthalle. © Hendrik Bohle
MAAT. Am Eröffnungswochenende im Oktober 2016 kamen mehrere zehntausend Besucher ...
MAAT Am Eröffnungswochenende im Oktober 2016 kamen mehrere zehntausend Besucher ... © MAAT
MAAT. ... und nahmen das Gebäude so ein wie von AL_A konzipiert ...
MAAT ... und nahmen das Gebäude so ein wie von AL_A konzipiert ... © MAAT
MAAT. ... ein Museum als öffentlicher Platz mit der fantastischen Stadt-Fluss-Kulisse von Lissabon.
MAAT ... ein Museum als öffentlicher Platz mit der fantastischen Stadt-Fluss-Kulisse von Lissabon. © Paulo Alexandrino

Blob? Auster? Welle? Für den eleganten Neubau des MAAT – Museu de Arte, Arquitetura e Tecnologia vom britischen Büro AV_A unter der Leitung der Architektin Amanda Levete gibt es viele Spitznamen. Wir hatten Gelegenheit wenige Wochen nach der Eröffnung den Bau von innen zu erkunden, darunter auch Räume und Säle, die noch dem Publikum noch nicht zugänglich waren.

MAAT. Im Eingangsbereich.
MAAT Im Eingangsbereich. © Jan Dimog
MAAT. Am Empfang im Innenraum.
MAAT Am Empfang im Innenraum. © Hendrik Bohle
MAAT. Gang im unterirdischen Bereich des Museums.
MAAT Gang im unterirdischen Bereich des Museums. © Jan Dimog
MAAT. Eins der Kennzeichen des Neubaus sind die dreidimensionalen Fliesen – eine Referenz an die Handwerkskunst Portugals.
MAAT Eins der Kennzeichen des Neubaus sind die dreidimensionalen Fliesen – eine Referenz an die Handwerkskunst Portugals. © Hendrik Bohle
MAAT. Die Fliesen reflektieren den Schimmer des Tejo und das Sonnenlicht.
MAAT Die Fliesen reflektieren den Schimmer des Tejo und das Sonnenlicht. © Jan Dimog
MAAT. Das dreidimensionale Fliesenkleid.
MAAT Das dreidimensionale Fliesenkleid. © Hendrik Bohle
MAAT. Die Plastizität der Fassade eröffnet spannende Formen- und Perspektivenspiele.
MAAT Die Plastizität der Fassade eröffnet spannende Formen- und Perspektivenspiele. © Hendrik Bohle
MAAT.
MAAT "It is the product of the relationship between context (river), circumstance (high tides) and building (museum). We make explicit the relationship between the building and the water, taking the steps down into the river which are immersed at high tide", so AL_A in einer weiteren Projektbeschreibung. © Hendrik Bohle
MAAT. Der Masterplan von AL_A mit der Umgebung des Projekts.
MAAT Der Masterplan von AL_A mit der Umgebung des Projekts. © AL_A
MAAT. Links im Hintergrund: das Tejo Central.
MAAT Links im Hintergrund: das Tejo Central. © Hendrik Bohle
MAAT. Das Industriedenkmal wird seit 2006 als Kulturzentrum und Museum genutzt.
MAAT Das Industriedenkmal wird seit 2006 als Kulturzentrum und Museum genutzt. © EDP Foundation
MAAT. Zusammen mit der neuen Kunsthalle bildet das Klinkergebäude den MAAT-Komplex.
MAAT Zusammen mit der neuen Kunsthalle bildet das Klinkergebäude den MAAT-Komplex. © Hendrik Bohle
MAAT. Das Areal war Teil der Architekturtriennale, die im Dezember 2016 zu Ende gegangen ist.
MAAT Das Areal war Teil der Architekturtriennale, die im Dezember 2016 zu Ende gegangen ist. © Hendrik Bohle

Weich und hart, lyrisch und straff zugleich wölbt sich der Neubau des Museu de Arte, Arquitetura e Tecnologia, kurz MAAT, entlang des Tejo. Für einen kurzen Moment scheint der Bau den Lebensfluss der portugiesischen Hauptstadt zu begleiten, nur um sich selbst genug zu sein. Eigenständig zu sein ohne das Singulär-Geprotze oder in eine deplacierte Peinlichkeitsfalle zu tappen, ist eine Leistung, die AV_A an dieser Stelle souverän und gekonnt gelungen ist. Auftraggeber war die private Kulturstiftung MAAT des Energiekonzerns Energias de Portugal, einer der größten Energieversorger Europas, der außerhalb seines Stammsitzes in Lissabon auch in Spanien, Frankreich, Polen und weiteren Ländern präsent ist. Zum Entwurfsprozess des Neubaus erklärt Amanda Levete im Gespräch mit der Zeitung fundação der Kulturstiftung, dass es zwei Hauptgedanken gab: die Verbindung und der öffentliche Platz. "Wir wollten den Komplex an das Flussufer anschließen und es gleichzeitig in einen öffentlichen Raum verwandeln, so dass hier die Menschen zusammenkommen und es in Besitz nehmen können."
Das tun sie enthusiastisch, erklärt Filipa Sanchez, die Pressesprecherin des MAAT. Zum Einweihungswochenende seien mehrere zehntausend Besucher gekommen. Die Lissabonner hätten den Neubau förmlich umarmt, so Sanchez, durch den sie uns führt. Auch an diesem herbstlich-diesigen Freitagnachmittag strömen viele MAATisten gen Muschel und Hai (weitere Assoziationen und Kosenamen). Zwischen vielbefahrener Avenida Brasilia und dem E-Werk "Tejo Central", dem alten Hauptgebäude des MAAT-Komplexes liegt und schwebt die "New Kunsthalle", so die offizielle Bezeichnung, als Geste und Einladung zugleich. Das Tejo Central ist als ziegelrotes Industriedenkmal ein kantiger Kontrast zum organischen Levete-Wesen. Zusammen formt das Ensemble nun das MAAT. Die neue Kunsthalle ist größtenteils unterhalb der Erde. Strahlend weiße und dreidimensionale Fliesen hüllen das Gebäude ein und sind eine Referenz an die portugiesische Handwerkstradition. Innen wie außen ist beinah jeder Bereich zugänglich. Alles ist im Fluss. Im Innenraum werden die Besucher förmlich in die Oval Gallery hineingezogen. Dort ist die interaktive Installation Pynchon Park der gefeierten französischen Künstlerin Dominique Gonzales-Foerster. Sanchez zeigt uns einzelne Ausstellungsräume und Säle, die erst im Frühjahr 2017 offiziell eröffnet werden. Auch hier im Kern bleibt der Eindruck eines in sich ruhenden Harmoniebaus, der innen das hält, was er außen verspricht. Fehlt nur noch der direkte Anschluss an die umliegenden Stadtquartiere, um den Komplex endgültig einzubinden. Aber daran wird gearbeitet. Der Woge fühlen sich viele Hauptstädter bereits jetzt verbunden.

"Wir wollten den Komplex an das Flussufer anschließen und es gleichzeitig in einen öffentlichen Raum verwandeln."

Amanda Levete, Architektin

Von Jan Dimog Autor, Blogger und (Foto)Journalist, veröffentlicht am .