Die Staus in Istanbul sind so berüchtigt wie die Parkplatznot. Stellplätze entstehen überall dort, wo Platz ist. Bis 2005 lag der hart umkämpfte Markt in den Händen der berüchtigten Istanbuler Parkmafia. Verzweifelte Autofahrer wurden gnadenlos abgezockt. Wer die überhöhten Preise nicht zahlen wollte, hatte bei seiner Rückkehr schnell ein paar kostspielige Kratzer im geliebten Lack. Seitdem die städtische Gesellschaft İspark einen Großteil des Parkraums bewirtschaftet, ist es mit dem forschen Vorgehen zwar vorbei, die Parkprobleme aber bleiben. Der Generaldirektor der Gesellschaft, Mehmet Çevik, schlägt nun vor, schwimmende Parkbuchten auf dem Wasser zu errichten. Man habe ja schließlich genug davon.

Etwas anders parken

Die Parkebene. In der Tiefgarage.
Die Parkebene In der Tiefgarage. © Şanal Mimarlık
Die Öffnung. Der Sishane Park von oben.
Die Öffnung Der Sishane Park von oben. © Şanal Mimarlık

Das junge türkisch–amerikanische Architekturstudio Şanal Mimarlık definiert das Parken etwas anders. Sie haben eine mehrgeschossige Tiefgarage für mehr als tausend Autos im Erdreich Galatas eingebettet. Darüber ist ein Stadtpark und grüner Treffpunkt entstanden. Der Şişhane Park wurde im Frühjahr 2014 als urbaner Treffpunkt für vielfältige, formelle und informelle Veranstaltungen eröffnet – Marktplatz, Freilichtbühne und direkter Metrozugang inklusive. Verschiedenartige Parklandschaften verlinken die umliegenden Stadtteile miteinander und machen die wechselnden Jahreszeiten erlebbar. Vom Schneegarten, dem Blütenpark oder den Sonnendecks blickt man über das Goldene Horn. Es sei denn, schwimmende Parkdecks verstellen die Sicht.

Der Platz. Marktplatz, Freilichtbühne und Treffpunkt.
Der Platz Marktplatz, Freilichtbühne und Treffpunkt. © Şanal Mimarlık
Die Tiefe. Unter dem Park stapeln sich die Ebenen der Tiefgarage.
Die Tiefe Unter dem Park stapeln sich die Ebenen der Tiefgarage. © Şanal Mimarlık
Die Rampe. Auffahrt mit Grünanlage.
Die Rampe Auffahrt mit Grünanlage. © Şanal Mimarlık

Von Hendrik Bohle Architekt, Autor und Stadtforscher, veröffentlicht am .