Ensemble. Die straßenabgewandte Seite des Bauhausgebäudes.
Ensemble Die straßenabgewandte Seite des Bauhausgebäudes. © Hendrik Bohle
Perspektiven. Die Balkone des Atelierhauses.
Perspektiven Die Balkone des Atelierhauses. © Hendrik Bohle
Bauhäusler. Architekt und Übernachtungsgast Hendrik Bohle im Atelierhaus.
Bauhäusler Architekt und Übernachtungsgast Hendrik Bohle im Atelierhaus. © Jan Dimog
Höhenunterschied. Wie für Bilder gemacht: Fotomotive vom rundlaufenden Balkon im obersten Stockwerk des Atelierhauses.
Höhenunterschied Wie für Bilder gemacht: Fotomotive vom rundlaufenden Balkon im obersten Stockwerk des Atelierhauses. © Hendrik Bohle
Farben. Ausstattung der Zimmer im Atelierhaus.
Farben Ausstattung der Zimmer im Atelierhaus. © Hendrik Bohle
Öffnungen. Ein Blick für Details.
Öffnungen Ein Blick für Details. © Hendrik Bohle
Konzentration. Ein Bett, eine Nachttischlampe, Decken und Kissen. Mehr ...
Konzentration Ein Bett, eine Nachttischlampe, Decken und Kissen. Mehr ... © Hendrik Bohle
Licht. ... braucht es nicht.
Licht ... braucht es nicht. © Hendrik Bohle
Ausblicke.
Ausblicke © Hendrik Bohle
Selfie.
Selfie © Jan Dimog
Monochrom.
Monochrom © Jan Dimog

Die Buchung

Das Wunschdatum per E-Mail geschickt und prompt eine Antwort im freundlich-knappen Ton erhalten. Mit in der Reservierungsbestätigung dabei: das PDF "Übernachten am Bauhaus" mit guten Hinweisen zur Schlafstätte, seiner Geschichte und zum Procedere. Bezahlt wird direkt vor Ort.

Das Check-in

Ebenfalls freundlich-knapp und ohne Umschweife findet die Anmeldung im Museumsshop statt. Wir erhalten Schlüssel und Flyer mit den Infos zum Atelierhaus und den Zimmern. Je nach Anreisezeit und Andrang dauert die Prozedur keine fünf Minuten.

Das Zimmer

Die ehemaligen Studentenzimmer in dem fünfstöckigen und damit höchsten Körper des Bauhausgebäudes wurden stilecht eingerichtet: minimalistisch und in einer studentischen Einfachheit. Einige Zimmer sind historisch rekonstruiert. Das Übernachten in einem Weltkulturerbe nimmt einer solchen Stätte das Historisch-Museale. Natürlich ist der Respekt groß, schließlich haben hier die Studentinnen und Studenten gelebt, geschlafen und gefeiert, die das Bauhaus mit berühmt gemacht haben. Gleichzeitig scheint der Bauhaus-Geist auch im 21. Jahrhundert weiterzuleben, vor allem durch die Tatsache hier eine Nacht verbringen zu können.

Die Architektur

Das Bauhaus wurde am 1. April 1919 von Walter Gropius (1883–1969) in Weimar gegründet, wo es knapp sechs Jahre blieb. Dann kam der Haushaltsausschuss im Thüringer Landtag, der 1924 die finanzielle Förderung der Schule ablehnte. Das Bauhaus musste geschlossen werden, ein neuer Standort wurde gesucht. Die aufstrebende Industriestadt Dessau bewarb sich um die Übernahme der Institution, wo am 1. April 1925 schließlich der Lehrbetrieb startete. Gropius baute in nur anderthalb Jahre die Meisterhaussiedlung und das Bauhausgebäude. Die drei Funktionsbereiche Werkstatt, Verwaltung und Schule sind rational und funktional getrennt in Einzelbaukörpern und gehen doch ineinander über. Alle Gebäudeteile sind aus einem Skelett aus Stahlbeton erbaut.

Das Ambiente

Für alle Hotel-verwöhnten Reisenden: "Die Gegebenheiten der Sanitäranlagen sind mit Gemeinschaftsdusche und Etagen-WC noch wie zu Bauhauszeiten", so das "Übernachten am Bauhaus"-PDF. Zur Ausstattung der Zimmer heißt es:
"Handtücher, Bettwäsche und Wolldecken. Waschbecken (kein Fön). Im Übernachtungspreis ist kein Frühstück inbegriffen. Kostenfreier Besucherparkplatz und Fahrradgarage vorhanden. Kinderreisebetten und Klappbetten für Kinder und Jugendliche in begrenzter Zahl vorhanden. Nutzung einer Teeküche möglich. Nicht in der Ausstattung: Fernseher und Minibar. Kein Aufzug."
WLAN gibt es auch nicht, dafür andere Gäste, die zu Hause wahrscheinlich ebenso lustvoll mit den Türen knallen wie hier. Bei den Etagen-WCs ist es so wie beim Solidaritätsmoralspruch "Verlassen Sie diese Toilette so, wie Sie sie vorfinden möchten": die meisten wünschen es sich so, doch einige verstehen nicht, dass es an jedem einzelnen liegt.
Wer eine Nacht auf den üblichen Hotelkomfort verzichten und mit türknallenden Mit-Bauhäuslern und einer bedenklichen Toilettenuntugend leben kann, wird dafür mit dem Geist des Atelierhauses belohnt. Und dieser Charakter ist von Hellhörigkeit der Korridore und Helligkeit der Zimmer, von Reduktion und Reinheit geprägt.

Von Jan Dimog Autor, Blogger und (Foto)Journalist, veröffentlicht am .