"Die Altstadt von Regensburg ist ein herausragendes Beispiel für eine binneneuropäische mittelalterliche Handelsstadt, deren historische Entwicklungsstufen gut erhalten sind. Vor allem die Entwicklung des Handels vom 11. bis zum 14. Jahrhundert wird dadurch außergewöhnlich gut veranschaulicht."

UNESCO Welterbe-Komitee, 2006

Die Pforte als Zeitmaschine: Altstadt Regensburg mit Stadtamhof

Mailand, Moskau und das Marmara-Meer in der Oberpfalz? Wenn die altehrwürdigen Gemäuer reden könnten, würden sie von diesen und anderen fernen Ländern und Orten flüstern. Sie würden von Kaufleuten aus Böhmen berichten, von Emporkömmlingen und Emissären, von mächtigen Geistlichen und politischen Gnomen, von Tragik und Triumpfen der Thurn und Taxis und immer wieder: von den Gewässern, dem langgezogenen Tal und seinen fruchtbaren Ebenen, den sanften Landschaftsschwüngen. Kurz, die Steine würden schwärmen und felsenfest behaupten: Regensburg, die schönste, kleinste Großstadt, in der ich überhaupt landen konnte.
Für Reisende des 21. Jahrhunderts ist die Ankunft in der Romanik- und Gotik-Stadt zunächst unspektakulär. Wer mit der Bahn anreist, wird erst entlang viel befahrenen Wegen und westdeutsch-typischen Einkaufsstraßen stückweise in den städtischen Schatz geführt. Wer als Motorisierter aus dem Norden kommend über die Nibelungen- oder die Eiserne Brücke fährt, ahnt bereits wie wichtig die Wasserwege für den Wohlstand waren. Die Stadt liegt am nördlichsten Punkt der Donau und an den Mündungen der Nebenflüsse Naab und Regen. Mehrere Naturräume in Form von Höhen, Hügeln und Ebenen prägen Stadt und Umgebung zu einer so genannten Pfortenlandschaft.
Wir reisen zum Kern dieses Portals, zurück in die Geschichte. Hier sind Autos, Motorroller und Smartphone-Menschen nur Staffage. Der Star ist die "Altstadt Regensburg mit Stadtamhof".

"Regensburg war ein wichtiger Umschlagplatz auf den kontinentalen Handelsrouten nach Italien, Böhmen, Russland und Byzanz. Zudem hatte die Stadt vielfältige Verbindungen zu den interkontinentalen Seidenstraßen. Dies ermöglichte einen wichtigen Austausch kultureller und architektonischer Einflüsse, die das Stadtbild bis heute prägen."

UNESCO Welterbe-Komitee, 2006

Das Mediterrane wie das Osteuropäische scheint man in dem Ensemble tatsächlich zu spüren und wer das nicht tut: an der Internationalität des Stadtbildes und der zahlreichen Besucher*innen kommt man nicht vorbei. Bemerkenswert: die vielen Cafés, Bars und Restaurants, Fachgeschäfte und feine Boutiquehotels, dicke Mauern und enge Gassen und immer wieder: die Donau. Hinzu kommt eine Jugendlichkeit, die ich einer über 1.800 Jahre alten Donaudame nicht zugetraut hätte. Aber das 179 n. Chr. gegründete römische Legionslager Castra Regina (Lager am Regen) hat sich ab 1100 nicht nur zu einer blühenden Handelsmetropole entwickelt, sondern war auch lange politisches und diplomatisches Zentrum des Heiligen Römischen Reichs. So ein bewegtes Stadtleben hält zwar frisch, vor allem aber sind es heute die über 31.000 Studierenden, die das Erscheinungsbild der Gassen und Plätze der 160.000–Einwohner-Stadt so jugendlich macht.
Die Stadt hat insgesamt über 1.500 denkmalgeschützte Gebäude, davon sind fast 1.000 im historischen Kern des Ensembles. Neben der studentischen Frische kommt die Verknüpfung der historischen Bausubstanz mit heutigem Handel. Es gibt über 400 Einzelhandelsbetriebe der insgesamt 600 Geschäfte mit innovativen, traditionellen oder einzigartigen Konzepten, seien es Hutmacher, Papeterien, Spielzeug- oder Schuhhersteller. Jahrhundertealte Kreuzrippengewölbe und Bogengänge auf diese Weise zu nutzen, macht Regensburg nicht nur zur größten mittelalterlichen Stadtanlage nördlich der Alpen, sondern auch zu einem sehr lebendigen und real gewordenen Kunstgeschichtsplatz, zu einem Anschauungsbeispiel für romanische und gotische Architektur – wie Bern, dem es als UNESCO-Welterbestätte ähnlich gelungen ist die Jetztzeit mit seiner mittelalterlichen Struktur zu verbinden.

Stein.  Dom, ehem. städtischer Salzstadel (Salzlager) und die Steinerne Brücke im Dreiklang.
Stein Dom, ehem. städtischer Salzstadel (Salzlager) und die Steinerne Brücke im Dreiklang. © Jan Dimog
Blick.  auf die Mittlere Altstadt mit dem, was man an Sonnentagen an der Uferkante macht: die Seele (und Beine baumeln) lassen.
Blick auf die Mittlere Altstadt mit dem, was man an Sonnentagen an der Uferkante macht: die Seele (und Beine baumeln) lassen. © Jan Dimog
Kennzeichen.  vieler Dächer in der Altstadt sind die Schleppgauben.
Kennzeichen vieler Dächer in der Altstadt sind die Schleppgauben. © Jan Dimog
Aussicht.  vom "Am Beschlächt" auf der Unteren Wöhrd.
Aussicht vom "Am Beschlächt" auf der Unteren Wöhrd. © Hendrik Bohle
Donauinsel.  Die Untere Wöhrd (früher "Unteres Wehr") ist eine Donauer Flussinsel. Die Insel ist die östliche der beiden Donau-Inseln in Regensburg.
Donauinsel Die Untere Wöhrd (früher "Unteres Wehr") ist eine Donauer Flussinsel. Die Insel ist die östliche der beiden Donau-Inseln in Regensburg. © Hendrik Bohle
Horizonte.  Stadt und Elemente
Horizonte Stadt und Elemente © Hendrik Bohle
Brücke.  Die Steinerne Brücke (Bauzeit 1135–1146) im romanischen Stil, dahinter der Salzstadel und das Stadttor.
Brücke Die Steinerne Brücke (Bauzeit 1135–1146) im romanischen Stil, dahinter der Salzstadel und das Stadttor. © Hendrik Bohle
Welterbe.  Besucherzentrum mit interaktiven Spielstationen, Medieninstallationen und Exponaten zu Regensburg und seiner Geschichte. Ausstellungsarchitektur und Konzeption u. a. von a-u-r-a-architekten aus Ulm
Welterbe Besucherzentrum mit interaktiven Spielstationen, Medieninstallationen und Exponaten zu Regensburg und seiner Geschichte. Ausstellungsarchitektur und Konzeption u. a. von a-u-r-a-architekten aus Ulm © Jan Dimog
Salz.  Der Salzstadel mit dem abgewalmten Satteldach und fünf Speichergeschossen aus dem 17. Jahrhundert. 
1991 wurde der Stadel von Grund auf saniert.
Salz Der Salzstadel mit dem abgewalmten Satteldach und fünf Speichergeschossen aus dem 17. Jahrhundert. 1991 wurde der Stadel von Grund auf saniert. © Jan Dimog
Bogen.  Die Steinerne Brücke ist mit dem Dom das bedeutendste Wahrzeichen der Stadt. Sie ist die älteste erhaltene Brücke Deutschlands.
Bogen Die Steinerne Brücke ist mit dem Dom das bedeutendste Wahrzeichen der Stadt. Sie ist die älteste erhaltene Brücke Deutschlands. © Hendrik Bohle
Dreiklang.
Dreiklang © Jan Dimog
Pracht.  Manche Städte müssen sich mit ihrem Canaletto-Blick aufblähen. Regensburg braucht das nicht.
Pracht Manche Städte müssen sich mit ihrem Canaletto-Blick aufblähen. Regensburg braucht das nicht. © Hendrik Bohle

"Entwerfen bedeutet Suchen, Lösungen sind immer Zwischenschritte. Diese Arbeitsweise wird von unseren Bauherren, kooperierenden Fachleuten und Mitarbeitern nicht nur geschätzt sondern eingefordert. Als exemplarische Beispiele für diese Vorgehensweise können die Kirchen St. Franziskus, Regensburg (2004) und St. Marien in Schillig (2012) verstanden werden ..."

Königs Architekten

Aufbruch mit dem Alten: Dom St. Peter und moderner Sakralbau

Das gesamte Welterbe-Ensemble erstreckt sich auf über 183 Hektar. Das entspricht der Ausdehnung der Stadt um 1320. Die dichte Bebauung der Altstadt stammt aus dem 12.–14. Jahrhundert. Charakteristisch für die Romanik sind Chorumgänge der Kirchen mit Reliquien, wuchtigen Mauern und massiven Steingewölben auf mächtigen Säulen. Unter Einfluss islamischer und christlicher Bautraditionen übernahmen die Baumeister, die oft auch Maurer waren, einige Formen aus dem Römischen Reich und entwickelten diese mit Blendarkaden, Steinmetzarbeiten und kraftvoller Größe zu einer wehrhaft-selbstbewussten Architektur weiter. Nach dem eher Düsteren und Strengen der Romanik kam das Helle und Luftige der Gotik. Und das Göttliche. Denn um eben diesem Überwesen näher zu sein, baute man die höchsten Gewölbe und Türme, die damals technisch möglich waren. Der Strebebogen ist das Herzstück der Gotik. Mit ihrer Hilfe konnte man die Wände der Kathedralen entlasten und Gewicht auf weit abgespreizte Strebewerke ableiten. Ein weiteres wichtiges Kennzeichen: die Figuren und Formen über den Kirchenschiffen und an den Außenmauern.
Am Dom St. Peter sind es Löwen, Affen, Dämonen, Heilige und eine Sonnenuhr. Die 105 Meter hohe Kirche ist ein Hauptwerk der gotischen Architektur in Süddeutschland und hatte mehrere Vorgängerbauten. Vermutlich begann der Bau nach 1260. 1520 gab es den ersten Abschluss. 1872 folgte der Ausbau der Turmhelme der Querhausgiebel. Die letzte Renovierung des Innenraums gab es von 1985–1988. Der Dom ist in den Sommermonaten ab 6.30 Uhr geöffnet. Ich empfehle den Besuch in den frühen Morgenstunden. Nur Wenige sind dann in der 86 Meter langen Kirche und man hat das Licht der Buntglasfenster und die Ausdruckskraft der Plastiken fast für sich allein. Bis dann wahlweise eine Gruppe sportlicher Silver Surfer in Radlermontur oder eine Selfie-Schülerhorde in das Langhaus einfällt. Während der Dom als Gotik-Solitär im Zentrum ruht, gibt es außerhalb der Stadt zwei Sakralbauten, die nach dem Motto "Modern, ohne neumodisch zu sein" entstanden und ausgerichtet sind.
Die Kirchen St. Peter und St. Franziskus sind 2003 bzw. 2004 fertiggesellt worden und etwa 20 Autofahrminuten von der Stadtmitte entfernt. Für beide Gebäude haben die Architekten Formen und Räume geschaffen, die zu den Anforderungen ihrer wachsenden Gemeinden passen und Lösungen gefunden, die unserer Zeit entsprechen ohne Tradition und Umgebung zu negieren.
Das Kölner Büro Königs Architekten realisierte für 5,8 Millionen Euro das katholische Pfarrzentrum St. Franziskus mit Turm, Pfarrheim und Pfarrhaus. Während die Kirche als weißer Klotz daher kommt, überrascht das Innere mit Bewegung und Spannung. Die kastenförmige Zurückhaltung des Äußeren löst sich hier mit einer freien Geometrie des Grundrisses und der ovalen Decke auf: kraftvoll, sinnlich, gelassen.
Für die Pfarrei St. Peter in Wenzenbach bei Regensburg wählten die Brüder Christian und Peter von Brückner & Brückner Architekten das Motiv der Seefahrt. Der schiffsförmige Grundriss verweist auf den Kirchenpatron. Der Heilige Petrus war ein Fischer und von Jesus zum Menschenfischer erkoren worden. Wie ein Schiffsrumpf ragt der Erweiterungsbau aus der alten Kirche hervor. Der Aufbruch kann nicht ohne das Alte stattfinden. Die Westseite des Altbaus und die gesamte Erweiterung sind mit 15 Meter hohen Holzlamellen verkleidet. Die Integration des Alten im Neuen zeichnet die Arbeiten von Brückner & Brückner aus Tirschenreuth und Würzburg aus, so auch die preisgekrönte Umgestaltung des Würzburger Hafenspeichers (1999–2002) zum Museum und Veranstaltungszentrum "Kulturspeicher".

Hauptwerk.  Bedeutendste Kirche der Stadt und Kathedrale des Bistums Regensburg.
Hauptwerk Bedeutendste Kirche der Stadt und Kathedrale des Bistums Regensburg. © Jan Dimog
Bedeutung.  St. Peter gilt als Hauptwerk der gotischen Architektur in Süddeutschland und ist das einzige Beispiel französischer Kathedralgotik östlich des Rheins.
Bedeutung St. Peter gilt als Hauptwerk der gotischen Architektur in Süddeutschland und ist das einzige Beispiel französischer Kathedralgotik östlich des Rheins. © Jan Dimog
Hochgotik.  Baubeginn um 1273, Neuplanung um 1285 im Stil der Hochgotik, Abschluss um 1520.
Hochgotik Baubeginn um 1273, Neuplanung um 1285 im Stil der Hochgotik, Abschluss um 1520. © Hendrik Bohle
Kreuzrippengewölbe.
Kreuzrippengewölbe © Jan Dimog
Innenraum.
Innenraum © Jan Dimog
Kunstzentrum.  Kostbare Kruzifixe, Monstranzen, Kelche und Bischofsstäbe bezeugen, dass Regensburg bis ins 18. Jahrhundert hinein ein herausragendes Zentrum der Goldschmiedekunst war.
Kunstzentrum Kostbare Kruzifixe, Monstranzen, Kelche und Bischofsstäbe bezeugen, dass Regensburg bis ins 18. Jahrhundert hinein ein herausragendes Zentrum der Goldschmiedekunst war. © Hendrik Bohle
Klarheit.  St. Franziskus in Burgweinting
Klarheit St. Franziskus in Burgweinting © Jan Dimog
Zurückhaltung.  Entworfen von Königs Architekten
Zurückhaltung Entworfen von Königs Architekten © Jan Dimog
Fernsicht.  Der Turm, ebenfalls von Königs Architekten geplant.
Fernsicht Der Turm, ebenfalls von Königs Architekten geplant. © Jan Dimog
Überraschung.  Klotz außen, Schwung innen.
Überraschung Klotz außen, Schwung innen. © Jan Dimog
Kontrast.
Kontrast © Jan Dimog
Geometrie.  "Die Raumgeometrie erzeugt bewußt eine spannungsvolle Ambivalenz zwischen ...
Geometrie "Die Raumgeometrie erzeugt bewußt eine spannungsvolle Ambivalenz zwischen ... © Jan Dimog
Ausrichtung.  ... Längsausrichtung (Wegkirche) und Zentrierung (Raumkirche)", so die Architekten.
Ausrichtung ... Längsausrichtung (Wegkirche) und Zentrierung (Raumkirche)", so die Architekten. © Jan Dimog
Offenheit.  Das Eingangsportal besteht aus einem mit Kupferblech belegten Drehflügel. Dieser, so die Planer, sollte ständig offen stehen.
Offenheit Das Eingangsportal besteht aus einem mit Kupferblech belegten Drehflügel. Dieser, so die Planer, sollte ständig offen stehen. © Jan Dimog
Schiff.  Pfarrei St. Peter in Wenzenbach bei Regensburg.
Schiff Pfarrei St. Peter in Wenzenbach bei Regensburg. © Jan Dimog
Erweiterung.  Die bestehende Kirche wurde in Form eines elliptisch geformten Erweiterungsbaus vergrößert, geplant von Brückner & Brückner Architekten.
Erweiterung Die bestehende Kirche wurde in Form eines elliptisch geformten Erweiterungsbaus vergrößert, geplant von Brückner & Brückner Architekten. © Hendrik Bohle
Mauer.  Der Erweiterungsbau ist eine Konstruktion aus Eisenträgern und Glas auf einem gemauerten Sockel.
Mauer Der Erweiterungsbau ist eine Konstruktion aus Eisenträgern und Glas auf einem gemauerten Sockel. © Hendrik Bohle
Spitze.  Eine Schiffsform mit einem Bug, der spitz auf den neuen Altarraum zuläuft.
Spitze Eine Schiffsform mit einem Bug, der spitz auf den neuen Altarraum zuläuft. © Hendrik Bohle
Aufbruch.  Im neuen, in stimmungsvolles Blau getauchten Innenraum hat der Künstler Helmut Langhammer ein goldglänzendes Segel aufgespannt.
Aufbruch Im neuen, in stimmungsvolles Blau getauchten Innenraum hat der Künstler Helmut Langhammer ein goldglänzendes Segel aufgespannt. © Jan Dimog
Symbol.  Die liturgische Raumgestaltung ist vom Motiv des Schiffs durchdrungen.
Symbol Die liturgische Raumgestaltung ist vom Motiv des Schiffs durchdrungen. © Jan Dimog

"Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt, fährt durch das Meer der Zeit ..."

Kirchenlied

Reichtum und Redewendungen: document Reichstag und Schloss Emmeram

Religion und Handel sind Teil der Regensburger DNS wie Politik und Monarchie bzw. die Mischung aus diesen Elementen, beispielhaft am document Reichstag und dem Schloss St. Emmeram zu sehen. Beides Orte mit großer Geschichte. Im Alten Rathaus tagte von 1663–1806 der "Immerwährende Reichstag". Regensburg war fast 150 Jahre die Bühne der deutschen und internationalen Politik. Die Besprechungs- und Versammlungsräume sind weitgehend im Original erhalten. Dass Holz wie Stein ebenso geschichtsträchtig sein kann, zeigt sich an den Verzierungen und Furnieren. Tanne, Kiefer und Esche wurden in den Räumen und Sälen verbaut. Wenn Holz reden könnte, würden sie von Intrigen und Machtkämpfen, von ihren Ursprüngen in Ungarn wie der pfälzischen Region berichten. Der beeindruckendste Raum ist der Reichssaal. Der 22,5 Meter lange und 15 Meter breite Raum ist säulenfrei. Die verstärkte Holzdecke ist freihängend und gibt dem Raum mit der Dekorationsmalerei des 16. Jahrhunderts und dem Kaiserthron eine lichte Großzügigkeit. Auf diese baukonstruktive Weise verstärkt der Saal seine Wirkung. Die Architektur unterstreicht die Bedeutung. Hier kamen die höchsten Vertreter des Reichs zusammen: die Kur- und Reichsfürsten und Reichsstände. Der Immerwährende Reichstag brachte der Stadt Renomee und uns alte Redewendungen, die nichts an Aktualität verloren haben.
Kaiser und Regenten warfen aus dem Erkerfenster des Rathauses Münzen auf das wartende Volk. Folglich heißt es seitdem: "Das Geld zum Fenster hinauswerfen".
"Etwas auf die lange Bank schieben" ist nicht nur ein altertümlicher Begriff für die heutige Prokrastination, sondern hatte seinen Ursprung von den langen Bänken, auf denen die Gesandten saßen und debattierten. Stichwort Diskussionen: da der runde Verhandlungstisch mit einem grünen Tuch bedeckt war, hieß es fortan: "Etwas am grünen Tisch entscheiden". Und da sich Katholiken und Protestanten damals nicht immer grün waren (nein, keine Schöpfung jener Zeit) und nicht nebeneinander sitzen wollten, erhielten die norddeutschen Protestanten einen eigenen Platz. Die Katholiken machten daraus den "Ketzertisch" aus dem der "Katzentisch" wurde.
Anderes aus der Ära des Immerwährenden Reichstag hat es ebenfalls in unsere Zeit geschafft, wenn auch aus anderen Gründen. Das kleine Kurfürstenzimmer (das natürlich nicht so klein ist) wird heute vom Standesamt als Trauungszimmer genutzt.

Bloß nicht "auf die lange Bank schieben", wenn man "das Geld zum Fenster hinauswirft."

Regensburger Redewendungen

A propos Regenten und Redewendungen: im Schloss St. Emmeram "ist alles in Butter" und "die Wände haben Ohren". Die zwei Formulierungen haben ihren Ursprung zwar nicht in Regensburg, waren für das Schloss aber sehr prägend. Wenn wertvolle Gläser aus Venetien nach Deutschland transportiert wurden, zerbrachen viele auf dem Weg. Die Lösung: Händler legten die teure Ware in Fässer und füllten diese mit heißer, flüssiger Butter auf. Nachdem die Butter sich abgekühlt hatte und fest geworden war, überstanden die Gläser den holprigen Kutschenweg. Und Katharina von Medici (1519–1589) ließ angeblich Horchkanäle in die Wände des Pariser Louvre einbauen, um ihre protestantischen Rivalen zu belauschen und um so die Informationen gegen ihre Gegner zu verwenden.
Warum das für das Schloss St. Emmeram wichtig ist? Weil sowohl die Butter für den Umzug der Familie von Thurn und Taxis aus Frankfurt am Main nach Regensburg als auch der Lauschangriff wichtige Themen waren. Seit 1812 ist der Gebäudekomplex des ehemaligen Reichsstifts St. Emmeram die Hauptresidenz der Fürsten von Thurn und Taxis. Bei der Führung durch das Schlossmuseum erfahre ich, dass die Kristalllüstern im Esszimmer eine Tonne wiegt und mittels sicherer Butterfahrt vom Main an die Donau gelangte. Dass die Dienerschaft durch enge Gänge in den Wänden gehen und kriechen musste, um den Herrschaften und feinen Damen den Anblick eben dieser arbeitenden Lakaien zu ersparen. Dass es meistens die Frauen des Clans waren, die für politisch-gesellschaftliches Gewicht sorgten (oder auch Skandale). Dass auch arrivierte Generalpostmeister der Kaiserlichen Reichspost und Prinzipalkommissare (Vertreter des Kaisers) beim Immerwährenden Reichstag nicht vor großen Umbrüchen gefeit waren und deshalb stark umdisponieren mussten (heute gilt die Familie nach dem Verlust der Postrechte als größter, privater Grundbesitzer Deutschlands).
Der Museumsbereich "Kreuzgang St. Emmeram" wiederum ist fern der höfisch-barocken Pracht der Adeligen. Mit der mittelalterlichen 1000-jährigen Mönchswelt des Benediktinerordens und der romanisch-gotischen Baugeschichte bildet er den asketischen Gegensatz zu den Prunk- und Repräsentationsräumen.

Parlament.  Das Alte Rathaus mit dem Reichstag. Als "document Reichstag" ist das Reichstagsmuseum eine Dauerausstellung, in deren Mittelpunkt die Bedeutung des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation für die deutsche und die europäische Geschichte steht.
Parlament Das Alte Rathaus mit dem Reichstag. Als "document Reichstag" ist das Reichstagsmuseum eine Dauerausstellung, in deren Mittelpunkt die Bedeutung des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation für die deutsche und die europäische Geschichte steht. © Jan Dimog
Bedeutung.  Der Reichssaal mit erhaltener Holzdecke, Dekorationsmalerei des 16. Jahrhunderts und Kaiserthron.
Bedeutung Der Reichssaal mit erhaltener Holzdecke, Dekorationsmalerei des 16. Jahrhunderts und Kaiserthron. © Jan Dimog
Macht.  Die freitragende, mächtige Holzdecke. Die vorher sporadisch und an wechselnden Orten tagenden Reichstage fanden ab 1594 immer in Regensburg und ab 1663 "immerwährend" im Reichssaal statt.
Macht Die freitragende, mächtige Holzdecke. Die vorher sporadisch und an wechselnden Orten tagenden Reichstage fanden ab 1594 immer in Regensburg und ab 1663 "immerwährend" im Reichssaal statt. © Jan Dimog
Gewölbe.  Im Alten Rathaus
Gewölbe Im Alten Rathaus © Jan Dimog
Holzgeschichte.  Esche aus Ungarn im kleinen Kurfürstensaal.
Holzgeschichte Esche aus Ungarn im kleinen Kurfürstensaal. © Jan Dimog
Entscheidung.  "Etwas am grünen Tisch entscheiden."
Entscheidung "Etwas am grünen Tisch entscheiden." © Jan Dimog
Umwandlung.  Seit 1812 ist das ehemalige Reichsstift und Benedektinerkloster St. Emmeram im Besitz des Fürstenhauses Thurn und Taxis.
Umwandlung Seit 1812 ist das ehemalige Reichsstift und Benedektinerkloster St. Emmeram im Besitz des Fürstenhauses Thurn und Taxis. © Hendrik Bohle
Großkomlex.  Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde der Komplex mit mehreren hundert Räumen zu einer Residenz ausgebaut. Sie zählt heute zu den größten privaten Schlössern in Europa.
Großkomlex Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde der Komplex mit mehreren hundert Räumen zu einer Residenz ausgebaut. Sie zählt heute zu den größten privaten Schlössern in Europa. © Hendrik Bohle
Pracht.  Benediktinerkloster St. Emmeram
Pracht Benediktinerkloster St. Emmeram © Hendrik Bohle
Barock.  Benediktinerkloster St. Emmeram. Von 1731-1733 erfolgte die Neuausgestaltung durch die Brüder Cosmas Damian und Egid Quirin Asam im Stil des Barocks.
Barock Benediktinerkloster St. Emmeram. Von 1731-1733 erfolgte die Neuausgestaltung durch die Brüder Cosmas Damian und Egid Quirin Asam im Stil des Barocks. © Hendrik Bohle

"Wo die Donau den nördlichsten Punkt ihres Laufes erreicht und die Vorberge des Bayerwaldes den Strom nach Südosten drängen, liegt Regensburg, die Römerstadt, älteste bayerische Hauptstadt, Reichsstadt. Der immer wieder zitierte Satz Goethes ' … die Gegend mußte eine Stadt hierherlokken", trifft die topographische und verkehrsgeographische Lage Regensburgs umfassend."

Karl Bauer (1922–2002), Hauptschulrektor, Regensburger Heimatforscher und Autor des Standardwerkes "Regensburg"

Museal und modern: KOG, Nachkriegsmoderne und Neues in der Altstadt

Vom Schlossmuseum zum größten Kunstmuseum im ostbayerischen Raum: das Kunstforum Ostdeutsche Galerie (KOG) zeigt Werke bildender Künstler*innen, die einen biografischen oder inhaltlichen Bezug zu den historischen deutschen Siedlungsgebieten in Mittel- und Südosteuropa haben. Ein Alleinstellungsmerkmal, denn keine andere Institution in Deutschland widmet sich diesem Thema. Das Museum mit insgesamt 2.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche ist in einem Gebäudeensemble im Stadtpark am westlichen Altstadtrand von Regensburg. Der Jugendstilbau (1910) wurden in den 1970ern großzügig erweitert. Auffällig: die Installation „Venceremos/Sale“ (2006) der tschechischen Künstlerin Magdalena Jetelová mit den vier roten Säulen des Eingangsportals.
Ebenso einzigartig wie die Ausrichtung des KOG wird das Museum der Bayerischen Geschichte. Im Auftrag des Freistaates Bayern soll das Projekt 2018 fertiggestellt werden. Es soll die Geschichte des modernen Bayern vom Königreich zum Freistaat mit Schwerpunkt auf der Verfassungs- und Demokratiegeschichte präsentieren. „Typisch bayerische“ Phänomene und Eigenarten wie Sprache, Brauchtum, Natur und Architektur werden in Kulturkabinetten gezeigt. Das Frankfurter Büro woerner traxler richter gewann den Wettbewerb, an dem sich über 250 Büros aus dem In- und Ausland beteiligt hatten. Im Konzept ist viel von Integration, Verbindung und Transparenz die Rede. Die Visualisierungen zeigen einen skulptural wirkenden Zurückhaltungsbau mit lamellenartigen Fassaden, der sich zu mehreren Seiten hin öffnet.

Weder bescheiden noch zahm erscheinen in der Innenstadt mehrere (post)moderne und zeitgenössische Bauten. Auch sie sind ein Spiegel der Ansprüche und Realitäten der jeweiligen Zeit, seien es die ausdrucksvollen 1960er- und 1970er-Jahre oder die hochwertige Behutsamkeit der neuen Architektur ab 2000.
Sehr auffällig und bei vielen Regensburgern unbeliebt und populär zugleich: das ehemalige Horten-Kaufhaus (heute Galeria Kaufhof), eine stark frequentierte Einkaufshochburg, das mit seiner abstrakt-wehrhaft wirkenden Gestaltung tatsächlich etwas Burgartiges hat. Für den Neubau des Komplexes ab 1972 wurden mehrere historische Häuser abgerissen und Plätze überbaut.
Gegenüber der Kaufhofbastion erhebt sich auf dem St. Kassiansplatz das 2000 fertig gestellte und von MGF Architekten GmbH Stuttgart entworfene Textilkaufhaus auf drei Ebenen. In seiner Gleichförmigkeit ist er vor allem mit dem Natursteinmauerwerk deutlich zurückgenommener als das Kaufhaus gegenüber, aber keineswegs gemäßigter. Dafür sind Klarheit und Kante zu expressiv.
Ausdrucksstark ist auch der Schreiner Store in der Schwarze-Bären-Straße. Gegründet 1874 ist das Traditionshaus eins der ältesten Unternehmen der Stadt und hat mit der Beton-Ohren-Fassade eine auffällige Stätte, entworfen von Karl Schmid.
Das „Parkhaus Petersweg“ vom Regensburger Büro dp architekten ist ein Neubau, der ein baufälliges Parkhaus ersetzt hat. Damit der Neubau als Gesamtwerk und nicht als Anlage mit 14 Einzelgebäuden wirkt, wählten die Planer mit einem witterungsbeständigen Dolomit einen Naturstein aus der der südlichen Frankenalb. Die offenen Fugen dienen der Durchlüftung des Parkhauses.
Diese Beispiele zeigen, dass Regensburg nicht den Weg der historisierenden und auf alt getrimmten Architektur nimmt. Auf die kleinteilige, mittelalterliche Stadtanlage sollte selbstverständlich Rücksicht genommen werden und ist sicherlich eine der Stärken des Zentrums. Große Teile der mittelalterlichen Anlage sind in außergewöhnlicher Geschlossenheit geblieben, bedingt durch den Niedergang der Handelsstadt im Spätmittelalter als kaum noch gebaut wurde. Hinzu kommt, dass Regensburg sowohl während des Zweiten Weltkriegs von Bombenangriffen als auch in den Wirtschaftswunderjahren der BRD von einer Tabula rasa-Stadtplanung verschont blieb. Während anderswo für autogerechte Betoncities großzügig abgerissen wurde, blieb in Regensburg alles beim Alten. Heute besitzt die Stadt den größten zusammenhängenden Bestand an romanischer und gotischer Architektur nördlich der Alpen. Etwa 12.000 Menschen leben und arbeiten in der Kernzone des Welterbes – ein vitaler Raum, der zeigt, dass diese Altstadt kein Open Air-Museum voll mit alten Steinen, Hölzern und noch älteren Geschichten ist. Für den Erhalt und die zeitgemäße Weiterentwicklung dieses Areals ist Augenmaß, Rücksichtnahme und Offenheit nötig. Auch mit Museumsneubauten. Womit wir wieder bei der Schweizer Hauptstadt Bern sind, dem die Neu-trifft-Alt-Verbindung auch gelungen ist. Wenn man die Steine fragen würde, wären Ziel und Antwort klar: haltet die wundersamen Geschichten von Italien, Böhmen, Russland und Byzanz in Ehren. Und baut schöne neue Architektur, die passt und gleichzeitig das 21. Jahrhundert repräsentiert.

Farbe.  Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie verwahrt, erforscht und vermittelt die Kunst und Kultur der deutschen Bevölkerungsgruppen in Mittel-, Ost- und Südosteuropa vor dem Zweiten Weltkrieg und deren künstlerisches Erbe.
Farbe Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie verwahrt, erforscht und vermittelt die Kunst und Kultur der deutschen Bevölkerungsgruppen in Mittel-, Ost- und Südosteuropa vor dem Zweiten Weltkrieg und deren künstlerisches Erbe. © Jan Dimog
Installation.  der tschechischen Künstlerin Magdalena Jetelová "Venceremos/Sale" von 2006 prägt mit den vier roten Säulen das Eingangsportal des Museums.
Installation der tschechischen Künstlerin Magdalena Jetelová "Venceremos/Sale" von 2006 prägt mit den vier roten Säulen das Eingangsportal des Museums. © Hendrik Bohle
Kaufhausburg.  Galeria Kaufhof (früher Horten) aus den 1970er-Jahren ist populär (weil zentral gelegen und mit breitem Sortiment) und unbeliebt zugleich (weil "hässlich" und "Bausünde"). Kann man so sehen oder so: als Spiegel der Siebziger mit den damaligen Ansprüchen und Wünschen.
Kaufhausburg Galeria Kaufhof (früher Horten) aus den 1970er-Jahren ist populär (weil zentral gelegen und mit breitem Sortiment) und unbeliebt zugleich (weil "hässlich" und "Bausünde"). Kann man so sehen oder so: als Spiegel der Siebziger mit den damaligen Ansprüchen und Wünschen. © Hendrik Bohle
Textilkaufhaus.  MGF Architekten GmbH Stuttgart konzipierte ein Kaufhaus in einer stark reduzierten Formsprache und dem klaren Natursteinmauerwerk. Das Gebäude erhielt 2004 den Bayerischen Bauherrenpreis in der Kategorie "Stadterneuerung, vitale Innenstadt".
Textilkaufhaus MGF Architekten GmbH Stuttgart konzipierte ein Kaufhaus in einer stark reduzierten Formsprache und dem klaren Natursteinmauerwerk. Das Gebäude erhielt 2004 den Bayerischen Bauherrenpreis in der Kategorie "Stadterneuerung, vitale Innenstadt". © Jan Dimog
Ohren.  Sichtbeton: das Geschäft des 1874 gegründeten Traditionshauses Schreiner (Sortiment: alles rund ums Kochen und für den Tisch).
Ohren Sichtbeton: das Geschäft des 1874 gegründeten Traditionshauses Schreiner (Sortiment: alles rund ums Kochen und für den Tisch). © Hendrik Bohle
Kontext.  Architektur im Zusammenhang mit der jeweiligen Zeit verstehen. Entworfen vom Architekten Karl Schmid.
Kontext Architektur im Zusammenhang mit der jeweiligen Zeit verstehen. Entworfen vom Architekten Karl Schmid. © Hendrik Bohle
Spitze.  "Grundgedanke war ein mehrgeschossiges Magazin mit direktem Verkauf. Diese für die 
damalige Zeit neuartige Idee wurde durch stützenfreie Räume, verbunden über ein frei im Raum stehendes Treppenelement, das den Kunden in das Obergeschoss führt, verwirklicht." – aus "Regensburg Architektur", hg. von der Fachhochschule Regensburg.
Spitze "Grundgedanke war ein mehrgeschossiges Magazin mit direktem Verkauf. Diese für die damalige Zeit neuartige Idee wurde durch stützenfreie Räume, verbunden über ein frei im Raum stehendes Treppenelement, das den Kunden in das Obergeschoss führt, verwirklicht." – aus "Regensburg Architektur", hg. von der Fachhochschule Regensburg. © Jan Dimog
Schwarm.  Naturstein als Fassade: das "Parkhaus Petersweg" vom Regensburger Büro dp architekten.
Schwarm Naturstein als Fassade: das "Parkhaus Petersweg" vom Regensburger Büro dp architekten. © Jan Dimog
Zitat.  "Die gewollt robuste Oberfläche der Fassade zitiert vielfältige Beispiele aus dem Regensburger Stadtgebiet." – dp architekten
Zitat "Die gewollt robuste Oberfläche der Fassade zitiert vielfältige Beispiele aus dem Regensburger Stadtgebiet." – dp architekten © Jan Dimog
Anordnung.  Wohnkomplex in der Weißbräuhausgasse, 2008 fertiggestellt. Auffällig: der steile Giebel und die unregelmäßig angeordneten Fenster.
Anordnung Wohnkomplex in der Weißbräuhausgasse, 2008 fertiggestellt. Auffällig: der steile Giebel und die unregelmäßig angeordneten Fenster. © Jan Dimog
Symmetrie.  An der Maximilianstraße
Symmetrie An der Maximilianstraße © Jan Dimog

Details und Deutung: Ensemble Altstadt und Stadtamhof

Zusammenspiel.  Aus Alt wird ... teilweise etwas Neues: das Hotel David aus dem 16. Jahrhundert war eine Kapelle, dann ein Wohnhaus und jetzt als Hotel David ein Boutiquehotel der besonderen Art – ein gelungenes Zusammenspiel der Epochen und Stile.
Zusammenspiel Aus Alt wird ... teilweise etwas Neues: das Hotel David aus dem 16. Jahrhundert war eine Kapelle, dann ein Wohnhaus und jetzt als Hotel David ein Boutiquehotel der besonderen Art – ein gelungenes Zusammenspiel der Epochen und Stile. © Hendrik Bohle
Höhe.  Ursprünglich aus Italien (vor allem in der Toskana) kommend, waren Geschlechtertürme als Wohn- und Verteidigungswerk einflussreicher städtischer Familien entstanden. Im Bild: der Baumburger Turm aus der Mitte des 13. Jahrhunderts mit 28 Meter Höhe und frühgotischen Fenstern.
Höhe Ursprünglich aus Italien (vor allem in der Toskana) kommend, waren Geschlechtertürme als Wohn- und Verteidigungswerk einflussreicher städtischer Familien entstanden. Im Bild: der Baumburger Turm aus der Mitte des 13. Jahrhunderts mit 28 Meter Höhe und frühgotischen Fenstern. © Hendrik Bohle
Statussymbol.  Der Goldene Turm (um 1260) in der Wahlenstraße ist der höchste Wohnturm nördlich der Alpen. Die Oberschicht (wohlhabende Händler, Adelige) ließ Turmbauten als Statussymbole errichten und prägten auf diese Weise das Stadtbild. Während im Spätmittelalter fast jede Stadt im bayerischen Raum Geschlechtertürme besaß, gibt es heute nur noch in Regensburg einen größeren Bestand.
Statussymbol Der Goldene Turm (um 1260) in der Wahlenstraße ist der höchste Wohnturm nördlich der Alpen. Die Oberschicht (wohlhabende Händler, Adelige) ließ Turmbauten als Statussymbole errichten und prägten auf diese Weise das Stadtbild. Während im Spätmittelalter fast jede Stadt im bayerischen Raum Geschlechtertürme besaß, gibt es heute nur noch in Regensburg einen größeren Bestand. © Hendrik Bohle
Koloss.  In der Goliathstraße steht das Goliathhaus, eine Patrizierburg mit monumentalem Wandgemälde.
Koloss In der Goliathstraße steht das Goliathhaus, eine Patrizierburg mit monumentalem Wandgemälde. © Hendrik Bohle
Geschrei.  "Zentrales Thema bei Werbung am Baudenkmal
und Warenauslagen auf dem Stadtgrund
ist die Frage nach dem richtigen Maß ...
Geschrei "Zentrales Thema bei Werbung am Baudenkmal und Warenauslagen auf dem Stadtgrund ist die Frage nach dem richtigen Maß ... © Hendrik Bohle
Gehör.  Hat ein
Geschäft mehr Werbung, versucht der Nachbar
noch mehr zu bekommen und so geht
das weiter ...
Gehör Hat ein Geschäft mehr Werbung, versucht der Nachbar noch mehr zu bekommen und so geht das weiter ... © Hendrik Bohle
Gemach.  ... Am Ende hat niemand etwas davon ...
Gemach ... Am Ende hat niemand etwas davon ... © Hendrik Bohle
Gleichgewicht.  ... ‘Wenn alle schreien, hört man nämlich
keinen mehr.'" – aus dem Gestaltungshandbuch Altstadt der Stadt Regensburg.
Gleichgewicht ... ‘Wenn alle schreien, hört man nämlich keinen mehr.'" – aus dem Gestaltungshandbuch Altstadt der Stadt Regensburg. © Jan Dimog
Tor.  Porta praetoria: die einzige erhaltene römische Toranlage nördlich der Alpen neben der Porta Nigra in Trier. Unter Kaiser Marc Aurel wurde am südlichen Donauufer, gegenüber der Regenmündung das Legionslager Castra Regina (dt. Lager beim Fluss Regen) gegründet. Die 3. Italische Legion war hier stationiert. Das Lager mit vier Toren wurde 179 vollendet. Das Haupttor, die Porta praetoria, war gen Norden zur Donau hin ausgerichtet. Aus dem Lager entstand die Stadt Regensburg. Im Jahr 1885 wurde die Anlage entdeckt und 1887 der heute sichtbare Zustand hergestellt.
Tor Porta praetoria: die einzige erhaltene römische Toranlage nördlich der Alpen neben der Porta Nigra in Trier. Unter Kaiser Marc Aurel wurde am südlichen Donauufer, gegenüber der Regenmündung das Legionslager Castra Regina (dt. Lager beim Fluss Regen) gegründet. Die 3. Italische Legion war hier stationiert. Das Lager mit vier Toren wurde 179 vollendet. Das Haupttor, die Porta praetoria, war gen Norden zur Donau hin ausgerichtet. Aus dem Lager entstand die Stadt Regensburg. Im Jahr 1885 wurde die Anlage entdeckt und 1887 der heute sichtbare Zustand hergestellt. © Hendrik Bohle
Sockel.  Wuchtig und aus Naturstein
Sockel Wuchtig und aus Naturstein © Hendrik Bohle
Akzent.  "Typisch für die Gebäude der Altstadt ist auch die Betonung der Fensteröffnungen durch Steingewände oder Putzgliederungen, sogenannte Faschen." – aus dem Gestaltungshandbuch Altstadt der Stadt Regensburg.
Akzent "Typisch für die Gebäude der Altstadt ist auch die Betonung der Fensteröffnungen durch Steingewände oder Putzgliederungen, sogenannte Faschen." – aus dem Gestaltungshandbuch Altstadt der Stadt Regensburg. © Hendrik Bohle
Feld.  Die Form des dreieckigen, zentralen Haidplatzes geht auf eine Gabelung der Straße zurück und wird von Einheimischen und Gästen als schönster Platz der Altstadt angesehen. Im Mittelalter fanden hier Ritterturniere statt. Heute wird der Platz für zahlreiche kulturelle Veranstaltungen wie das Bayerische Jazz-Weekend genutzt. Im Bild: Eckhaus, 1580, mit spätbarocker Fassade und die frühgotische Patrizierburg Goldenes Kreuz aus dem Jahr 1250.
Feld Die Form des dreieckigen, zentralen Haidplatzes geht auf eine Gabelung der Straße zurück und wird von Einheimischen und Gästen als schönster Platz der Altstadt angesehen. Im Mittelalter fanden hier Ritterturniere statt. Heute wird der Platz für zahlreiche kulturelle Veranstaltungen wie das Bayerische Jazz-Weekend genutzt. Im Bild: Eckhaus, 1580, mit spätbarocker Fassade und die frühgotische Patrizierburg Goldenes Kreuz aus dem Jahr 1250. © Hendrik Bohle
Charakter.  Stadtamhof: mit einer Fläche von 0,66 Quadratkilometer ist die einst selbständige Stadt der kleinste der 18 Stadtbezirke Regensburgs ...
Charakter Stadtamhof: mit einer Fläche von 0,66 Quadratkilometer ist die einst selbständige Stadt der kleinste der 18 Stadtbezirke Regensburgs ... © Jan Dimog
Selbständigkeit.  1924 wurde Stadtamhof eingemeindet. Im Mittelalter war der Ort eine kleine, bayerische Nachbarstadt der freien Reichsstadt Regensburg ...
Selbständigkeit 1924 wurde Stadtamhof eingemeindet. Im Mittelalter war der Ort eine kleine, bayerische Nachbarstadt der freien Reichsstadt Regensburg ... © Jan Dimog
Tradition.  ... Die Lage ist exponiert und man hat als Gast tatsächlich das Gefühl in eine andere Stadt zu reisen, trotz der kurzen Distanz zur Regensburger Altstadt. Es gibt zahlreiche Cafés und Bar, Traditionsläden und Handwerksbetriebe ...
Tradition ... Die Lage ist exponiert und man hat als Gast tatsächlich das Gefühl in eine andere Stadt zu reisen, trotz der kurzen Distanz zur Regensburger Altstadt. Es gibt zahlreiche Cafés und Bar, Traditionsläden und Handwerksbetriebe ... © Jan Dimog
Ensemble.  Beim Gang sollte man unbedingt die zentrale Straße Stadtamhof verlassen und in die Gassen und Nebenstraßen gehen. Das Ganze wirkt wie Regensburg in konzentrierter Form: es gibt idyllische Hinterhöfe, viel Naturstein und Massivziegel und typisch prächtige Regionalarchitektur in Form steiler Giebel und mächtiger Satteldächer.
Ensemble Beim Gang sollte man unbedingt die zentrale Straße Stadtamhof verlassen und in die Gassen und Nebenstraßen gehen. Das Ganze wirkt wie Regensburg in konzentrierter Form: es gibt idyllische Hinterhöfe, viel Naturstein und Massivziegel und typisch prächtige Regionalarchitektur in Form steiler Giebel und mächtiger Satteldächer. © Jan Dimog
Welterbe.  Die urbanen Strukturen von Regenburg spiegeln fast 2000 Jahre bauliche Kontinuität wider. Das Erbe umfasst römische, romanische und gotische Elemente ...
Welterbe Die urbanen Strukturen von Regenburg spiegeln fast 2000 Jahre bauliche Kontinuität wider. Das Erbe umfasst römische, romanische und gotische Elemente ... © Jan Dimog
Bewerbung.  ... Vor allem die Bausubstanz aus dem 11.–13. Jahrhundert bestimmt das Stadtbild im Zentrum. Die Bewerbung der Stadt um Eintragung in die Welterbeliste der UNESCO begannen 1989. (Im Bild: der Eiserne Steg)
Bewerbung ... Vor allem die Bausubstanz aus dem 11.–13. Jahrhundert bestimmt das Stadtbild im Zentrum. Die Bewerbung der Stadt um Eintragung in die Welterbeliste der UNESCO begannen 1989. (Im Bild: der Eiserne Steg) © Jan Dimog
Ziel.  ... 2006 wird Regensburg auf der UNESCO-Konferenz in Vilnius, Litauen in die Welterbeliste aufgenommen. Am 24. November 2007 erhält die Stadt die Welterbe-Urkunde. Als Reiseziel war Regensburg auch davor schon populär. Gab es vor 2006 noch 660.000 Übernachtungen sind es 2016 bereits 1,06 Millionen mit knapp 230.000 aus dem Ausland – Gäste, die höchstwahrscheinlich von Regensburg schwärmen. Und seinen Steinen.
Ziel ... 2006 wird Regensburg auf der UNESCO-Konferenz in Vilnius, Litauen in die Welterbeliste aufgenommen. Am 24. November 2007 erhält die Stadt die Welterbe-Urkunde. Als Reiseziel war Regensburg auch davor schon populär. Gab es vor 2006 noch 660.000 Übernachtungen sind es 2016 bereits 1,06 Millionen mit knapp 230.000 aus dem Ausland – Gäste, die höchstwahrscheinlich von Regensburg schwärmen. Und seinen Steinen. © Jan Dimog

"Regensburg liegt gar schön. Die Gegend mußte eine Stadt herlocken ..."

Johann Wolfgang von Goethe

Von Jan Dimog Autor, Redakteur und (Foto)Journalist, veröffentlicht am .