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"In den ersten Jahren bestand die Gemeinschaft vielfach nicht nur aus Künstlern, sondern war eher eine anarchistisch geprägte Ansammlung verschiedenster Persönlichkeiten."

Daniel Wöllenstein, Künstler und Vorstandsvorsitzender KunstWerk Köln e. V.
Daniel Wöllenstein.  Künstler, Kunstlehrer und Vorstandsvorsitzender von KunstWerk Köln e. V.
Daniel Wöllenstein Künstler, Kunstlehrer und Vorstandsvorsitzender von KunstWerk Köln e. V.
KunstWerk Köln e. V..  Das Gebäudeensemble wurde 1908 nach Entwürfen von Otto Grah als mehrgeschossige Randbebauung und ...
KunstWerk Köln e. V. Das Gebäudeensemble wurde 1908 nach Entwürfen von Otto Grah als mehrgeschossige Randbebauung und ... © Vildan Weckbach
KunstWerk Köln e. V..  ... Ergänzung bestehender Bauten für die Kölnische Gummifädenfabrik (vormals Kohlstadt & Comp.) errichtet.
KunstWerk Köln e. V. ... Ergänzung bestehender Bauten für die Kölnische Gummifädenfabrik (vormals Kohlstadt & Comp.) errichtet. © Jan Dimog
KunstWerk Köln e. V..  Hergestellt wurden zunächst Gummifäden, später nahtlose Gummiwaren wie Sauger, Operationshandschuhe, Badehauben und gummierte Stoffe, Armbänder und Scherzartikel.
KunstWerk Köln e. V. Hergestellt wurden zunächst Gummifäden, später nahtlose Gummiwaren wie Sauger, Operationshandschuhe, Badehauben und gummierte Stoffe, Armbänder und Scherzartikel. © Jan Dimog
KunstWerk Köln e. V..  Ab 1934 gingen durch Düsen gepresste Gummifäden in Massenproduktion. 1972 wurde die Anlage nach Konkurs stillgelegt und das Berufsbildungszentrum der Stadt Köln zog ein. Seit 1995 befindet sich in dem denkmalgeschützten Bau das KunstWerk Köln e. V.
KunstWerk Köln e. V. Ab 1934 gingen durch Düsen gepresste Gummifäden in Massenproduktion. 1972 wurde die Anlage nach Konkurs stillgelegt und das Berufsbildungszentrum der Stadt Köln zog ein. Seit 1995 befindet sich in dem denkmalgeschützten Bau das KunstWerk Köln e. V. © Jan Dimog

1. Was ist das KunstWerk?

Das KunstWerk ist Deutschlands größtes selbstverwaltetes Atelierhaus. Zumindest steht es so seit einigen Jahren auf unserer Homepage, ob es noch stimmt weiß ich nicht ... Lokalisiert in einem alten Fabrikgebäude in Köln-Mülheim arbeiten 150 Künstler, Musiker und Designer in 88 Ateliers und 12 Proberäumen, welche wiederum fast alle Kunstgattungen und Musikrichtungen bedienen. Es gibt eine Ausstellungshalle und einen Veranstaltungskeller. Das Haus wird durch einen ehrenamtlichen Vorstand, bestehend aus sechs jährlich gewählten Mitgliedern geleitet, unterstützt durch zwei Gremien, welche sich um das Ausstellungsprogramm und die Vermietung der Ateliers kümmern. Daneben gibt es vier feste Angestellte, die sich um die Haustechnik, Buchhaltung, Kulturmanagement und Gebäudereinigung kümmern.

2. Wie hat sich das Atelierhaus in den vergangenen Jahren verändert? Wie sehen Sie seine zukünftige Entwicklung?

Der Bezug des Hauses und Gründung des Vereins fand 1995 statt. In den ersten Jahren bestand die Gemeinschaft vielfach nicht nur aus Künstlern, sondern war eher eine anarchistisch geprägte Ansammlung verschiedenster Persönlichkeiten. Die Arbeitssituation war keineswegs gesichert, sondern das Haus mit seinen Mitgliedern befand sich in einem geduldeten Mietverhältnis, welches wiederholt von Auflösung bedroht war. 2003 konnte der damalige Vorstand einen 30jährigen Pachtvertrag erwirken, was natürlich eine ganz andere Arbeitssicherheit herstellte, aber auch die Pflicht der eigenständigen Sanierung und Brandschutzsicherung mit sich brachte.
Um den Wildwuchs im Haus etwas einzudämmen, wurde dann irgendwann ein Vermietungsausschuss ins Leben gerufen, welcher die Atelierinteressenten hinsichtlich ihrer künstlerischen Arbeit und ihrer persönlichen Kompatibilität fürs Haus im Vorfeld aussuchte. Seit dem hat sich die Künstlerschaft im Haus zunehmend professionalisiert. Hervorzuheben ist auch die Arbeit unseres Ausstellungsausschusses. In den letzten Jahren wurde mit PIK (Projektraum im KunstWerk) ein Ausstellungsprogramm initiiert, welches das KunstWerk zunehmend bekannter gemacht hat und sich durch eine sehr hohe künstlerische Qualität der externen und hausinternen Künstler in den einzelnen Ausstellungen auszeichnet. Zukünftig sehe ich das Potential des Hauses sich weiter im Kunstbetrieb zu vernetzen und dabei einen Bekanntheitsgrad deutlich über Köln hinaus zu erreichen. Damit einhergehend wird unser Veranstaltungskeller zukünftig wieder mit Lesungen und Konzertreihen belebt werden, aktuell stehen dem noch ein paar baurechtliche Hürden entgegen, allerdings sind diese zeitlich abzusehen und Interessenten für Veranstaltungen stehen in den Startlöchern.

3. Alle zwei Jahre verleiht der Freundeskreis des KunstWerk einen Kunstpreis. Was steht hinter der Idee dieses Preises und was zeichnet die diesjährigen Nominierten aus?

Der Freundeskreis fördert unser Haus schon seit einigen Jahren. Neben allgemeiner Unterstützung des Hauses, realisiert der Freundeskreis mit dem Kunstpreis eine ganz konkrete Förderung einzelner Künstler. Die Motivation der Künstler im Haus sich für den Preis zu bewerben ist sehr hoch und bietet mit der abschließenden Ausstellung der fünf "Shortlist-Künstler" eine perfekte Möglichkeit die einzelnen künstlerischen Positionen gegenüberzustellen.
Die Arbeit der 5 Nominierten im Detail zu beschreiben würde den hier zur Verfügung stehenden Rahmen sprengen und in der Kürze kann man den Einzelnen nur schwer gerecht werden. Allen Künstlerinnen und Künstler gemein ist aber, eine herausragende Eigenständigkeit in ihren Arbeiten, in denen eine konzentrierte, detaillierte Auseinandersetzung mit ihrem jeweiligem Sujet auf Höhe des Zeitgeists zu finden ist.

4. Sie sind selbst Künstler. Was ist der Schwerpunkt Ihrer Arbeit?

Ich bin Maler. Der Schwerpunkt liegt – sehr stark verkürzt - in der Auseinandersetzung mit Farbe und Form im Prozess der Arbeit. Das Sujet wandelte sich in den letzten Jahren weg vom Figurativen, immer stärker in rein abstrakte Arbeiten. Dabei gibt es immer wieder Momente in denen ich den Punkt des "fertigen Bildes" verpasse und darüber hinaus male. Im Endeffekt resultiert dies dann in Arbeiten, die mitunter vor dem endgültigen Zustand bis zu zehn fast komplette vorherige Bilder unter den abschließenden Schichten verbergen. Dementsprechend wirkt die Oberfläche der Bilder häufig sehr roh und "narbig" und bekommt dadurch eine eigene, dem Material inhärente Ästhetik, die ich sehr schätze. Teilweise kann diese Arbeitsweise aber auch sehr frustrierend sein, wenn man dreißig Bilder gemalt hat und letztlich stehen drei im Atelier. Manchmal - ganz selten – passt es aber auch schon nach der ersten Schicht.

5. Wo ist Ihr Lieblingsort in Ihrer Heimatstadt und außerhalb?

Das ist sehr schwer zu beantworten, da viele Orte so unterschiedliche Vorzüge haben, dass ich sie kaum in eine Rangfolge bringen könnte. Das KunstWerk bzw. das komplette Areal mit seinen Gebäuden, Werkstätten und Menschen ist aber definitiv vorne dabei. Das Odonien mit seiner Verquickung von roher Stahlkunst und der Mad Max-Atmosphäre und den dort stattfindenden Veranstaltungen würde ich in Köln auch mit vorne sehen. Außerhalb? Kein konkreter Ort – ich denke es hätte was mit hohem Gebirge, roher Natur und relativer Menschenleere zu tun.

„Unser Projekt Anwohnerpark greift das bestehende Markierungsornament des Messeparkplatzes auf und führt es auf der angrenzenden Brandwand des benachbarten KunstWerk fort. Mit der ästhetischen Kraft dieser ebenso alltäglichen wie abstrakten Grafik wird nicht nur ein öffentlichkeitswirksames Icon an prominenter Stelle in einen strukturell schwierigen Stadtraum eingebracht, sondern auch ganz nebenbei das Problem der Anwohnerparkmöglichkeiten bei anhaltendem Druck der Messe auf benachbarte Flächen auf einfachste Weise nachhaltig gelöst.“

osa – office for subversive architecture, 2006
Anwohnerpark.  Begleitend zur Installation Anwohnerpark wurde 2006 im Ausstellungsraum des KunstWerk eine Auswahl von osa-Projekten der letzten Jahre gezeigt.
Anwohnerpark Begleitend zur Installation Anwohnerpark wurde 2006 im Ausstellungsraum des KunstWerk eine Auswahl von osa-Projekten der letzten Jahre gezeigt. © Vildan Weckbach
Anwohnerpark.  Gefördert wurde die Installation als plan06-Projekt vom Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen / Veranstalter: Stadt Köln.
Anwohnerpark Gefördert wurde die Installation als plan06-Projekt vom Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen / Veranstalter: Stadt Köln. © Vildan Weckbach
Anwohnerpark.
Anwohnerpark © Vildan Weckbach
KunstWerk Köln e. V..
KunstWerk Köln e. V. © Vildan Weckbach
KunstWerk Köln e. V..
KunstWerk Köln e. V. © Hendrik Bohle
KunstWerk Köln e. V..
KunstWerk Köln e. V. © Vildan Weckbach
KunstWerk Köln e. V..
KunstWerk Köln e. V. © KunstWerk Köln e. V.
KunstWerk Köln e. V..  Shorts on Wheels Kurzfilmfestival 2016
KunstWerk Köln e. V. Shorts on Wheels Kurzfilmfestival 2016 © KunstWerk Köln e. V.
KunstWerk Köln e. V..  Klanginstallation Slobodan Kajkut anlässlich nxnw Festival 2016
KunstWerk Köln e. V. Klanginstallation Slobodan Kajkut anlässlich nxnw Festival 2016 © KunstWerk Köln e. V.
KunstWerk Köln e. V..  Installation Treppenhaus
KunstWerk Köln e. V. Installation Treppenhaus © KunstWerk Köln e. V.
KunstWerk Köln e. V..  Mülheimernacht 2017
KunstWerk Köln e. V. Mülheimernacht 2017 © KunstWerk Köln e. V.
Kunstpreis 2017.  KunstWerk Köln e. V.
Kunstpreis 2017 KunstWerk Köln e. V.
Daniel Wöllenstein.
Daniel Wöllenstein

" ... freuen sich auf einen abwechslungsreichen und inspirierenden kulturell-künstlerischen Austausch mit allen Kunstinteressierten und natürlich auf viele neue Mitstreiter und Förderer."

Dr. Henriette Madaus, Brigitte Hollweger, Günter Beisel, Carl Erik Koehler: Der Förderkreis Freunde des KunstWerk Köln e. V.