This site, which was inscribed on the World Heritage List in 1996, originally comprised the groups of buildings and monuments located in Weimar and Dessau, all built under the direction of Walter Gropius, the first director of the Bauhaus School. The extension of the property includes the Houses with Balcony Access in Dessau – three storey brick blocks for low-income students – and the ADGB Trade Union School in Bernau built under the direction of Hannes Meyer, successor to Gropius until 1930. This extension reflects the contribution of the department of architecture to the austere design, functionalism and social reform of the Bauhaus, a movement which was to revolutionise architectural thinking and practice in the 20th century.

Begründung des Welterbekomitees der UNESCO zur Ergänzung des Bauhaus-Welterbes im Juli 2017

Ziemlich berühmt, diese kleine Stadt. Selbst nach der Kreisreform, bei der Dessau und Roßlau zusammengeführt wurden, hat die kreisfreie Stadt in Sachsen-Anhalt gerade einmal etwas über 80.000 Einwohner. Aber Größe hat oft nichts mit Zahlen zu tun, sondern mit geschichtsträchtiger Kreativität und legendärer Schaffenskraft. Was auch das Welterbekomitee der UNESCO erkannt hat. Sie hat die 1930 errichteten Laubenganghäuser in Dessau und die ebenfalls 1930 gebaute Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in Bernau bei Berlin zum Welterbe erklärt. Beide Standorte ergänzen das Bauhaus in Dessau, das mit seinen Stätten seit 1996 zum Weltkulturerbe gehört.
Bei unserer Bauhaus-Tour in Dessau-Roßlau haben wir festgestellt: der Ort liegt geografisch gut. Im Süden ist Leipzig nur 40 km entfernt, nach Magdeburg sind es etwas über 60 km gen Nordwesten und aus Berlin kommend brauchen wir etwa anderthalb Stunden mit dem Pkw. Wenn man hierher fährt, kann man vor Ort auch eine Nacht verbringen und wenn man das schon macht, dann bitte stilecht: im Atelierhaus. Die ehemaligen Studentenzimmer in dem fünfstöckigen und damit höchsten Körper des Bauhausgebäudes wurden stilecht eingerichtet: minimalistisch und in einer studentischen Einfachheit. Einige Zimmer sind historisch rekonstruiert. Übernachten in einem Weltkulturerbe nimmt so einer Stätte das Historisch-Museale. Natürlich ist der Respekt groß, schließlich haben hier die Studentinnen und Studenten gelebt, geschlafen und gefeiert, die das Bauhaus mit geprägt und berühmt gemacht haben. Nach der Reservierung habe ich per E-Mail das PDF „Übernachten am Bauhaus“ erhalten. Für alle Hotel-verwöhnten Reisenden, diese Informationen sind für euch bestimmt: „Die Gegebenheiten der Sanitäranlagen sind mit Gemeinschaftsdusche und Etagen-WC noch wie zu Bauhauszeiten.“
Wer eine Nacht auf den üblichen Hotelkomfort verzichten kann, bekommt einiges mit von den anderen Gästen (die zu Hause wahrscheinlich gerne mit den Türen knallen) und sehr viel vom minimalistischen Geist des Atelierhauses.

"das neue ateliergebaeude nahm einen bedeutenden platz in der geschichte der modernen architektur ein, und es ist nicht ausgeschlossen, dass der frische geist seine impulse teilweise aus der gleichen quelle bezog."

Alexander Schawinsky. Künstlername Xanti Schawinsky, 1904–1979. Schweizer Maler, Fotograf und Bühnenbildner. Er gehörte zum Bauhaus-Kreis um Walter Gropius.

Stichwort Informationen und PDF. Diese hat die Stiftung Bauhaus Dessau in mehreren Flyern, Karten und Heften übersichtlich und hilfreich zusammengestellt. "Willkommen am Bauhaus in Dessau" empfiehlt für einen Bauhaus-Tag fünf Ziele, die wir so wie in dem Programm beschrieben, auch ansteuern.

1. Beginn im Bauhausgebäude, Gropiusallee 38

Frühstück im Café-Bistro, der Besuch der Ausstellung, die Besichtigung des Bauhausgebäudes im Rahmen einer öffentlichen Führung sind unerlässlich. Wir empfehlen das Bauhausgebäude in entspanntem Tempo zu umrunden, am besten mehrfach und zu verschiedenen Tageszeiten. Auch der Weg zum direkt am Bauhaus grenzenden Campus der Hochschule Anhalt mit seinen insgesamt 1.400 Studenten lohnt einen kurzen Abstecher. Architektur, Facility Management und Geoinformation und Design sind auf dem Gelände angesiedelt.

Werkstattflügel.  Des Bauhausgebäudes mit dem Besucherzentrum, den Flächen für Sonderausstellungen und dem Café-Bistro.
Werkstattflügel Des Bauhausgebäudes mit dem Besucherzentrum, den Flächen für Sonderausstellungen und dem Café-Bistro. © Hendrik Bohle
Eingang.  Bauhausgebäude
Eingang Bauhausgebäude © Hendrik Bohle
Hofseite.  Mit dem hohen Atelierhaus. Mensa und Bühne sind in dem langgestreckten Körper zwischen Atelierhaus und dem Werkstattflügel.
Hofseite Mit dem hohen Atelierhaus. Mensa und Bühne sind in dem langgestreckten Körper zwischen Atelierhaus und dem Werkstattflügel. © Hendrik Bohle
Atelierhaus am Abend.  Blick auf den Campus der Hochschule Anhalt
Atelierhaus am Abend Blick auf den Campus der Hochschule Anhalt © Hendrik Bohle
Schnörkellos, klar, licht..  Zimmer im Atelierhaus.
Schnörkellos, klar, licht. Zimmer im Atelierhaus. © Hendrik Bohle

2. Wechsel zum Ensemble der Meisterhäuser, Ebertallee 59–71 (5 Minuten Fußweg)

Zeitgleich zum Bauhausgebäude entstand das Ensemble der Meisterhäuser nur wenige Minuten von der Schule entfernt. Walter Gropius fasste seine Philosophie in einem Baukastenprinzip zusammen. Er entwarf vier Baukörper mit je zwei Häusern, die sich spiegelbildlich zueinander verhielten. Sie repräsentierten eine moderne Wohnkultur mit einer Inneneinrichtung aus den Werkstätten der Hochschule und neuesten technischen Errungenschaften. Auch die Positionierung der Häuser folgt dem Gropius-Prinzip des Neuen Bauens: sie stehen frei im Kiefernwald und bilden so einen Gegensatz zum klassischen Haus mit Garten. Beim Besuch stellt sich wieder der "Bauhaus-Geist trifft 21. Jahrhundert"-Gefühl ein. Ähnlich wie die Schaffung der Übernachtungsmöglichkeit im Atelierhaus kommen die Häuser nicht als entrückte historisch-museale Heiligtümer daher. Das liegt zum einen an der Trinkhalle direkt am Eingang der Siedlung. Cool und pur vom Berliner Architekturbüro Bruno Fioretti Marquez (BFM) gestaltet und seit Juni 2016 geöffnet, wirkt es wie eine skulpturale Einladung zu einem Espresso bevor es weiter zu den Meisterhäusern geht. Die von Mies van der Rohe 1932 gebaute Trinkhalle wurde 1962 abgerissen.
Mit der 2014 abgeschlossenen städtebaulichen Reparatur der Meisterhaussiedlung durch BFM sind nun Trinkhalle und Kiosk zurück. Den Espresso sollte man im Garten des Gropiushauses, auf der Rückseite der Trinkhalle, trinken. Ein schöner Platz. Von den vier Meisterhäusern wurden das Haus Gropius und das Haus Moholy-Nagy zerstört. Die Lösung von BFM: "Eine Architektur der Unschärfe", so die Stiftung Bauhaus zu den beiden neuen Häusern.

Meisterhaus.
Meisterhaus © Hendrik Bohle
.
© Hendrik Bohle
.
© Hendrik Bohle

Zu Fuß in die Innenstadt

Hier empfiehlt das Programm des Bauhaus-Tags einen Spaziergang durch den Bahnhof, entlang des Anhaltischen Theaters durch den Stadtpark zum historischen Arbeitsamt von Walter Gropius am August-Bebel-Platz. Letzterer ist den kurzen Abstecher wert. Außerdem: 2019 soll das Bauhaus Museum im Stadtpark eröffnen, passend zum 100. Gründungsjubiläum des Bauhaus.

Arbeitsamt von Walter Gropius (1928–29).  Nach der Einführung der Arbeitslosenpflichtversicherung und ihrer Zusammenführung mit der Arbeitsvermittlung 1927 lud die Stadt Dessau Walter Gropius, Hugo Häring und Max Taut zu einem beschränkten Wettbewerb für den Bau eines Arbeitsamts ein. Den Auftrag erhielt Gropius Anfang 1928; im Mai 1929 wurde der Bau fertiggestellt.
Arbeitsamt von Walter Gropius (1928–29) Nach der Einführung der Arbeitslosenpflichtversicherung und ihrer Zusammenführung mit der Arbeitsvermittlung 1927 lud die Stadt Dessau Walter Gropius, Hugo Häring und Max Taut zu einem beschränkten Wettbewerb für den Bau eines Arbeitsamts ein. Den Auftrag erhielt Gropius Anfang 1928; im Mai 1929 wurde der Bau fertiggestellt. © Hendrik Bohle
Arbeitsamt von Walter Gropius (1928–29).  Berufsberatung, Arbeitsvermittlung, Barauszahlung der Unterstützung an die Arbeitslosen mit ständigem, saisonal schwankendem Publikumsverkehr wurden hier abgewickelt.
Arbeitsamt von Walter Gropius (1928–29) Berufsberatung, Arbeitsvermittlung, Barauszahlung der Unterstützung an die Arbeitslosen mit ständigem, saisonal schwankendem Publikumsverkehr wurden hier abgewickelt. © Hendrik Bohle
Arbeitsamt von Walter Gropius (1928–29).
Arbeitsamt von Walter Gropius (1928–29) © Hendrik Bohle
Arbeitsamt von Walter Gropius (1928–29).  Der Rundbau überrascht im Innern aufgrund des Sheddachs durch große Helligkeit, die von oben in den Bau strömt. Die Innenwände bestehen im oberen Teil aus Glas, so dass das Licht quer durch das Gebäude fluten kann.
Arbeitsamt von Walter Gropius (1928–29) Der Rundbau überrascht im Innern aufgrund des Sheddachs durch große Helligkeit, die von oben in den Bau strömt. Die Innenwände bestehen im oberen Teil aus Glas, so dass das Licht quer durch das Gebäude fluten kann. © Hendrik Bohle
Arbeitsamt von Walter Gropius (1928–29).  Der mit gelben Ziegeln verkleidete Stahlskelettbau ist wegen seines außergewöhnlichen Grundrisses ein interessantes Beispiel funktionalistischer Architektur. Seit seiner Sanierung 2002–2003 ist das Gebäude Sitz des Amtes für Ordnung und Verkehr der Stadt Dessau.
Arbeitsamt von Walter Gropius (1928–29) Der mit gelben Ziegeln verkleidete Stahlskelettbau ist wegen seines außergewöhnlichen Grundrisses ein interessantes Beispiel funktionalistischer Architektur. Seit seiner Sanierung 2002–2003 ist das Gebäude Sitz des Amtes für Ordnung und Verkehr der Stadt Dessau. © Jan Dimog
Anhaltisches Theater.  Das Theater wurde 1949 neu eröffnet, nachdem es im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war.
Anhaltisches Theater Das Theater wurde 1949 neu eröffnet, nachdem es im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war. © Jan Dimog

Weiter nach Dessau-Törten mit der Straßenbahn

Die Linie 1 bis Damaschkestraße/Südschwimmhalle nehmen. Die Reihenhaussiedlung von Gropius im Dessauer Süden war das Testfeld des industriellen Bauens bis 1931. Insgesamt entstanden 314 Reihenhäuser mit 57 bis 75 Quadratmeter Wohnfläche. Im ehemaligen Konsumgebäude ist eine Dauerausstellung, in der die Bedeutung der Siedlung Törten für die Bauhausgeschichte unterstrichen wird. Dass auch hier das Bauhaus lebt und zeitgemäß wirkt, liegt an den Bewohnern. Die ursprüngliche Einheitlichkeit ist durch individuelle Interpretationen der Fassaden-, Tür- und Fenstergestaltung zu einem beinah bunten Ensemble geworden.

Dessau-Törten.
Dessau-Törten © Hendrik Bohle
Dessau-Törten.
Dessau-Törten © Hendrik Bohle
Dessau-Törten.
Dessau-Törten © Hendrik Bohle
Dessau-Törten.
Dessau-Törten © Hendrik Bohle
Laubenganghäuser in Dessau.  Architekt Hannes Meyer mit der ­Bau­abteilung des Bauhauses, 1930. Meyer wird auch der "unbekannte Bauhausdirektor" genannt. Er war den einen zu kommunistisch und den anderen zu bürgerlich. Erst in der Rückschau zeigt sich, dass er das Bauhaus wohl stärker geprägt hat, als es Gropius vielleicht wahrhaben wollte.
Laubenganghäuser in Dessau Architekt Hannes Meyer mit der ­Bau­abteilung des Bauhauses, 1930. Meyer wird auch der "unbekannte Bauhausdirektor" genannt. Er war den einen zu kommunistisch und den anderen zu bürgerlich. Erst in der Rückschau zeigt sich, dass er das Bauhaus wohl stärker geprägt hat, als es Gropius vielleicht wahrhaben wollte. © Hendrik Bohle

Am Abend an der Elbe

Letzter Programmpunkt: Bauhaus-Ambiente und Elbeblick am Kornhaus, Kornhausstraße 146. An dieser Stelle macht der große Fluss eine schwungvolle Biege und wirkt dadurch spannungsgeladen und entspannend zugleich. Das Kornhaus ist eine Gaststätte, die von Carl Fieger entworfen wurde. Das Kornhaus ist in Mischbauweise aus Ziegelmauerwerk mit Stahlbetonstützen konstruiert. Besonderer Blickfang: der halbrunde, verglaste Vorbau.

Kornhaus.
Kornhaus © Hendrik Bohle
.
© Hendrik Bohle
.
© Hendrik Bohle

Fazit

Zur berühmten, kleinen Stadt gibt es mit dem Tagesprogramm eine passende Erkundungstour, die einen sehr guten Einblick in die Bauhaus-Legende gibt. Wer noch Zeit hat, sollte auch Orte abseits der Bauhauswelt besuchen, z. B. das Technikmuseum "Hugo Junkers" im Dessau-Roßlauer Stadtteil Kleinkühnau, unweit des Bauhausgebäudes. Hugo Junker war ein bedeutender deutscher Ingenieur und Unternehmer, der 1895 die Firma Junkers & Co gegründet hatte und bis 1932 Eigentümer der Junkers Motorenbau GmbH und Junkers Flugzeugwerk AG. Gleich am Dessauer Hauptbahnhof ist der Neubau des Umweltbundesamtes (UBA). Von Sauerbruch Hutton Architekten als farbenfrohes, sanft geschwungenes "Band" aus Holz, Metall und Glas konzipiert, prägt der Gebäudekomplex das ganze Areal – fertiggestellt im Mai 2005.

"Volksbedarf statt Luxusbedarf!"

Hannes Meyer, Schwei­zer Ar­chi­tekt und Urbanist, zählt zu den wichtigsten Funktionalisten der 1920er-Jahre.
Junkers.
Junkers © Hendrik Bohle
.
© Hendrik Bohle
.
© Hendrik Bohle
.
© Hendrik Bohle
Umweltbundesamtes (UBA).  Der Hauptsitz des Umweltbundesamtes (UBA) ist seit 2005 in Dessau-Roßlau. Für seinen vom Architekturbüro sauerbruch & hutton architekten entworfenen Neubau in Dessau-Roßlau hat das Umweltbundesamt 2009 das Deutsche Gütesiegel für nachhaltiges Bauen in Gold verliehen bekommen.
Umweltbundesamtes (UBA) Der Hauptsitz des Umweltbundesamtes (UBA) ist seit 2005 in Dessau-Roßlau. Für seinen vom Architekturbüro sauerbruch & hutton architekten entworfenen Neubau in Dessau-Roßlau hat das Umweltbundesamt 2009 das Deutsche Gütesiegel für nachhaltiges Bauen in Gold verliehen bekommen.
UBA.  Das Energiekonzept des Gebäudes setzt auf die Nutzung erneuerbarer Energien: Im Faltdach des Eingangsbereiches (Forum) ist eine Photovoltaikanlage integriert. Auf dem Flachdach des Forums sind Sonnenkollektoren angebracht. Sie dienen der solarunterstützten Kälteversorgung des Hauses, hauptsächlich zur Kühlung von Hörsaal und IT-Bereichen. Durch den derzeit größten Erdwärmetauscher der Welt mit einer Rohrlänge von mehr als fünf Kilometern wird die angesaugte Luft unterirdisch vorkonditioniert, die je nach Jahreszeit die Büroräume kühlt oder zusätzlich erwärmt.
UBA Das Energiekonzept des Gebäudes setzt auf die Nutzung erneuerbarer Energien: Im Faltdach des Eingangsbereiches (Forum) ist eine Photovoltaikanlage integriert. Auf dem Flachdach des Forums sind Sonnenkollektoren angebracht. Sie dienen der solarunterstützten Kälteversorgung des Hauses, hauptsächlich zur Kühlung von Hörsaal und IT-Bereichen. Durch den derzeit größten Erdwärmetauscher der Welt mit einer Rohrlänge von mehr als fünf Kilometern wird die angesaugte Luft unterirdisch vorkonditioniert, die je nach Jahreszeit die Büroräume kühlt oder zusätzlich erwärmt. © Jan Dimog
UBA.
UBA © Jan Dimog
UBA.
UBA © Jan Dimog

"Ich fahre in die UdSSR, um dort zu arbeiten, wo eine wirklich proletarische Kultur geschmiedet wird, wo der Sozialismus entsteht, wo die Gesellschaft besteht, für die wir hier unter dem Kapitalismus gekämpft haben."

Hannes Meyer nach seiner Entlassung 1930 als Leiter des Bauhauses

Von Jan Dimog Autor, Redakteur und (Foto)Journalist, veröffentlicht am .