House of One. Informationspavillon
House of One Informationspavillon © Hendrik Bohle

Es ist eines dieser Projekte, die scheinbar nie vollendet werden. Seit Jahren tritt das von der evangelischen Kirche initiierte Vorhaben auf der Stelle. Ihr gehört das Grundstück an der Gertraudenstraße in der Keimzelle des historischen Berlin. Archäologische Funde, Finanzierungsschwierigkeiten und die Suche nach „passenden Partnern“ verzögerten die Realisierung über viele Jahre. 2016 wurde das religionsübergreifende Gotteshaus mit der Förderplakette „Nationales Projekt des Städtebaus“ versehen. Dem Bund ist die Versöhnungs-Initiative 2,2 Millionen Euro wert. Das Land legte noch einmal 1,1 Millionen drauf. Hinzu kommen Crowdfunding-Gelder nationaler und internationaler Förderer. Das Projekt schlägt hohe Wellen. So haben beispielsweise die Washington Post, The Guardian und Aljazeera bereits darüber berichtet. Mit der Eröffnung des Informationspavillons an diesem Wochenende scheint Bewegung in die Sache zu kommen. Die Idee ist wundervoll und längst überfällig. Ein Haus als Begegnungsstätte aller abrahamitischer Weltreligionen, ein Ort an dem sich Christen, Juden und Muslime begegnen. Ein meditativer Ort, der auch Atheisten offen steht. Drei Sakralräume, eine Kirche, eine Synagoge und eine Moschee, in einfachen geometrischen Formen gruppieren sich um eine zentral angelegte Halle, gekrönt von einem 40 Meter hohen Turm. Der jetzt eröffnete Pavillon und auf dem Grundstück abgesteckte Flächen geben einen Eindruck von der zukünftigen Ausrichtung des Bet- und Lehrhauses. Der Entwurf für den Pavillon und den späteren Ziegelbau kommt vom Berliner Büro Kuehn Malvezzi. Allein die Idee ist ein wichtiger Beitrag zum gegenwärtig aufgeheizten und scheinbar unversöhnlichen Diskurs, der geprägt ist von Misstrauen, Fremdenfeindlichkeit, Hass und Angst. Ob sich der Gedanke nach der Eröffnung des Sakralbaus mit Leben füllt, wird sich zeigen. Das Interesse an diesem Wochenende jedenfalls war groß. Auf allen Seiten.

Von Hendrik Bohle Architekt, Autor und Stadtforscher, veröffentlicht am .