Alle Bilder von der Fotokünstlerin Bettina Cohnen. Für uns hat sie auch in der Schweizer Hauptstadt Bern fotografiert.

Hamburg ist die Stadt des Backsteins. Die "Rote Stadt" ist das Synonym für Marrakesch. Und in Rotterdam dominieren Wasser und der weite Himmel – entsprechend erscheint die Architektur als Geste des Großzügigkeit. Ljubljanas Aussehen ist eng verbunden mit dem Universalbaumeister Jože Plečnik (1872–1957), der als bedeutendster Pionier der slowenischen Architektur gilt. Sein Werk prägte das Aussehen dreier mittelalterlicher Städte: Wien, Prag und insbesondere seine Heimatstadt Ljubljana. So sehr, dass sie auch "Plečniks Ljubljana" bezeichnet wird. Doch über dieses urban-architektonische Großerbe hinaus präsentiert sich Sloweniens Hauptstadt als vielgesichtiger Ort. Auf 275 Quadratkilometer Fläche mit knapp 290.000 Einwohnern findet man eine erstaunliche Dichte an Stilen und Materialfülle, das sich besonders an den Oberflächen zeigt. Marmor, Mosaiken und mittelalterliche Mauern, Ornamentik und Ostmoderne, sowjetisch beeinflusste Fassadenkunst und sozialistische Symmetrie und schließlich die Glas-Stahl-Coolness des 21. Jahrhundert – all das offenbart Ljubljana als Kaleidoskopstadt der Baukunst. Und über allem schwebt eine mediterrane Mühelosigkeit, die erklärt, warum sich die slowenische Hauptstadt in den vergangenen Jahren zu einem europäischen Hotspot nicht nur für Kultur- und Kunstreisende entwickelt hat.

Historisch.  Die Wurzeln Ljubljanas reichen bis 3.600 vor Christus. Die Überreste der Römersiedlung Emona, die gut erhaltene Postkartenidylle der Altstadt und die mittelalterliche Burg auf dem Schlossberg sind die historischen Ankerpunkte der Stadt am Fluss Ljubljanica.
Historisch Die Wurzeln Ljubljanas reichen bis 3.600 vor Christus. Die Überreste der Römersiedlung Emona, die gut erhaltene Postkartenidylle der Altstadt und die mittelalterliche Burg auf dem Schlossberg sind die historischen Ankerpunkte der Stadt am Fluss Ljubljanica. © Bettina Cohnen
Erneuert.  Nach der Zerstörung Ljubljanas 1895 durch ein verheerendes Erdbeben wurden mehrere Architekten aus Slowenien und Österreich mit der Neugestaltung beauftragt, darunter Maks Fabiani und Ivan Vurnik.
Erneuert Nach der Zerstörung Ljubljanas 1895 durch ein verheerendes Erdbeben wurden mehrere Architekten aus Slowenien und Österreich mit der Neugestaltung beauftragt, darunter Maks Fabiani und Ivan Vurnik. © Bettina Cohnen
Spielerisch.  Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert trat in Ljubljana ein neuer Architekturstil auf. Der Jugendstil ljubljanischer Prägung stand unter dem Einfluss der Wiener Sezession. Das Gebäude ist in der Dalmatinova ulica.
Spielerisch Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert trat in Ljubljana ein neuer Architekturstil auf. Der Jugendstil ljubljanischer Prägung stand unter dem Einfluss der Wiener Sezession. Das Gebäude ist in der Dalmatinova ulica. © Bettina Cohnen
Vornehm.  In der Cankarjeva Straße in der Nähe des Tivoli Park zwischen Oper und Nationalgalerie befindet sich das Center of Excellence in Finance (CEF). In diesem Quartier befinden sich zahlreiche repräsentative Pompbauten der Jahrhundertwendezeit vom 19. zum 20. Jahrhundert.
Vornehm In der Cankarjeva Straße in der Nähe des Tivoli Park zwischen Oper und Nationalgalerie befindet sich das Center of Excellence in Finance (CEF). In diesem Quartier befinden sich zahlreiche repräsentative Pompbauten der Jahrhundertwendezeit vom 19. zum 20. Jahrhundert. © Bettina Cohnen
Stabil.  Das slowenische Verfassungsgericht unweit der Cankarjeva Straße.
Stabil Das slowenische Verfassungsgericht unweit der Cankarjeva Straße. © Bettina Cohnen
Ausgeklügelt.  Das von 1940–1951 errichtete Gebäude der Modernen Galerie wurde vom Architekten Edvard Ravnikar entworfen und gilt als sein erstes bedeutendes Werk in Ljubljana. Einige Merkmale des Baus verraten den Einfluss Plečniks – er war Student des slowenischen Großarchitekten – insbesondere seiner National- und Universitätsbibliothek, wo Ravnikar bei der Aufsicht mitwirkte. Dieser Einfluss zeigt sich an der Fassade mit heraustretenden Steinblöcken. An den großen Lehrmeister erinnern ferner die Ziersäulen in der Mitte der Fenster sowie deren Umrandungen aus Kunststein. Trotzdem ist die Moderne Galerie im Gegensatz zu Plečniks Schöpfungen, bei denen gewöhnlich klassische Elemente betont sind, ausgesprochen modern konzipiert, insbesondere in den Grundrissen und bei der ausgeklügelten Innenbeleuchtung.
Ausgeklügelt Das von 1940–1951 errichtete Gebäude der Modernen Galerie wurde vom Architekten Edvard Ravnikar entworfen und gilt als sein erstes bedeutendes Werk in Ljubljana. Einige Merkmale des Baus verraten den Einfluss Plečniks – er war Student des slowenischen Großarchitekten – insbesondere seiner National- und Universitätsbibliothek, wo Ravnikar bei der Aufsicht mitwirkte. Dieser Einfluss zeigt sich an der Fassade mit heraustretenden Steinblöcken. An den großen Lehrmeister erinnern ferner die Ziersäulen in der Mitte der Fenster sowie deren Umrandungen aus Kunststein. Trotzdem ist die Moderne Galerie im Gegensatz zu Plečniks Schöpfungen, bei denen gewöhnlich klassische Elemente betont sind, ausgesprochen modern konzipiert, insbesondere in den Grundrissen und bei der ausgeklügelten Innenbeleuchtung. © Bettina Cohnen
Stark.
Stark
Expressiv.
Expressiv © Bettina Cohnen
Schwungvoll.  Das Büro- und Wohnhaus aus dem Jahr 1935 wurde von Jože Sivec geplant, einem Vertreter des frühen Funktionalismus. Das Gebäude steht in der Štefanova Straße 10–14.
Schwungvoll Das Büro- und Wohnhaus aus dem Jahr 1935 wurde von Jože Sivec geplant, einem Vertreter des frühen Funktionalismus. Das Gebäude steht in der Štefanova Straße 10–14. © Bettina Cohnen
Funktional.  In Jugoslawien entwickelt sich Ljubljana nach 1945 zu einem industriellen Zentrum. Zwischen Innenstadt, Hauptbahnhof und Autobahnring entstand im Stadtteil šmartinska in den 1980ern eine über 200 Hektar große Industriezone. Parallel dazu wurden großflächige Gebiete mit sozialistisch-funktionalen Plattenbausiedlungen mit vielen Grünflächen und großzügigen Straßen und Kreisverkehren entwickelt.
Funktional In Jugoslawien entwickelt sich Ljubljana nach 1945 zu einem industriellen Zentrum. Zwischen Innenstadt, Hauptbahnhof und Autobahnring entstand im Stadtteil šmartinska in den 1980ern eine über 200 Hektar große Industriezone. Parallel dazu wurden großflächige Gebiete mit sozialistisch-funktionalen Plattenbausiedlungen mit vielen Grünflächen und großzügigen Straßen und Kreisverkehren entwickelt. © Bettina Cohnen
Farbenfroh.
Farbenfroh © Bettina Cohnen
Metallisch.  Das zentrale Gebäude von Radiotelevizija Slovenija (Radio Slowenien) mit der Metallplattenfassade befindet sich in der Tavčarjeva 17, entworfen von den Architekten Oton Gaspari in Tomaž Štrukelj. Es wurde 1952 fertiggestellt. Gaspari machte sein Diplom 1934 bei Jože Plečnik.
Metallisch Das zentrale Gebäude von Radiotelevizija Slovenija (Radio Slowenien) mit der Metallplattenfassade befindet sich in der Tavčarjeva 17, entworfen von den Architekten Oton Gaspari in Tomaž Štrukelj. Es wurde 1952 fertiggestellt. Gaspari machte sein Diplom 1934 bei Jože Plečnik. © Bettina Cohnen
Gelb.  Das Ljudska pravica Office Building von Edvard Ravnikar wurde 1961 fertiggestellt und wird als Kanarienvogelhaus bezeichnet. Der aus Novo Mesto stammende Architekt hat das skandinavische Design in die slowenische Architektur eingeführt, insbesondere die Sprache von Alvar Aalto.
Gelb Das Ljudska pravica Office Building von Edvard Ravnikar wurde 1961 fertiggestellt und wird als Kanarienvogelhaus bezeichnet. Der aus Novo Mesto stammende Architekt hat das skandinavische Design in die slowenische Architektur eingeführt, insbesondere die Sprache von Alvar Aalto. © Bettina Cohnen
Technologisch.  Das spätmoderne Mednarodna avtomatska telefonska centrala (MATC), das Fernsprechamt, wird zur High-Tech-Architektur Ljubljanas gezählt. Der slowenische Architekt Milan Mihelič hat das MATC mit mehreren Baukörpern und der charakteristischen, gläsernen Wellenform als ineinanderfließendes Ensemble konzipiert. Es wurde 1978 eröffnet.
Technologisch Das spätmoderne Mednarodna avtomatska telefonska centrala (MATC), das Fernsprechamt, wird zur High-Tech-Architektur Ljubljanas gezählt. Der slowenische Architekt Milan Mihelič hat das MATC mit mehreren Baukörpern und der charakteristischen, gläsernen Wellenform als ineinanderfließendes Ensemble konzipiert. Es wurde 1978 eröffnet. © Bettina Cohnen
Fortschrittlich.  Das von Edo Mihevc und Branko Kraševac entworfene und 1963 fertiggestellte Metalka Bürohochhaus hatte die Wolkenkratzer in New York zum Vorbild. Die Fassade aus vorgefertigten Aluminiumfassaden war damals ein Novum in der Architektur Sloweniens.
Fortschrittlich Das von Edo Mihevc und Branko Kraševac entworfene und 1963 fertiggestellte Metalka Bürohochhaus hatte die Wolkenkratzer in New York zum Vorbild. Die Fassade aus vorgefertigten Aluminiumfassaden war damals ein Novum in der Architektur Sloweniens. © Bettina Cohnen
Erfrischt.  Das 1973 fertiggestellte multifunktionale Gebäude wurde von Jože Koželj entworfen. Der 1931 im Süden Sloweniens geborene Koželj hat in seiner Laufbahn mit Ravnikar gearbeitet und ist in die Lehre an die Architekturfakultät der Universität von Ljubljana gegangen.
Erfrischt Das 1973 fertiggestellte multifunktionale Gebäude wurde von Jože Koželj entworfen. Der 1931 im Süden Sloweniens geborene Koželj hat in seiner Laufbahn mit Ravnikar gearbeitet und ist in die Lehre an die Architekturfakultät der Universität von Ljubljana gegangen. © Bettina Cohnen
Erhalten.  Das Koželj-Gebäude heißt heute Parkirna hiša Trdinova und ist ein Parkhaus mit Bürogebäude. Es wurde von 2004 bis 2008 vollständig saniert. Erhalten ist die Hülle der Siebzigerjahre-Ästhetik.
Erhalten Das Koželj-Gebäude heißt heute Parkirna hiša Trdinova und ist ein Parkhaus mit Bürogebäude. Es wurde von 2004 bis 2008 vollständig saniert. Erhalten ist die Hülle der Siebzigerjahre-Ästhetik. © Bettina Cohnen
Reflektiert.
Reflektiert © Bettina Cohnen
Edelgrau.
Edelgrau © Bettina Cohnen
Gespiegelt.  Das bereits erwähnte wichtige slowenische Büro Sadar in Vuga arhitekti (auch Sadar+Vuga) hat das 1999 fertiggestellte Handelskammergebäude als "Megastore" mit übereinandergestapelten Kisten konzipiert.
Gespiegelt Das bereits erwähnte wichtige slowenische Büro Sadar in Vuga arhitekti (auch Sadar+Vuga) hat das 1999 fertiggestellte Handelskammergebäude als "Megastore" mit übereinandergestapelten Kisten konzipiert. © Bettina Cohnen
Verwandelt.  Die Umwandlung eines zentralen Teils der einstigen Hauptverkehrsader Slovenska cesta in eine Fußgängerzone ist der vorläufige Höhepunkt der Transformation der Hauptstadt in einen fußgängerfreundlichen Ort. Dazu haben sich mehrere slowenische Architekturbüros zu einem Projektkollektiv zusammengeschlossen. Zu ihnen gehören: Dekleva Gregorič arhitekti, Katušić Kocbek arhitekti, Scapelab, Sadar + Vuga und Studio Krištof. Der 2015 fertiggestellte Boulevard wurde inzwischen mehrfach ausgezeichnet. Hinzu kommt die Nominierung für den Mies van der Rohe Award 2017.
Verwandelt Die Umwandlung eines zentralen Teils der einstigen Hauptverkehrsader Slovenska cesta in eine Fußgängerzone ist der vorläufige Höhepunkt der Transformation der Hauptstadt in einen fußgängerfreundlichen Ort. Dazu haben sich mehrere slowenische Architekturbüros zu einem Projektkollektiv zusammengeschlossen. Zu ihnen gehören: Dekleva Gregorič arhitekti, Katušić Kocbek arhitekti, Scapelab, Sadar + Vuga und Studio Krištof. Der 2015 fertiggestellte Boulevard wurde inzwischen mehrfach ausgezeichnet. Hinzu kommt die Nominierung für den Mies van der Rohe Award 2017. © Bettina Cohnen
Symmetrisch.  Das 1997 gegründete Büro bevk perović arhitekti zählt zu Sloweniens wichtigen Architekten. Das mehrfach prämierte Büro konzipierte das islamische Religions- und Kulturzentrum LJUBLANA. Es wird momentan fertiggestellt.
Symmetrisch Das 1997 gegründete Büro bevk perović arhitekti zählt zu Sloweniens wichtigen Architekten. Das mehrfach prämierte Büro konzipierte das islamische Religions- und Kulturzentrum LJUBLANA. Es wird momentan fertiggestellt. © Bettina Cohnen
Gemischt.  Sports Park Stožice (Sadar+Vuga) ist ein Hybrid aus Sport- und Shoppingcenter.
Gemischt Sports Park Stožice (Sadar+Vuga) ist ein Hybrid aus Sport- und Shoppingcenter. © Bettina Cohnen
Erfasst.  Mit Architekt und THE LINK-Autor Hendrik Bohle auf fotografischer Erkundung einer vielgesichtigen, alten und sehr zukunftsgewandten kleinen Großstadt inmitten Europas.
Erfasst Mit Architekt und THE LINK-Autor Hendrik Bohle auf fotografischer Erkundung einer vielgesichtigen, alten und sehr zukunftsgewandten kleinen Großstadt inmitten Europas. © Bettina Cohnen

"Our architectural production can be defined as: intentionally imperfect and awkward, robust, and ambiguous, intentionally incoherent and contradictory, where a single architectural project can be described as both monumental and informal at the same time."

Boštjan Vuga und Jurij Sadar von Sadar+Vuga, Architekten

Unsere Recherchereise wurde unterstützt von Visit Ljubljana und dem Slowenischen Fremdenverkehrsamt.