Derag Livinghotel De Medici.  Eine Hommage an die großen Kunstschätze Europas
Derag Livinghotel De Medici Eine Hommage an die großen Kunstschätze Europas © Maximilian Sydow

Die Buchung

Das gewünschte Zimmer kann über das Onlineportal der Hotelkette unkompliziert und übersichtlich gebucht werden. Mit der Bestätigungsmail erhält der Gast neben der Kontaktdaten und einer Anfahrtsbeschreibung zusätzliche Links zu Hochglanzfotos und dem Düsseldorf-Blog des Hauses. Wem das museale Wohnen nicht reicht, kann vorab eine kunsthistorische Führung buchen. Die Kunsthistorikerin Lisa Kimura führt kenntnisreich durch das Alte Stadthaus mit der privaten Kunstsammlung der Eigentümerfamilie. Zur Einstimmung gibt es Champagner.

Das Check-in

Die kopfsteingepflasterte Vorfahrt im Innenhof des Ensembles ist standesgemäß. Im Sommer plätschert ein Brunnen. Im Winter wird Glühwein gereicht. Der Portier empfängt uns beige uniformiert, elegant und charmant. Selbstverständlich wird sich auch ums Auto gekümmert. Das Gepäck landet prompt auf dem Zimmer. Nebenbei erfahren wir, das die Kugeln in der Turmfassade der benachbarten Andreaskirche aus Napoleons Kanonen stammen. Die Lobby leuchtet. Die Decke ziert eine Replique der Renaissance-Kassettendecke von Filippo Brunelleschis Basilica di San Lorenzo in Florenz. Sie war die Familienkirche der Medici. Der Boden ist marmorn. Zwei helle Statuen begrüßen die Gäste. Rechts knistert der Kamin, links steht ein Bechstein. Altägyptische Reliefzyklen bilden die Kulisse der Rezeption.

Derag Livinghotel De Medici.  Der Empfang leuchtet in hellem Marmor und Blattgold.
Derag Livinghotel De Medici Der Empfang leuchtet in hellem Marmor und Blattgold. © Derag Livinghotel De Medici
Derag Livinghotel De Medici.  Die Kassettendecke ist eine originalgetreue Nachbildung der Decke in der Basilica di San Lorenzo in Florenz.
Derag Livinghotel De Medici Die Kassettendecke ist eine originalgetreue Nachbildung der Decke in der Basilica di San Lorenzo in Florenz. © Jan Dimog
Derag Livinghotel De Medici.  Das Hotel verfügt über 170 Hotelzimmer und Suiten.
Derag Livinghotel De Medici Das Hotel verfügt über 170 Hotelzimmer und Suiten. © Jan Dimog
Derag Livinghotel De Medici.  Das ursprüngliche Gebäude stammt aus dem 17. Jahrhundert. Von 2010 bis 2014 wurde das Haus von der Derag-Gruppe restauriert
und renoviert.
Derag Livinghotel De Medici Das ursprüngliche Gebäude stammt aus dem 17. Jahrhundert. Von 2010 bis 2014 wurde das Haus von der Derag-Gruppe restauriert und renoviert. © Jan Dimog

Das Zimmer

Wir nächtigen in einem Serviced Apartment. Die Mini-Suite im ehemaligen Klostertrakt überrascht mit ihren unglaublich hohen Decken. Auf dem Parkett liegt wertige Webware. Die Einbaumöbel werden ergänzt durch Antiquitäten aus Wurzelholz. Die Wand schmückt ein Panorama der nahegelegenen Düsseldorfer Rheinpromenade. Der Blick aus dem Eckzimmer fällt auf den sehr ruhigen Innenhof. Beinahe ein Wunder, befindet sich das Hotel doch mitten in der Düsseldorfer Altstadt inklusive Titty Twister-Touristen und Junggesellengrunzen.

Derag Livinghotel De Medici.  Viele der Zimmer können als Serviced Apartments gebucht werden.
Derag Livinghotel De Medici Viele der Zimmer können als Serviced Apartments gebucht werden. © Jan Dimog
Derag Livinghotel De Medici.  Neben europäischer Kunst findet man hier auch lokale Verweise, so wie die Fototapete mit der Düsseldorfer Rheinpromenade.
Derag Livinghotel De Medici Neben europäischer Kunst findet man hier auch lokale Verweise, so wie die Fototapete mit der Düsseldorfer Rheinpromenade. © Hendrik Bohle
Derag Livinghotel De Medici.  Opulent und geschichtsträchtig. In der jetzigen Kurfürstensuite befand sich früher einmal der Saal für standesamtliche Trauungen.
Derag Livinghotel De Medici Opulent und geschichtsträchtig. In der jetzigen Kurfürstensuite befand sich früher einmal der Saal für standesamtliche Trauungen. © Derag Livinghotel De Medici

Das Haus

Was machen eigentlich die Florentiner am Rhein? Anna Maria Luisa de’ Medici war mehr als 20 Jahre in Düsseldorf zu Hause. Trotz arrangierter Ehe am 29. April 1691 in Florenz waren sie und ihr Gatte Jan Wellem (Johann Wilhelm von der Pfalz) viele Jahre glücklich verheiratet. Die Medici und ihr Kurfürst liebten nicht nur sich, sondern auch die Kunst. Durch ihre Förderer entwickelte sich die Residenzstadt Düsseldorf zur europäischen Kunstmetropole. Das Paar gründete eine der frühesten, selbständigen Museumsbauten Europas, die Düsseldorfer Gemäldegalerie. Nach kriegsbedingten Zerstörungen befindet sich der Bestand heute in der Münchener Alten Pinakothek. 1696 eröffneten sie die Oper am Rhein. Das Hotel verweist auf diese Zeit. Seine Mauern atmen Geschichte. Die Sammlung ist prachtvoll und skurril, eine wahre Wunderkammer des Kunsthandwerks. Die Eigentümerfamilie hat hier ihre über Jahre gesammelten Schätze zusammengetragen: Spazierstöcke, Pfeifen, Tapisserien, Gemälde, Plastiken und Reliefs. Man kann Stunden in den ehemaligen Klostermauern verbringen. Das Haus selbst hat eine wechselvolle Geschichte. Es wurde im 17. Jahrhundert als Sitz des Jesuitenordens errichtet. Später war es Regierungs- und Verwaltungssitz. Die schlichte, klassizistische Fassade zur Mühlenstraße entwarf kein geringerer als Karl Friedrich Schinkel. In der angrenzenden Andreaskirche wurde der Kurfürst beigesetzt. Sie zählt als wichtigstes Zeugnis frühbarocker Baukunst in der Region (Weihe: 1629). Seine Frau liegt in Florenz.

Derag Livinghotel De Medici.  Mit seinem farbigen Glasdach bildet der Lichthof das Herz des Hauses.
Derag Livinghotel De Medici Mit seinem farbigen Glasdach bildet der Lichthof das Herz des Hauses. © Jan Dimog
Derag Livinghotel De Medici.  Musen und Aphrodite im Lichthof
Derag Livinghotel De Medici Musen und Aphrodite im Lichthof © Hendrik Bohle
Derag Livinghotel De Medici.  Das Treppenhaus im Renaissancestil
Derag Livinghotel De Medici Das Treppenhaus im Renaissancestil © Hendrik Bohle
Derag Livinghotel De Medici.  Historie und Funktionalität im Treppenhaus
Derag Livinghotel De Medici Historie und Funktionalität im Treppenhaus © Hendrik Bohle
Derag Livinghotel De Medici.  Klassisch-dezent und zeitlos-elegant
Derag Livinghotel De Medici Klassisch-dezent und zeitlos-elegant © Jan Dimog
Derag Livinghotel De Medici.  In den langen Wandelgängen des Klostertrakts finden sich Kunstexponate mit Sakralbezug.
Derag Livinghotel De Medici In den langen Wandelgängen des Klostertrakts finden sich Kunstexponate mit Sakralbezug. © Hendrik Bohle
Derag Livinghotel De Medici.  Spazierstocksammlung stammt Großteils aus dem 18. vor
allem 19. Jahrhundert, der Epoche des Flaneurs
Derag Livinghotel De Medici Spazierstocksammlung stammt Großteils aus dem 18. vor allem 19. Jahrhundert, der Epoche des Flaneurs © Jan Dimog
Derag Livinghotel De Medici.  Das Marmorrelief zeigt Ballspieler aus Griechenland im 6. Jahrhundert v. Chr.
Derag Livinghotel De Medici Das Marmorrelief zeigt Ballspieler aus Griechenland im 6. Jahrhundert v. Chr. © Jan Dimog
Derag Livinghotel De Medici.  Der Speisesaal befindet sich im ehemaligen zweiten Innenhof.
Derag Livinghotel De Medici Der Speisesaal befindet sich im ehemaligen zweiten Innenhof. © Jan Dimog
Derag Livinghotel De Medici.  Das Familienwappen der Medici findet sich überall im Haus, so wie hier als Intarsie eines Tisches im Speisesaal.
Derag Livinghotel De Medici Das Familienwappen der Medici findet sich überall im Haus, so wie hier als Intarsie eines Tisches im Speisesaal. © Jan Dimog

Bereits seit 1987 befindet sich im Alten Stadthaus die Mahn- und Gedenkstätte für die Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft. Die Räume dienten in der Zeit des Nationalsozialismus als Büros, Vernehmungsräume und Haftzellen der Polizei. 2015 wurde die neukonzeptionierte Gedenkstätte mit einem Anbau im dritten Hof der Gesamtanlage eröffnet. In direkter Nachbarschaft des De Medici gibt es mit der Deutschen Oper am Rhein, dem K21, der Kunsthalle Düsseldorf und dem Schmela Haus noch mehr Kunst. Genug also, um ein gesamtes Wochenende ausschließlich hier zu verbringen. Wozu dann noch in die Altstadt?

Unsere redaktionell unabhängige Hotel-Recherche verdanken wir der Einladung des Derag Livinghotel De Medici in Düsseldorf.

Von Hendrik Bohle Architekt, Autor und Stadtforscher, veröffentlicht am .