Eingangshalle mit Weite, Tiefe und Höhe.

Museum der Geschichte der Polnischen Juden Polin.
Museum der Geschichte der Polnischen Juden Polin © W. Kryński / POLIN Museum of the History of Polish Jews
Museum der Geschichte der Polnischen Juden Polin.
Museum der Geschichte der Polnischen Juden Polin © W. Kryński / POLIN Museum of the History of Polish Jews
Museum der Geschichte der Polnischen Juden Polin.
Museum der Geschichte der Polnischen Juden Polin © W. Kryński / POLIN Museum of the History of Polish Jews
Museum der Geschichte der Polnischen Juden Polin.
Museum der Geschichte der Polnischen Juden Polin © W. Kryński / POLIN Museum of the History of Polish Jews
Museum der Geschichte der Polnischen Juden Polin.
Museum der Geschichte der Polnischen Juden Polin © W. Kryński / POLIN Museum of the History of Polish Jews
Museum der Geschichte der Polnischen Juden Polin.
Museum der Geschichte der Polnischen Juden Polin © W. Kryński / POLIN Museum of the History of Polish Jews
Museum der Geschichte der Polnischen Juden Polin.
Museum der Geschichte der Polnischen Juden Polin © W. Kryński / POLIN Museum of the History of Polish Jews

Ein Wechsel aus Präsenz und Durchlässigkeit, aus Stärke und weicher Transparenz.

Die große, freie Fläche fällt auf. Umrahmt von kompakt-unauffälligen Mehrfamilienhäusern der Nachkriegszeit. Auf der Fläche steht das 12.000 m2-große Gebäude des Museums der Geschichte der Polnischen Juden. Es befindet sich gegenüber des Denkmals der Helden des Warschauer Ghettos. Muranów ist ein geschichtsträchtiges Quartier, das wie ein Konzentrat der Gräuel und Tragödien des Zweiten Weltkriegs, der Frevel und Verbrechen Nazideutschlands wirkt. Insofern passen die Risse, Spalten und Auslassungen, die die grünlich schimmernde Fassade aus Glaslamellen und perforiertem Blech bestimmen. An diesem warmen Sommertag in der polnischen Hauptstadt umrunde ich den im Grundriss quadratischen Baukörper des finnischen Büros Lahdelma & Mahlamäki Architects und bemerke das Spiel mit den (Ein)Schnitten der Fassade. Mal ist es nur eine Ecke, die ausgefurcht ist, mal scheint die Fassade in einer Glaswand zu verschwinden wie die der Straße Karmelicka zugewandte Seite des Gebäudes. Ein Wechsel aus Präsenz und Durchlässigkeit, aus Stärke und weicher Transparenz. Durch den 20 m hohen Spalt auf der Seite, die zur Zamenhofa-Straße führt, geht es tief in das Innere des Hauses bis hin zur Rückseite mit der Glasfassade. Der Spalt ist das Symbol für die Teilung des Roten Meeres durch Moses und gleichzeitig auch beeindruckende Eingangshalle mit Weite, Tiefe und Höhe. Hier beginnt die Museumsreise in acht Galerien durch die tausendjährige Geschichte der polnischen Juden.

Museum der Geschichte der Polnischen Juden Polin.
Museum der Geschichte der Polnischen Juden Polin © Hendrik Bohle
Museum der Geschichte der Polnischen Juden Polin.
Museum der Geschichte der Polnischen Juden Polin © Hendrik Bohle
Museum der Geschichte der Polnischen Juden Polin.
Museum der Geschichte der Polnischen Juden Polin © Hendrik Bohle
Museum der Geschichte der Polnischen Juden Polin.
Museum der Geschichte der Polnischen Juden Polin © Hendrik Bohle
Museum der Geschichte der Polnischen Juden Polin.
Museum der Geschichte der Polnischen Juden Polin © Hendrik Bohle
Museum der Geschichte der Polnischen Juden Polin.
Museum der Geschichte der Polnischen Juden Polin © Hendrik Bohle
Museum der Geschichte der Polnischen Juden Polin.
Museum der Geschichte der Polnischen Juden Polin © Hendrik Bohle
Museum der Geschichte der Polnischen Juden Polin.
Museum der Geschichte der Polnischen Juden Polin © Hendrik Bohle
Museum der Geschichte der Polnischen Juden Polin.
Museum der Geschichte der Polnischen Juden Polin © Hendrik Bohle
Museum der Geschichte der Polnischen Juden Polin.
Museum der Geschichte der Polnischen Juden Polin © Hendrik Bohle

"Ein Ort, der erzählt, wie sie lebten, was sie schufen, wovon sie träumten."

Marian Turski

Das weltweit erste und einzige Museum mit dieser thematischen Ausrichtung präsentiert Leben, Kultur und Gesellschaft der in Polen lebenden jüdischen Menschen vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Dabei versteht sich das Museum als Haus für das Leben.
"Die Abgründe, die der Holocaust verursacht hat, können nicht repariert werden. Aber die Ausstellung und das Museumsprogramm sind als Brücken über die Risse gedacht. Diese Brücke können helfen die Verbindungen der Juden mit der eigenen Geschichte in Europa wieder aufzunehmen. Sie können dabei den Menschen heute zeigen, dass es eine starke Verbindung mit den Juden gab und starke jüdische Wurzeln", so die Erklärung auf der Website des Museums. Die Dauerausstellung ist im Untergeschoss, im Erdgeschoss sind ein Raum für Wechselausstellungen, das Restaurant und Café. Museumshop, Auditorium, Büros und Konferenzräume befinden sich in den Obergeschossen. Das Ausstellungskonzept legt wert auf Haptik und Emotion, auf Sehen, Spüren, Riechen und Hören. Dazu die Chefkuratorin Barbara Kirshenblatt-Gimlett:
"Polin ist kein Holocaust-Museum. Wir zeigen vor allem das jüdische Leben, das Polen über Jahrhunderte geprägt hat." Unterstützt wird sie durch den Holocaust-Überlebenden und Historiker Marian Turski, der bei der Eröffnung der Hauptausstellung sagte:
"Hier ist ein Haus, in dem die Erinnerung an meine, an unsere Vorfahren neu geschaffen wird. Ein Ort, der erzählt, wie sie lebten, was sie schufen, wovon sie träumten."
So sehe ich das Stetl, die mittelalterliche Welt, das Kulturleben – dazu die Farbenpracht bei dem Nachbau einer Synagogendecke, ein Kopfsteinpflasterweg, Zeitungsausschnitte, Bilder und die Züge für den Abtransport der Juden gen Konzentrationslager, dem bedrückendsten und eindrücklichsten Teil der Ausstellung. Im ersten Jahr besuchten fast 400.000 Menschen das Museum. 2016 ist das "Polin" das Europäische Museum des Jahres. Zurecht.

Von Jan Dimog Autor, Redakteur und (Foto)Journalist, veröffentlicht am .