Statements am Creek. Das Etisalat-Gebäude mit der Kugel (ganz links), das Sheraton (von Rader Mileto Associates), die Zentrale der National Bank of Dubai mit dem Goldsegel und rechts die Chambers of Commerce.
Statements am Creek Das Etisalat-Gebäude mit der Kugel (ganz links), das Sheraton (von Rader Mileto Associates), die Zentrale der National Bank of Dubai mit dem Goldsegel und rechts die Chambers of Commerce. © Hendrik Bohle
Deira Twin Towers. Auch bekannt als Dubai Twin Towers oder Rolex Towers von Arkiteknik International Consulting Engineers und Leo A. Daly
Deira Twin Towers Auch bekannt als Dubai Twin Towers oder Rolex Towers von Arkiteknik International Consulting Engineers und Leo A. Daly © Jan Dimog
Dubai Creek Golf Club. Von Brian Johnson
Dubai Creek Golf Club Von Brian Johnson © GAJ
Time Square. Hochhaus mit rundem Dachaufsatz
Time Square Hochhaus mit rundem Dachaufsatz © Jan Dimog
Etisalat Tower Deira. Von Arthur Erickson
Etisalat Tower Deira Von Arthur Erickson © Geoffrey Erickson
Etisalat Tower Deira. Von Arthur Erickson
Etisalat Tower Deira Von Arthur Erickson © Geoffrey Erickson
Etisalat Tower Deira. Innenraumskizze von  Arthur Erickson
Etisalat Tower Deira Innenraumskizze von Arthur Erickson © Arthur Erickson
Dubai Municipality. Postmoderner Komplex mit ineinandergeschobenen Kubaturen. Von Pacific Consultants International. Links: das Radisson Blu Hotel (früher das Intercontinental Hotel). Gut am rechten Bildrand zu erkennen: der schlanke, weiße Arbift Tower von Arthur Erickson.
Dubai Municipality Postmoderner Komplex mit ineinandergeschobenen Kubaturen. Von Pacific Consultants International. Links: das Radisson Blu Hotel (früher das Intercontinental Hotel). Gut am rechten Bildrand zu erkennen: der schlanke, weiße Arbift Tower von Arthur Erickson.
Dubai Municipality. Von Pacific Consultants International. Rotbrauner Granit trifft Marmor trifft Rundungen und quadratischen Überbau mit acht Stockwerken.
Dubai Municipality Von Pacific Consultants International. Rotbrauner Granit trifft Marmor trifft Rundungen und quadratischen Überbau mit acht Stockwerken. © Jan Dimog

In Deira wuselt es. Der Stadtteil am Creek zwischen dem internationalen Flughafen von Dubai und der Küste ist lebendig, laut und sehr bunt. Natürlich herrscht in Deira auch das durchorganisiert-cleane, das zu Dubai gehört wie der goldbestreute Cappuccino im Burj Al Arab. Aber Deira fehlt die aseptische Ödnis, die einem auffällt, wenn man sich zu lange in den Shopping Mall-Gebieten auffällt. Klar, Malls hat es auch hier, z. B. das Deirah City Center oder das Al Ghurair Center. Gerade das Al Ghurair steht für den Clash of Stadtkulturen: denn wenn es einem zu steril wird in dieser Erlebnis-Einkaufs-Foodcourt-Welt geht es hinaus zum Metrobahnhof Union. Der ist an sich keine Sehenswürdigkeit. Aber die Grünfläche am Bahnhof ist prädestiniert für Picknicks und ist Erholungsgebiet der Pendler und Feierabend-Menschen. Rund um die 8th Street und die 23rd Street tobt das Leben: Restaurants, Imbisse und Garküchen mit indischer, pakistanischer und tansanischer Küche, Elektrofachgeschäfte für Klimaanlagen und medizinisches Gerät, Reisebüros, Verleihfirmen, Menschenströme, Saris, Autohupwettbewerbe – kurzum: es wuselt, es lebt, es ist Deira.

Baustatements von Arthur Erickson, GAJ und Carlos Ott für Dubais Aufschwung

Nur wenige Schritte vom puren Deira-Unionbahnhofsleben entfernt und dem Lauf des Creek folgend, trifft man auf die Straße Baniyas Road. An dem auch als D 85 bekannten Weg befinden sich mehrere signifikante Gebäude, die Dubais Entwicklungen symbolisieren:

  • die Dubai Municipality von Pacific Consultants International (1978)
  • der Etisalat Tower 1 von Arthur Erickson (1986)
  • der Dubai Creek Golf & Yacht Club von GAJ (1991),
  • die Deira Twin Towers von Leo A. Daly (1998) und
  • die Zentrale der National Bank of Dubai (NBD) von Carlos Ott (mit der NORR Group, 1998).

Dubais Stadtevolution vollzog sich ab Ende der 1970er Jahre zunächst mit wohldosierten Leuchtturmprojekten. Der wichtigste Bau zum neuen Jahrzehnt war das World Trade Center von John R. Harris mit dem Sheikh Rashid Tower an der damals noch sand- und staubumtosten Sheikh Zayed Road. Doch ab den 1990ern eilte Dubai von einem Symbolgebäude zum nächsten. An der Baniyas Road manifestierte sich dieser Wille zu gebautem Ehrgeiz. Rund um die Straße schien der Wunsch nach expressiv-postmoderner Architektur ebenso stark zu sein wie die Integration emiratisch-traditioneller Elemente wie z. B. Fassaden im Mashrabiya-Stil. Die Zentrale der NBD steht dabei stellvertretend für die Einbindung regionaler Kultur wie auch für Deira als historisches Handelszentrum des Emirats. Schließlich befindet sich hier auch der Gold-Souk. Die von Granitsäulen gestützte Fassade des NBD symbolisiert ein unter Wind stehendes Segel und nimmt auf diese Weise Bezug auf die Welt der Dhaus, die seit Jahrhunderten als Transportschiffe für den überseeischen Handel mit den Ländern am Indischen Ozean eingesetzt werden. Sie repräsentieren Dubais Handelstradition. Die Kundenhalle des NBD ist die Basis, die mit einem Leergeschoß leicht abgesetzt ist. Das Aluminiumdach ist der gebogene Rumpf des Dhaus, das sich durch das Wasser arbeitet: die grüne Glasverkleidung.
Die Baniyas Road-Skyline erlebt man am besten von der gegenüberliegenden Seite im Stadtteil Bur Dubai. Wenn sich die Sonne an dem Ott'schen Segel spiegelt, wenn sie mit den gebogenen, bläulich schimmernden Fassaden der Deira Twin Towers spielt, wenn vor dieser Kulisse noch das tanzende Wasser des Creek als Schauelement dazu kommt, dann weiß man was sich mit den Baniyas-Bauten bereits ankündigte – der Katapultaufstieg Dubais. Und das Wissen um Inszenierung und Dramatik. Wem das dann irgendwann reicht, kann ja schnell zurück ins Gewusel. Nach der Baniyas-Symbolik kommt die Deira-Dynamik.

Goldsegel mit konkaver Glasfront: die NBD-Zentrale des kanadisch-uruguayischen Architekten Carlos Ott

National Bank of Dubai (NBD). Die NBD-Zentrale von Carlos Ott (mit der NORR Group)
National Bank of Dubai (NBD) Die NBD-Zentrale von Carlos Ott (mit der NORR Group) © NORR Group
National Bank of Dubai (NBD). Seitenansicht der NBD-Zentrale von Carlos Ott (mit der NORR Group)
National Bank of Dubai (NBD) Seitenansicht der NBD-Zentrale von Carlos Ott (mit der NORR Group) © NORR Group
National Bank of Dubai (NBD). Seitenansicht der NBD-Zentrale von Carlos Ott (mit der NORR Group)
National Bank of Dubai (NBD) Seitenansicht der NBD-Zentrale von Carlos Ott (mit der NORR Group) © NORR Group
National Bank of Dubai (NBD). Die Kundenhalle der NBD-Zentrale von Carlos Ott (mit der NORR Group)
National Bank of Dubai (NBD) Die Kundenhalle der NBD-Zentrale von Carlos Ott (mit der NORR Group) © NORR Group
National Bank of Dubai. Schnitt durch die NBD
National Bank of Dubai Schnitt durch die NBD © NORR Group
Arbift Tower. Der im Internationalen Stil erbaute Turm ist wie der Etisalat Tower ebenfalls ein Arthur Erickson-Bau. Der in Vancouver geborene Architekt war einer der wichtigsten Vertreter der kanadischen Nachkriegsarchitektur. Spitzname:
Arbift Tower Der im Internationalen Stil erbaute Turm ist wie der Etisalat Tower ebenfalls ein Arthur Erickson-Bau. Der in Vancouver geborene Architekt war einer der wichtigsten Vertreter der kanadischen Nachkriegsarchitektur. Spitzname: "Beton-Poet". © Jan Dimog
Gitterwerk. Vorgehängte Fassade mit Anklängen an die Mashrabiya-Tradition.
Gitterwerk Vorgehängte Fassade mit Anklängen an die Mashrabiya-Tradition. © Jan Dimog

Der Deira- und Baniyas Road-Rundgang entstand im Rahmen der Recherchen zum neuen Buch von Hendrik Bohle und Jan Dimog und mit Unterstützung von Dubai Tourism. Der Architekturführer Vereinigte Arabische Emirate kommt ab August 2016 in den weltweiten Handel und wurde offiziell im vergangenen Mai auf der Buchmesse von Abu Dhabi vorgestellt. Weitere Baniyas-Bauten und die dafür verantwortlichen Protagonisten werden eingehender im Buch vorgestellt, inklusive einem Portrait des Beton-Poeten Arther Erickson und mit einem Brian Johnson-Interview (GAJ), dessen Golf Club am Creek auf einem emiratischen Geldschein verewigt wurde.

Von Jan Dimog Autor, Blogger und (Foto)Journalist, veröffentlicht am .