U Bahnhof Brandenburger Tor.
U Bahnhof Brandenburger Tor © Jan Dimog

Berliner, Exilwestdeutsche und Architekturkritiker meckern gerne über die "Touri-Orte" in der Hauptstadt. Allet zu steril, zu sauber, zu "touri-mäßig". Der U-Bahnhof Brandenburger Tor ist so einer dieser Bäh-Plätze. Tatsächlich wurde lange über Sinn und Unsinn der Stummel-Linie U55 mit seinen insgesamt drei Bahnhöfen gestritten. Nun ist der von Ingrid Hentschel und Prof. Axel Oestreich entworfene (in Zusammenarbeit mit artus Architekten) U-Bahnhof Brandenburger Tor seit acht Jahren fertiggestellt – und was ist? Ja, er ist ziemlich einsam und touri-mäßig. Denn bis auf die paar Gäste aus aller Welt, die hier eher aus Zufall landen, herrscht brandenburgische Bahnhofsruhe. Zwischendurch räuspert sich jemand und starrt eine Wand bzw. die Dauerausstellung zum Brandenburger Tor und zur Berliner Mauer an. Auf diese Weise erfahren die Weltbesucher viel über Berlins Geschichte – wortwörtlich, wenn sie die U55 gen Bundestag und Hauptbahnhof nehmen. Während die anderen also mosern, erleben Berlingäste in Architektur gebettete Geschichte. Berlin jedoch ist woanders. Da passt der Slogan des Projekts U5 bei dem die U5 mit der U55 miteinander verbunden werden: Für mehr Mittendrin. Und mehr Hönow.

Von Jan Dimog Autor, Redakteur und (Foto)Journalist, veröffentlicht am .