"Each Person must live their live as model for others."

Rosa Parks

Das Haus der amerikanischen Bürgerrechtlerin Rosa Parks ist versteckt und sehr präsent zugleich. Es steht in Berlin-Wedding, in einem Innenhof, der nur an bestimmten Tagen zu bestimmten Uhrzeiten geöffnet wird. An diesem Sonntagnachmittag ist das Tor offen. Wer die vielen Besucher*innen sieht, stellt schnell fest: es ist ein Kunsthappening. Tische und Bänke sind mit leeren Bierflaschen und vollen Aschenbechern vollgestellt und die Leute fotografieren das Gebäude mit Smartphones und Spiegelreflexkameras umfassend. Ich frage mich: wieso steht das Haus in Deutschland und warum sieht es so heruntergekommen aus? Die Antworten sind so banal wie ernüchternd. Sie sagen einiges über die Erinnerungskultur in den USA und über Berlins jetzige Offenheit aus.

The Rosa Parks' House.
The Rosa Parks' House © Hendrik Bohle
The Rosa Parks' House.
The Rosa Parks' House © Jan Dimog
The Rosa Parks' House.
The Rosa Parks' House © Hendrik Bohle
The Rosa Parks' House.
The Rosa Parks' House © Hendrik Bohle
The Rosa Parks' House.
The Rosa Parks' House © Hendrik Bohle
The Rosa Parks' House.
The Rosa Parks' House © Jan Dimog

Rosa Parks wohnte in dem Haus in Detroit nur wenige Jahre. Zuvor war sie mit ihrem Mann aus dem Süden in die Industriestadt gezogen. Sie, die maßgeblich zum Beginn der Bürgerrechtsbewegung unter Martin Luther King (1929–1968) beigetragen hatte, war zu einer Hassfigur geworden. Rassisten bedrohten das Ehepaar Parks so massiv, dass sie keine andere Lösung sahen, als anderthalb tausend Kilometer gen Norden zu flüchten. Die Weigerung der damals 42-jährigen Näherin in einem Bus in Montgomery im Süden der USA Platz für einen Weißen zu machen, machte sie zur Ikone. Für ihren Mut und ihr Engagement wurde sie mehrfach ausgezeichnet und geehrt. Ihr Haus in Detroit scheint das alles nicht verdient zu haben. Es verfiel.

The Rosa Parks' House.
The Rosa Parks' House © Hendrik Bohle
The Rosa Parks' House.
The Rosa Parks' House © Hendrik Bohle
The Rosa Parks' House.
The Rosa Parks' House © Hendrik Bohle
The Rosa Parks' House.
The Rosa Parks' House © Hendrik Bohle
The Rosa Parks' House.
The Rosa Parks' House © Hendrik Bohle
The Rosa Parks' House.
The Rosa Parks' House © Hendrik Bohle
The Rosa Parks' House.
The Rosa Parks' House © Jan Dimog

2016 kaufte Parks Nichte Rhea McCauley das Haus. Sie wandte sich an den Künstler Ryan Mendoza, spendete ihm das Haus und bewahrte es so vor dem Abriss. Mendoza ließ das Gebäude in Berlin neben seinem Studio wiederaufbauen. Zuvor hatte er sich vergeblich an die Detroiter Verwaltung und andere Stellen gewandt. Kein Interesse und kein Platz für das Haus einer Heldin.
Jetzt also in der Wriezener Straße im Soldiner Kiez. Wo Mütter ihren Grundschultöchtern beflissentlich erklären wie schlimm es um die Schwarzen damals stand. Wo mit Lust über Trumps Amerika gelästert wird. Wo vergessen wird, dass Berlin nicht immer für Offenheit stand. Wo es irritiert, dass der Zugang zu einem so wichtigen Gebäude kontrolliert wird und beschränkt ist. Müsste ein Haus dieses Kalibers nicht auf dem Alexanderplatz stehen. Oder direkt am Brandenburger Tor? Oder man organisiert gleich eine Mahnhaustour nach Freital, Rostock, Mölln, Solingen und anderen Städten, wo "normale Bürger" sehr unnormale Sachen veranstaltet haben. Danach kann Frau Parks Haus gerne wieder zurück in die USA. Eine dortige Tour dürfte ähnlich lang werden.

"A quiet exemplification of courage, dignity, and determination; Rosa Parks was a symbol to all to remain free."

Rosa and Raymond Parks Institute, gegründet 1987 von Rosa Parks und Elaine Eason Steele zu von Raymond Parks (1903–1977).

Von Jan Dimog Autor, Redakteur und (Foto)Journalist, veröffentlicht am .