Außergewöhnliche Stararchitektur in der Niederlausitz? Eines der ältesten Kinos Deutschlands mit einer preisgekrönten, stilvollen Modernisierung und Erweiterung? Das einzige staatliche Theater in Brandenburg und zugleich stolzes Zeichen für Bürgerengagement? Bei meiner Tour erlebe ich all das und ein von der Ostmoderne wie von fein restaurierten Bürgerhäusern und barocken Giebelfassaden geprägtes Stadtbild mit Architekturen von dem weltweit gefeierten Büro Herzog & de Meuron, dem eklektizistischen Bernhard Sehring und dem Kraftwerksbaumeister Werner Issel. Die Wandlung des Issel-Baus dkw. Kunstmuseum Dieselkraftwerk durch das Büro Anderhalten hin zu einem modernen Museum zeigt, das alte Schmuckstücke gekonnt ins 21. Jahrhundert getragen werden können. Die Architektur-Ziele sind in der 100.000-Einwohnerstadt im Zentrum und da der Cottbusser Stadtkern kompakt ist, können alle Punkte gut zu Fuß erreicht werden.

Der Weltspiegel

Weltspiegel.  Entworfen vom Cottbuser Architekten Paul Thiel. Fertigstellung: 1910.
Weltspiegel Entworfen vom Cottbuser Architekten Paul Thiel. Fertigstellung: 1910. © Jan Dimog
Weltspiegel.  Mehrjähriger Umbau durch Studio Alexander Fehre, nachdem Ralf Zarnoch das Traditionskino erworben hatte.
Weltspiegel Mehrjähriger Umbau durch Studio Alexander Fehre, nachdem Ralf Zarnoch das Traditionskino erworben hatte. © Jan Dimog
Weltspiegel.  Die Gestaltung des Innenarchitekten Fehre ist eine Hommage an die Kinogeschichte, zu sehen auch im Eingangsbereich mit dem dreidimensional anmutenden Teppich.
Weltspiegel Die Gestaltung des Innenarchitekten Fehre ist eine Hommage an die Kinogeschichte, zu sehen auch im Eingangsbereich mit dem dreidimensional anmutenden Teppich. © Jan Dimog
Weltspiegel.  Die Kinobar mit dem L-förmigen Tresen und den schwungvollen LED-Linien.
Weltspiegel Die Kinobar mit dem L-förmigen Tresen und den schwungvollen LED-Linien. © Jan Dimog
Weltspiegel.  Die Zusammenführung von Historie und Moderne gelang mit einer Mischung aus ...
Weltspiegel Die Zusammenführung von Historie und Moderne gelang mit einer Mischung aus ... © Jan Dimog
Weltspiegel.  ... klaren Linien und einer pointierten Formensprache, die ...
Weltspiegel ... klaren Linien und einer pointierten Formensprache, die ... © Jan Dimog
Weltspiegel.  ... mit Paul Thiels eklektizistischem Entwurf kontrastiert.
Weltspiegel ... mit Paul Thiels eklektizistischem Entwurf kontrastiert. © Jan Dimog
Weltspiegel.  Der Umbau durch Fehre ist 2017 mit dem renommierten Iconic Award ausgezeichnet worden. Einer der Höhepunkte des Kinos: der große Saal mit 500 Plätzen und der Kassettendecke.
Weltspiegel Der Umbau durch Fehre ist 2017 mit dem renommierten Iconic Award ausgezeichnet worden. Einer der Höhepunkte des Kinos: der große Saal mit 500 Plätzen und der Kassettendecke. © Jan Dimog

„Klein, fein und ist nicht nur gefühlt schon immer da gewesen ... Kindheitserinnerungen stecken auch von mir da drin! Das schönste Kino nicht nur in Cottbus, weit über die Stadtgrenzen hinaus findet sich kein vergleichbares.“
So kommentieren begeisterte Kinobesucher auf der Facebook-Seite des Weltspiegels das altehrwürdige „Kinematographentheater“. Als Filmfan fängt meine architektonische Tour mit einem Kleinod der Kinogeschichte an. Denn der gebürtige Cottbuser Architekt Paul Thiel entwarf 1910 ein eklektizistisches Lichtspielhaus, das Jugendstilelemente mit luxuriöser Ausstattung verband. Am 4. Oktober 1911 eröffnete der Weltspiegel mit fast 800 Plätzen, wenige Monate nachdem Thiel verstorben war. Nur das Moviemento (Inbetriebnahme: 1907) in Berlin-Kreuzberg und das 1908 eröffnete Burg Theater in Magdeburg sind in Deutschland älter. Der vielfach umgebaute Weltspiegel war mehrere Jahre eine Spielstätte des Osteuropäischen Filmfestivals und wurde 2009 bis 2012 aufwendig restauriert. Aus jener Zeit stammen der moderne Anbau mit zwei Kinosälen und einer Filmbar. Ralf Zarnoch hatte das Haus erworben und wusste nicht worauf er sich eingelassen hatte, so der gelernte Landschaftsgärtner und Außenhandelskaufmann bei unserem Gang durch das Kino. Er habe mehrere Architekten verschlissen, „bevor ich mit Alexander Fehre den richtigen für den Umbau hatte.“
Der Stuttgarter Innenarchitekt Alexander Fehre konzipierte das ehemalige Einsaalkino neu und gestaltete es wie aus einem Guss mit genauem Auge fürs Detail. Die Zusammenführung von Historie und Moderne gelang mit einer Mischung aus klaren Linien, dem pointierten Einsatz von Technik und Verweisen auf die Kinogeschichte ohne dabei in plumpe Nostalgie zu verfallen. Der historische Saal wurde durch eine einfahrbare Podestierung auch für Veranstaltungen nutzbar gemacht und gilt mit seiner goldenen, denkmalgeschützten Kassettendecke als wortwörtliches Highlight des Gebäudes.
Beim Gang durch das Haus arbeiten wir uns von Etage zu Etage bis wir schließlich auf der Dachterrasse mit dem großartigen Stadtpanorama stehen. Natürlich war der Umbau damals mühevoll, so Zarnoch. Auch der Kinobetrieb und die damit verbundenen Auflagen seien nicht einfach. Trotzdem merkt man dem gebürtigen Cottbusser die enthusiastische Verbundenheit mit dem Haus an, schließlich „habe ich hier meine Jugendweihe gefeiert.“
Die Verbindung aus Geschichtsbewusstsein, Ästhetik und feinem Gestaltungswillen führte 2017 zum Iconic Award. Mit dem Preis werden herausragende Bauprojekte gewürdigt. Das Studio Alexander Fehre erhielt den renommierten Preis in der Kategorie Inneneinrichtung.
Nach der Dachterrasse sind wir bei unserem Rundgang in der ebenfalls von Fehre gestalteten Kinobar mit dem L-förmigen Tresen angekommen, der mit seiner Form Barbetrieb und Kartenverkauf vereint. Die abgehängte Decke mit den schwungvollen LED-Linien bildet den Kontrast zur Fassade, die in konvexem Bogen dem Verlauf der Grundstücksgrenze folgt. Die strahlend weiße Putzfassade mit dem goldenen Weltspiegel-Schriftzug ist zwar mit Putten, Bändern und Konsolen verziert, doch insgesamt strahlt es eine zurückhaltende Eleganz aus, die auch die Innengestaltung des Kinos auszeichnet. Wahrscheinlich ist es genau diese Kombination, die viele Kinogänger dazu bringt, begeistert in den sozialen Medien zu kommentieren.

Informations-, Kommunikations- und Medienzentrum Cottbus (IKMZ)

IKMZ BTU.  Das Informations-, Kommunikations- und Medienzentrum Cottbus (IKMZ) ist Teil der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (btu), entworfen von Herzog & de Meuron. Fertigstellung: 2004.
IKMZ BTU Das Informations-, Kommunikations- und Medienzentrum Cottbus (IKMZ) ist Teil der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (btu), entworfen von Herzog & de Meuron. Fertigstellung: 2004. © Jan Dimog
IKMZ BTU.  Die Cottbusser Bibliothek ist neben der in Eberswalde einer der wenigen Bauten der Schweizer Architekten im Osten Deutschlands.
IKMZ BTU Die Cottbusser Bibliothek ist neben der in Eberswalde einer der wenigen Bauten der Schweizer Architekten im Osten Deutschlands. © Jan Dimog
IKMZ BTU.  Die Planer u. a. der Elbphilharmonie (Hamburg, 2017) und der Allianz Arena (München, 2005) setzten in Cottbus auf starken Innen-Außen-Kontrast.
IKMZ BTU Die Planer u. a. der Elbphilharmonie (Hamburg, 2017) und der Allianz Arena (München, 2005) setzten in Cottbus auf starken Innen-Außen-Kontrast. © Jan Dimog
IKMZ BTU.  Das 32 Meter hohe Gebäude steht auf einer kleinen Anhöhe und zeichnet sich durch die fließenden Formen aus.
IKMZ BTU Das 32 Meter hohe Gebäude steht auf einer kleinen Anhöhe und zeichnet sich durch die fließenden Formen aus. © Jan Dimog
IKMZ BTU.  In der Innengestaltung setzten Herzog & de Meuron auf ein ...
IKMZ BTU In der Innengestaltung setzten Herzog & de Meuron auf ein ... © Jan Dimog
IKMZ BTU.  ... knalliges Farbleitsystem, das sie ...
IKMZ BTU ... knalliges Farbleitsystem, das sie ... © Jan Dimog
IKMZ BTU.  ... vom Eingangsbereich bis in die Lesesäle in den ...
IKMZ BTU ... vom Eingangsbereich bis in die Lesesäle in den ... © Jan Dimog
IKMZ BTU.  ... oberen Stockwerken konsequent umgesetzt haben.
IKMZ BTU ... oberen Stockwerken konsequent umgesetzt haben. © Jan Dimog
IKMZ BTU.  Die ausladende Wendeltreppe hat einen Durchmesser von sechs Metern.
IKMZ BTU Die ausladende Wendeltreppe hat einen Durchmesser von sechs Metern. © Jan Dimog
IKMZ BTU.  Sie verbindet alle Stockwerke und durchschneidet die Gebäudestruktur wie eine ...
IKMZ BTU Sie verbindet alle Stockwerke und durchschneidet die Gebäudestruktur wie eine ... © Jan Dimog
IKMZ BTU.  ... Alice im Wunderland-Konstruktion ...
IKMZ BTU ... Alice im Wunderland-Konstruktion ... © Jan Dimog
IKMZ BTU.  Schwungvoll, schräg, skulptural.
IKMZ BTU Schwungvoll, schräg, skulptural. © Jan Dimog

„Je nach Winkel und Perspektive sieht das Gebäude anders aus und behält doch seine fließende Form. Das Design leitet sich vom Wunsch ab dem Ort eine neue und unverwechselbare Qualität im städtischen Kontext zu verleihen“, so erklären Herzog & de Meuron den Bibliotheksbau der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (btu). Dieser ist eine Viertelstunde Fußweg vom Weltspiegel entfernt und will sich zunächst nicht in das Stadtbild einfügen. Die gekurvte Form, die Inszenierung des Baus auf einer Anhöhe und der große Abstand zu den Nachbargebäuden machen die 32 Meter hohe und 12.000 Quadratmeter große Bibliothek zum Solitär, der in der Tat mit Perspektiven und Blickwinkeln spielt. So wie vom renommierten Architekturbüro aus Basel, Schweiz geplant. Ich empfehle mindestens einmal die Stahlbetonkonstruktion mit der Glasfassade zu umrunden. Mal erscheint sie luftig-transparent, dann wieder wie eine begehbare Skulptur, je nach Tageszeit, Lichtverhältnissen und Witterung. Im Foyer gibt es einen Kontrast, den man wegen des ätherischen Äußeren nicht vermutet hätte. Die ausladende Wendeltreppe mit einem Durchmesser von sechs Metern verbindet alle Stockwerke und durchschneidet die Gebäudestruktur wie eine Alice im Wunderland-Konstruktion: farbig, schwungvoll, schräg. Die Architekten beschreiben sie als „freistehendes, skulpturales Objekt, das Orientierung und Platz sowohl für die Eiligen wie diejenigen bietet, die mit anderen plaudern wollen.“
Das Bunte der Wunderland-Treppe haben die Planer als Farbleitsystem in den Lesesälen und im gesamten Gebäude aufgenommen, so konsequent, dass sie selbst sagen:
„Das hat alles beinah einen psychedelischen Effekt.“
Insofern sind sich der Bibliotheksbau und der Weltspiegel ähnlich: ein Äußeres mit Ebenmaß trifft auf eine kontrastierende Innengestaltung mit einer eigenen Form- und Farbsprache.

Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst

Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst.  Das ehemalige Dieselkraftwerk und heutige Kunstmuseum wurde von Werner Issel entworfen. Fertigstellung: 1928.
Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst Das ehemalige Dieselkraftwerk und heutige Kunstmuseum wurde von Werner Issel entworfen. Fertigstellung: 1928. © Jan Dimog
Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst.  Im Sommer 2017 fusionierten das dkw.Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus mit dem Museum Junge Kunst Frankfurt (Oder).
Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst Im Sommer 2017 fusionierten das dkw.Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus mit dem Museum Junge Kunst Frankfurt (Oder). © Jan Dimog
Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst.  Die Kraftwerksarchitektur von Issel wurde vom Berliner Büro Anderhalten modernisiert.
Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst Die Kraftwerksarchitektur von Issel wurde vom Berliner Büro Anderhalten modernisiert. © Jan Dimog
Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst.  Das Büro hat seit Gründung 1993 zahlreiche Projekten meist im denkmalgeschützten Umfeld realisiert.
Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst Das Büro hat seit Gründung 1993 zahlreiche Projekten meist im denkmalgeschützten Umfeld realisiert. © Jan Dimog
Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst.  Die Philosophie von Anderhalten: "Unsere Architektur ist gekennzeichnet von großem Respekt vor dem historischen Bestand und von gestalterischer Eigenständigkeit."
Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst Die Philosophie von Anderhalten: "Unsere Architektur ist gekennzeichnet von großem Respekt vor dem historischen Bestand und von gestalterischer Eigenständigkeit." © Jan Dimog
Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst.  In das Museum setzte das Büro frei eingestellte, geschlossene Kuben (links) ein.
Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst In das Museum setzte das Büro frei eingestellte, geschlossene Kuben (links) ein. © Jan Dimog
Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst.  Historisches Dekor
Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst Historisches Dekor © Jan Dimog
Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst.  Aufgang zu den oberen Ausstellungsbereichen
Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst Aufgang zu den oberen Ausstellungsbereichen © Jan Dimog
Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst.  Helle Klarheit in den Räumen
Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst Helle Klarheit in den Räumen © Jan Dimog
Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst.  Das Gebäude ist eine von zehn Stationen der Energie-Route der Lausitzer Industriekultur.
Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst Das Gebäude ist eine von zehn Stationen der Energie-Route der Lausitzer Industriekultur. © Jan Dimog

Für den nächsten Teil meiner architektonischen Erkundungen fange ich mit der Mühleninsel in einem besonders malerischen Teil der Stadt an. 1898 entstand an dieser Stelle mit dem Goethepark die erste Cottbuser Parkanlage. Der Amtsteich ist älter und wurde um 1600 angelegt. Zwischen Spree, Amtsteich und Mühlgraben steht hier ein rotgelbbraun-verklinkertes, expressiv anmutendes Gebäude: das Brandenburgische Landesmuseum für moderne Kunst. Im Sommer 2017 fusionierten das dkw.Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus mit dem Museum Junge Kunst Frankfurt (Oder). Zusammen hat man nun einen Sammlungsbestand von mehr als 40.000 Kunstwerken. Im Fokus stehen Kunst aus der DDR und bedeutende Werke internationaler Künstler mit etwa 20 Wechselausstellungen im Jahr.
Der 1928 fertiggestellte Bau wurde vom Norddeutschen Werner Issel (1884–1974) entworfen. Er zählt zu den bedeutendsten Architekten des Industriebaus im 20. Jahrhundert und hat zahlreiche Industriegebäude und etwa 80 Kraftwerke geplant und realisiert. Die Kraftwerksarchitektur von Issel hat das Berliner Büro Anderhalten Architekten zu einem modernen Haus umgebaut, das internationalen Standards entspricht und vielfach ausgezeichnet wurde. Ein Großteil der Projekte des 1993 gegründeten Büros haben sie im denkmalgeschützten Umfeld umgesetzt, was man dem Dieselkraftwerk im Goethepark auch ansieht.
Besucher betreten das Haus durch die neue transparente Eingangshalle, die einen sichtbaren Kontrast zum massiven Mauerwerk darstellt. Dieser gläserne Innenhof ist die zentrale Kreuzung der Anlage. Von hier geht es in Richtung Kasse, Museumsladen, Vortragsräume, Bistro und Büros. Die markante Treppe gegenüber des Eingangs führt zu den oberen Ausstellungsebenen. Während Herzog & de Meuron bei ihrer Bibliothek auf starke Außen- und Innenraumkontraste setzten, bewahrten Anderhalten die Zurückhaltung und Großzügigkeit der Räume, indem sie frei eingestellte, geschlossene Kuben einbauten. Besonders schön: das erhaltene, historische Dekor. Kein Wunder also, dass das Haus eine von zehn Stationen der Energie-Route der Lausitzer Industriekultur ist.

Staatstheater Cottbus, Großes Haus

Staatstheater Cottbus, Großes Haus.  Von Bernhard Sehring entworfen. Fertigstellung: 1908.
Staatstheater Cottbus, Großes Haus Von Bernhard Sehring entworfen. Fertigstellung: 1908. © Jan Dimog
Staatstheater Cottbus, Großes Haus.  Monumentaler Prachtbau, für den der Architekt Stile verband, sowohl für die Außen- als auch ...
Staatstheater Cottbus, Großes Haus Monumentaler Prachtbau, für den der Architekt Stile verband, sowohl für die Außen- als auch ... © Jan Dimog
Staatstheater Cottbus, Großes Haus.  ... die Innengestaltung.
Staatstheater Cottbus, Großes Haus ... die Innengestaltung. © Jan Dimog
Staatstheater Cottbus, Großes Haus.  Das Kuppelfoyer mit ...
Staatstheater Cottbus, Großes Haus Das Kuppelfoyer mit ... © Jan Dimog
Staatstheater Cottbus, Großes Haus.  ... der von Sehring konzipierten Lichtarchitektur
Staatstheater Cottbus, Großes Haus ... der von Sehring konzipierten Lichtarchitektur © Jan Dimog
Staatstheater Cottbus, Großes Haus.  Der Zuschauerraum vereint Geschichte und Glanz und ...
Staatstheater Cottbus, Großes Haus Der Zuschauerraum vereint Geschichte und Glanz und ... © Jan Dimog
Staatstheater Cottbus, Großes Haus.  ... zeigt Pracht und barocke Putti in einer tempelartigen Theaterarchitektur ...
Staatstheater Cottbus, Großes Haus ... zeigt Pracht und barocke Putti in einer tempelartigen Theaterarchitektur ... © Jan Dimog
Staatstheater Cottbus, Großes Haus.  ... mit einem Fassungsvermögen von 620 Zuschauern.
Staatstheater Cottbus, Großes Haus ... mit einem Fassungsvermögen von 620 Zuschauern. © Jan Dimog

Altmarkt

Altmarkt.  Einst wichtiger Handelsplatz, ursprünglich mit Fachwerkhäusern umbaut.
Altmarkt Einst wichtiger Handelsplatz, ursprünglich mit Fachwerkhäusern umbaut. © Jan Dimog
Altmarkt.  Heute ist er von Bürgerhäusern im Barockstil umgeben und ist ...
Altmarkt Heute ist er von Bürgerhäusern im Barockstil umgeben und ist ... © Jan Dimog
Altmarkt.  ... die gute Stube der 100.000-Einwohnerstadt.
Altmarkt ... die gute Stube der 100.000-Einwohnerstadt. © Jan Dimog

Wenn das Anderhalten-Issel-Kunstmuseum ein Leuchtturm der Kraftwerksarchitektur und damit wichtiger Teil der Baugeschichte von Cottbus ist, dann stellt das Staatstheater Cottbus Bürgerstolz, Repräsentation und das Rampenlicht dieser Stadt dar, vor allem das Große Haus am Schillerplatz. Während Issel bei dem etwa einen Kilometer entfernten Kraftwerk auf Harmonie mit dem Landschaftsraum setzte, realisierte der Architekt Bernhard Sehring auf Initiative der zu Wohlstand gekommenen Cottbuser einen monumentalen Prachtbau, der sowohl außen als auch in der Innengestaltung exzentrisch und eklektizistisch wirkt. In gebührendem Abstand von Bürgerhäusern und restaurierten Bauten umrahmt und je nach Standort scheint das Gebäude in seinen Dimensionen schwer fassbar, was auch an seiner Mehrteiligkeit liegt. Denn der 1908 eingeweihte Bau war zu klein geraten, so dass man Platz rund um die Bühne schuf. Kurze Zeit später war der querliegende Riegel fertiggestellt und wurde 1986 aufgestockt. Sehrings Bau wird oft dem Jugendstil zugeordnet.
„Das stimmt nur zum Teil“, so die Theaterpädagogin Elke Drecko bei der Führung durch das Haus, wo sie immer wieder auf Elemente des Barock und antikisierende Details hinweist. Die großen Linien außen wie auch in der Innengestaltung sind im Jugendstil gehalten, modern und verspielt zugleich. Dann tauchen steinerne Löwen, Widder, Panther und Musen im Haus und an der Fassade auf und es wird deutlich was der Autor Carsten Jung in seinem Buch „Historische Theater in Deutschland, Österreich und der Schweiz“ meint: „Sehring war kein Jugendstil-Architekt. Sein Prinzip war es, Stile verschiedener Zeiten in einem Gebäude aufeinandertreffen zu lassen, und dazu konnte auch der Jugendstil gehören.“ Gleichzeitig konstatiert der Autor, dass der Stilkontrast dezent ausfalle.
Elke Drecko zeigt mir dann noch einen der opulentesten Räume des Theaters. Über das Kuppelfoyer mit seiner „beeindruckenden Lichtarchitektur“, so Drecko, kann man nur schwärmen. Stimmt! Und der Zuschauerraum? Atmet üppige Festlichkeit und zeigt Prunk und barocke Putti in einer tempelartigen Theaterarchitektur, das nichts Geringeres ist als eine Ehrerbietung an Drama und Donner, Oper und Operette, Musical und Ballett.
Die stilverbindende Sehring-Herrlichkeit scheint stellvertretend für die besondere Cottbuser Architektursprache zu stehen. Hinzu kommt noch der Mut für die Symbiose von historischen und neuen Formen. Weniger Zeitgenössisches, dafür mehr Geschichte gibt es am Altmarkt in unmittelbarer Nähe zum Staatstheater. Für eine Kaffeepause am Ende meiner Tour gehe ich ins „Coffeelatte“ am Altmarkt 13/13a mit Kuchen und Panini aus eigener Produktion und gutem Baristahandwerk. Der Altmarkt mit den barocken Bürgerhäusern, der 400 Jahre alten Löwenapotheke und dem achteckigen Brunnen mitten auf dem Platz wirkt wie die kleine, feine Stube der Stadt. Für die nächste Erkundung nehme ich mir vor, diese und weitere baukulturelle Besonderheiten vorzunehmen. Wenn eine Stadt schon psychedelische Wendeltreppen und preisgekrönte Prachtbauten bietet, hat sie mit Sicherheit noch weitere Baukunst-Überraschungen parat.

Von Jan Dimog Autor, Redakteur und (Foto)Journalist, veröffentlicht am .