1. Tours

Der Heilige Martin erhielt hier 372 die Bischofsweihe. In der Altstadt zwischen Loire und Cher verschmelzen knarzige Fachwerkhäuser und helle Tuffsteinfassaden mit den sakralen Fragmenten ihrer geistlichen Vergangenheit. Der Zweite Weltkrieg riss eine schmerzhafte Lücke ins Stadtzentrum. Heute säumen Bauten der 1950er-Jahre die Haupteinkaufsstraße Rue Nationale. Durch ihre Mitte gleitet seit 2013 eine futuristisch anmutende Tram, die unter anderem von den Künstlern Daniel Buren und Roger Tallon gestaltet wurde. Ein frühes Werk von Jean Nouvel steht gegenüber des Bahnhofs. Seit den Neunzigern hält auch der TGW in Tours. Das neue Kongresszentrum Da Vinci wurde anfangs skeptisch beäugt. Heute steht es für den Aufbruch der Stadt, ebenso wie die klugen kleinen Entwürfe des französischen Architekten Nicolas Michelin in der Rue de Luce. Scheinbar flüchtig, beinahe schüchtern platzierte er das Théâtre Olympia und des Atemporel zwischen die hellen historischen Gemäuer. Jüngster Zugang ist das Centre de Création Contemporaine Olivier Debré (CCCOD) der portugiesischen Architektenbrüder Aires Mateus. Benannt wurde es nach dem 1999 verstorbenen Altmeister der Abstraktion in Frankreich. Das Duo ergänzte den vorhandenen Bau einer Kunstakademie aus den 1950er Jahren durch einen hellen Naturstein verkleideten Kubus. Das voll verglaste Erdgeschoss leuchtet im Dunkeln und lässt den Solitär beinahe schweben. Im Inneren befindet sich ein zweigeschossiger Hauptsaal, der auf drei Etagen von Galerien umflossen wird. Das Akademiegebäude entkernten die Architekten. In der großen Halle ist derzeit die Installation „Instrumentarium“ des Pioniers der prozessbasierten Kunst Klaus Rinke zu sehen. Die bemerkenswerte Ausstellung „Düsseldorf mon amour“ im Rahmen der Feierlichkeiten zum 40. Jubiläum des Pariser Centre Pompidou widmet sich noch bis zum 1. April 2018 seinem Schaffen. Zu sehen sind auch Werke befreundeter Künstler wie Joseph Beuys, Sigmar Polke, Jörg Immendorff, Nam June Paik, Gotthard Graubner, Tony Cragg und Thomas Ruff. Eine Frage drängt sich am Ende des Rundgangs auf. Welche Rolle spielten eigentlich Künstlerinnen in Rinkes Universum?

Tours. In der Altstadt verschmelzen knarzige Fachwerkhäuser und helle Tuffsteinfassaden mit Sakralbau-Fragmenten. Der schöne Place de Châteauneuf wurde erst kürzlich von parkenden Autos befreit.
Tours In der Altstadt verschmelzen knarzige Fachwerkhäuser und helle Tuffsteinfassaden mit Sakralbau-Fragmenten. Der schöne Place de Châteauneuf wurde erst kürzlich von parkenden Autos befreit. © Hendrik Bohle
Tours. Erst 2017 eröffnete das Centre de Création Contemporaine Olivier Debré (CCCOD) der portugiesischen Architektenbrüder Manuel und Francisco Aires Mateus.
Tours Erst 2017 eröffnete das Centre de Création Contemporaine Olivier Debré (CCCOD) der portugiesischen Architektenbrüder Manuel und Francisco Aires Mateus. © Benoit Fougeirol
Tours. Sie entkernten und erweiterten eine bestehende Kunstakademie aus den 1950er-Jahren um einen schlichten Kubus mit gläsernem Sockelgeschoss.
Tours Sie entkernten und erweiterten eine bestehende Kunstakademie aus den 1950er-Jahren um einen schlichten Kubus mit gläsernem Sockelgeschoss. © Hendrik Bohle
Tours. Den geradlinigen Anbau verkleideten sie mit Naturstein. Einige wenige Öffnungen belichten den Innenraum.
Tours Den geradlinigen Anbau verkleideten sie mit Naturstein. Einige wenige Öffnungen belichten den Innenraum. © Bettina Cohnen
Tours. Noch bis zum 1.4.2018 ist die Ausstellung „Düsseldorf mon amour“ des deutschen Künstlers Klaus Rinke zu sehen. Er war von 1974 bis 2004 Professor für Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf.
Tours Noch bis zum 1.4.2018 ist die Ausstellung „Düsseldorf mon amour“ des deutschen Künstlers Klaus Rinke zu sehen. Er war von 1974 bis 2004 Professor für Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf. © Hendrik Bohle
Tours. Im großen Saal sind Werke befreundeter Künstler wie Joseph Beuys, Sigmar Polke, Jörg Immendorff, Nam June Paik, Gotthard Graubner, Tony Cragg und Thomas Ruff zu sehen.
Tours Im großen Saal sind Werke befreundeter Künstler wie Joseph Beuys, Sigmar Polke, Jörg Immendorff, Nam June Paik, Gotthard Graubner, Tony Cragg und Thomas Ruff zu sehen. © Hendrik Bohle
Tours. In der großen Halle, der ehemaligen Kunstakademie, steht Rinkes Installation „Instrumentarium“, die in anderer Form bereits 1985 im Pariser Centre Pompidou zu sehen war. Uhren spielen in seinen Arbeiten eine wiederkehrende Rolle.
Tours In der großen Halle, der ehemaligen Kunstakademie, steht Rinkes Installation „Instrumentarium“, die in anderer Form bereits 1985 im Pariser Centre Pompidou zu sehen war. Uhren spielen in seinen Arbeiten eine wiederkehrende Rolle. © Hendrik Bohle

"Einstein hat das auch, der hat in Basel auf dem Bahnsteig gestanden, hat diese Bahnhofsuhren gesehen und die Züge, und dann ist ihm das gekommen: Dass alles relativ ist."

Klaus Rinke, Künstler

2. Chaumont-sur-Loire

Die Szenerie ist malerisch. 113 Häuschen, eine Kirche und ein Presbyterium am Ufer der Loire. Im Wasser wippen Holzkähne. Über allem thront das Château. Im Jahre 1000 zu Verteidigungszwecken errichtet, wurde es vielfach umgebaut und wechselte mehrfach seine illustren Besitzer. Sein heutiges Aussehen geht auf eine der schillerndsten Persönlichkeiten der französischen Geschichte zurück. Diane de Poitiers war Mätresse und Vertraute von König Heinrich II. Jacques-Donatien Le Ray ließ später den Nordflügel schleifen. Ein geschickter Eingriff. Die Aussicht ist himmlisch. Das Schloss war immer auch Treffpunkt luxuriöser Empfänge. Hier traf sich das Who is Who der Grande Nation und ganz Europas. Seit 2007 ist das Anwesen mit seinen weitläufigen Parkanlagen im Besitz der Region Centre-Val de Loire, dem Garten Frankreichs. Die neuen Besitzer setzen auf einen starken Dreiklang: Kulturerbe, Geschichte und Gartenkunst. So findet in jedem Sommer im 10 Hektar großen Park „Prés du Goualoup“ das Internationale Gartenfestival statt. Die Domaine Chaumont-sur-Loire hat sich auf internationaler Ebene längst einen herausragenden Ruf als Labor der gegenwärtigen Garten- und Landschaftsgestaltung erarbeitet. Im Winter liegt der Schwerpunkt auf wechselnden Ausstellungen zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler im Schloss, in den Gewächshäusern, in den umgebauten Stallungen und Flügeln des ehemaligen Bauernhofs. Alle eint dabei die Auseinandersetzung mit Natur und Landschaft. Hier sollte man das ganze Jahr verbringen, drinnen und draußen.

Chaumont-sur-Loire. Sein heutiges Aussehen geht auf Diane de Poitiers zurück. Sie war die Mätresse und Vertraute von König Heinrich II.
Chaumont-sur-Loire Sein heutiges Aussehen geht auf Diane de Poitiers zurück. Sie war die Mätresse und Vertraute von König Heinrich II. © Bettina Cohnen
Chaumont-sur-Loire. Marie-Charlotte-Constance Say ließ die Stallungen und den Musterbauernhof des Schlossguts 1877 durch den Architekten Paul-Ernest Sanson errichten. Sie galten Ende des 19. Jahrhunderts als die luxuriösesten und modernsten Europas.
Chaumont-sur-Loire Marie-Charlotte-Constance Say ließ die Stallungen und den Musterbauernhof des Schlossguts 1877 durch den Architekten Paul-Ernest Sanson errichten. Sie galten Ende des 19. Jahrhunderts als die luxuriösesten und modernsten Europas. © Hendrik Bohle
Chaumont-sur-Loire. Dort sind derzeit unter anderem Arbeiten von Sheila Hicks zu sehen. Sie verwendet Garne, Fasern und Farben, so wie ein Maler seine Pigmente verwendet.
Chaumont-sur-Loire Dort sind derzeit unter anderem Arbeiten von Sheila Hicks zu sehen. Sie verwendet Garne, Fasern und Farben, so wie ein Maler seine Pigmente verwendet. © Hendrik Bohle
Chaumont-sur-Loire. In der Sattlerei sind prachtvolle Pferdegeschirre, insbesondere vom Hersteller Hermès, und moderne Kunst zu sehen.
Chaumont-sur-Loire In der Sattlerei sind prachtvolle Pferdegeschirre, insbesondere vom Hersteller Hermès, und moderne Kunst zu sehen. © Bettina Cohnen
Chaumont-sur-Loire. Stéphane Guiran hat eine außergewöhnliche Installation aus Quarzblumen für die Reitbahn der Stallungen entworfen, eine zarte und stimmungsvolle Ansammlung, die auf die Architektur der Reitbahn abgestimmt ist.
Chaumont-sur-Loire Stéphane Guiran hat eine außergewöhnliche Installation aus Quarzblumen für die Reitbahn der Stallungen entworfen, eine zarte und stimmungsvolle Ansammlung, die auf die Architektur der Reitbahn abgestimmt ist. © Hendrik Bohle
Chaumont-sur-Loire. Mit Hilfe von Pflanzenmaterial, Blättern, Gräsern und getrockneten Blumen, die in den Gärten der Domaine gesammelt und im Raum installiert wurden, haben die schweizerischen Künstler Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger eine lebendige Traumwelt aufgebaut, einen außergewöhnlichen Hängegarten, der die Architektur der Schlosskapelle vollendet.
Chaumont-sur-Loire Mit Hilfe von Pflanzenmaterial, Blättern, Gräsern und getrockneten Blumen, die in den Gärten der Domaine gesammelt und im Raum installiert wurden, haben die schweizerischen Künstler Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger eine lebendige Traumwelt aufgebaut, einen außergewöhnlichen Hängegarten, der die Architektur der Schlosskapelle vollendet. © Hendrik Bohle
Chaumont-sur-Loire. Mit seiner Serie „Nil à la Loire“ sucht der deutsch-französische Fotokünstler Elger Esser eine Verbindung der Landschaften entlang des Nils und der Loire. Das atmosphärisch und ästhetisch Dichte Werk ist im Schloss zu sehen.
Chaumont-sur-Loire Mit seiner Serie „Nil à la Loire“ sucht der deutsch-französische Fotokünstler Elger Esser eine Verbindung der Landschaften entlang des Nils und der Loire. Das atmosphärisch und ästhetisch Dichte Werk ist im Schloss zu sehen. © Hendrik Bohle
Chaumont-sur-Loire. Ebenfalls im Schloss die Lochkamera-Serie von Hanns Zischler. Sie wurde bei mehreren Flügen im Heißluftballon über der Loire, deren mysteriöses Ambiente er bei Sonnenaufgang nachstellt, realisiert.
Chaumont-sur-Loire Ebenfalls im Schloss die Lochkamera-Serie von Hanns Zischler. Sie wurde bei mehreren Flügen im Heißluftballon über der Loire, deren mysteriöses Ambiente er bei Sonnenaufgang nachstellt, realisiert. © Bettina Cohnen

3. Blois

Im Zentrum der Kleinstadt steht ein Schloss. Aus der Renaissance versteht sich. Das Château wurde einst von König Ludwig XII. bewohnt. Drum herum verwinkelte Gassen, steinerne Treppen, jede Menge Magie – schließlich wurde der französische Zauberkünstler Houdini in Blois geboren – und Fragen. „Wer entscheidet, was schön ist?“ heißt es im Stadtpark. Der Satz ist Teil eines Kunstparcours durch das historische Stadtzentrum. Dreißig Fragen fordern die Passanten dazu auf, Stellung zu beziehen, sich mit ihrer Umgebung auseinander zu setzen. Gestellt hat sie der französische Fluxus-Künstler Ben Vautier. Zentrum des Parcours ist die „Fondation du doute“ (Stiftung des Zweifels). Eröffnet wurde sie 1995 mit Bens „Mur des mots“ (Mauer der Wörter). Die buchstabenschwangere Fassadeninstallation wuchs 2013 auf 300 Emaille-Schilder an. Heute ist die Fondation eines der wichtigsten Museen des Fluxus weltweit, einer Kunstrichtung, bei der es nicht auf das Kunstwerk selbst ankommt, sondern auf die schöpferische Idee (lateinisch: flux/fluere - fließend, vergänglich). Zentren der Bewegung waren Deutschland und Frankreich. Schau und Museum entstanden in enger Zusammenarbeit mit Ben Vautier. Auf zwei Etagen werden mehr als 300 Werke von 50 KünstlerInnen gezeigt, wie beispielsweise von Allan Kaprow, George Maciunas, Yoko Ono, Nam June Paik und selbstverständlich von Ben selbst. Aber die Fondation ist nicht bloß Museum. Sie ist ein Ort des kreativen Schaffens und der Begegnung. Neben einer Kunst- und Musikschule befindet sich hier das Café Le Fluxus – ein beliebter Treffpunkt der Jugend. Neben gutem Kaffee und kleinen Snacks gibt’s hier ein Klavier, eine Bibliothek und eine Bühne. Es finden Konferenzen, Konzerte und Filmvorführungen statt. Ganz so, wie Ben es sich wünschte.

"Zu schaffen ist zu zweifeln und zu zweifeln ist zu schaffen."

Ben Vautier, französischer Fluxus-Künstler
Blois. Die Fassadeninstallation an der Fondation du doute von Ben Vautier wuchs 2013 auf 300 Emaille-Schilder an.
Blois Die Fassadeninstallation an der Fondation du doute von Ben Vautier wuchs 2013 auf 300 Emaille-Schilder an. © Hendrik Bohle
Blois. Das Museum zeigt mehr als 300 Arbeiten von 50 Fluxus-Künstlerinnen und Künstlern.
Blois Das Museum zeigt mehr als 300 Arbeiten von 50 Fluxus-Künstlerinnen und Künstlern. © Hendrik Bohle
Blois. Darunter Werke von Allan Kaprow, George Maciunas, Yoko Ono, Nam June Paik und von Ben Vautier selbst.
Blois Darunter Werke von Allan Kaprow, George Maciunas, Yoko Ono, Nam June Paik und von Ben Vautier selbst. © Hendrik Bohle
Blois. Nam June Paik gilt als Begründer der Video- und Medienkunst. Er war auch mit Klaus Rinke befreundet.
Blois Nam June Paik gilt als Begründer der Video- und Medienkunst. Er war auch mit Klaus Rinke befreundet. © Hendrik Bohle

4. Orléans

Mahnend markiert die Statue der Jeanne d’Arc auf der Place du Martroi die Mitte der Stadt. Orléans ist das kulturelle und mit der Kathedrale Sainte-Croix auch das religiöse Zentrum der Region. Der gotische Sakralbau dominiert das Stadtbild seit Jahrhunderten. Seit 2013 gibt es hier „Turbulenzen“. Die öffentlichen Sammlungen des FRAC (Fonds Régional d’Art Contemporain) der Region Centre-Val de Loire hat Position bezogen. Die Sammlungen zeitgenössischer bildender Kunst wurden ab 1982 unter dem damaligen Kulturminister Jack Lang in 23 französischen Städten, sowie in Fort-de-France, Martinique und Réunion eingerichtet. Unter der Leitung des umtriebigen Direktors Abdelkader Damani hat es die Einrichtung in Orléans innerhalb weniger Jahre zu einem international geschätzten Ort für Kunst, Architektur und Design entwickelt. Es zeigt als einzige der regionalen Kunstsammlungen auch Architekturmodelle und Pläne. In diesem Jahr fand erstmalig die "Biennale Architecture Orleáns" unter dem Kuratorium von Abdelkader Damani und Luca Galofaro statt.

„Les Turbulences“ ist der Name des expressiv geformten Erweiterungsbaus durch das Pariser Architekturbüro Jakob + MacFarlane. Mit dem skulpturalen Eingriff erweiterten und transformierten sie ein ehemaliges Militärdepot und schufen eine öffentliche Platztopographie. Die dynamische Form aus Stahl und Glas entstand mit Hilfe parametrischer Entwurfsmethoden. Das Künstlerduo „Electronic Shadow” (Niziha Mestaoui und Yacine Aït Kaci) entwickelte eine interaktive Medienfassade für die Ausstülpungen. Ganz nah am Gedanken des Direktors reagiert die Gebäudehülle interaktiv auf seine Umgebung, abhängig von gestalteten Animationen, dem Tageslicht oder ganz einfach dem Wind.

Orléans. Die Kathedrale Sainte-Croix d'Orléans am Ende der Rue Jeanne D’Arc.
Orléans Die Kathedrale Sainte-Croix d'Orléans am Ende der Rue Jeanne D’Arc. © Hendrik Bohle
Orléans. Das FRAC Orléans „Les Turbulences“ wurde nach einem Entwurf des Pariser Architekturbüros Jakob + MacFarlane 2013 eröffnet.
Orléans Das FRAC Orléans „Les Turbulences“ wurde nach einem Entwurf des Pariser Architekturbüros Jakob + MacFarlane 2013 eröffnet. © Bettina Cohnen
Orléans. Der zeichenhafte Erweiterungsbau setzt einen klaren Kontrast zu den bestehenden Gebäuden eines ehemaligen Militärdepots.
Orléans Der zeichenhafte Erweiterungsbau setzt einen klaren Kontrast zu den bestehenden Gebäuden eines ehemaligen Militärdepots. © Hendrik Bohle
Orléans. Die dynamische Form aus Stahl und Glas entstand mit Hilfe parametrischer Entwurfsmethoden.
Orléans Die dynamische Form aus Stahl und Glas entstand mit Hilfe parametrischer Entwurfsmethoden. © Bettina Cohnen
Orléans. Das Künstlerduo „Electronic Shadow” entwickelte eine interaktive Medienfassade für die Ausstülpungen.
Orléans Das Künstlerduo „Electronic Shadow” entwickelte eine interaktive Medienfassade für die Ausstülpungen. © Hendrik Bohle
Orléans. Die röhrenförmige Metallstruktur besteht außen aus teilweise perforierten Aluminium-Paneelen ...
Orléans Die röhrenförmige Metallstruktur besteht außen aus teilweise perforierten Aluminium-Paneelen ... © Bettina Cohnen
Orléans. ... und innen aus Holzpaneelen.
Orléans ... und innen aus Holzpaneelen. © Bettina Cohnen
Orléans. Der Innenraum wird für wechselnde Veranstaltungen genutzt.
Orléans Der Innenraum wird für wechselnde Veranstaltungen genutzt. © Hendrik Bohle

5. Amilly

Die Gemeinde liegt etwa eine Stunde östlich von Orléans. Ein ehrlicher Ort. Nicht besonders malerisch, aber dafür äußerst sympathisch. Mittags trifft man sich auf ein Glas Wein beim Portugiesen „Canto das Saudades“. Die Gründung des Ortes geht auf die gallo-römische Siedlung Amelium zurück. Im Zuge der Industrialisierung siedelten sich Leder verarbeitende Betriebe an die Ufer des Flusses Loing, von denen keine mehr in ursprünglichem Betrieb sind. In einer stillgelegten Gerberei an der Rue des Ponts, einem 1947 errichteten Gebäudekomplex, ist die Kunst eingezogen. Nach anfänglicher Skepsis zieht es mittlerweile auch die Pariser auf einen Abstecher ins 2016 eröffnete Les Tanneries – Centre d’Art Contemporain. Überzeugend umgebaut wurde sie von dem französischen Architekten Bruno Gaudin. Die Einrichtung wurde bereits in diesem Jahr mit dem Prix régional des Rubans du Patrimoine 2017 ausgezeichnet. Die Kunsthalle besitzt zwar keine eigene Sammlung, aber dafür eine kuratorisch besonders gelungene Kunstauswahl und ein Artist-in-Residence Programm. Den Anfang machte der belgische Künstler Wesley Meuris, dessen Arbeit „Scenes of Engagement“ gerade in der „Grande Halle“ zu sehen war. Dezente Interventionen und mobile Strukturen, die sich vom Inneren zum Äußeren des Gebäudes entfalten, bestehen aus mehreren Plattformen und Gangways, die die Innenräume der Haupthalle mit dem Außenraum und dem umliegenden Park verbinden. Plakate deuten auf zukünftig mögliche Aktionen und Nutzungen. Wie bereits in seinen vorherigen Werken verweist Meuris mit dieser Arbeit auf die Vorherbestimmtheit öffentlicher Räume und der Architektur. Das passt gut zu neuen und alten Visionen. Noch bis zum 1. April 2018 finden im Les Tanneries Sonderschauen mit Werken von Suzanne Husky und Thomas Raynaud und zur Arbeit des Ausnahmearchitekten Guy Rottier im Rahmen der Biennale Architecture Orléans statt. Unbedingt hingehen!

Amilly. Les Tanneries – Centre d’Art Contemporain wurde 2016 in einem ehemaligen Gerbereigebäude errichtet.
Amilly Les Tanneries – Centre d’Art Contemporain wurde 2016 in einem ehemaligen Gerbereigebäude errichtet. © Hendrik Bohle
Amilly. Im angrenzenden Park sind Skulpturen und Installationen zu sehen.
Amilly Im angrenzenden Park sind Skulpturen und Installationen zu sehen. © Armandine Rue
Amilly. Der belgische Künstler Wesley Meuris war erster Stipendiat des Artist-in-Residence Programms in diesem Jahr.
Amilly Der belgische Künstler Wesley Meuris war erster Stipendiat des Artist-in-Residence Programms in diesem Jahr. © Bettina Cohnen
Amilly. Dezente Interventionen und mobile Strukturen, ...
Amilly Dezente Interventionen und mobile Strukturen, ... © Bettina Cohnen
Amilly. ... die sich vom Inneren zum Äußeren des Gebäudes entfalten, bestehen aus mehreren Plattformen und Gangways, ...
Amilly ... die sich vom Inneren zum Äußeren des Gebäudes entfalten, bestehen aus mehreren Plattformen und Gangways, ... © Bettina Cohnen
Amilly. ... die die Innenräume der Haupthalle mit dem Außenraum und dem umliegenden Park verbinden.
Amilly ... die die Innenräume der Haupthalle mit dem Außenraum und dem umliegenden Park verbinden. © Bettina Cohnen
Amilly. Bei unserer Führung durch Les Tanneries wurden wir kenntnisreich von Marguerite Pilven, die Kommunikationsbeauftragte der Kunsthalle (ganz links), begleitet.
Amilly Bei unserer Führung durch Les Tanneries wurden wir kenntnisreich von Marguerite Pilven, die Kommunikationsbeauftragte der Kunsthalle (ganz links), begleitet. © Bettina Cohnen

Atout France und Comité Régional du Tourisme Centre – Val de Loire haben uns zu der redaktionell unabhängigen Recherchereise eingeladen.

Ein Teil der Reportagebilder hat die international arbeitende Fotokünstlerin Bettina Cohnen erstellt. Mehr über sie: hier.

Von Hendrik Bohle Architekt, Autor und Stadtforscher, veröffentlicht am .