Futuro. Seit 2017 gehört einer der wenigen erhaltenen Futuros zur Neuen Sammlung der Münchener Pinakothek der Moderne.
Futuro Seit 2017 gehört einer der wenigen erhaltenen Futuros zur Neuen Sammlung der Münchener Pinakothek der Moderne. © Hendrik Bohle

Vier Meter hoch, acht Meter breit und 4.000 Tonnen schwer. Seine Maße sind überschaubar. Der Einfluss auf die Architektur hingegen ist bis heute spürbar. Mini-Häuser sind wieder in Mode. Van Bo Le-Mentzel initiierte kürzlich die Tiny Houses Summer School am Berliner Bauhaus-Campus. Akteure verschiedenerer Fachbereiche forschten fast ein Jahr lang zum kostengünstigen Wohnen und Arbeiten auf kleinstem Raum. Der konzentrierte Wohnraum war auch 1968 keine neue Erfindung. Allerdings verpasste Matti Suuronen seinem “Futuro” ein ikonisches Untertassen-Design, nutzte neuartige Materialien und optimierte die Produktion in Serie. Heute ist das weiße Ufo weltbekannt. Es war damals für etwa 12.000 US-Dollar zu haben, inklusive Möblierung und elektrischer Beheizung. Mit dem Hubschrauber landete es auch in unwegsamem Gelände. Die ellipsoide Fiberglas-Konstruktion mit Polyurethan-Isolierung und 16 symmetrisch angeordneten ovalen Fenstern stellte eine frühe und damit bedeutende Untersuchung in der Verwendung von Kunststoffen in Fertighäusern dar. Die kreisrunde Wohnfläche mit offener Küchenzeile, einem Schlafbereich für zwei Personen, einer Nasszelle mit integrierter Dusche und Toilette misst etwa 50 Quadratmeter. Liegeflächen sind radial entlang der gekrümmten Außenwand aufgestellt. In der Mitte steht ein offener Kamin.
Der Prototyp des Futuro ist heute Teil der Sammlung des Museum Boijmans van Beuningen in Rotterdam. In Deutschland findet man je eines auf dem Gelände des Funkhauses in der Berliner Nalepastraße und an der Pinakothek der Moderne in München. Ein halbiertes Haus ist in das Gebäude eines Jugendhauses in Frankfurt-Nied integriert. Düsseldorf verbannte seinen Futuro bereits 1973. Er hatte zuvor auf dem Dach des Aktionskünstlers Charles Wilp gestanden und nach Meinung der Behörden das Stadtbild gestört. Man hätte es besser wissen können.

Von Hendrik Bohle Architekt, Autor und Stadtforscher, veröffentlicht am .