"Das ordnende Prinzip ist also nicht das 'Geometrische', das die Proportionen der Massen im Auge hat, sondern das Organische, das auf der Wesenheit der Aufgabe beruht."

Hans Scharoun, Architekt, 1952

Hans Scharoun zählt unbestritten zu den wegweisenden Architekten Deutschlands im vergangenen Jahrhundert. Mit seiner Haltung eines organischen, sich aus dem Kontext entwickelnden Bauens, unterschied er sich deutlich von anderen Protagonisten jener Zeit wie etwa den Direktoren des Bauhaus Walter Gropius, Hannes Meyer und Ludwig Mies van der Rohe. Seine wunderbar gold schimmernde Philharmonie im Berliner Tiergarten zählt noch heute zu den besten Konzerthäusern der Welt.

In seiner gerade erschienenen Monographie “Hans Scharoun – Bauten und Projekte” präsentiert Carsten Krohn einen frischen und umfassenden Blick auf Scharouns Gesamtwerk. Unter Mitarbeit von Dr. Eva-Maria Barkhofen, Leiterin des Baukunstarchivs der Akademie der Künste, und Dimitri Suchin, 2. Vorsitzenden der Scharoun-Gesellschaft e.V. legt Krohn den Fokus auf sämtliche bislang bekannten realisierten Bauten, insbesondere auch auf sein bisher weniger bekanntes Frühwerk. In Ostpreußen verwirklichte Scharoun eine ganze Reihe von Gutsanlagen und Wohnhäusern sowie sein erstes Bauwerk, eine Notkirche in Walterkehmen. Sie kamen noch sehr viel geradliniger und weniger beschwingt daher. Viele überstanden den Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit nicht. Der Nachwelt bleiben sie nun in historischen Aufnahmen und Zeichnungen aus dem Hans-Scharoun-Archiv und Fotografien erhalten. Viele der Bauten hat der Buchautor aufgesucht und selbst fotografiert. Dabei ist diese Publikation eine gekonnte Verschmelzung von monografischer Werkschau und fotografischer Dokumentation. Erstmals wird auch den Botschafts-Bungalows in Brasília oder der AOK-Hauptverwaltung am Kreuzberger Mehringplatz Beachtung geschenkt. Krohn, der auch über das Werk des Berliner Architekten Jean Krämer geschrieben hat, zeichnet Scharouns gestalterische Entwicklung Schritt für Schritt nach, indem er seine Bauten chronologisch in Text und Bild dokumentiert. Der Autor, Fotograf und Dozent zeigt damit anschaulich, dass Scharouns Architekturauffassung ebenso wie seine Bauten über die Jahrzehnte alles andere als geradlinig war.

Hans Scharoun – Bauten und Projekte. Mit einer Einleitung von Dr. Eva-Maria Barkhofen, Leiterin des Baukunstarchivs der Akademie der Künste in Berlin.
Hans Scharoun – Bauten und Projekte Mit einer Einleitung von Dr. Eva-Maria Barkhofen, Leiterin des Baukunstarchivs der Akademie der Künste in Berlin. © Verlag Birkhäuser
Hans Scharoun – Bauten und Projekte. Siedlung "Bunte Reihe" in Insterburg, Ostpreußen (1920–1924)
Hans Scharoun – Bauten und Projekte Siedlung "Bunte Reihe" in Insterburg, Ostpreußen (1920–1924) © Verlag Birkhäuser
Hans Scharoun – Bauten und Projekte. Siedlung "Bunte Reihe" in Insterburg, Ostpreußen (1920–1924)
Hans Scharoun – Bauten und Projekte Siedlung "Bunte Reihe" in Insterburg, Ostpreußen (1920–1924) © Verlag Birkhäuser
Hans Scharoun – Bauten und Projekte. Siedlung "Bunte Reihe" in Insterburg, Ostpreußen (1920–1924)
Hans Scharoun – Bauten und Projekte Siedlung "Bunte Reihe" in Insterburg, Ostpreußen (1920–1924) © Verlag Birkhäuser
Hans Scharoun – Bauten und Projekte. Wohnhochhäuser "Romeo & Julia" in Stuttgart (1954–1959)
Hans Scharoun – Bauten und Projekte Wohnhochhäuser "Romeo & Julia" in Stuttgart (1954–1959) © Verlag Birkhäuser
Hans Scharoun – Bauten und Projekte. Wohnhochhäuser "Romeo & Julia" in Stuttgart (1954–1959)
Hans Scharoun – Bauten und Projekte Wohnhochhäuser "Romeo & Julia" in Stuttgart (1954–1959) © Verlag Birkhäuser
Hans Scharoun – Bauten und Projekte. Wohnhochhäuser "Romeo & Julia" in Stuttgart (1954–1959)
Hans Scharoun – Bauten und Projekte Wohnhochhäuser "Romeo & Julia" in Stuttgart (1954–1959) © Verlag Birkhäuser
Hans Scharoun – Bauten und Projekte. von Carsten Krohn, erschienen bei Birkhäuser Verlag, Basel
Hans Scharoun – Bauten und Projekte von Carsten Krohn, erschienen bei Birkhäuser Verlag, Basel © Verlag Birkhäuser

Bauwerke sollten "eine Vorstellung von der Weise des Lebens vermitteln – wie Demokratie, als universales Prinzip, eine Weise des Lebens verwirklichen soll."

Hans Scharoun, Architekt

Von Hendrik Bohle Architekt, Autor und Stadtforscher, veröffentlicht am .