"Our fundamental values are responsible freedom, human dignity and positive pride: three enormously important pillars that require citizen collaboration to create a society where people have the capacity and aptitude to overcome conflicts and coexist, sharing in peace and coming together as a supportive community. That's the idea behind Donostia / San Sebastián 2016, and the part played by the citizens is vital. Their participation is essential in creating waves of energy to draw a new horizon beyond Donostia / San Sebastián. Each and every person is needed: differences must not represent barriers that separate us, but meeting spaces that enrich us and help us to foster culture to overcome violence."

Aus der Bewerbung um die Wahl zur Kulturhauptstadt

Die baskische Stadt Donostia / San Sebastián am Golf von Biskaya entwickelte sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem mondänen Seebad für Europas Adel und Großbürgertum. In unserer Zeit stieg sie zum beliebtesten Ferienort an der Küste Nordspaniens und zu einem Wallfahrtsort für Freunde kulinarischer Genüsse auf. Bis vor wenigen Jahren war Donostia aber auch die Stadt Spaniens, die am stärksten unter dem Terror der ETA litt. Mit der Wahl zur Kulturhauptstadt Europas 2016 sahen Behörden und Bürger eine neue Chance, den Blick nach vorne zu richten. Dafür haben sie einen zentralen Schauplatz eingerichtet, der inzwischen mit einem reichen Angebot aufwartet: das Centro Internacional de Cultura Contemporánea in der Tabakalera, einer umgebauten Tabakfabrik.
Vor gut hundert Jahren, als das Rauchen noch unschuldig war, nahm Spaniens staatliches Tabakmonopol seine größte Fabrik für die Fertigung von Zigarren und Zigaretten in San Sebastián in Betrieb. Baumeister war der Ingenieur Mauro Serret, die Bauzeit betrug ein Vierteljahrhundert. Das schlammige Gelände am Fluss Urumea verlangte in den Kellern ein aufwändiges hydraulisches Mauerwerk. Um fünf Innenhöfe angeordnet, nahm das mächtige Gebäude eine Fläche von 113 mal 75 Metern ein. Der Mitteltrakt mit dem Haupteingang und einem großzügigen Treppenhaus ging über vier Geschosse, eines mehr als im übrigen Bau. Reich gegliederte Fassaden mit Kalksteinquadern vom nahen Küstenort Mutriku gaben der Fabrik ein palastartiges Aussehen. Bis zu tausend Menschen, meist Frauen, fanden hier neunzig Jahre lang Arbeit.
Nach der Privatisierung des Tabakmonopols stellten die neuen Eigner 2003 die Produktion ein. Stadt, Provinz und die baskische Regierung brachten die herunter gewirtschaftete Anlage wieder in öffentlichen Besitz und schrieben 2008 einen internationalen Wettbewerb zur Revitalisierung als Kulturzentrum aus. Ihn gewannen Jon Montero Madariaga und seine Tochter Naira Montero Viar, Architekten und Stadtplaner aus Barcelona. Ihr Entwurf überzeugte die Jury vor allem durch den neuen Zugang zur Stadt, einen markanten Quader über der Mittelachse, den Respekt im Umgang mit dem Bestand und die Nachhaltigkeit bei der Planung der meist vielfältig nutzbaren Räume. Vier Jahre dauerte der Umbau, dann konnte rechtzeitig zum Kulturhauptstadtjahr eine Grundfläche von 37.000 Quadratmetern bespielt werden.

Mit dem Rücken zur Stadt.. Die Gleise der Estación del Norte und der Fluss Urumea trennen die Tabakalera im Westen vom großbürgerlichen Zentrum der Stadt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Haupteingang für die Arbeiter war immer gegenüber an der Ostseite.
Mit dem Rücken zur Stadt. Die Gleise der Estación del Norte und der Fluss Urumea trennen die Tabakalera im Westen vom großbürgerlichen Zentrum der Stadt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Haupteingang für die Arbeiter war immer gegenüber an der Ostseite. © Ludwig Moos
Neuer Zugang.. Ein Fußgängertunnel unter den Gleisen mündet an der Nordseite der Tabakalera in einen Platz, von dem sich der Eingang zum Patio öffnet. Der frühere Innenhof bietet unter seinem Glasdach einen ersten Einblick in die Verbindung von Alt und Neu. Künstlerische Eingriffe wie die hängenden Töpfe von Jerónimo Hagerman sollen dem Blick wandern helfen.
Neuer Zugang. Ein Fußgängertunnel unter den Gleisen mündet an der Nordseite der Tabakalera in einen Platz, von dem sich der Eingang zum Patio öffnet. Der frühere Innenhof bietet unter seinem Glasdach einen ersten Einblick in die Verbindung von Alt und Neu. Künstlerische Eingriffe wie die hängenden Töpfe von Jerónimo Hagerman sollen dem Blick wandern helfen. © Ludwig Moos
Offen für alle.. Mindestens zwölf Stunden am Tag ist das Gebäude zugänglich. Geduldet wird auch, wer sonst keinen Ort hat. Kutxa Kultur, eine Stiftung der Sparkassen, startet sein Angebot ganz unten mit Ausstellungsräumen.
Offen für alle. Mindestens zwölf Stunden am Tag ist das Gebäude zugänglich. Geduldet wird auch, wer sonst keinen Ort hat. Kutxa Kultur, eine Stiftung der Sparkassen, startet sein Angebot ganz unten mit Ausstellungsräumen. © Ludwig Moos
Glänzender Auftritt.. In allen Etagen spiegelt der geschliffene, polierte und versiegelte Estrich das Ambiente, ob Bauformen, Aktivitäten oder Exponate.
Glänzender Auftritt. In allen Etagen spiegelt der geschliffene, polierte und versiegelte Estrich das Ambiente, ob Bauformen, Aktivitäten oder Exponate. © Ludwig Moos
Rückzugsorte.. Überall im Gebäude, selbst in der stark besuchten Eingangszone, gibt es Möglichkeiten, für sich zu sein.
Rückzugsorte. Überall im Gebäude, selbst in der stark besuchten Eingangszone, gibt es Möglichkeiten, für sich zu sein. © Ludwig Moos
Weltmeister der Überdachung.. 600 Quadratmeter hat die Firma Lanik mit ihrem Glasdach im Innenhof überspannt, weltweit sind es zweieinhalb Millionen in vierzig Ländern. Ihren Hauptsitz hat sie nur hundert Meter von der Tabakalera entfernt.
Weltmeister der Überdachung. 600 Quadratmeter hat die Firma Lanik mit ihrem Glasdach im Innenhof überspannt, weltweit sind es zweieinhalb Millionen in vierzig Ländern. Ihren Hauptsitz hat sie nur hundert Meter von der Tabakalera entfernt. © Ludwig Moos
Platz für Spiele.. Die Verkehrsflächen bieten auch Raum für allerlei Zeitvertreib.
Platz für Spiele. Die Verkehrsflächen bieten auch Raum für allerlei Zeitvertreib. © Ludwig Moos
Nutzungsvielfalt.. Auf dem Vorplatz, im Innenhof und im Kellergeschoss bewirtet die kulinarische Cooperative Taba ihre Gäste von früh morgens bis spät abends. Ganz nach dem Konzept der Tabakalera dienen ihre Räume auch Arbeitsgruppen oder Künstlern.
Nutzungsvielfalt. Auf dem Vorplatz, im Innenhof und im Kellergeschoss bewirtet die kulinarische Cooperative Taba ihre Gäste von früh morgens bis spät abends. Ganz nach dem Konzept der Tabakalera dienen ihre Räume auch Arbeitsgruppen oder Künstlern. © Ludwig Moos
Spezielle Mischung.. Um die Plaza im Innenhof versammeln sich Angebote, wie sie für das ganze Haus typisch sind: private Initiativen neben großen Institutionen. In manchen Räumen ist das alte Tragwerk des Kellergeschosses noch sichtbar.
Spezielle Mischung. Um die Plaza im Innenhof versammeln sich Angebote, wie sie für das ganze Haus typisch sind: private Initiativen neben großen Institutionen. In manchen Räumen ist das alte Tragwerk des Kellergeschosses noch sichtbar. © Ludwig Moos
Baskisches Design.. Unter dem Stichwort "Basque Living" haben sich im Basement zweiundzwanzig Firmen in einem Showroom zusammen gefunden. Manche von ihnen sind auch an der Ausstattung der Tabakalera beteiligt.
Baskisches Design. Unter dem Stichwort "Basque Living" haben sich im Basement zweiundzwanzig Firmen in einem Showroom zusammen gefunden. Manche von ihnen sind auch an der Ausstattung der Tabakalera beteiligt. © Ludwig Moos
Alte Pracht.. Der Mitteltrakt an der Plaza de las Cigarreras im Osten, gegenüber dem großen Park Cristina Enea und dem hügeligen Viertel Egia, erinnert am stärksten an frühere Zeiten.
Alte Pracht. Der Mitteltrakt an der Plaza de las Cigarreras im Osten, gegenüber dem großen Park Cristina Enea und dem hügeligen Viertel Egia, erinnert am stärksten an frühere Zeiten. © Ludwig Moos
Fabrikpalast.. Die großzügigen Portale und Hallen im Mitteltrakt waren einst der Zugang zu den Arbeitsplätzen der Tabakfabrik.
Fabrikpalast. Die großzügigen Portale und Hallen im Mitteltrakt waren einst der Zugang zu den Arbeitsplätzen der Tabakfabrik. © Ludwig Moos
Aufgang zur Arbeit.. Das zentrale Treppenhaus erschließt die drei Geschosse, in deren Sälen früher die Tabakwaren gefertigt wurden und sich heute in Büros, Werkstätten, Ausstellungsräumen und Kinos alles um die digitale und audiovisuelle Kultur dreht.
Aufgang zur Arbeit. Das zentrale Treppenhaus erschließt die drei Geschosse, in deren Sälen früher die Tabakwaren gefertigt wurden und sich heute in Büros, Werkstätten, Ausstellungsräumen und Kinos alles um die digitale und audiovisuelle Kultur dreht. © Ludwig Moos
Digitale Studios.. Hauptbetreiber des Centro Internacional de Cultura Contemporánea sind die Stiftung Kutxa Kultur, das Basque Film Archive, das International Film Festival, die EQZE Film School, die Plattform für Audiovisuelle Medien Zineuskadi und das Institut für die Verbreitung der baskischen Sprache und Kultur Etxepare. Aber auch digitale Freelancer können sich in Räume einmieten, die mit allem Equipment ausgestattet sind.
Digitale Studios. Hauptbetreiber des Centro Internacional de Cultura Contemporánea sind die Stiftung Kutxa Kultur, das Basque Film Archive, das International Film Festival, die EQZE Film School, die Plattform für Audiovisuelle Medien Zineuskadi und das Institut für die Verbreitung der baskischen Sprache und Kultur Etxepare. Aber auch digitale Freelancer können sich in Räume einmieten, die mit allem Equipment ausgestattet sind. © Ludwig Moos
Mediales Wunderland.. Ubik nennt sich die Creation Library der Tabakalera. Ein Ort zum Betrachten und Ausleihen moderner Medien, aber auch für die eigene Produktion. Wer Mitglied wird, kann sich praktisches Wissen aneignen, vom Desktop Publishing bis zum 3D-Druck, und die neuesten Werkzeuge nutzen.
Mediales Wunderland. Ubik nennt sich die Creation Library der Tabakalera. Ein Ort zum Betrachten und Ausleihen moderner Medien, aber auch für die eigene Produktion. Wer Mitglied wird, kann sich praktisches Wissen aneignen, vom Desktop Publishing bis zum 3D-Druck, und die neuesten Werkzeuge nutzen. © Ludwig Moos
Coworking Place.. Wer nur seinen Laptop braucht, um produktiv zu sein, findet Platz in einem kreativen Umfeld.
Coworking Place. Wer nur seinen Laptop braucht, um produktiv zu sein, findet Platz in einem kreativen Umfeld. © Ludwig Moos
Kulturelles Ökosystem.. Im neu aufgesetzten vierten Stock zeigt die Fundación Kutxa, die Stiftung der Sparkassen, Ergebnisse ihrer weit gefächerten Förderarbeit. Sie umfasst an die zweihundert Kurse für Einsteiger, von künstlerischen Techniken über kulinarische Künste bis zur Kunst der Körperbeherrschung. Aber sie unterstützt auch junge Profis in Mode und Musik.
Kulturelles Ökosystem. Im neu aufgesetzten vierten Stock zeigt die Fundación Kutxa, die Stiftung der Sparkassen, Ergebnisse ihrer weit gefächerten Förderarbeit. Sie umfasst an die zweihundert Kurse für Einsteiger, von künstlerischen Techniken über kulinarische Künste bis zur Kunst der Körperbeherrschung. Aber sie unterstützt auch junge Profis in Mode und Musik. © Ludwig Moos
Kunst und Technik.. Die mächtigen Rohre für die Belüftung der Kulturfabrik verlaufen auf der Ausstellungsetage der Kutxa teils frei unter der Decke.
Kunst und Technik. Die mächtigen Rohre für die Belüftung der Kulturfabrik verlaufen auf der Ausstellungsetage der Kutxa teils frei unter der Decke. © Ludwig Moos
Gastlichkeit.. Kaixo! Mit einem lockeren Hallo! auf Baskisch begrüßt das Hotel One Shot seine Gäste im Ostflügel der Tabakalera. Für die Einrichtung gesorgt hat das Atelier Altaro Manrique aus Donostia / San Sebastián.
Gastlichkeit. Kaixo! Mit einem lockeren Hallo! auf Baskisch begrüßt das Hotel One Shot seine Gäste im Ostflügel der Tabakalera. Für die Einrichtung gesorgt hat das Atelier Altaro Manrique aus Donostia / San Sebastián. © Ludwig Moos
Lobby für Leser.. Die fabelhafte Deckenhöhe der alten Fabriketagen blieb im Empfang und den zweiundvierzig Zimmern erhalten.
Lobby für Leser. Die fabelhafte Deckenhöhe der alten Fabriketagen blieb im Empfang und den zweiundvierzig Zimmern erhalten. © Ludwig Moos
Verneigung vor der Kunst.. Das Restaurant Silencio im Basement des One Shot schmückt sich mit den Windkämmen, die der große Sohn der Stadt Eduardo Chillida an der Küste errichtet hat. In den übrigen Räumen leistet das Hotel mit Ausstellungen zur Fotografie seinen Beitrag zum Angebot der Tabakalera.
Verneigung vor der Kunst. Das Restaurant Silencio im Basement des One Shot schmückt sich mit den Windkämmen, die der große Sohn der Stadt Eduardo Chillida an der Küste errichtet hat. In den übrigen Räumen leistet das Hotel mit Ausstellungen zur Fotografie seinen Beitrag zum Angebot der Tabakalera. © Ludwig Moos
Krönender Abschluss.. Zehn Meter hoch richtet sich der gläserne Quader mit Schmetterlingsdach weithin sichtbar über der Mittelachse auf. Mit seiner Terrasse nach Westen bietet er viel Platz für Events und einen fantastischen Blick über die Stadt.
Krönender Abschluss. Zehn Meter hoch richtet sich der gläserne Quader mit Schmetterlingsdach weithin sichtbar über der Mittelachse auf. Mit seiner Terrasse nach Westen bietet er viel Platz für Events und einen fantastischen Blick über die Stadt. © Ludwig Moos
Blick nach vorn.. Bis 2021 soll die Estación del Norte nach einem Entwurf von Jon Montero mit einer Plattform überdacht sein, die sich bis an die Westfassade der Tabakalera heran schiebt. Das Kulturzentrum wird dann auch mit Hochgeschwindigkeitszügen erreichbar sein.
Blick nach vorn. Bis 2021 soll die Estación del Norte nach einem Entwurf von Jon Montero mit einer Plattform überdacht sein, die sich bis an die Westfassade der Tabakalera heran schiebt. Das Kulturzentrum wird dann auch mit Hochgeschwindigkeitszügen erreichbar sein. © ETS-Basque Railway Network

"In recognition of the architectural value and style of the building, the project establishes several strategies for maintaining original elements and highlighting the value of its most representative characteristics. We have striven at all times to maintain a high level of constructive cohesion, in order to minimise structural interventions in the building."

Jon und Naira Montero, Architekten

Von Ludwig Moos Autor und Historiker, veröffentlicht am .