"me and all hotel mainz". Entwurf: Infra System GmbH und mann+schneberger Architekten, Fertigstellung: 2018
"me and all hotel mainz" Entwurf: Infra System GmbH und mann+schneberger Architekten, Fertigstellung: 2018 © Hendrik Bohle
"me and all hotel mainz". Innengestaltung: Flum Design, Hamburg
"me and all hotel mainz" Innengestaltung: Flum Design, Hamburg © Hendrik Bohle

Die Buchung

Schwarzweiß fokussiert: so klar das Design der me and all hotels ist, so konzentiert ist die Buchungsseite. Nichts stört mehr als irgendein Geruckel oder überkandidelte Überpromo-Videos. Hat die Boutiquemarke der Lindner Gruppe aus Düsseldorf nicht nötig. Was nicht heißt, dass hier Langeweile herrscht. Im Gegenteil, Infos gibt es trotzdem. Natürlich übersichtlich und ohne langes Gescrolle.

"me and all hotel mainz". An der Binger Straße in Richtung des Mainzer Hauptbahnhofes ist ein neues me and all hotel mit 162 Zimmern entstanden ...
"me and all hotel mainz" An der Binger Straße in Richtung des Mainzer Hauptbahnhofes ist ein neues me and all hotel mit 162 Zimmern entstanden ... © Jan Dimog
"me and all hotel mainz". ... Das Düsseldorfer Unternehmen Lindner betreibt es unter der 2016 neu eingeführten Eigenmarke "me and all hotels" – in Mainz ein Haus mit Wellness- und Fitnessbereich sowie einer zur Stadt geöffneten Lounge im Erdgeschoss.
"me and all hotel mainz" ... Das Düsseldorfer Unternehmen Lindner betreibt es unter der 2016 neu eingeführten Eigenmarke "me and all hotels" – in Mainz ein Haus mit Wellness- und Fitnessbereich sowie einer zur Stadt geöffneten Lounge im Erdgeschoss. © Jan Dimog
"me and all hotel mainz". Herzstück der Hotels ist die Verbindung von Check-In, Bar, Lounge und Co-Working Bereichen – und die Einladung auch an die Einheimischen das Hotel als "ihr" Wohnzimmer für Veranstaltungen und Konzerte anzusehen,
"me and all hotel mainz" Herzstück der Hotels ist die Verbindung von Check-In, Bar, Lounge und Co-Working Bereichen – und die Einladung auch an die Einheimischen das Hotel als "ihr" Wohnzimmer für Veranstaltungen und Konzerte anzusehen, © Jan Dimog
"me and all hotel mainz". Vintage-Möbel und auf das Gesamtdesign abgestimmte Accessoires ist ein Merkmal der Lindner-Zweitmarke.
"me and all hotel mainz" Vintage-Möbel und auf das Gesamtdesign abgestimmte Accessoires ist ein Merkmal der Lindner-Zweitmarke. © Jan Dimog

Das Check-In

Wer vom Mainzer Hauptbahnhof in Richtung des nur wenige Minuten entfernten me and all hotel geht, der bekommt es hier mit dem für Zentralbahnhöfe typischen mehrspurigen Motor-Dauerrauschen zu tun. Auffällig ist die an der Fassade und im Erdgeschoss erkennbare Öffnung zur Stadt: viel Glas, große Offenheit, kein Abkaspeln. Wohltuend ist jedoch das Ausschließen des Straßenlärms. Die sehr gute Isolierung schließt das Getöse aus und macht ihn zur schemenhaften Autokulisse. Das Design im Eingangsbereich setzt erste Kennzeichen: Used-Optik, Dunkles in Verbindung mit ausgewählten Einzelstücken, die "Before I die"-Tafel, auf der Gäste ihre Wünsche und Fantasien öffentlich kundtun. Der mittlere und hintere Teil des langgestreckten Raumes wird durch Kristallleuchter, Chesterfieldsofas und verschnörkelte Holzregale bestimmt, hinzu kommen Eisenbahnschienen als Tisch- und Stuhlbeine als Hommage an den Hauptbahnhof. Das alles strahlt eine "Kommt erst einmal an"-Atmosphäre aus und auch wenn Lobby, Bar, Café und Aufenthaltsbereich ineinander übergehen, so sind die Funktionen sofort erkennbar. Für besonders Eilige nach der Anmeldung: der Fahrstuhl- und Treppenschacht befindet sich genau gegenüber der Rezeption. Auch hier gibt es ein kleines, feines Designdetail: der historische Etagenanzeiger über den Aufzügen.

"me and all hotel mainz". Boxspringbetten und ein ...
"me and all hotel mainz" Boxspringbetten und ein ... © Jan Dimog
"me and all hotel mainz". ... sogenanntes "Viele-Kissen-Konzept" in dem ...
"me and all hotel mainz" ... sogenanntes "Viele-Kissen-Konzept" in dem ... © Hendrik Bohle
"me and all hotel mainz". ... von der Hamburger Firma Flum Design gestalteten Interior.
"me and all hotel mainz" ... von der Hamburger Firma Flum Design gestalteten Interior. © Jan Dimog
"me and all hotel mainz". Waschtische als Referenz an den Weinbau
"me and all hotel mainz" Waschtische als Referenz an den Weinbau © Jan Dimog
"me and all hotel mainz". Das Hotel hat insgesamt ...
"me and all hotel mainz" Das Hotel hat insgesamt ... © Hendrik Bohle
"me and all hotel mainz". ... 162 Zimmer von 20–34 qm-Größe.
"me and all hotel mainz" ... 162 Zimmer von 20–34 qm-Größe. © Hendrik Bohle
"me and all hotel mainz". Wichtig ist der Boutiquemarke von Lindner zudem der Bezug zur Stadt mit "Local Hero Events" mit ...
"me and all hotel mainz" Wichtig ist der Boutiquemarke von Lindner zudem der Bezug zur Stadt mit "Local Hero Events" mit ... © Hendrik Bohle
"me and all hotel mainz". ... Mainzer Protagonisten, Veranstaltungen und Wohnzimmerkonzerte.
"me and all hotel mainz" ... Mainzer Protagonisten, Veranstaltungen und Wohnzimmerkonzerte. © Hendrik Bohle

Die Zimmer

Design ist, wenn es lokal-regional verankert ist, ohne plüschig oder provinziell zu werden. Interpretation des Althergebrachten, statt Verkitschung der ohnehin schon schmierigen Souvenirläden-Ästhetik. Bedeutet für Mainz und das Bundesland: nichts geht am Thema Wein vorbei. Denn der Weinbau spielt in Rheinland-Pfalz eine wichtige Rolle. Mehr als 65 % des deutschen Weines werden hier hergestellt. Selbst im Ministerium für Wirtschaft für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau wird seiner Stellung Rechnung getragen. Seit Juni 2008 sind Mainz und Rheinhessen Mitglied im Great Wine Capitals Global Network (GWC), einem Zusammenschluss der bekanntesten Weinbaustädte weltweit. Dazu gehören u. a. Bilbao, Bordeaux, Regionen in Südafrika und in Kalifornien, USA. An mehreren Stellen im me and all mainz finden sich Referenzen an die Rebenkultur, vor allem in den 162 Zimmern des Stadthotels. Die Gestalter von Flum Design aus Hamburg setzten bei der Gestaltung auf Schwarz mit Holz und offene Bereiche. Besonders gelungen sind die Waschtische aus schwarzem, geflochtenem Eisen, die an Bütten erinnern, die Arbeiter bei der Weinlese zum Transport auf dem Rücken tragen. Als Wasserhahn dient eine schwarze Laborarmatur. Der als "Utility wall" definierte Bereich im Bad bedeutet, dass Gegenstände auf kleinstem Raum Platz finden. So kann Ordnung auch aussehen. Die Arbeitsplatte des Sideboards ist aus recyceltem Bauholz, der Unterbau, dagegen besteht aus pulverbeschichtetem Stahl wie man ihn auch für Eisenbahnschwellen verwendet.

Die Architektur

Das me and all hotel mainz ist Teil des “Trigon”, einem von der Mainzer Aufbau Gesellschaft MAG und der J. Molitor Immobilien GmbH entwickeltes Areal mit Wohnhaus und Bürogebäude in unmittelbarer Nachbarschaft zum Hauptbahnhof, anderen Hotels und Warenhäusern. Der Entwurf für das fast 6.700 qm große Quartier am Dreieck Binger Straße/Am Linsenberg/Römerwall stammt von den Mainzer Architekturbüros Infra System GmbH und mann+schneberger Architekten. Letztgenannte gehen auf das 1975 gegründete Büro von den Architekten Ludwig Mann und Michael Schneberger zurück und ihren Projekten an der Technischen Universität Darmstadt. Ihre Lösung für das me and all hotel ist ein eckig-kantiger Neubau mit einem selbstbewusst herausgeschobenen zweistöckigen Riegel in den obersten Etagen, in dem die Fitness- und Wellnessräume untergebracht sind. Abends gleicht dieser Gebäudeteil einem großen Lichtband. Hier schließt sich der Gestaltungskreis. Denn für das erste me and all hotel in Düsseldorf konzipierten die dort zuständigen Architekten (GNA Grimbacher Nogales) eine spektakuläre Penthouse-Etage, die tagsüber ein Frühstücksraum ist und abends zu einer Bar umfunktioniert wird. Dort wie hier an der Binger Straße setzten die Planer den Häusern leuchtende Hotelkrone auf.

"me and all hotel mainz". "Trigon" ist eine Quartiersentwicklung der Mainzer Aufbau Gesellschaft MAG und der J. Molitor Immobilien GmbH. In dem dreieckigen Gebäudekomplex am Dreieck Binger Straße/Am Linsenberg/Römerwall befinden sich das me and all hotel mainz, ein Wohnhaus und Bürogebäude.
"me and all hotel mainz" "Trigon" ist eine Quartiersentwicklung der Mainzer Aufbau Gesellschaft MAG und der J. Molitor Immobilien GmbH. In dem dreieckigen Gebäudekomplex am Dreieck Binger Straße/Am Linsenberg/Römerwall befinden sich das me and all hotel mainz, ein Wohnhaus und Bürogebäude. © Jan Dimog

Unsere redaktionell unabhängige Hotel-Recherche verdanken wir der Einladung des “me and all hotel mainz”. Über das me and all Düsseldorf: hier.

Von Jan Dimog Autor, Redakteur und (Foto)Journalist, veröffentlicht am .