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"Milly Steger ist eine Büffelin an Wurfkraft;
Freut sie sich auch an dem blühenden Kern der Büsche."

Else Lasker-Schüler, Gesammelte Gedichte 1917

Steht man vor dem Portal des Theater Hagen kann man sich die Empörung kaum noch vorstellen, die die vier Damen Anfang des 20. Jahrhunderts auslösten. So viel Nacktheit war einfach zu viel des guten Geschmacks. Geformt wurden sie von der Bildhauerin Milly Steger. Der Kulturreformer und Museum Folkwang-Gründer Karl Ernst Osthaus hatte sie 1910 wie viele andere Künstlerinnen und Künstler in die Stadt geholt. Milly Steger verlegte ihren Wohnsitz daraufhin vom Rhein nach Westfalen und zog in eines der von J.L.M. Lauweriks entworfenen System-Häuser “Am Stirnband”. Das sachlich-schlichte Theater selbst wurde 1911 als Städtisches Schauspielhaus nach Entwürfen des Architekten Ernst Friedrich Vetterlein als eine damals übliche “Guckkastenbühne” errichtet. Das Haus wurde im Zweiten Weltkrieg durch Bombardierungen so stark zerstört, dass kein Spielbetrieb mehr möglich war. Durch besonderes, bürgerschaftliches Engagement wurde es bereits am 5. September 1949 wiedereröffnet. Die 960 Premierengäste waren hauptsächlich Handwerker, die das Theater in nur fünf Monaten restauriert hatten.

Theater Hagen. Das Städtische Schauspielhaus wurde 1911 ...
Theater Hagen Das Städtische Schauspielhaus wurde 1911 ... © Jan Dimog
Theater Hagen. ... nach Entwürfen des Architekten Ernst Friedrich Vetterlein errichtet.
Theater Hagen ... nach Entwürfen des Architekten Ernst Friedrich Vetterlein errichtet. © Hendrik Bohle
Theater Hagen. Milly Stegers nackte Frauen sorgten für einen Eklat. Die Zeit der freizügigen Skulpturen der Klassik lagen für den prüden deutschen Geschmack wohl bereits zu weit zurück.
Theater Hagen Milly Stegers nackte Frauen sorgten für einen Eklat. Die Zeit der freizügigen Skulpturen der Klassik lagen für den prüden deutschen Geschmack wohl bereits zu weit zurück. © Hendrik Bohle
Theater Hagen. Im Theatersaal dominieren rot-braune Stoffe ...
Theater Hagen Im Theatersaal dominieren rot-braune Stoffe ... © Hendrik Bohle
Theater Hagen. ... in den öffentlichen Bereichen die Farben weiß und türkis und die Materialien Marmor und Naturstein.
Theater Hagen ... in den öffentlichen Bereichen die Farben weiß und türkis und die Materialien Marmor und Naturstein. © Hendrik Bohle

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This much nudity was simply too much for the Germans at the beginning of the previous century. But the scandal surrounding four larger-than-life naked women made the city theatre and the painter, Milly Steger, suddenly famous.

Standing in front of the door to the Hagen Theatre, one can hardly still imagine the scandal that the four woman unleashed at the beginning of the twentieth century. So much nakedness was just too much for good taste. They had been created by the sculptor Milly Steger, whom the culture reformer and founder of the Museum Folkwang, Karl Ernst Osthaus, had summoned to the city in 1910 (along with many other artists). Thereafter, Milly Steger relocated her residence from the Rhine to Westphalia and moved into one of the system houses designed by J.L.M. Lauweriks, “Am Stirnband.” The functional, simple theatre itself was erected in 1911 as a municipal theatre, further to the designs of the architect Ernst Friedrich Vetterlein; it took the form of a jewel box theatre, of the sort that were common at the time. The house was so badly destroyed by bombings in World War II that it could no longer be used as a theatre. Through special civic engagement, it was already reopened on 5 September 1949. The 960 guests at the premiere were mainly the craftsmen who had restored the theatre in only five months.

"Milly Steger is a buffalo with a strong throwing arm; she also loves the blooming hearts of bushes."

Else Lasker-Schüler, Gesammelte Gedichte (Collected Poems), 1917

Von Hendrik Bohle Architekt, Autor und Stadtforscher, veröffentlicht am .