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"Form must have a content, and that content must be linked with nature."

Alvar Aalto, Architekt

Ganz selbstverständlich steht das Musiktheater Essen heute da. Dabei hat es mehr als 30 Jahre gedauert – mit unzähligen Diskussionen und Umplanungen – bis Aaltos Wettbewerbsentwurf schließlich umgesetzt wurde. Hoch aufragend und geradlinig klar zu den nördlichen und westlichen Straßenachsen. Kantig geschwungen und abgestuft zum Landschaftsraum des Stadtgartens. Ein schroffer Fels im Häusermeer. 24 Meter hoch. Der Park, die künstlich gestaltete Landschaft ist auch im Inneren zu spüren. Der Besucher durchläuft mehrere Sequenzen von dem beengt erscheinenden Eingang, über dem grottenartigen Garderobenbereich bis hinauf ins überwältigend hohe und lichtdurchflutete Foyer. Jedes Detail ist feinsinnig gestaltet, von den lederbezogenen Handläufen bis zu den mit mongolischem Rosshaar bespannten Türblättern. Ein wahrhaft festliches Haus.

Musiktheater. Alvar Aalto selbst erlebte die feierliche Eröffnung 1988 nicht. Er starb bereits 12 Jahre zuvor. Die Grundsteinlegung und künstlerische Oberleitung übernahm seine Frau Elissa Aalto.
Musiktheater Alvar Aalto selbst erlebte die feierliche Eröffnung 1988 nicht. Er starb bereits 12 Jahre zuvor. Die Grundsteinlegung und künstlerische Oberleitung übernahm seine Frau Elissa Aalto. © Hendrik Bohle
Musiktheater. Das breite Foyer ist stufenweise angeordnet und öffnet sich zum Stadtgarten.
Musiktheater Das breite Foyer ist stufenweise angeordnet und öffnet sich zum Stadtgarten. © Hendrik Bohle
Musiktheater. Aaltos "Komposition des Beschwingten" ist sowohl im Äußeren als auch im Inneren ablesbar.
Musiktheater Aaltos "Komposition des Beschwingten" ist sowohl im Äußeren als auch im Inneren ablesbar. © Hendrik Bohle
Philharmonie. Sie ist die älteste Institution der drei Spielstätten und steht im starken Kontrast zu Aaltos beschwingtem Musiktheater.
Philharmonie Sie ist die älteste Institution der drei Spielstätten und steht im starken Kontrast zu Aaltos beschwingtem Musiktheater. © Jan Dimog
Philharmonie. Ursprünglich im neobarrocken Stil mit Jugendstilelementen errichtet, wurde es im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1950 mit seiner eleganten neoklassizistischen Pfeilervorhalle wiedererrichtet.
Philharmonie Ursprünglich im neobarrocken Stil mit Jugendstilelementen errichtet, wurde es im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1950 mit seiner eleganten neoklassizistischen Pfeilervorhalle wiedererrichtet. © Hendrik Bohle
Grillo Theater. Das repräsentative Theater wurde ursprünglich im Stil der Neorenaissence errichtet, im Krieg stark beschädigt im nüchternen Nachkriegsklassizismus wieder aufgebaut und 1990 in seiner heutigen Form als Raumbühnen-Theater von Werner Ruhnau umgebaut.
Grillo Theater Das repräsentative Theater wurde ursprünglich im Stil der Neorenaissence errichtet, im Krieg stark beschädigt im nüchternen Nachkriegsklassizismus wieder aufgebaut und 1990 in seiner heutigen Form als Raumbühnen-Theater von Werner Ruhnau umgebaut. © Hendrik Bohle

Nature and drama

Three venues in distinctive buildings belong to the TUP (Theater und Philharmonie, or Theatre and Philharmonic) in Essen. All are wonderful, but one building in particular sticks out. It was designed by the Finnish architect Alvar Aalto, one of the twentieth century’s trailblazing architects.

Obviously, the Musiktheater Essen stands here today. Yet it took more than 30 years – with countless discussions and rescheduling – until Aalto’s competition design was finally implemented. Towering and clearly rectilinear with the northerly and westerly street axes. Curved edges and terraces facing the landscape space of the Stadtgarten. A rugged bedrock in a sea of buildings. 24 metres high. The park, with its artfully designed landscape, can also be felt in the interior. Visitors walk through multiple sequences, from the seemingly narrow entryway, through the grotto-like coatroom, up to the overwhelmingly high foyer, flooded with light. Each detail is sensitively designed, from the leather-covered handrails to the door panels clad in Mongolian horsehair. A truly splendid building.

Von Hendrik Bohle Architekt, Autor und Stadtforscher, veröffentlicht am .