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So expressiv das Spannbeton-Faltwerkdach des Sitzungstrakts des Rathauses von Marl ist, so zart, empfindsam und bescheiden wirkt das Skulpturenmuseum Glaskasten darunter mit seiner Rundumverglasung. Das gesamte, als Stadtkrone von den niederländischen Architekten van den Broek und Bakema konzipierte Areal war als selbstbewusste Landmarke auch im Wettbewerb mit anderen Städten der Metropole Ruhr und als Mittelpunkt des neu entstehenden Marls in den 1950er-Jahren gedacht. Mit Beginn der Arbeiten verwendete man einen bestimmten Prozentsatz der Baukosten für Kunstankäufe und baute so eine Sammlung mit Groß- und Kleinskulpturen renommierter Künstler des 20. Jahrhunderts für den Außenbereich auf. Dieser Punkt, innen und außen, Zugänglichkeit und Offenheit, beschreibt zugleich das Konzept des Museums, das sich nicht abschottet, sondern seine Ausstellungsfläche auf und um den Creiler Platz erweitert hat. Heute stehen über 70 Kunstwerke außerhalb des Glaskastens. Neben Skulpturen, Objekten und Installationen sind die Neuen Medien ein Fokus des Museums. Nicht mehr so frisch ist hingegen die sichtbar gealterte Architektur der Nachkriegsmoderne, die ihrerseits wie ein Exponat wirkt und stellvertretend für den Geist des Aufbruchs und der Zukunftsgläubigkeit steht. 

Skulpturenmuseum Glaskasten. Wachstum und Wichtigkeit: nach dem Zweiten Weltkrieg zogen viele Menschen nach Marl und machten es zu einem der aufstrebenden Städte der Metropole Ruhr. Die Doppeltürme des Rathauses sowie das gesamte Areal des Creiler Platzes wurden zum sichtbaren Zeichen dieser neuen Ära.
Skulpturenmuseum Glaskasten Wachstum und Wichtigkeit: nach dem Zweiten Weltkrieg zogen viele Menschen nach Marl und machten es zu einem der aufstrebenden Städte der Metropole Ruhr. Die Doppeltürme des Rathauses sowie das gesamte Areal des Creiler Platzes wurden zum sichtbaren Zeichen dieser neuen Ära. © Jan Dimog
Skulpturenmuseum Glaskasten. An dem Wettbewerb für die Bebauung des Areals nahmen u. a. auch Arne Jacobsen und Hans Scharoun teil.
Skulpturenmuseum Glaskasten An dem Wettbewerb für die Bebauung des Areals nahmen u. a. auch Arne Jacobsen und Hans Scharoun teil. © Jan Dimog
Skulpturenmuseum Glaskasten. Das Skulpturenmuseum Glaskasten wurde 1982 unter dem 60 Meter langen Sitzungstrakt des Rathauses (Fertigstellung 1967) der niederländischen Architekten Johan Hendrik van den Broek und Jacob Berend Bakema eröffnet. 
Skulpturenmuseum Glaskasten Das Skulpturenmuseum Glaskasten wurde 1982 unter dem 60 Meter langen Sitzungstrakt des Rathauses (Fertigstellung 1967) der niederländischen Architekten Johan Hendrik van den Broek und Jacob Berend Bakema eröffnet.  © Hendrik Bohle
Skulpturenmuseum Glaskasten. Das Spannbeton-Faltwerkdach des Sitzungstrakts des Rathauses ist 60 Meter lang und 28 Meter breit.
Skulpturenmuseum Glaskasten Das Spannbeton-Faltwerkdach des Sitzungstrakts des Rathauses ist 60 Meter lang und 28 Meter breit. © Hendrik Bohle
Skulpturenmuseum Glaskasten. Sammlung mit Groß- und Kleinskulpturen renommierter Künstler des 20. Jahrhunderts
Skulpturenmuseum Glaskasten Sammlung mit Groß- und Kleinskulpturen renommierter Künstler des 20. Jahrhunderts © Hendrik Bohle

Openness and disclosure

Transparency and accessibility – that is what the architecture of the Skulpturenmuseum Glaskasten, which displays art in the form of over 70 works on and around Creiler Platz, represents. 

As expressive as the pre-stressed concrete and folding roof of the meeting wing of Marl’s city hall is, the Skulpturenmuseum Glaskasten (the “glass box sculpture museum”), with its all-over glazing, looks very delicate and modest below. The whole area, designed as a crown for the city by the Dutch architects van den Broek and Bakema, was, as a confident landmark, also in competition with other cities of the Ruhr metropolitan area, and was conceived of as the middle point of the newly arisen Marl of the 1950s. When work began, a certain percentage of the building costs was used for art acquisitions, and thus a collection was created with large and small sculptures by renowned artists of the twentieth century for the outside of the museum. This point, inner and outer, accessibility and openness, also describes the museum’s concept, that it does not shield itself from the outside world, but rather it has extended its exhibition spaces on and around Creiler Platz. Today, over 70 artworks stand outside of Glaskasten. Along with sculptures, objects, and installations, new media are also a focus of the museum. However, the visibly aged, modernist architecture of the postwar period is no longer so fresh; it looks like an exhibit itself, standing for the spirit of new beginnings and belief in the future. 

Von Jan Dimog Publizist und Gründer, veröffentlicht am .