Bekömmlich

Symmetrisch. Das 1950 in Betrieb genommene Brauereigebäude soll zum Besucherzentrum umgebaut werden.
Symmetrisch Das 1950 in Betrieb genommene Brauereigebäude soll zum Besucherzentrum umgebaut werden. © Hendrik Bohle
Kontrastreich. Im Zuge des Umbaus sollen Büros und Gewerbe in diesen Teil der Brauerei.
Kontrastreich Im Zuge des Umbaus sollen Büros und Gewerbe in diesen Teil der Brauerei. © Jan Dimog

"Tsissgg". Es klingt zu Beginn wie ein Kommando, hört im zweiten Teil aber beinah samtweich auf. So wird es geschrieben: "Cisk", das Nr. 1-Bier Maltas. Der Geschmack ist wie der Samtteil des Wortes: dezent und sehr bekömmlich. Insofern war die Bekanntschaft mit dem Bier am Abend vor unserem Treffen mit dem Architekten Karl Borg der Farsons Gruppe gut koordiniert, denn dieser zeigte sich ähnlich zugänglich wie das Hauptprodukt der Firma. Wobei Firma untertrieben ist. Farsons Group ist ein Lebensmittelkonzern, gegründet 1928 und mittlerweile in allen Bereichen des Getränke- und Nahrungsmittelsektors tätig ist: Brauerei, Produktion, Verkauf, Vertrieb, Vermarktung. Der jährliche Umsatz beträgt über 80 Millionen Euro. Das Ziel der Gruppe ist das Wachstum auf lokaler und internationaler Ebene, sie wollen ein "regional player within the food and beverage business" werden, so ihre Vision. Zu den Marken der Gruppen gehören: mehrere Biersorten wie Cisk Lager, Blue Label Ale (Altbier), Hopleaf Pale Ale (cremig), die Limonade Kinnie sowie das Tafelwasser San Michel und andere Produkte.

Geometrisch

Stimmig. Zufahrt zum Werksgelände
Stimmig Zufahrt zum Werksgelände © Jan Dimog
Historisch. Bild der alten Brauerei, die 1950 eröffnet wurde.
Historisch Bild der alten Brauerei, die 1950 eröffnet wurde. © Hendrik Bohle
Gleichmäßig. Haupteingang der Brauerei
Gleichmäßig Haupteingang der Brauerei © Hendrik Bohle
Verbunden. Trotz Planungen für die umfangreichen Umbaumaßnahmen wird die alte Brauerei nach wie vor intensiv genutzt.
Verbunden Trotz Planungen für die umfangreichen Umbaumaßnahmen wird die alte Brauerei nach wie vor intensiv genutzt. © Hendrik Bohle
Würdevoll. Konferenzsaal der alten Brauerei
Würdevoll Konferenzsaal der alten Brauerei © Hendrik Bohle
Göttlich. Im Konferenzsaal
Göttlich Im Konferenzsaal © Hendrik Bohle
Gleichförmig. Bürotrakt der alten Brauerei
Gleichförmig Bürotrakt der alten Brauerei © Hendrik Bohle
Fein. Lichtschalter in der alten Brauerei.
Fein Lichtschalter in der alten Brauerei. © Hendrik Bohle

Wir treffen den Hausarchitekten der Farsons Gruppe, Karl Borg, am Fuße der alten Brauerei. Der weiße, streng geometrisch angelegte Turm mit dem halbkreisförmigen Vorbau und Art déco-Elementen strahlt hier, direkt am Eingang des Werksgeländes, Sachlichkeit und Eleganz zugleich aus. Der Entwurf für die Brauerei, inklusive des langgestreckten, zweigeschossigen Körpers mit Büros, Produktionsstätten und Vertriebsräumen und der sich an den Turm anschließt, stammt von Lewis V. Farrugia, dem damaligen Geschäftsführer. Der ausgebildete Architekt hatte zwei Jahre an den Plänen gearbeitet. Die neue Brauerei wurde im Juni 1950 eingeweiht.

Ästhetisch

Glänzend. Die neue vom maltesischen Büro Architecture Project AP entworfene Brauerei
Glänzend Die neue vom maltesischen Büro Architecture Project AP entworfene Brauerei © Kurt Arrigo
Gradlinig. Die neue Brauerei wurde 2012 in Betrieb genommen.
Gradlinig Die neue Brauerei wurde 2012 in Betrieb genommen. © Kurt Arrigo
Voluminös. Außen wie innen ist AP eine Verbindung aus Zweckmäßigkeit und Ästhetik gelungen.
Voluminös Außen wie innen ist AP eine Verbindung aus Zweckmäßigkeit und Ästhetik gelungen. © Kurt Arrigo
Licht. Aufenthaltsbereich der neuen Brauerei
Licht Aufenthaltsbereich der neuen Brauerei © Kurt Arrigo
Kupfern. Die Verkleidung der Fassade
Kupfern Die Verkleidung der Fassade © Hendrik Bohle

Seit 1950 hat sich die Simonds Farsons Cisk-Gruppe, so die offizielle Bezeichnung, zum führenden Getränke- und Lebensmittelhersteller des Inselarchipels entwickelt. Bei unserem Rundgang mit Karl Borg wird das Wachstum auch anhand der Größe des Werksgeländes deutlich. Das Logistikzentrum, die technischen Anlagen wie z. B. das Tanklager, die Verpackungshallen für die Biere und Softdrinks sowie die neue Brauerei haben die ursprüngliche Größe der alten Anlage vervielfacht. Zwischen den Zweckkonstrukten hebt sich die neue Brauerei besonders hervor. Die alte Brauerei war nicht mehr zeitgemäß, erst recht nach der rasanten Expansion des Unternehmens. Zudem haben sich die Anforderungen an Produktion, Technik und Zertifizierungsverfahren verändert. Das beauftragte und in Valletta ansässige Architekturbüro Architecture Project AP beschreibt ihren 7400 qm-großen und 4,5 Millionen Euro teuren Bau nüchtern als "Container für den Brauprozess, der Ausrüstung, Technik, Kessel, Silos und Behälter beherbergt." Insgesamt ist AP eine Verbindung aus Ästhetik und Zweckmäßigkeit gelungen. Das zeigt sich auch an der Fassadengestaltung, einer Kupferhaut, die zusammen mit der natürlichen Ventilation für Schutz und Temperaturkontrolle des Innenraums sorgt.

Großzügig

Zugänglich. Modell für den Umbau der alten Brauerei. Das britische Büro Ian Ritchie Architects ist für den Einbau von Büros und Gewerbeeinheiten verantwortlich.
Zugänglich Modell für den Umbau der alten Brauerei. Das britische Büro Ian Ritchie Architects ist für den Einbau von Büros und Gewerbeeinheiten verantwortlich. © Hendrik Bohle
Wohnlich. Modell der Umbaumaßnahmen. In diesem Bereich soll Platz für Büros und Gewerbe geschaffen werden. Für die Planungen ist das Büro Ian Ritchie Architects verantwortlich.
Wohnlich Modell der Umbaumaßnahmen. In diesem Bereich soll Platz für Büros und Gewerbe geschaffen werden. Für die Planungen ist das Büro Ian Ritchie Architects verantwortlich. © Hendrik Bohle
Museal. Einer der Beckenräume, die ebenfalls umgebaut werden sollen.
Museal Einer der Beckenräume, die ebenfalls umgebaut werden sollen. © Jan Dimog
Spiegelbildlich. Im alten Braukesselraum
Spiegelbildlich Im alten Braukesselraum © Jan Dimog
Farbig. Im alten Braukesselraum
Farbig Im alten Braukesselraum © Hendrik Bohle
Drehbar. Im alten Braukesselraum
Drehbar Im alten Braukesselraum © Jan Dimog
Dreifach. Im alten Braukesselraum
Dreifach Im alten Braukesselraum © Jan Dimog
Rund. Im alten Braukesselraum
Rund Im alten Braukesselraum © Jan Dimog

Karl Borg läuft. Und läuft. Und läuft. Bei dem Rundgang scheint uns der Farsons-Architekt alles zeigen zu wollen. Tut der Enthusiast nicht, dafür offenbart er einige Schätze der alten Brauerei wie z. B. den Raum mit den imposanten Braukesseln. Erkennbar verstaubt und lange unbenutzt, wird dieser Ort zu einem Besucherzentrum umgebaut. Im langgestreckten Riegel an der Seite des künftigen Zentrums sollen Büros und Gewerbeeinheiten entstehen. Nach der intensiven Begehung sitzen wir mit Karl Borg noch einige Zeit im Farsons Direct, dem Verkaufsladen für die hauseigenen Produkte wie auch für die verschiedenen Weine, Biere, Spirituosen und nichtalkoholischen Getränke, die Farsons importiert, z. B. Perrier, Campari, Jägermeister, Red Bull. Am liebsten hätte ich jetzt ein kühles, blondes Cisk. Allerdings ist es Mittagszeit und wir haben noch weitere Termine am Nachmittag. Wir trinken Wasser. Natürlich lässt uns Karl Borg in seiner großzügigen Art auch andere Wassersorten bringen. Mit Geschmack. Mit viel Sprudel. Mit wenig. Dazu erzählt er wie sich Maltas Architektur in den vergangenen Jahren verändert hat. Auch mit Bauten wie der neuen Brauerei von AP oder Projekten von anderen lokalen Designern, was auch mit dem Immobilienboom der letzten Jahre und dem Aufschwung Maltas zu tun hat. Das jedoch ist eine andere Geschichte. Wir eilen zum nächsten Treffen, randvoll mit maltesischer Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts. Ich weiß, welches kühle Hefegetränk ich nach den Terminen bestellen werde.

Unsere architektonische Recherechreise wurde von Visit Malta, Air Malta und dem Palazzo Prince D’Orange unterstützt.

Unsere (architektonische) Bilderserie über Malta finden Sie: hier.

Von Jan Dimog Autor, Blogger und Journalist, veröffentlicht am .