"Als Ganzes geplante und angelegte, nicht natürlich gewachsene Stadt“, so definiert der Duden eine Planstadt. Was sich neutral anhört, bekommt mit dem anderen Begriff eine deutlich andere Betonung: Retortenstadt. Die ist unnatürlich. Synthetisch. Künstlich. Dass Architektur und Städtebau in den Niederlanden nicht nur Grachtengemütlichkeit und putzige Innenstadtpittoreske bedeuten, sondern auch Aufbruch und Avantgarde, Dutchdesign und flotte Fortschrittlichkeit haben die hiesigen Gestalter, Baumeister und Planer schon häufig bewiesen. Im Frühjahr waren wir zur Rotterdamer Architekturbiennale eingeladen und konnten uns von eben diesem Eiltempo in Sachen Kreativität und Umsetzungsstärke überzeugen. Das hat Appetit auf mehr Architektonisches und Stadtwagemut gemacht. Da passt es, dass Almere kürzlich seinen vierzigsten Geburtstag gefeiert hat. Grund genug, uns direkt vor Ort erklären zu lassen, was sich seit dem ersten Spatenstich 1975 alles getan hat. In diesem Teil geht es um Almere-Stad, der Innenstadt, in der sich namhafte Architekten und Künstler austoben konnten und die sich von anderen niederländischen Zentren völlig unterscheidet. Retorte hin oder her: diese Synthesestadt ist lebendig, lernt dazu, entwickelt sich und ist eine Reise wert.

Start und Ende des Rundgangs: am Hauptbahnhof Almere Centrum

Almere Centrum.  Funktional, nüchtern, expressiv: der Hauptbahnhof von Almere.
Almere Centrum Funktional, nüchtern, expressiv: der Hauptbahnhof von Almere. © Hendrik Bohle
Almere Centrum.  Die Innenstadt ist an vielen Stellen wie der Hauptbahnhof: klar, rational, präzise – mit dem almerischen Schuss an Raffinesse und klugem Design.
Almere Centrum Die Innenstadt ist an vielen Stellen wie der Hauptbahnhof: klar, rational, präzise – mit dem almerischen Schuss an Raffinesse und klugem Design. © Jan Dimog
Almere Centrum.  Ist der größte Bahnhof der Provinz Flevoland.
Almere Centrum Ist der größte Bahnhof der Provinz Flevoland. © Hendrik Bohle
Stadhuisplein.  Am zentralen Platz, 5 Minuten vom Hauptbahnhof entfernt, stehen einige markante Bauten. Ab hier erhebt sich die Innenstadtplatte auf 6 Meter Höhe – Teil des vom Großarchitekturbüro OMA und Rem Koolhaas konzipierten Masterplans. Ein Hügel sollte entstehen und wurde auch so gebaut.
Stadhuisplein Am zentralen Platz, 5 Minuten vom Hauptbahnhof entfernt, stehen einige markante Bauten. Ab hier erhebt sich die Innenstadtplatte auf 6 Meter Höhe – Teil des vom Großarchitekturbüro OMA und Rem Koolhaas konzipierten Masterplans. Ein Hügel sollte entstehen und wurde auch so gebaut. © Jan Dimog
Stadhuis Almere.  Das Rathaus war das erste wichtige Gebäude der Innenstadt. Im Rundbau befindet sich die Stadtverwaltung.
Stadhuis Almere Das Rathaus war das erste wichtige Gebäude der Innenstadt. Im Rundbau befindet sich die Stadtverwaltung. © Hendrik Bohle
Stadhuisplein.  Auf dem zentralen Platz stehen das Stadhuis von Dam & Partners Architecten aus Amsterdam (eröffnet 1986, umgebaut 2005) und De Nieuwe Bibliotheek von Meyer en Van Schooten Architecten mit Barry van Waveren (eröffnet 2009, im Bild rechts).
Stadhuisplein Auf dem zentralen Platz stehen das Stadhuis von Dam & Partners Architecten aus Amsterdam (eröffnet 1986, umgebaut 2005) und De Nieuwe Bibliotheek von Meyer en Van Schooten Architecten mit Barry van Waveren (eröffnet 2009, im Bild rechts). © Hendrik Bohle
Busbahnen.  Zum Konzept des Masterplan Stadshart: die Trennung der Wege. Busse, Pkws, Fahrräder und Fußgänger haben ihre eigenen, voneinander getrennten Wege. Damit folgte OMA den Ursprungsideen für Almere der 1970er und trieb es mit dem künstlichen Hügel auf die Spitze. Wortwörtlich.
Busbahnen Zum Konzept des Masterplan Stadshart: die Trennung der Wege. Busse, Pkws, Fahrräder und Fußgänger haben ihre eigenen, voneinander getrennten Wege. Damit folgte OMA den Ursprungsideen für Almere der 1970er und trieb es mit dem künstlichen Hügel auf die Spitze. Wortwörtlich. © Jan Dimog
Almere Stad.  Beschilderung auf dem Forum-Platz. Von hier sind es nur wenige Schritte bis zum Wasser, dem Weerwater.
Almere Stad Beschilderung auf dem Forum-Platz. Von hier sind es nur wenige Schritte bis zum Wasser, dem Weerwater. © Hendrik Bohle
Forum.  Ist einer der Innenstadtplätze. Kurz vor dem Start der Architekturführung mit der Almerekennerin Marga Kleinenberg – im Gespräch mit THE LINK-Mitgründer und Redakteur Jan Dimog
Forum Ist einer der Innenstadtplätze. Kurz vor dem Start der Architekturführung mit der Almerekennerin Marga Kleinenberg – im Gespräch mit THE LINK-Mitgründer und Redakteur Jan Dimog © Hendrik Bohle
Utopolis.  Stimmige Fassadengestaltung: Merkmal der Innenstadt und natürlich auch am Gebäude von OMA und Floris Alkemade, eröffnet 2005.
Utopolis Stimmige Fassadengestaltung: Merkmal der Innenstadt und natürlich auch am Gebäude von OMA und Floris Alkemade, eröffnet 2005. © Hendrik Bohle
Lakeside.  SeARCH, Amsterdam, fertiggestellt 2007. Windfang-Konstruktionen sind an mehreren Stellen der Innenstadt aufgestellt, so auch an diesem Wohnturm.
Lakeside SeARCH, Amsterdam, fertiggestellt 2007. Windfang-Konstruktionen sind an mehreren Stellen der Innenstadt aufgestellt, so auch an diesem Wohnturm. © Hendrik Bohle
Apollo Hotel.  Ist Teil des Urban Entertainment Centre von Alsop Architects, London, fertiggestellt 2004
Apollo Hotel Ist Teil des Urban Entertainment Centre von Alsop Architects, London, fertiggestellt 2004 © Hendrik Bohle
Apollo Hotel.  Ein Reiz des Alsop-Ensembles: die Verschiedenartigkeit der Körper wie hier die an Blob-Architektur erinnernde Freiform des Hotels. Auf der anderen Seite steht ein linear-sachlicher Elektrofachmarkt, ebenfalls von Alsop.
Apollo Hotel Ein Reiz des Alsop-Ensembles: die Verschiedenartigkeit der Körper wie hier die an Blob-Architektur erinnernde Freiform des Hotels. Auf der anderen Seite steht ein linear-sachlicher Elektrofachmarkt, ebenfalls von Alsop. © Hendrik Bohle
The City.  Erna van Sambeek, 2005. Kennzeichen: orange-braune Haut mit raffinierten Fensterklappen.
The City Erna van Sambeek, 2005. Kennzeichen: orange-braune Haut mit raffinierten Fensterklappen. © Hendrik Bohle
The City.  Erna van Sambeek
The City Erna van Sambeek © Hendrik Bohle
The City.  Erna van Sambeek, 2005
The City Erna van Sambeek, 2005 © Jan Dimog
The City.  Weil wir dieses Gebäude mögen, bekommt es Platz für 4 Bilder.
The City Weil wir dieses Gebäude mögen, bekommt es Platz für 4 Bilder. © Hendrik Bohle
Schouwburg Almere / Cultuurhuis.  SANAA, Tokio, 2006
Schouwburg Almere / Cultuurhuis SANAA, Tokio, 2006 © Jan Dimog
Schouwburg Almere / Cultuurhuis.  SANAA, Tokio, 2006. Im Innenraum: die Arbeit "Untitled" des taiwanesischen Künstlers Michael Lin.
Schouwburg Almere / Cultuurhuis SANAA, Tokio, 2006. Im Innenraum: die Arbeit "Untitled" des taiwanesischen Künstlers Michael Lin. © Hendrik Bohle
The Wave.  René van Zuuk Architekten B.V. aus Almere, 2004. Sechsstöckiges Wohnhaus. Die dem Weerwater zugewandte Seite strebt dem Nass wellenartig zu und schiebt einige Räume vor. Die Fassaden sind aus verzinkten Platten.
The Wave René van Zuuk Architekten B.V. aus Almere, 2004. Sechsstöckiges Wohnhaus. Die dem Weerwater zugewandte Seite strebt dem Nass wellenartig zu und schiebt einige Räume vor. Die Fassaden sind aus verzinkten Platten. © Hendrik Bohle
Olstgracht.
Olstgracht © Hendrik Bohle
De Pier.  Gradlinig mit Schwung gen Weerwater
De Pier Gradlinig mit Schwung gen Weerwater © Jan Dimog
Hengelostraat.  Mit Blick auf Weerwater und den Wohnturm Silverline von Claus en Kaan Architecten, 2001. Die filigrane Brücke, die Fietsbrug Olstgracht, ist vom The Wave-Architekten van Zuuk entworfen. Fertigstellung 2003.
Hengelostraat Mit Blick auf Weerwater und den Wohnturm Silverline von Claus en Kaan Architecten, 2001. Die filigrane Brücke, die Fietsbrug Olstgracht, ist vom The Wave-Architekten van Zuuk entworfen. Fertigstellung 2003. © Jan Dimog
Urban Entertainment Centre.  Mit Casino und Fahrradfahrern.
Urban Entertainment Centre Mit Casino und Fahrradfahrern. © Jan Dimog
Schipperplein.  Parkdesign von DP Landschapsarchitecten, Amsterdam, 2004. Der Kugelfischkörper im Hintergrund ist, ähnlich wie der biomorphe Teil des Apollo-Hotels, auch von Alsop Architects.
Schipperplein Parkdesign von DP Landschapsarchitecten, Amsterdam, 2004. Der Kugelfischkörper im Hintergrund ist, ähnlich wie der biomorphe Teil des Apollo-Hotels, auch von Alsop Architects. © Jan Dimog
The Jewel.  David Chipperfield Architects, London, 2006. Unten sind Geschäfte, oben setzen Glasfassaden die Wohneinheiten vom öffentlichen Bereich ab. Hinten rechts und passend zum Juwelenviertel: "De Smaragd" vom Züricher Büro Gigon & Guyer Architekten. Rechts: De Citadel von Atelier Christian de Portzamparc.
The Jewel David Chipperfield Architects, London, 2006. Unten sind Geschäfte, oben setzen Glasfassaden die Wohneinheiten vom öffentlichen Bereich ab. Hinten rechts und passend zum Juwelenviertel: "De Smaragd" vom Züricher Büro Gigon & Guyer Architekten. Rechts: De Citadel von Atelier Christian de Portzamparc. © Hendrik Bohle
De Smaragd.  Gigon & Guyer Architekten, Zürich, 2007
De Smaragd Gigon & Guyer Architekten, Zürich, 2007 © Jan Dimog
De Smaragd.  Gigon & Guyer Architekten Zürich, fertiggestellt 2007.
De Smaragd Gigon & Guyer Architekten Zürich, fertiggestellt 2007. © Hendrik Bohle
De Citadel.  Atelier Christian de Portzamparc, 2006. Eine Referenz an die mittelalterliche Zitadellenarchitektur ohne zu historisieren oder gar etwas rekonstruieren zu wollen.
De Citadel Atelier Christian de Portzamparc, 2006. Eine Referenz an die mittelalterliche Zitadellenarchitektur ohne zu historisieren oder gar etwas rekonstruieren zu wollen. © Hendrik Bohle
De Citadel.  Atelier Christian de Portzamparc, 2006. Mit Einblick in die unterirdischen Adern und Leitlinien. An dieser Stelle des Zentrumhügels stapelt sich die Stadt auf 3 Ebenen: unten Verkehr und Organisation. Mitte: Passanten, Geschäfte und öffentliche Räume. Oben: Privatheit, Wohnungen und nur für Bewohner zugängliche Gemeinschaftsflächen.
De Citadel Atelier Christian de Portzamparc, 2006. Mit Einblick in die unterirdischen Adern und Leitlinien. An dieser Stelle des Zentrumhügels stapelt sich die Stadt auf 3 Ebenen: unten Verkehr und Organisation. Mitte: Passanten, Geschäfte und öffentliche Räume. Oben: Privatheit, Wohnungen und nur für Bewohner zugängliche Gemeinschaftsflächen. © Hendrik Bohle
De Diagonaal.  Wie gesagt: funktional, zielgerichtet und mit der Lust an klarer Architektursprache.
De Diagonaal Wie gesagt: funktional, zielgerichtet und mit der Lust an klarer Architektursprache. © Jan Dimog
De Nieuw Bibliotheek.  Meyer en Van Schooten Architecten und Barry van Waveren, 2009. Dreieck, Kurven, Einschnitte bestimmen die Form der elegant-großzügigen Bibliothek.
De Nieuw Bibliotheek Meyer en Van Schooten Architecten und Barry van Waveren, 2009. Dreieck, Kurven, Einschnitte bestimmen die Form der elegant-großzügigen Bibliothek. © Hendrik Bohle
De Citadel.  Atelier Christian de Portzamparc, 2006
De Citadel Atelier Christian de Portzamparc, 2006 © Jan Dimog
Utopolis.  OMA, Rotterdam und Floris Alkemade. Wer durch das Zentrum geht, sollte unbedingt auf die Fassadengestaltung achten. Ein Fest für die Augen.
Utopolis OMA, Rotterdam und Floris Alkemade. Wer durch das Zentrum geht, sollte unbedingt auf die Fassadengestaltung achten. Ein Fest für die Augen. © Jan Dimog
Das Treffen der Formen.  Oder wenn OMA auf de Portzamparc und beide auf den Himmel treffen.
Das Treffen der Formen Oder wenn OMA auf de Portzamparc und beide auf den Himmel treffen. © Jan Dimog
Tarra Tower.  MVRDV / PBT, 2002. Oft ist die Architektursprache der Rotterdamer farbenfroh-fragil. Bei diesem Projekt setzten sie auf Ruhe und die robuste Kraft des Betons.
Tarra Tower MVRDV / PBT, 2002. Oft ist die Architektursprache der Rotterdamer farbenfroh-fragil. Bei diesem Projekt setzten sie auf Ruhe und die robuste Kraft des Betons. © Hendrik Bohle
Tarra Tower.  MVRDV / PBT
Tarra Tower MVRDV / PBT © Hendrik Bohle
Tarra Tower.  MVRDV / PBT, 2002.
Tarra Tower MVRDV / PBT, 2002. © Hendrik Bohle

Der Plan

Almere Stad ist mit Almere Haven das Zentrum der mehrkernig angelegten Stadtstruktur. Verwaltung, Wirtschaft und Kultur sollten hier angesiedelt werden, um so die Leitstelle der weitläufig angelegten Stadtteile zu übernehmen. 1979 begannen die Baumaßnahmen, vier Jahre nachdem der erste Spatenstich gesetzt worden war. Einige Jahrzehnte zuvor hatte man umfangreiche Landgewinnungen eingeleitet, so dass ab 1975 Almere auf dem südlichen Teil des Flevolandpolders errichtet werden konnte. Die Stadt gehört zu Flevoland, der jüngsten Provinz des Landes. Sie besteht ausschließlich aus Land, das dem Ijsselmeer über Jahre abgewonnen worden war. Amsterdam ist keine 30 km entfernt und die Menschen der einwohnerstärksten Stadt der Niederlande waren auch die Zielgruppe. Almere war als Schlaf- und Ausweichstätte für die Hauptstädter konzipiert. Der Masterplan sah Variationen der schachbrettartig angelegten Struktur vor, von denen man sich jedoch verabschiedete, je weiter und schneller sich die Stadt entwickelte. Heute ist Almere auf eine 200.000 Einwohner-Stadt angewachsen, hat mit den zahlreichen Pendlern gen Hafenstadt nach wie vor einen starken Bezug zu Amsterdam, aber einen mindestens genauso starken Willen das "Almerische" herauszubilden. Da trifft es sich gut, dass der Ort für Baukunst und Architekturabenteuer immer bekannter wird.

Die Architektur

AAA ist ein Kürzel, das gut hierher passt. Denn Almeres Avantgarde-Architektur (AAA) ist vor allem hier im "Stadcentrum" zu finden. Niederlandes Großdesignfirma Office for Metropolitan Architecture (OMA) hatte 1994 den Masterplan Stadshart entwickelt, der bis 2010 umgesetzt wurde. Auf 800 x 800 Meter sah das Konzept eine XXL-Transplantation vor. In das bestehende Zentrum wurde ein neuer Kern eingefügt. Es gab mehrere Ziele: verschiedene Funktionen und Bereiche sollten hier miteinander verwoben werden – Arbeit, Leben, Gewerbe, Kultur, Unterhaltung und Sport. Der Bezug zum Binnensee Weerwater wurde betont und markante Bauten gaben der Innenstadt Charakter und Ausdruck. Zuvor entwarfen Rem Koolhaas und sein OMA-Team mit Floris Alkemade und DS Landschapsarchitecten einen Stadthügel und gleich mehrere Stadtebenen. Klingt nach Dubaistyle? Ist es auch. Der Mensch als Transformer. Je näher man dem Weerwater kommt, desto höher geht es, insgesamt auf über sechs Meter. Diese Stadtstockwerke sind je nach Verkehrsmittel erfahr- und merkbar. Denn während oben Wohnungen, Büros, Gastronomie und Geschäfte sind, gibt es unten die Infrastruktur: Parkplätze, Busfahrbahnen und das futuristische, einer Rohrpostanlage nachempfundene Müllentsorgungssystem. Abfall wird durch Rohre in unterirdische Sammelstellen gesaugt, die sich per Signal melden, sobald sie geleert werden müssen. Unten Leitungen, oben Menschen. Den Rest der Metropolisierung besorgten namhafte niederländische und internationale Architekturbüros: Meyer en Van Schooten Architecten mit De Nieuwe Bibliotheek, De Smaragd von Gigon und Guyer Architekten, De Citadel von Atelier Christian de Portzamparc, Utopolis von OMA, Lakeside von SeARCH, Schouwburg / Cultuurhuis von SANAA, Tarra Tower von MVRDV / PBT, das Urban Entertainment Centre von Alsop Architects.

Das Stadtresümee

Ein Showroom bzw. eine Showstadt der Architektur kann anstrengend, weil angeberisch wirken. Seht her, in unserem Zentrum haben wir mehr Zeitgenössisches als alle so genannten modernen Städte in Europa zusammengenommen. Aber genau diese kompromisslose Contemporary-Attitüde ist die Almere-DNS. Warum sollte man die Grachtengemütlichkeit kopieren wollen? Warum eine Altstadt-Kuschligkeit vorgaukeln, die nicht hierher passt? Und die signalisiert: ich mag lieber im Mittelalter leben. Oder zumindest in einer disneyisierten Rekonstruktionsbeklopptheit. Almere ist: Hier. Heute. Jetzt.
Im zweiten Teil gehen wir aus der OMA-Hügelstadt hinaus und schauen uns das Individuell-Kreative der anderen Stadtteile an. Denn auch das ist Almere: eigenwillig, liberal, frei. Wie war das noch mit der Schlaf- und Ausweichstätte für die 30 km entfernte Hafenstadt?

Almere ist: Hier. Heute. Jetzt.

Entsorgung.  Das futuristische Müllentsorgungssystem: mit Luft wird der Müll abgesaugt, an Sammelstellen gebündelt und auf Signal dann jenen Stellen abgeholt.
Entsorgung Das futuristische Müllentsorgungssystem: mit Luft wird der Müll abgesaugt, an Sammelstellen gebündelt und auf Signal dann jenen Stellen abgeholt. © Jan Dimog
Almere-Design.  Warum einen einfachen Zaun und Sichtschutz bauen, wenn man Sitzmöglichkeiten integrieren kann (das Fahrrad ist nicht damit gemeint).
Almere-Design Warum einen einfachen Zaun und Sichtschutz bauen, wenn man Sitzmöglichkeiten integrieren kann (das Fahrrad ist nicht damit gemeint). © Jan Dimog
Almere-Design.  Bäume sind auf dem 800 x 800 Meter großen, mehrstöckigen Stadshart-Areal rar. Daher gibt es diese XL-Töpfe mit Grün. Kann man machen. Muss man aber nicht.
Almere-Design Bäume sind auf dem 800 x 800 Meter großen, mehrstöckigen Stadshart-Areal rar. Daher gibt es diese XL-Töpfe mit Grün. Kann man machen. Muss man aber nicht. © Jan Dimog
Carlton Tower / WTC 2.  Dam & Partners, Amsterdam, 2010. Vom Aussichtsdeck des Hochhauses sind die nachfolgenden Bilder entstanden.
Carlton Tower / WTC 2 Dam & Partners, Amsterdam, 2010. Vom Aussichtsdeck des Hochhauses sind die nachfolgenden Bilder entstanden. © Jan Dimog
Staatsliedenwijk.  Wohngebiet, unmittelbar an das Zentrum grenzend.
Staatsliedenwijk Wohngebiet, unmittelbar an das Zentrum grenzend. © Jan Dimog
La Defense.  UN Studio, Amsterdam, Ben van Berkel, 2004. Der Bürokomplex fügt sich trotz seiner an einigen Stellen bunt gefassten Größe gut in die Stadtstruktur der nahen Innenstadt ein.
La Defense UN Studio, Amsterdam, Ben van Berkel, 2004. Der Bürokomplex fügt sich trotz seiner an einigen Stellen bunt gefassten Größe gut in die Stadtstruktur der nahen Innenstadt ein. © Hendrik Bohle
Staatsliedenwijk.  Der Blick auf Wohngebiete nahe der Innenstadt. Im Hintergrund ist der Binnensee Noorderplassen zu sehen, dahinter das Markermeer, das in das Ijseelmeer übergeht.
Staatsliedenwijk Der Blick auf Wohngebiete nahe der Innenstadt. Im Hintergrund ist der Binnensee Noorderplassen zu sehen, dahinter das Markermeer, das in das Ijseelmeer übergeht. © Hendrik Bohle
Martinez.  ZZDP Architecten, Amsterdam, 2010. Bildet mit dem nahen Carlton Tower den visuellen Anker für die Innenstadt.
Martinez ZZDP Architecten, Amsterdam, 2010. Bildet mit dem nahen Carlton Tower den visuellen Anker für die Innenstadt. © Hendrik Bohle
Stadt mit See.  Und dem großräumigen Rathaus. Dahinter: der Binnensee Weerwater.
Stadt mit See Und dem großräumigen Rathaus. Dahinter: der Binnensee Weerwater. © Jan Dimog
Stadt mit Skyline.  Die zwei im rechten Winkel zueinander stehenden 70 Meter hohen Wohntürme heißen treffend "Side by Side" und wurden von de Architekten Cie und Frits van Dongen entworfen. Fertigstellung 2007.
Stadt mit Skyline Die zwei im rechten Winkel zueinander stehenden 70 Meter hohen Wohntürme heißen treffend "Side by Side" und wurden von de Architekten Cie und Frits van Dongen entworfen. Fertigstellung 2007. © Jan Dimog
Stadt mit Klarheit.  Links das Rathaus, daneben in der Keilform, das dem Bau die dynamische Schiffsform gibt: De Nieuwe Bibliotheek. Das Heck der Schiffsbücherei wird von "De Smaragd" gestützt.
Stadt mit Klarheit Links das Rathaus, daneben in der Keilform, das dem Bau die dynamische Schiffsform gibt: De Nieuwe Bibliotheek. Das Heck der Schiffsbücherei wird von "De Smaragd" gestützt. © Jan Dimog
Martinez.  ZZDP Architecten, Amsterdam, 2010
Martinez ZZDP Architecten, Amsterdam, 2010 © Jan Dimog
Almere Centrum.  Der Hauptbahnhof vom WTC 2-Hochhaus gesehen, dem höchsten Gebäude von Almere.
Almere Centrum Der Hauptbahnhof vom WTC 2-Hochhaus gesehen, dem höchsten Gebäude von Almere. © Jan Dimog
Almere Centrum.
Almere Centrum © Jan Dimog

Unsere Architekturreise wurde unterstützt von: "Niederländisches Büro für Tourismus & Convention" (NBTC) und "VVV Almere".

"The part of Almere that does most to distinguish it from other cities worldwide is its city centre. It is a zone where internationally recognized architects have fleshed out the architectural vision formulated by the firm OMA in 1994."

"Almere Architectuurgids / an architectural guide", herausgegeben von Pharos, Casla und VVV Almere.

Von Jan Dimog Autor, Redakteur und (Foto)Journalist, veröffentlicht am .