Das Akropolismuseum –  Das Akropolismuseum – Akropolis reloaded

Reportage:

Bernard Tschumi und Michael Photiadis entwarfen das Akropolismuseum als eigenständige zeitgenössische Antwort auf die antiken Monumente Athens..

Das Akropolismuseum – Akropolis reloaded Das Akropolismuseum – Akropolis reloaded

Beton — Griechenland | 

Zuletzt aktualisiert am 5. September 2026.

Die Athener Akropolis ragt weit aus dem weißen Häusermeer heraus. In der Antike war der nur von Westen leicht zugängliche Kalksteinfelsen ein idealer Burg- und Kultort. Umkämpft, überbaut und immer wieder verändert, blieb er über Jahrtausende das räumliche und symbolische Zentrum der Stadt.

Das heutige Erscheinungsbild ist jedoch kein unverändertes Bild der Antike. Bauten und Ergänzungen späterer Epochen – darunter eine Moschee, ein Minarett, Wohnhäuser und militärische Anlagen – wurden seit dem 19. Jahrhundert weitgehend entfernt. Die fortdauernden Restaurierungsarbeiten zeigen, dass auch das vermeintlich zeitlose Ideal der klassischen Akropolis immer wieder neu hergestellt und interpretiert wird.

Die Akropolis ist Athen. Athen ist die Akropolis.

Die Hochstadt der Klassik, vom nördlich gelegenen Kolonaki-Viertel aus gesehen, erhebt sich auf einem 156 Meter hohen Kalksteinsockel über der Athener Ebene. Die Ruinen der noch bestehenden Bauten prägen maßgeblich unser Bild der Antike.

Die Akropolis

Die Hochstadt der Klassik, vom nördlich gelegenen Kolonaki-Viertel aus gesehen, erhebt sich auf einem 156 Meter hohen Kalksteinsockel über der Athener Ebene. Die Ruinen der noch bestehenden Bauten prägen maßgeblich unser Bild der Antike.

Bild vergrößern (Die Akropolis)(Abbildung © Jan Dimog)
Eine breite Freitreppe führte bereits in der Antike zum heiligen Bezirk. Den Übergang bildeten die zwischen 437 und 432 v. Chr. nach Plänen des Architekten Mnesikles errichteten Propyläen. Die Toranlage verbindet Aufstieg, Landschaft und Architektur zu einer sorgfältig inszenierten räumlichen Folge.

Die Propyläen

Eine breite Freitreppe führte bereits in der Antike zum heiligen Bezirk. Den Übergang bildeten die zwischen 437 und 432 v. Chr. nach Plänen des Architekten Mnesikles errichteten Propyläen. Die Toranlage verbindet Aufstieg, Landschaft und Architektur zu einer sorgfältig inszenierten räumlichen Folge.

Bild vergrößern (Die Propyläen)(Abbildung © Hendrik Bohle)
Der kleine ionische Tempel steht exponiert auf einem Felsvorsprung südwestlich der Propyläen. Er entstand etwa zwischen 427 und 424 v. Chr. nach Plänen des Architekten Kallikrates und war Athena in ihrer Erscheinungsform als Siegesbringerin geweiht. Seine Bauplastik verbindet Darstellungen militärischer Auseinandersetzungen mit Szenen aus der Götterwelt.

Der Tempel der Nike

Der kleine ionische Tempel steht exponiert auf einem Felsvorsprung südwestlich der Propyläen. Er entstand etwa zwischen 427 und 424 v. Chr. nach Plänen des Architekten Kallikrates und war Athena in ihrer Erscheinungsform als Siegesbringerin geweiht. Seine Bauplastik verbindet Darstellungen militärischer Auseinandersetzungen mit Szenen aus der Götterwelt.

Bild vergrößern (Der Tempel der Nike)(Abbildung © Hendrik Bohle)
Das Erechtheion vereint mehrere Kultorte und unterschiedliche ionische Raumteile in einem asymmetrischen Baukörper. Besonders markant ist die Korenhalle an der Südseite. Sechs als Karyatiden bezeichnete Mädchengestalten tragen dort das Gebälk. Die Figuren am Bau sind Kopien; fünf Originale befinden sich im Akropolismuseum, die sechste im British Museum in London.

Das Erechtheion

Das Erechtheion vereint mehrere Kultorte und unterschiedliche ionische Raumteile in einem asymmetrischen Baukörper. Besonders markant ist die Korenhalle an der Südseite. Sechs als Karyatiden bezeichnete Mädchengestalten tragen dort das Gebälk. Die Figuren am Bau sind Kopien; fünf Originale befinden sich im Akropolismuseum, die sechste im British Museum in London.

Bild vergrößern (Das Erechtheion)(Abbildung © Jan Dimog)
Der Parthenon ist der größte und bekannteste Bau des heiligen Bezirks. Der Tempel entstand zwischen 447 und 432 v. Chr. nach Plänen der Architekten Iktinos und Kallikrates. Phidias verantwortete das bildhauerische Programm und schuf die monumentale Kultstatue der Athena Parthenos. Selbst die erhaltenen Fragmente lassen die Proportionen und räumliche Präzision des Baus erkennen.

Der Parthenon

Der Parthenon ist der größte und bekannteste Bau des heiligen Bezirks. Der Tempel entstand zwischen 447 und 432 v. Chr. nach Plänen der Architekten Iktinos und Kallikrates. Phidias verantwortete das bildhauerische Programm und schuf die monumentale Kultstatue der Athena Parthenos. Selbst die erhaltenen Fragmente lassen die Proportionen und räumliche Präzision des Baus erkennen.

Bild vergrößern (Der Parthenon)(Abbildung © Jan Dimog)
Großbaustelle und immer werdende Ruine.

Die Akropolis

Großbaustelle und immer werdende Ruine.

Bild vergrößern (Die Akropolis)(Abbildung © Hendrik Bohle)
Im Schatten des Parthenon liegt das alte Akropolismuseum. Der erste Bau entstand zwischen 1865 und 1874 nach Plänen von Panagis Kalkos in einer Senke am südöstlichen Rand des Felsplateaus. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Museum grundlegend umgebaut; die moderne Neugestaltung ist mit dem Architekten Patroklos Karantinos verbunden.
Die zurückhaltende Einfügung in das Gelände ließ den Bau aus der Ferne kaum hervortreten. Dennoch reichten seine Flächen bald nicht mehr für die wachsende Zahl archäologischer Funde aus. 2007 wurde das Museum geschlossen und seine Sammlung anschließend in den Neubau am Fuß der Akropolis überführt.

Das alte Akropolismuseum

Im Schatten des Parthenon liegt das alte Akropolismuseum. Der erste Bau entstand zwischen 1865 und 1874 nach Plänen von Panagis Kalkos in einer Senke am südöstlichen Rand des Felsplateaus. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Museum grundlegend umgebaut; die moderne Neugestaltung ist mit dem Architekten Patroklos Karantinos verbunden. Die zurückhaltende Einfügung in das Gelände ließ den Bau aus der Ferne kaum hervortreten. Dennoch reichten seine Flächen bald nicht mehr für die wachsende Zahl archäologischer Funde aus. 2007 wurde das Museum geschlossen und seine Sammlung anschließend in den Neubau am Fuß der Akropolis überführt.

Bild vergrößern (Das alte Akropolismuseum)(Abbildung © Hendrik Bohle)

»Concept, not form, is what distinguishes architecture from mere building.«

Bernard Tschumi

Das neue Museum von Bernard Tschumi und Michael Photiadis entzieht sich einem unmittelbaren ästhetischen Vergleich mit den Monumenten der Antike. Es ist als gebautes Konzept angelegt: Kontext, Sammlung und Rundgang bestimmen seine Gestalt. Unscheinbar wie sein Vorgänger ist der massive Baukörper jedoch nicht.

Der Parthenon liegt rund 300 Meter entfernt. Unter dem Museum erstrecken sich die Überreste eines antiken Stadtviertels. Das Gebäude ruht auf Betonstützen, deren Positionen in enger Abstimmung mit den Archäologen festgelegt wurden. Im Bereich der Ausgrabungen stehen 43 Stützen; Glasflächen im Boden beziehen die archäologischen Befunde in den Museumsbesuch ein.

Der Bau verzichtet auf eine vordergründig skulpturale Geste, obwohl sein Volumen deutlich mit der kleinteiligen Umgebung kontrastiert. Im Inneren wird der Rundgang selbst zum bestimmenden Entwurfselement. Statt einer Folge voneinander getrennter Räume entwickelt sich eine dreidimensionale Promenade durch unterschiedliche Epochen und Ausstellungsebenen.

Der Weg führt von den Ausgrabungen über die Sammlungen zu Propyläen, Tempel der Athena Nike und Erechtheion bis hinauf zur Parthenon-Galerie, dem räumlichen Höhepunkt des Rundgangs. Sie ist um 23 Grad gegenüber den unteren Baukörpern gedreht und folgt damit der Ausrichtung des antiken Tempels.

Der Parthenonfries wird aus Originalen und Abgüssen zu einer fortlaufenden Folge zusammengesetzt. Zahlreiche Originalteile befinden sich weiterhin im British Museum. Im Akropolismuseum lassen sich Fries, Metopen und Giebelfiguren in enger räumlicher Beziehung zueinander und auf Augenhöhe betrachten.

» ... we aimed to arrive at the clearest concept possible, the most concise and elegant expression of the set of ideas that embodied the remarkable challenges of the project.«

Bernard Tschumi
Der mächtige Museumsbau ragt aus der kleinteiligen Baustruktur des Viertels selbstbewusst hervor. Die klare Strukturierung des Gebäudes ist auch aus der Ferne gut zu erkennen. Fertigstellung: 2009.

Kontrastreich

Der mächtige Museumsbau ragt aus der kleinteiligen Baustruktur des Viertels selbstbewusst hervor. Die klare Strukturierung des Gebäudes ist auch aus der Ferne gut zu erkennen. Fertigstellung: 2009.

Bild vergrößern (Kontrastreich)(Abbildung © Jan Dimog)
Das Museum besteht aus drei übereinanderliegenden Baukörpern. Die Basis überspannt die Ausgrabungsstätte, der mittlere Teil folgt dem Straßenverlauf und die abschließende Parthenon-Galerie übernimmt die Ausrichtung des antiken Tempels.

Komponiert

Das Museum besteht aus drei übereinanderliegenden Baukörpern. Die Basis überspannt die Ausgrabungsstätte, der mittlere Teil folgt dem Straßenverlauf und die abschließende Parthenon-Galerie übernimmt die Ausrichtung des antiken Tempels.

Bild vergrößern (Komponiert)(Abbildung © Bernard Tschumi Architects)
Der stark verglaste Baukörper stellt Blickbeziehungen zwischen Ausstellung, Akropolis und Stadt her. Seine innere Organisation wird bereits an der Fassade ablesbar.

Gespiegelt

Der stark verglaste Baukörper stellt Blickbeziehungen zwischen Ausstellung, Akropolis und Stadt her. Seine innere Organisation wird bereits an der Fassade ablesbar.

Bild vergrößern (Gespiegelt)(Abbildung © Hendrik Bohle)
Die horizontalen Schichten und Auskragungen erinnern an die Balkone der Athener Polykatoikía, des verbreiteten städtischen Wohnhaustyps der Nachkriegszeit.

Geschichtet

Die horizontalen Schichten und Auskragungen erinnern an die Balkone der Athener Polykatoikía, des verbreiteten städtischen Wohnhaustyps der Nachkriegszeit.

Bild vergrößern (Geschichtet)(Abbildung © Jan Dimog)
Während die Fensterflächen der unteren Geschosse durch die Dachüberstände teilweise verschattet werden, ist die abschließend gedrehte Parthenon-Galerie mit einer zweischaligen Glasfassade versehen. Die erhitzte Luft wird durch Konvektion nach oben abgeführt, während kalte Luft von unten nachströmt.

Gedreht

Während die Fensterflächen der unteren Geschosse durch die Dachüberstände teilweise verschattet werden, ist die abschließend gedrehte Parthenon-Galerie mit einer zweischaligen Glasfassade versehen. Die erhitzte Luft wird durch Konvektion nach oben abgeführt, während kalte Luft von unten nachströmt.

Bild vergrößern (Gedreht)(Abbildung © Jan Dimog)
Eine weit auskragende Betonscheibe markiert den Haupteingang. Sie vermittelt zwischen dem gleißenden attischen Licht, dem verschatteten Vorbereich und der gedämpft beleuchteten Eingangshalle.

Einblendend

Eine weit auskragende Betonscheibe markiert den Haupteingang. Sie vermittelt zwischen dem gleißenden attischen Licht, dem verschatteten Vorbereich und der gedämpft beleuchteten Eingangshalle.

Bild vergrößern (Einblendend)(Abbildung © Jan Dimog)
Das Museum ruht auf Stützen über den freigelegten Überresten eines antiken Stadtviertels. An der Eingangsrampe wird diese Konstruktion unmittelbar sichtbar.

Schwebend

Das Museum ruht auf Stützen über den freigelegten Überresten eines antiken Stadtviertels. An der Eingangsrampe wird diese Konstruktion unmittelbar sichtbar.

Bild vergrößern (Schwebend)(Abbildung © Jan Dimog)
Der Ort selbst wird zum Exponat. Große gläserne Bodenplatten erlauben immer wieder Blicke auf die archäologischen Schätze der Stadt.

Sichtbar

Der Ort selbst wird zum Exponat. Große gläserne Bodenplatten erlauben immer wieder Blicke auf die archäologischen Schätze der Stadt.

Bild vergrößern (Sichtbar)(Abbildung © Jan Dimog)
Über der Haupteingangsrampe liegt das Café mit einer teilweise überdachten Terrasse und freiem Blick auf die Akropolis.

Überdacht

Über der Haupteingangsrampe liegt das Café mit einer teilweise überdachten Terrasse und freiem Blick auf die Akropolis.

Bild vergrößern (Überdacht)(Abbildung © Jan Dimog)
Im Hauptausstellungsraum stehen die Exponate verstreut zwischen den hoch aufragenden Säulen. Die Besucher schreiten frei durch den Raum und können die Exponate von allen Seiten betrachten. Große Glasfronten lassen viel natürliches Licht in den Saal fallen. Der Umgang mit natürlichem Licht war einer der entscheidenden Entwurfsparameter.

Fließend

Im Hauptausstellungsraum stehen die Exponate verstreut zwischen den hoch aufragenden Säulen. Die Besucher schreiten frei durch den Raum und können die Exponate von allen Seiten betrachten. Große Glasfronten lassen viel natürliches Licht in den Saal fallen. Der Umgang mit natürlichem Licht war einer der entscheidenden Entwurfsparameter.

Bild vergrößern (Fließend)(Abbildung © Jan Dimog)
Die fünf in Athen erhaltenen Karyatiden des Erechtheions sind frei im Raum aufgestellt und von mehreren Seiten sichtbar. Der Platz der sechsten, heute im British Museum aufbewahrten Figur, bleibt frei.

Allseitig

Die fünf in Athen erhaltenen Karyatiden des Erechtheions sind frei im Raum aufgestellt und von mehreren Seiten sichtbar. Der Platz der sechsten, heute im British Museum aufbewahrten Figur, bleibt frei.

Bild vergrößern (Allseitig)(Abbildung © Hendrik Bohle)
Glasflächen in den Böden schaffen vertikale Blickbeziehungen zwischen den Ausstellungsebenen und der tiefer liegenden Ausgrabungsstätte.

Transparent

Glasflächen in den Böden schaffen vertikale Blickbeziehungen zwischen den Ausstellungsebenen und der tiefer liegenden Ausgrabungsstätte.

Bild vergrößern (Transparent)(Abbildung © Jan Dimog)
Eine gläserne Rampe und eine marmorne Freitreppe führen in die oberen Ausstellungsräume. Der ansteigende Rundgang nimmt die Bewegung hinauf zur Akropolis räumlich auf.

Aufsteigend

Eine gläserne Rampe und eine marmorne Freitreppe führen in die oberen Ausstellungsräume. Der ansteigende Rundgang nimmt die Bewegung hinauf zur Akropolis räumlich auf.

Bild vergrößern (Aufsteigend)(Abbildung © Jan Dimog)

Akropolismuseum

Dionysiou Areopagitou 15, 117 42 Athen, Griechenland

Patroklos Karantinos

*1903 in Konstantinopel; † 04.12.1976 in Athen. Er war ein griechischer Architekt der klassischen Moderne. Neben dem alten Akropolismuseum entwarf er unter anderem die Archäologischen Museen von Heraklion (1933), Thessaloniki (1960) und Olympia (1966). 1933 nahm er als Vertreter Griechenlands am CIAM-Kongress teil, wo er wesentlich an der Ausarbeitung der Charta von Athen beteiligt war.

Karte mit den Bauwerk(en)

Interaktive Karte mit Bauwerke(n):

Akropolismuseum (Bernard Tschumi [GR. Athen] ; 2009) |