1. Dortmunder U. 2. Zeche Zollern. 3. Schiffshebewerk Henrichenburg

Dortmunder U.  Ehemalige Brauerei. Entwurf: Emil Moog. Fertigstellung: 1927. Saniert und umgebaut durch Gerber Architekten, 2010.
Dortmunder U Ehemalige Brauerei. Entwurf: Emil Moog. Fertigstellung: 1927. Saniert und umgebaut durch Gerber Architekten, 2010. © Jan Dimog
Dortmunder U.  Das neun Meter hohe und beleuchtete U wurde von Ernst Neufert entworfen.
Dortmunder U Das neun Meter hohe und beleuchtete U wurde von Ernst Neufert entworfen. © Hendrik Bohle
Zeche Zollern.  Die 1902 fertiggestellte Musterzeche war ...
Zeche Zollern Die 1902 fertiggestellte Musterzeche war ... © Hendrik Bohle
Zeche Zollern.  ... ein wichtiges Prestigeprojekte der damals größten Bergwerksgesellschaft in Deutschland. Entwurf: Paul Knobbe und Bruno Möhring.
Zeche Zollern ... ein wichtiges Prestigeprojekte der damals größten Bergwerksgesellschaft in Deutschland. Entwurf: Paul Knobbe und Bruno Möhring. © Hendrik Bohle
Schiffshebewerk Henrichenburg.  Das Hebewerk wurde am 11. August 1899 eröffnet.
Schiffshebewerk Henrichenburg Das Hebewerk wurde am 11. August 1899 eröffnet. © Jan Dimog
Schiffshebewerk Henrichenburg.  Zum Ensemble gehört ein Museum, der Museumshafen, eine Werft und originale historische Schiffe.
Schiffshebewerk Henrichenburg Zum Ensemble gehört ein Museum, der Museumshafen, eine Werft und originale historische Schiffe. © Jan Dimog

1. Dortmunder U

Die ehemalige Brauerei der Dortmunder Union Brauerei ist das Zentrum für Kunst und Kreativität, beherbergt das Museum Ostwall und andere Einrichtungen. Das erste Hochhaus der Stadt wurde 1927 nach den Plänen des Dortmunder Architekten Emil Moog fertiggestellt. 1994 wurde die Brauerei geschlossen und benachbarte Bauten großflächig abgerissen. Gerber Architekten waren für die Sanierung des denkmalgeschützten U-Turms ab 2008 verantwortlich. Passend zur "Kulturhauptstadt Europas – RUHR.2010" wurde das Zentrum eröffnet. Der Architekt Ernst Neufert, der auch als Assistent von Walter Gropius gearbeitet hat, entwarf das neun Meter hohe U, das 1968 installiert wurde.

2. Zeche Zollern, Dortmund

Diese von Paul Knobbe und Bruno Möhring gestaltete Musterzeche ist genau das: mustergültig in ihrer ausladenden Adelssitz-Architektur. Zugleich galt die Anlage in Dortmund bei ihrer Fertigstellung 1902 als eine der modernsten Zechen Deutschlands und war ein Prestigeprojekt der damals größten Bergwerksgesellschaft Deutschlands. Um den Aufbau des schlossartigen Arrangements zu verstehen, empfehle ich den Gang hoch zu den oberen Ebenen des Fördergerüstes. Von hier oben erschließt sich der Beiname, den Zeitgenossen diesen Backstein-Bauensemble gaben: „Schloss der Arbeit“.

Schiffshebewerk Henrichenburg, Castrop-Rauxel

Die Hebewerkstraße in Henrichenburg scheint wie die passende Inszenierung des größten Bauwerks am Dortmund-Ems-Kanal. Vorbei an freistehenden Einfamilienhäusern und Ackerland erheben sich am Ende der Straße die beiden mächtigen Oberhaupttürme. Obwohl der Aufzug des Schiffshebewerks seit über 40 Jahren stillsteht, wirkt das Ganze so als ob man die Anlage auf Knopfdruck wieder starten könnte. Zur Anlage gehört ein Museum, der Hafen, eine Werft und historische Schiffe. Das Schiffshebewerk ist Ankerpunkt sowohl der Route der Industriekultur als auch der Europäischen Route der Industriekultur.

4. Deutsches Bergbau-Museum Bochum. 5. Jahrhunderthalle, Bochum

Deutsches Bergbau Museum (DBM).  Das DBM wurde von Zeche Zollverein-Architekt Fritz Schupp und Heinrich Holzapfel entworfen.
Deutsches Bergbau Museum (DBM) Das DBM wurde von Zeche Zollverein-Architekt Fritz Schupp und Heinrich Holzapfel entworfen. © Jan Dimog
Deutsches Bergbau Museum.  Es gehört zu den beliebtesten Museen der Region.
Deutsches Bergbau Museum Es gehört zu den beliebtesten Museen der Region. © Jan Dimog
Deutsches Bergbau Museum.  Das größte Bergbaumuseum der Welt und zugleich Forschungsinstitut und Archiv der Montangeschichte.
Deutsches Bergbau Museum Das größte Bergbaumuseum der Welt und zugleich Forschungsinstitut und Archiv der Montangeschichte. © Hendrik Bohle
Deutsches Bergbau Museum.  Anschauungsbergwerk in 20 Meter Tiefe
Deutsches Bergbau Museum Anschauungsbergwerk in 20 Meter Tiefe © Jan Dimog
Deutsches Bergbau Museum.  Der Anbau heißt "Schwarzer Diamant" und ...
Deutsches Bergbau Museum Der Anbau heißt "Schwarzer Diamant" und ... © Hendrik Bohle
Deutsches Bergbau Museum.  ... wurde von Benthem Crouwel Architekten entworfen. Fertigstellung: 2009.
Deutsches Bergbau Museum ... wurde von Benthem Crouwel Architekten entworfen. Fertigstellung: 2009. © Jan Dimog
Deutsches Bergbau Museum.  Die niederländischen Architekten Jan Benthem und Mels Crouwel gründeten ihr Büro 1979.
Deutsches Bergbau Museum Die niederländischen Architekten Jan Benthem und Mels Crouwel gründeten ihr Büro 1979. © Hendrik Bohle
Deutsches Bergbau Museum.  Die Erweiterung mit den großen, verglasten Treppengängen stellt einen Schnitt durch ein Stollensystem dar.
Deutsches Bergbau Museum Die Erweiterung mit den großen, verglasten Treppengängen stellt einen Schnitt durch ein Stollensystem dar. © Jan Dimog
Jahrhunderthalle.  Entwurf: Heinrich Schumacher. Fertigstellung: 1902
Jahrhunderthalle Entwurf: Heinrich Schumacher. Fertigstellung: 1902 © Jan Dimog
Jahrhunderthalle.  Revitalisierung und Erweiterung durch Petzinka Pink Architektur.
Jahrhunderthalle Revitalisierung und Erweiterung durch Petzinka Pink Architektur. © Hendrik Bohle
Jahrhunderthalle.  Das gesamte Areal ist ...
Jahrhunderthalle Das gesamte Areal ist ... © Hendrik Bohle
Jahrhunderthalle.  ... 75 Hektar groß und umfasst das Gelände des Westparks.
Jahrhunderthalle ... 75 Hektar groß und umfasst das Gelände des Westparks. © Hendrik Bohle
Jahrhunderthalle.  Der neue Park war Teil der Internationalen Bauausstellung Emscher Park von 1989–1999.
Jahrhunderthalle Der neue Park war Teil der Internationalen Bauausstellung Emscher Park von 1989–1999. © Hendrik Bohle
Jahrhunderthalle.  Das ursprünglich brachliegende Industrieareal wurde ...
Jahrhunderthalle Das ursprünglich brachliegende Industrieareal wurde ... © Hendrik Bohle
Jahrhunderthalle.  ... erfolgreich in eine Naherholungszone und ein Kulturquartier transformiert.
Jahrhunderthalle ... erfolgreich in eine Naherholungszone und ein Kulturquartier transformiert. © Hendrik Bohle
Westpark.  Planung: S.K.A.T. Architekten + Stadtplaner, Bonn/Köln mit ...
Westpark Planung: S.K.A.T. Architekten + Stadtplaner, Bonn/Köln mit ... © Jan Dimog
Westpark.  ... herbststreit Landschaftsarchitekten GmbH & Co. KG. Fertigstellung: 2006.
Westpark ... herbststreit Landschaftsarchitekten GmbH & Co. KG. Fertigstellung: 2006. © Hendrik Bohle

4. Deutsches Bergbau-Museum Bochum.

„Für jedes Pottkind Pflicht“, so eine Besucherin auf der Facebookseite des Deutschen Bergbau-Museum (DBM). Das scheinen auch viele andere so zu sehen. Über 400.000 Besucher kommen jährlich und machen das DBM zu einem der meistbesuchten Museen des Landes. Zugleich ist es das größte Bergbaumuseum der Welt, Forschungsinstitut und Archiv der Montangeschichte. Das von Fritz Schupp und Heinrich Holzapfel entworfene Museum ist kantige Backstein-Industriearchitektur. Der vom niederländischen Büro Benthem Crouwel geplante Erweiterungsbau heißt „Schwarzer Diamant“ und beherbergt Eingangsbereich, Räume für Sonderausstellungen und ist über Brücken mit dem alten Komplex verbunden. Die Erweiterung mit den großen, verglasten Treppengängen stellt einen Schnitt durch ein Stollensystem dar – mit Sichtbezügen zur Umgebung, insbesondere zum Bestandsgebäude und zur Stadt. „Masterplan DBM 2020“ bezeichnet den dringenden Umbau des Museums, das in Teilen mit dem Muff von Braunfliesen-Innengestaltung bedrängt und beengt. Die wichtigsten Attraktionen sind von den Umbauarbeiten nicht betroffen: Anschauungsbergwerk, Seilfahrtsimulator und Fördergerüst sollten Besucher definitiv ansteuern, um von 20 Meter Tiefe (Bergwerk) bis auf 62 Meter Höhe (Gerüst) alle Ebenen der vergangenen Montanindustrie zu erleben.

5. Jahrhunderthalle, Bochum

Modern, offen und sich der eigenen Wurzeln bewusst: die Jahrhunderthalle stand und steht für den Geist der Erneuerung und besticht durch eine kathedralenartige Architektur, die zugleich den Brückenschlag zur zeitgenössischen Baukunst schafft. Petzinka Pink Architektur verantworteten die Erweiterung und Revitalisierung des Industriedenkmals zu einer Spielstätte für Theater und experimentellen Tanz. Die Planer entschieden sich für einen Weniger-ist-mehr-Ansatz: sie ließen die Spielstätte der Ruhrtriennale nahezu unberührt und sorgten für Anpassungen, die wichtig sind für die Anforderungen des Kulturbetriebs. Der Vorbau des neuen, gläsernen Foyers schafft eine Verbindung mit dem historischen Gemäuer. Ein nur 20 mm starker Edelstahldraht trägt den Entwurf. Der mehrfach ausgezeichnete Bau vereint Stahl und Glas, Industriedenkmal des 20. Jahrhunderts mit der Kulturstätte des 21. Jahrhunderts. Die Jahrhunderthalle ist das Zentrum des neuen Westparks, das Ausgangspunkt der städtebaulichen Entwicklung der Innenstadt West in der Bochumer Innenstadt ist. Der Park selbst mit seinen Stufen, Ebenen, Brückenkonstruktionen und dem üppigen Grün scheint wie die Umsetzung der Definition von „Industrienatur“. Tipp: unbedingt auf die Blickachsen und Aussichten nach außen, in die benachbarten Quartiere und zur Jahrhunderthalle achten.

6. Zeche Bonifacius, Essen. 7. Alte Lohnhalle, Essen. 8. Nordsternturm, Gelsenkirchen. 9. Gasometer, Oberhausen.

Zeche Bonifacius.  Das Fördergerüst der Zeche Bonifacius in Essen
Zeche Bonifacius Das Fördergerüst der Zeche Bonifacius in Essen © Jan Dimog
Zeche Bonifacius.  Fertigstellung des gesamten Areals: 1903
Zeche Bonifacius Fertigstellung des gesamten Areals: 1903 © Jan Dimog
Zeche Bonifacius.  Entwurf: Zechenbaumeister Bonnard
Zeche Bonifacius Entwurf: Zechenbaumeister Bonnard © Hendrik Bohle
Zeche Bonifacius.  Symmetrisch-klare Klinker-Architektur
Zeche Bonifacius Symmetrisch-klare Klinker-Architektur © Hendrik Bohle
Alte Lohnhalle.  Das 17-Zimmer Hotel Alte Lohnhalle wird von Anna Kruljac und ihrem Team betrieben.
Alte Lohnhalle Das 17-Zimmer Hotel Alte Lohnhalle wird von Anna Kruljac und ihrem Team betrieben. © Jan Dimog
Alte Lohnhalle.  Auch Kultur- und Konferenzstätte.
Alte Lohnhalle Auch Kultur- und Konferenzstätte. © Jan Dimog
Alte Lohnhalle.  Imposant: das hohe Gewölbe, das den Eingangsbereich, die Lobby und Rezeption überspannt.
Alte Lohnhalle Imposant: das hohe Gewölbe, das den Eingangsbereich, die Lobby und Rezeption überspannt. © Jan Dimog
Alte Lohnhalle.  Das Treppenhaus des Hotels
Alte Lohnhalle Das Treppenhaus des Hotels © Jan Dimog
Alte Lohnhalle.  Das Maisonette-Zimmer ist mit Designklassikern des 20. Jahrhunderts eingerichtet. Wir waren auf Einladung der Hotelbetreiberin vor Ort.
Alte Lohnhalle Das Maisonette-Zimmer ist mit Designklassikern des 20. Jahrhunderts eingerichtet. Wir waren auf Einladung der Hotelbetreiberin vor Ort. © Jan Dimog
Nordsternpark.  mit dem Nordsternturm und der Großskulptur des einarmigen Herkules von Markus Lüpertz.
Nordsternpark mit dem Nordsternturm und der Großskulptur des einarmigen Herkules von Markus Lüpertz. © Hendrik Bohle
Nordsternpark.  Der Park ist Teil der Zeche Nordstern, die nach der Stilllegung 1993 umfassend saniert wurde. Eine Landmarke, die für die Transformation der Metropole Ruhr steht.
Nordsternpark Der Park ist Teil der Zeche Nordstern, die nach der Stilllegung 1993 umfassend saniert wurde. Eine Landmarke, die für die Transformation der Metropole Ruhr steht. © Hendrik Bohle
Gasometer.  Der Gasometer wurde 1929 im Auftrag von MAN fertiggestellt und 1994 von Jürg Steiner saniert und umgebaut.
Gasometer Der Gasometer wurde 1929 im Auftrag von MAN fertiggestellt und 1994 von Jürg Steiner saniert und umgebaut. © Jan Dimog
Gasometer.  Die Ausstellung "Wunder der Natur" (März 2016–3. Dezember 2017)
Gasometer Die Ausstellung "Wunder der Natur" (März 2016–3. Dezember 2017) © Hendrik Bohle
Gasometer.  XXL-Projektion: Der Rundgang gipfelt im Blick auf eine 20 Meter große Erdkugel, die im 100 Meter hohen Luftraum des Gasometers schwebt.
Gasometer XXL-Projektion: Der Rundgang gipfelt im Blick auf eine 20 Meter große Erdkugel, die im 100 Meter hohen Luftraum des Gasometers schwebt. © Hendrik Bohle

6. Zeche Bonifacius, Essen. 7. Alte Lohnhalle, Essen.

Die Inhaberin und Betreiberin der Alten Lohnhalle Anna Kruljac hat mit ihren Mitstreitern ein Stück Geschichtserlebnis geschaffen. Denn schöne, denkmalgeschützte Zechen gibt es mehrere im Ruhrgebiet. Hotels auch. Die alte Lohnhalle verbindet beides: Industriekultur und Individualität, Geschichte und Gastlichkeit. Verwaltung und Lohnhalle mit Waschkaue wurden in Anlehnung an die Architektur von ostelbischen Ordensritterburgen des späten Mittelalters gestaltet mit dunkelroten Ziegelsteinrahmungen, hellen Flächen, Gesims, Zinnen und Konsoltürmchen. Wir waren auf Einladung des Hotels Alte Lohnhalle vor Ort. Die 17 Zimmer des Hotels Alte Lohnhalle sind alle sehr individuell eingerichtet. Unser Zimmer auf zwei Ebenen hatte ein ziemlich farbenfrohes Bad (Fliesen!) und war mit Einrichtungsklassikern des 20. Jahrhunderts (Original!) ausgestattet. Dass das Geschichtserlebnis nicht zu einem plumpen Zechenevent verkommt, liegt zum Teil an den Details des Innendesigns, ein wenig an der Kreativität der Wiederherstellung des Hauses und ganz sicher an der echten Gastfreundlichkeit des Teams.

8. Nordsternturm, Gelsenkirchen

Der einarmige Herkules hat einen Riesenschädel, einen untersetzen Körper und wenig Muskeln. Da die Figur von Markus Lüpertz, einem der bekanntesten zeitgenössischen Künstler aus Deutschland, erschaffen wurde, muss es sich also um Symbolik handeln. Tut es nicht, das sei alles Zufall so Lüpertz. Um im gleichen Moment der "New York Times" zu erklären: „Herkules ist ein Problemlöser, der Unmögliches schaffen muss. Er ist ein gutes Symbol für eine Region mit hoher Arbeitslosigkeit, das sich als Kulturregion neuerfinden möchte.“ Klingt nach Symbolik. So oder so: dass sich die Metropole Ruhr im Wandlungsprozess befindet, ist klar. Dafür steht auch die 18 Meter hohe und 23 Tonnen schwere Monumentalplastik, die Ende 2010 im Rahmen von Ruhr.2010 auf dem 1950er-Nordsternturm von Fritz Schupp aufgebaut wurde. Wie gebauter Strukturwandel aussieht, zeigt das Architektenteam THS/PASD Feldmeier & Wrede mit dem 2003 fertiggestellten Umbau der Schachtanlage Nordstern 1/2. Ab 2009 wurde der denkmalgeschützte Nordsternturm ausgebaut, 2012 eröffnete die Besucherterrasse auf 83 Meter Höhe. Seit April 2017 wird im Turm die Ausstellung „Wandel is immer“ gezeigt. Ein Titel, der gut zum „Herkules von Gelsenkirchen“ passt. Ganz unsymbolisch.

9. Gasometer, Oberhausen.

Der „Riese am Kanal“ ist ein Bauwerk, das es fast nicht mehr gegeben hätte. Nach der Stilllegung der nahen Zeche und Kokerei wurde auch der Gasbehälter nutzlos. Statt des Abrisses kam 1994 der behutsame Umbau zum Museum. Ähnlich wie die Planer bei der Jahrhunderthalle Bochum ließ Architekt Steiner das Industriebauwerk beinah unberührt. Nur die einst bewegliche Gasdruckscheibe wurde auf vier Meter festgesetzt, Treppen und ein Aufzug kamen hinzu. Das zweite Leben des 117 Meter hohen Ex-Gasgiganten mit dem fantastischen Raumerlebnis im Inneren hat mit dem ersten nichts mehr zu tun, doch beide sind miteinander untrennbar verwoben. Typischer Fall von Ruhrgebiet reloaded.

10. Landschaftspark Duisburg-Nord

Landschaftspark Duisburg-Nord.  Das gesamte Areal hat eine Fläche von 180 Hektar. Die Umwandlung zeigt, warum das Ruhrgebiet ein Pionier in Sachen Sanierung, Umnutzung und Anpassung von alten Industriekomplexen ist.
Landschaftspark Duisburg-Nord Das gesamte Areal hat eine Fläche von 180 Hektar. Die Umwandlung zeigt, warum das Ruhrgebiet ein Pionier in Sachen Sanierung, Umnutzung und Anpassung von alten Industriekomplexen ist. © Jan Dimog
Landschaftspark Duisburg-Nord.  Das stillgelegte Hüttenwerk in Duisburg-Meiderich entstand im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Emscher Park.
Landschaftspark Duisburg-Nord Das stillgelegte Hüttenwerk in Duisburg-Meiderich entstand im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Emscher Park. © Hendrik Bohle
Landschaftspark Duisburg-Nord.  Die Zeitung "The Guardian" zählte ihn 2015 zu den 10 besten Stadtparks der Welt.
Landschaftspark Duisburg-Nord Die Zeitung "The Guardian" zählte ihn 2015 zu den 10 besten Stadtparks der Welt. © Hendrik Bohle
Landschaftspark Duisburg-Nord.  Von 1990 bis 1999 wurden die Hallen, Gebäude und das Außengelände umgebaut.
Landschaftspark Duisburg-Nord Von 1990 bis 1999 wurden die Hallen, Gebäude und das Außengelände umgebaut. © Hendrik Bohle
Landschaftspark Duisburg-Nord.  Im Zuge der Umgestaltungen ...
Landschaftspark Duisburg-Nord Im Zuge der Umgestaltungen ... © Jan Dimog
Landschaftspark Duisburg-Nord.  ... wurden beispielsweise Erzlagerbunker zu einem alpinen Klettergarten umgewandelt.
Landschaftspark Duisburg-Nord ... wurden beispielsweise Erzlagerbunker zu einem alpinen Klettergarten umgewandelt. © Jan Dimog
Landschaftspark Duisburg-Nord.  Spitzname des Krans: "Krokodil"
Landschaftspark Duisburg-Nord Spitzname des Krans: "Krokodil" © Jan Dimog
Landschaftspark Duisburg-Nord.  Die Landschaftsarchitekten Peter Latz + Partner bauten das Areal in einem langen und weitsichtigen Prozess um.
Landschaftspark Duisburg-Nord Die Landschaftsarchitekten Peter Latz + Partner bauten das Areal in einem langen und weitsichtigen Prozess um. © Jan Dimog
Landschaftspark Duisburg-Nord.  Dieser Park ist, wie viele andere Industrieareale auf der Route der Industriekultur, ein Beispiel für die gelungene Metamorphose eines Hüttenwerk hin zu einem Multifunktionsgelände, das Natur, Industrie, Kultur und Freizeit vereint.
Landschaftspark Duisburg-Nord Dieser Park ist, wie viele andere Industrieareale auf der Route der Industriekultur, ein Beispiel für die gelungene Metamorphose eines Hüttenwerk hin zu einem Multifunktionsgelände, das Natur, Industrie, Kultur und Freizeit vereint. © Hendrik Bohle

„Mehr Park braucht kein Mensch!“, so bewirbt sich der Landschaftspark Duisburg-Nord mit seiner 180 Hektar großen Parklandschaft. In der Tat verbindet dieses riesenhafte Areal Industriekultur und Natur, Freizeit und Kultur auf eine Art, die es zurecht zu einem Ankerpunkt der Route der Industriekultur macht. Das stillgelegte Hüttenwerk ist das Zentrum, dessen Industrieanlagen umgenutzt wurde: Die alten Werkshallen dienen Kulturveranstaltungen, im Gasometer entstand Europas größtes künstliches Tauchsportzentrum, ehemalige Erzlagerbunker sind zu einem Klettergarten verwandelt worden, in der Gießhalle ist ein Hochseilparcours und der erloschene Hochofen wurde zum Aussichtsturm ausgebaut. Die Metamorphose des „Hochofenwerks Thyssen Meiderich“ wurde vom Landschaftsarchitekten Peter Latz in einem langen, weitsichtigen Prozess vorangetrieben. Der mit dem Sir Geoffrey Jellicoe Award ausgezeichnete Planer (höchste Auszeichnung des Verbandes der Landschaftsarchitekten) fügte Fragmente zusammen, ließ Schichten und Teile unabhängig voneinander wirken, so dass sie visuell, funktional oder auch nur ideell miteinander verbunden waren. Beispiele sind der tief eingeschnittene Wasserpark, die einzelnen Felder der Vegetation, die stadtteilverbindenden Promenaden auf Straßenniveau oder der Bahnpark mit seinen Hochpromenaden und der Gleisharfe. Wegen der großen Ausdehnung des Areals empfehlen wir wie bei der Zeche Zollverein die Konzentration auf einige, wenige Ziele. Oder planen Sie gleich eine Übernachtung in Duisburg ein. Dann können Sie das Ganze mit dem Innenhafen Duisburg verbinden, ebenfalls ein Ankerpunkt. Etwa eine Million Menschen besuchen den seit Mai 2000 denkmalgeschützten Park jährlich, auf dem ca. 250 Veranstaltungen im Jahr stattfinden. Stimmt, mehr (Multifunktions)Park geht nicht.

Von Jan Dimog Autor, Redakteur und (Foto)Journalist, veröffentlicht am .