Flughafen Berlin Brandenburg BER. Entwurf: Gerkan, Marg und Partner (gmp) mit JSP. Fertigstellung (voraussichtlich): 2020.
Flughafen Berlin Brandenburg BER Entwurf: Gerkan, Marg und Partner (gmp) mit JSP. Fertigstellung (voraussichtlich): 2020. © Jan Dimog
Flughafen Berlin Brandenburg BER. Der neue Flughafen besteht aus dem Fluggastterminal und der Airport City als Zentrum des parallelen Start- und Landebahnsystems. Alle Elemente nehmen die Achsen der Gesamtanlage auf und bilden eine architektonisch-funktionale Einheit.
Flughafen Berlin Brandenburg BER Der neue Flughafen besteht aus dem Fluggastterminal und der Airport City als Zentrum des parallelen Start- und Landebahnsystems. Alle Elemente nehmen die Achsen der Gesamtanlage auf und bilden eine architektonisch-funktionale Einheit. © Jan Dimog
Flughafen Berlin Brandenburg BER. Der Terminalkomplex besteht aus der Haupthalle und vorgelagerten Piergebäuden.
Flughafen Berlin Brandenburg BER Der Terminalkomplex besteht aus der Haupthalle und vorgelagerten Piergebäuden. © Jan Dimog

Lieber BER,

im Sommer 2012 habe ich geglaubt, dass du tatsächlich eröffnet wirst. Da habe ich in NRW gearbeitet und bin zwischen Berlin und Köln-Bonn gependelt. Ein Flug CGN-BER, das wäre was. Dachte ich und entschied mich für die fünfstündige Zugfahrt mit der Deutschen Bahn vom Kölner zum Berliner Hauptbahnhof. Der geplatzte Eröffnungstermin 2012 war nur einer von vielen. Es gab Daten für 2007, 2011, 2013 und jetzt für Oktober 2020. Ein Wahnsinn, wenn man bedenkt, dass dem Spatenstich im September 2006 bereits 15 Jahre Planung vorausgingen. Wenn der Flughafen 2020 eröffnet werden sollte, hat es insgesamt 29 Jahre gedauert bis es soweit war. 

Trotzdem bist du fertig. Architektonisch sollst du Brandenburg und Berlin zusammenführen. Im Zentrum steht die Haupthalle mit Anklängen an die Neue Nationalgalerie, rechts und links sollen die Betonrahmen der Seitenbauten an Potsdamer Säulengänge erinnern. Analogien zur Glorie der Vergangenheit sind in Berlin beliebt, siehe James-Simon-Galerie. Die Haupthalle des BER ist licht und mit 320.000 m2 Grundfläche eines der größten Gebäude Europas. Die Schalter sehen aus, als könnte ich jederzeit meinen Koffer abgeben. Es gibt Hinweisschilder, Absperrbänder, Sitze. Mit deiner Rasterarchitektur und dem edlen Holz der Abfertigungsschalter, dem hellen Steinboden und den großen Glasflächen siehst du startklar aus. Die Rolltreppen in Richtung Flughafenbahnhof bewegen sich, die Monitore zeigen Ab- und Ankünfte (an den Flughäfen Schönefeld und Tegel) an und vor einigen Schaltern wurden dutzende Koffer für Testläufe abgestellt. 

Von Dachscheiben und Wellblechhütten

Trotzdem bist du ein Flughafen, der keiner ist. Ein Flughafenmuseum, das den gestalterischen Zeitgeist seiner Entstehungszeit vor zwei Dekaden zeigt: sehr seriös, ziemlich solide und ein wenig schwunglos. Dass du keine Flugmetaphern oder Luftfahrt-Interpretationen hast, macht dich zeitlos und in der Funktionalität sehr klar, aber auch ein wenig behäbig und satt. Du siehst definitiv nicht billig aus. Strenge Symmetrien, Kolonnaden, eine Materialmischung aus Nussbaumholz, Juramarmor, Glas und Beton und das Riesenflachdach sind die zentralen Elemente deiner Architektur. Deine Planer sagen dazu: „Dachscheibe“ und sprechen von „Sichtbezügen“. Ex-Bürgermeister Klaus Wowereit deklarierte beim Spatenstich 2006, dass du „kein überdimensionierter Marmorpalast, aber auch keine Wellblechhütte“ werden solltest. Der damalige Bundesverkehrsminister erklärte den Tag zu „einem großen Tag für den Ostteil unseres Landes.“ 

Eine enorme Bürde für einen Flughafen, der bekannter ist für seine Fehler als für seine eigentliche Funktion. Der für den GAU des Berufsstands der Politiker, Planer und Architekten steht. Was passiert, wenn du eines Tages eröffnet wirst? Die Miesmacher und Mauler werden kommen. Die Besserwisser und Alleserklärer. „Dafür 29 Jahre?“, werden sie fragen. Zurecht. 

Trotzdem wirst du endlich ein Flughafen sein. Mit Flugzeugen und Passagieren, mit Gepäck und dem Gewusel. Dann wird der Flughafen Berlin-Tegel geschlossen und die 250.000 Menschen, die in der Anflugschneise des TXL leben, werden sich über mehr Ruhe freuen.

Vielleicht sind wir von den Dübelstories und Enthüllungen zu Entrauchungsanlagen erschöpft. Vielleicht hat keiner mehr den Überblick über die Fehlplanungen und anderen Flops. Vielleicht sind alle froh, wenn du endlich ein Airport sein kannst. Wir alle wissen, dass dem nicht so ist. Du wirst nie „nur“ ein Flughafen der Hauptstadtregion sein. Du wirst immer ein Spiegel der Politik, des Bauwesens, der Architektur bleiben. Eins mit Kratzern, Flecken und Rissen unter dieser ordentlich-gediegenen Oberfläche. 

Trotzdem viel Erfolg für den nächsten Eröffnungstermin und ein weiterhin dickes Beton-Holz-Glas-Fell – du wirst es brauchen.

Dein Jan Dimog

Zwischen Marmorpalast und Schinkel-Schuppen

Flughafen Berlin Brandenburg BER. Das Berliner Designbüro Moniteurs hat das Orientierungssystem im Terminal gestaltet.
Flughafen Berlin Brandenburg BER Das Berliner Designbüro Moniteurs hat das Orientierungssystem im Terminal gestaltet. © Jan Dimog
Flughafen Berlin Brandenburg BER. Die "Ebene E1": mit Abflugebene, Check-in, Sicherheitskontrollen, Retail, Gastronomie und Warteräumen.
Flughafen Berlin Brandenburg BER Die "Ebene E1": mit Abflugebene, Check-in, Sicherheitskontrollen, Retail, Gastronomie und Warteräumen. © Jan Dimog
Flughafen Berlin Brandenburg BER. Der Übergang vom Flughafenbahnhof und der Haupthalle. Oben: die Installation Magic Carpet.
Flughafen Berlin Brandenburg BER Der Übergang vom Flughafenbahnhof und der Haupthalle. Oben: die Installation Magic Carpet. © Jan Dimog
Flughafen Berlin Brandenburg BER. Berlin als Stadt der Kreativen sollen Fluggäste auch am BER erleben. Sechs internationale Künstler haben sich mit dem Thema „Luft – Land“ auseinandergesetzt und jeweils ein Kunstwerk am Flughafen geschaffen. Die Künstlerin Pae White aus Kalifornien gestaltete den großen, roten Teppich aus Metallgewebe.
Flughafen Berlin Brandenburg BER Berlin als Stadt der Kreativen sollen Fluggäste auch am BER erleben. Sechs internationale Künstler haben sich mit dem Thema „Luft – Land“ auseinandergesetzt und jeweils ein Kunstwerk am Flughafen geschaffen. Die Künstlerin Pae White aus Kalifornien gestaltete den großen, roten Teppich aus Metallgewebe. © Jan Dimog
Flughafen Berlin Brandenburg BER. Es gibt acht Check-in-Inseln in der Haupthalle und jeweils eine Check-in-Insel mit 12 Schaltern im Pavillon Nord bzw. Süd.
Flughafen Berlin Brandenburg BER Es gibt acht Check-in-Inseln in der Haupthalle und jeweils eine Check-in-Insel mit 12 Schaltern im Pavillon Nord bzw. Süd. © Jan Dimog
Flughafen Berlin Brandenburg BER. Am Mainpier mit einer Länge von 715 Meter.
Flughafen Berlin Brandenburg BER Am Mainpier mit einer Länge von 715 Meter. © Jan Dimog
Flughafen Berlin Brandenburg BER. Am Mainpier gibt es 16 Fluggastbrücken.
Flughafen Berlin Brandenburg BER Am Mainpier gibt es 16 Fluggastbrücken. © Jan Dimog
Flughafen Berlin Brandenburg BER. Der Flughafen ist mit Anklängen an die regionale Bautradition in der deutschen Hauptstadtregion verortet.
Flughafen Berlin Brandenburg BER Der Flughafen ist mit Anklängen an die regionale Bautradition in der deutschen Hauptstadtregion verortet. © Jan Dimog
Flughafen Berlin Brandenburg BER. Das Terminal soll mit seinen gegliederten Fassaden und geometrischen Formen architektonische Elemente von Schinkel bis zum Bauhaus aufgreifen.
Flughafen Berlin Brandenburg BER Das Terminal soll mit seinen gegliederten Fassaden und geometrischen Formen architektonische Elemente von Schinkel bis zum Bauhaus aufgreifen. © Jan Dimog
Flughafen Berlin Brandenburg BER. Strenge Symmetrien, Kolonnaden, eine Materialmischung aus Nussbaumholz, Juramarmor, Glas und Beton und das Riesenflachdach sind die zentralen Elemente der BER-Architektur am Hauptterminal.
Flughafen Berlin Brandenburg BER Strenge Symmetrien, Kolonnaden, eine Materialmischung aus Nussbaumholz, Juramarmor, Glas und Beton und das Riesenflachdach sind die zentralen Elemente der BER-Architektur am Hauptterminal. © Jan Dimog

Von Jan Dimog Publizist und Gründer, veröffentlicht am .