Martin Mackowitz. Der Architekt aus Schlins, Vorarlberg arbeitet auch als Hochschuldozent am Institut für Architektur und Raumentwicklung der Universität Liechtenstein. Sein Büro "ma_ma" kooperiert in und mit einem Netzwerk an Freunden und Gleichgesinnten – u. a. mit dem Architekturkollekiv Tortenwerkstadt und dem Designstudio Kompott. Er hat mehrere Projekte – Neubauten und temporäre Eingriffe – in Österreich, Deutschland und Liechtenstein umgesetzt.
Martin Mackowitz Der Architekt aus Schlins, Vorarlberg arbeitet auch als Hochschuldozent am Institut für Architektur und Raumentwicklung der Universität Liechtenstein. Sein Büro "ma_ma" kooperiert in und mit einem Netzwerk an Freunden und Gleichgesinnten – u. a. mit dem Architekturkollekiv Tortenwerkstadt und dem Designstudio Kompott. Er hat mehrere Projekte – Neubauten und temporäre Eingriffe – in Österreich, Deutschland und Liechtenstein umgesetzt. © Hanno Mackowitz

Base Camp in Vaduz, Liechtenstein

Base Camp: Vadozner Huus. Die Universität Liechtenstein, an der Architekt Martin Mackowitz lehrt, initiierte mit weiteren Partnern ...
Base Camp: Vadozner Huus Die Universität Liechtenstein, an der Architekt Martin Mackowitz lehrt, initiierte mit weiteren Partnern ... © Hanno Mackowitz
Base Camp: Vadozner Huus. ... das Projekt mit dem Ziel die Zentrumsentwicklung von Vaduz voranzutreiben.
Base Camp: Vadozner Huus ... das Projekt mit dem Ziel die Zentrumsentwicklung von Vaduz voranzutreiben. © Hanno Mackowitz
Base Camp: Vadozner Huus. Im September 2019 wurde das Base Camp installiert, um möglichst viele Gruppen und Nutzer der Gemeinde Vaduz einzuladen und um ihnen den Raum für Gespräche, Inspirationen und Perspektiven zu geben.
Base Camp: Vadozner Huus Im September 2019 wurde das Base Camp installiert, um möglichst viele Gruppen und Nutzer der Gemeinde Vaduz einzuladen und um ihnen den Raum für Gespräche, Inspirationen und Perspektiven zu geben. © Hanno Mackowitz

"Wir lieben es in den städtebaulichen Maßstab zu zoomen und dann wieder hinein in ein Detail."

Dipl.–Ing. Architekt Martin Mackowitz

1. Bitte beschreiben Sie die Philosophie und Arbeitsweise von ma–ma, Werkraum für interaktive Baukunst.

Wir arbeiten mit dem Bestand. Gehen auf das ein was vorhanden ist. Tiefsinnig ohne den Humor zu verlieren. Das große Ganze ist uns wichtig. Wir lieben es in den städtebaulichen Maßstab zu zoomen und dann wieder hinein in ein Detail. Uns interessiert die Verbindung von räumlichem Setting und gesellschaftlicher Wirksamkeit. Es kann manchmal architektonisch bedeutender sein einen Verein zu gründen, als ein Gebäude zu bauen. Unsere Projekte versuchen in sich stimmig zu bleiben. Das umfasst eine Nachhaltigkeit, die über das Material hinaus geht, dabei ist schlussendlich immer der Mensch das wichtigste Baumaterial. Denn in einem schlechten Haus lässt es sich mit guten Menschen besser leben, als in einem guten Haus mit schlechten Menschen.

2. Was reizt Sie an der Arbeit in der Burgruine Blumenegg am Thüringerberg?

Ich habe selbst in meiner Kindheit erlebt was die Burgruine Blumenegg für ein faszinierender Ort ist. Die Alten Mauern, die Mythen und Geschichten, der schöne Baumbestand, die vielen Spielmöglichkeiten. Diesen Möglichkeitsraum zu erhalten und noch zugänglicher zu machen, war eine schöne Aufgabenstellung. Gemeinsam mit dem Verein Burgfreunde Blumenegg ist es uns gelungen einen Entwurf umzusetzten, der die Bespielung noch erweitert. Dabei war es entscheidend feinfühlig auf den Bestand einzugehen und dennoch eine ansprechende neue architektonische Sprache einzubringen. Entstanden ist ein Ort der sehr gut von der Bevölkerung angenommen und genutzt wird und hoffentlich noch für viele Kinder inspirierend sein wird.

Kulturraum Blumenegg, Thüringerberg, Großes Walsertal

Kulturraum Blumenegg. Thüringerberg, Großes Walsertal, 2018
Kulturraum Blumenegg Thüringerberg, Großes Walsertal, 2018 © Hanno Mackowitz
Kulturraum Blumenegg. Die Burg auf ca. 1.000 m Höhe wurde im 13. Jahrhundert erbaut und ist seit dem 18. Jahrhundert eine Ruine.
Kulturraum Blumenegg Die Burg auf ca. 1.000 m Höhe wurde im 13. Jahrhundert erbaut und ist seit dem 18. Jahrhundert eine Ruine. © Hanno Mackowitz
Kulturraum Blumenegg. Martin Mackowitz und Nikolaus Skorpik (kompott) entwickelten den Eingriff an der Ruine. Weitere Beteiligte: Franziska Möhrle und Herbert Reimann.
Kulturraum Blumenegg Martin Mackowitz und Nikolaus Skorpik (kompott) entwickelten den Eingriff an der Ruine. Weitere Beteiligte: Franziska Möhrle und Herbert Reimann. © Hanno Mackowitz
Kulturraum Blumenegg. Die Idee entstand im Rahmen des Walserherbst 2014 mit Dietmar Nigsch, dem Biosphärenpark Großwalsertal und dem Verein.
Kulturraum Blumenegg Die Idee entstand im Rahmen des Walserherbst 2014 mit Dietmar Nigsch, dem Biosphärenpark Großwalsertal und dem Verein. © Jan Dimog
Kulturraum Blumenegg. Die Entwicklung des Kulturraums auf der Ruine Blumenegg entstand auf Basis des Vorentwurfs. Die Detailplanung und Umsetzung geschah in Zusammenarbeit mit Schulen in den Gewerken Bau, Holz und Stahl.
Kulturraum Blumenegg Die Entwicklung des Kulturraums auf der Ruine Blumenegg entstand auf Basis des Vorentwurfs. Die Detailplanung und Umsetzung geschah in Zusammenarbeit mit Schulen in den Gewerken Bau, Holz und Stahl. © Hanno Mackowitz
Kulturraum Blumenegg. Alte Mauern, neue Ideen in der Burgruine. Das Ziel ist die kontinuierliche Durchführung von Kulturveranstaltungen.
Kulturraum Blumenegg Alte Mauern, neue Ideen in der Burgruine. Das Ziel ist die kontinuierliche Durchführung von Kulturveranstaltungen. © Hendrik Bohle

3. Welches Potenzial haben temporäre Bauten bzw. welche Stärken und Schwächen haben diese?

Temporäre Bauten ermöglichen ein leichtfüßiges Ausprobieren. Es kann eine Idee schnell erlebbar gemacht werden ohne die Hürden von großen, finanziellen Mitteln, bürokratischen Wegen und engen Normen. Das ermöglicht vieles. Diese temporären Installationen sind für mich ein weiteres architektonisches Werkzeug. Wie der Plan oder das Modell kann ein solches „Pop-up Setting“ genutzt werden, um verschiedene Parameter besser zu verstehen. Über das 1:1 kommen sehr viele Erfahrungen und Qualitäten zum Vorschein, die anders sehr schwer darzustellen wären. Der wichtigste Moment von solchen Settings ist das Abschließen und das Herstellen zum Ursprungszustand von einem Ort. Damit wird noch einmal mehr wahrnehmbar welche Potentiale und neue Perspektiven mit dem Eingriff aufgetaucht sind.

4. Bitte beschreiben Sie ihre aktuell Arbeit in Lichtenstein und weitere künftige Projekte.


Ich habe an der Universität Liechtenstein eine Dozentur für Architektur und Gesellschaft. Hier arbeite ich in der Lehre an den Themen öffentlichen Raum, urbanen Interventionen und eben den Schnittstellen von Gesellschaft und Architektur. Im meinem Büro arbeiten wir aktuell mit dem Lehmbaukünstler Martin Rauch zusammen. Es soll ein Prototyp werden für leistbares Bauen mit Stampflehm entstehen. Dabei ist die Entwicklung eines ausgeklügelten Grundrisses entscheidend. Die Stampflehmwände sind 60 cm stark, dadurch geben sie dem Raum viel Plastizität und sorgen natürlich für ein wunderbares Raumklima. Dass dieses Baumaterial dazu noch CO2-neutral ist und im Vergleich zu Holz viel Masse hat, ist natürlich ein großer Vorteil. Die Stampflehmwände werden in einer Halle vorproduziert und dann auf der Baustelle wie große Legoteile versetzt. Wir arbeiten an einem System das sich einfach vervielfältigen lässt und somit vielen Leuten das Wohnen in einem tollen Raumklima zugänglich machen soll.

5. Wo ist Ihr Lieblingsort in Ihrer Vorarlberger Heimat und außerhalb? Warum?

Unser Büro ist in einem kleinen Ort namens Schlins. Mitten in Vorarlberg an der Südseite von einem breiten Tal. Von hier aus kann man mit dem Fahrrad und Zug fast überall hinkommen. Ich kann vielmehr von einer Lieblingsregion sprechen als von einem Lieblingsort. Wir haben so viele Möglichkeiten Sport zu machen, ein sehr hohes, kulturelles Angebot und eine große Dichte an sehr talentierten Handwerkern. Diese Kombination finde ich fast unschlagbar. Unsere Region scheint die Vorteile von einer Stadt zu haben und auch die Vorteile vom Land. Eben eine tolle Mischung von ländlicher Urbanität.
Vorarlberg hat eine lange Tradition im Handwerk und innovativer Industrie. Von Grund auf ist hier ein spezieller Nährboden für Architektur. In den letzten 30 Jahren hat sich der Holzbau enorm entwickelt. Das Einfamilienhaus wurde bis zum Exzess ausgeklügelt. Hier sind tolle Projekte entstanden. Nun müssen wir uns aber viel mehr den Themen der Raumentwicklung und dem Städtebau widmen. Themen die für uns zum Teil Neuland sind. Hier sind wir als junges Büro sehr gefragt, weil wir neue Ansätze mitbringen und uns trauen Dinge mit neuen Rezepten anzugreifen.

Dorfplatz und Wanderkiosk Blons, Feldhotel Feldkirch

Dorfplatz Blons. Martin Mackowitz in Zusammenarbeit mit Dietmar Nigsch, Walserherbst sowie Florian Unterberger. Anhand von Bodenmarkierungen soll auf die Begegnungszone Dorfplatz aufmerksam gemacht werden. Die farbigen Klebeflächen sollen Zonen bilden mit dem Ziel das Tempo der Autofahrer zu verringern.
Dorfplatz Blons Martin Mackowitz in Zusammenarbeit mit Dietmar Nigsch, Walserherbst sowie Florian Unterberger. Anhand von Bodenmarkierungen soll auf die Begegnungszone Dorfplatz aufmerksam gemacht werden. Die farbigen Klebeflächen sollen Zonen bilden mit dem Ziel das Tempo der Autofahrer zu verringern. © Hanno Mackowitz
Wanderkiosk Blons. Die erste Haltestelle des Kiosk° wird beim Walserherbst auf dem Dorfplatz Blons im Großen Walsertal sein. Der temporäre Kiosk mit kleiner Verkaufsfläche soll auch Mittelpunkt für Kleinkunst-Veranstaltungen sein.
Wanderkiosk Blons Die erste Haltestelle des Kiosk° wird beim Walserherbst auf dem Dorfplatz Blons im Großen Walsertal sein. Der temporäre Kiosk mit kleiner Verkaufsfläche soll auch Mittelpunkt für Kleinkunst-Veranstaltungen sein. © Martin Mackowitz
Feldhotel in Feldkirch. Eine urbane Intervention von Martin Mackowitz, dessen Arbeit mit räumlichen „Akupunkturpunkten“ beschrieben werden kann – also Plätze, Orte, Bauten mit Potential.
Feldhotel in Feldkirch Eine urbane Intervention von Martin Mackowitz, dessen Arbeit mit räumlichen „Akupunkturpunkten“ beschrieben werden kann – also Plätze, Orte, Bauten mit Potential. © Martin Mackowitz
Feldhotel in Feldkirch. Das Feldhotel entstand 2013 im Auftrag von ArtDesign Feldkirch. Mackowitz und Skorpik (kompott) entwickelten die Pläne für das Kulturquartier Feldhotel. Die Bauelemente stammten von einer Tischlerei im Jesuitenkonvikt Reichenfeld, Feldkirch.
Feldhotel in Feldkirch Das Feldhotel entstand 2013 im Auftrag von ArtDesign Feldkirch. Mackowitz und Skorpik (kompott) entwickelten die Pläne für das Kulturquartier Feldhotel. Die Bauelemente stammten von einer Tischlerei im Jesuitenkonvikt Reichenfeld, Feldkirch. © Nikolaus Skorpik
Feldhotel in Feldkirch. Das Feldhotel ist nicht nur als temporärer Platz gedacht, sondern auch als mobiles Wohnzimmer mit Raum für Lesungen, Konzerte und Vorträge.
Feldhotel in Feldkirch Das Feldhotel ist nicht nur als temporärer Platz gedacht, sondern auch als mobiles Wohnzimmer mit Raum für Lesungen, Konzerte und Vorträge. © Nikolaus Skorpik

"Unsere Region scheint die Vorteile von einer Stadt zu haben und auch die Vorteile vom Land ... eine tolle Mischung von ländlicher Urbanität."

Martin Mackowitz, Architekt und Dozent über seine Lieblingsregion Vorarlberg