Infopavillon K.. Entwurf: Kränzle + Fischer-Wasels, 2010. „Kräftiges, skulpturales Zeichen“, so die Architekten, mit Metallhaut, Café und Aussichtsplattformen. K. steht für „Kombilösung“: die Umwandlung der Fußgängerzone Kaiserstraße in eine Flanierzone, wofür Tunnel für Gleise und Straßen gebaut werden. Das Hochhaus daneben war Teil des Verwaltungsgebäudes der Badenwerk AG, einem im Internationalen Stil errichteten Komplex, entworfen von Theodor Kelter und Möckel + Schmidt (1965). Der Abriss dieses stadtbildprägenden Gebäudes (heute Landratsamt) wird momentan diskutiert.
Infopavillon K. Entwurf: Kränzle + Fischer-Wasels, 2010. „Kräftiges, skulpturales Zeichen“, so die Architekten, mit Metallhaut, Café und Aussichtsplattformen. K. steht für „Kombilösung“: die Umwandlung der Fußgängerzone Kaiserstraße in eine Flanierzone, wofür Tunnel für Gleise und Straßen gebaut werden. Das Hochhaus daneben war Teil des Verwaltungsgebäudes der Badenwerk AG, einem im Internationalen Stil errichteten Komplex, entworfen von Theodor Kelter und Möckel + Schmidt (1965). Der Abriss dieses stadtbildprägenden Gebäudes (heute Landratsamt) wird momentan diskutiert. © Hendrik Bohle
Landesbank Baden-Württemberg LBBW. Entwurf: Wilford Schupp, 2007. Der Neubau der Landesbank ist 140 m lang und hat Platz für über 500 Angestellte. Der in einem Zickzack angeordnete Riegel mit den bunt gerahmten Fenstern kragt über einem Felsvorsprung und verbindet dadurch den neuen Citypark mit dem benachbarten Quartier und den Geschäften, Bürogebäuden, Schulen und Hotels.
Landesbank Baden-Württemberg LBBW Entwurf: Wilford Schupp, 2007. Der Neubau der Landesbank ist 140 m lang und hat Platz für über 500 Angestellte. Der in einem Zickzack angeordnete Riegel mit den bunt gerahmten Fenstern kragt über einem Felsvorsprung und verbindet dadurch den neuen Citypark mit dem benachbarten Quartier und den Geschäften, Bürogebäuden, Schulen und Hotels. © Hendrik Bohle
Ettlinger Tor. Entwurf: Jost Hering, Klaus Maria Hoffmann, 2005. Es ist eines der größten Einkaufszentren Südddeutschlands mit 130 Geschäften auf einer Gesamtfläche von fast 40.000 qm. Die Passage mit den Läden wird von einem 130 m langen Glasgewölbe überdacht, inspiriert von Glaspassagen des 19. Jahrhunderts.
Ettlinger Tor Entwurf: Jost Hering, Klaus Maria Hoffmann, 2005. Es ist eines der größten Einkaufszentren Südddeutschlands mit 130 Geschäften auf einer Gesamtfläche von fast 40.000 qm. Die Passage mit den Läden wird von einem 130 m langen Glasgewölbe überdacht, inspiriert von Glaspassagen des 19. Jahrhunderts. © Jan Dimog

Boom und Bauerbe

Karlsruhe boomt und baut. Von der Autobahn A5 kommend und stadteinwärts auf der Ludwig-Erhard-Allee fahrend in Richtung Mendelssohnplatz und Ettlinger Tor, sehen wir die Auswirkungen des Wachstums: Großbaustellen, Absperrungen, Umleitungen. Nach unserer Architekturstory 2018 über den Einfluss des Neuen Bauens in Karlsruhe geht es bei dieser Tour um die Nachkriegsmoderne und die heutige Architektur der Stadt, die sich erfolgreich entwickelt, aber auch unter Wachstumsschmerzen leidet. Seit Jahren steigt die Einwohnerzahl. Erstmals in ihrer Geschichte hat die Stadt die 300.000-Einwohnermarke erreicht. Die Folgen in allen Bereichen sind enorm. Die Nachfrage nach Bauland ist größer als das Angebot. 

In seiner jungen 300-jährigen Geschichte als Planstadt kennt Karlsruhe solche Phasen der Expansion und Entfaltung. In den späten 1920er-Jahren war die Stadt ein wichtiges Zentrum des Neuen Bauens in der Weimarer Republik. Von der Epoche zehrt das Bauerbe der Stadt noch heute, denn das Projekt Dammerstock war damals revolutionär: bezahlbarer Wohnraum für alle mit viel Tageslicht und besseren Sanitäranlagen als üblich. Nach einem damals rasanten Bevölkerungsanstieg war Dammerstock mit Projekten von Walter Gropius, Wilhelm Riphahn und Otto Haesler die richtige Antwort. Heute ist das in nur wenigen Jahren gebaute Quartier das Vorzeigeobjekt des stolzen Bauerbes von Karlsruhe.  

Maß und Mäßigung

Vieles in der Nachkriegsmoderne war in seiner Durchschnittlichkeit der Eile des Wiederaufbaus geschuldet, einiges jedoch strahlt bis heute eine architektonische Eleganz aus, die sich zudem mit hoher Ingenieurskunst verband. So auch bei der Schwarzwaldhalle. Der Architekt Erich Schelling und der Ingenieur Ulrich Finsterwalder haben Baugeschichte geschrieben. Die Halle hatte als erste in Europa ein parabolisches Hängedach aus Spannbeton mit einer nur sechs Zentimeter dicken Schale. Die klare und reduzierte Gestaltung ist zugleich ein wichtiges Dokument der Architektur der Nachkriegszeit. 

Heute ist die schwungvolle Schwarzwaldhalle ein bedeutendes Kulturdenkmal in Baden-Württemberg. Kaum zu glauben, dass der Abriss mal erwogen wurde. Die Halle ist vielleicht das prominenteste Beispiel für eine baugeschichtliche Kulturvergessenheit, die glücklicherweise nicht in der Zerstörung des Erbes mündete. Selbstverständlich erzählen diese Bauwerke viel über Karlsruhes Wiederaufbaujahre, wo Wert auf eine bescheidene, moderate Moderne gelegt wurde. Zeitlos und zugleich in ihrer Epoche verwurzelt wie das Amtsgericht von Fritz Langenbach, das gebogene Verwaltungshochhaus von Clemens Grimm und Hans-Detlev Rösiger und die Industrie- und Handelskammer von Backhaus und Brosinsky. 

1950 bis 1960: reduziert und moderat

Schwarzwaldhalle. Entwurf: Erich Schelling, Ulrich Finsterwalder, 1953. Mit der in nur acht Monaten geplanten und fertiggestellten Halle haben Architekt Schelling und Ingenieur Finsterwalder Baugeschichte geschrieben. Sie hatte als erste Halle in Europa ein parabolisches Hängedach aus Spannbeton mit einer nur sechs Zentimeter dicken Schale.
Schwarzwaldhalle Entwurf: Erich Schelling, Ulrich Finsterwalder, 1953. Mit der in nur acht Monaten geplanten und fertiggestellten Halle haben Architekt Schelling und Ingenieur Finsterwalder Baugeschichte geschrieben. Sie hatte als erste Halle in Europa ein parabolisches Hängedach aus Spannbeton mit einer nur sechs Zentimeter dicken Schale. © Jan Dimog
Schwarzwaldhalle. Die leichte und kühne Konstruktion mit dem freitragenden Hängedach wurde damals weltweit besprochen. Finsterwalder war auch im Brückenbau ein Pionier und realisierte mehrere Spannbetonbrücken.
Schwarzwaldhalle Die leichte und kühne Konstruktion mit dem freitragenden Hängedach wurde damals weltweit besprochen. Finsterwalder war auch im Brückenbau ein Pionier und realisierte mehrere Spannbetonbrücken. © Hendrik Bohle
Industrie- und Handelskammer. Entwurf: Herrmann Backhaus, Harro Brosinsky, 1955. Der fünfgeschossige Stahlbetonskelettbau mit der Rasterfassade steht im Stadtzentrum in der Lammstr. und wurde 1998 durch Erich Schneider-Wessling modernisiert. Herrmann Backhaus (1921–2001) und Harro Brosinsky (1920–1992) haben neben Wohnsiedlungen und Bürogebäuden auch die Neue Synagage (1971) in Karlsruhe geplant und umgesetzt.
Industrie- und Handelskammer Entwurf: Herrmann Backhaus, Harro Brosinsky, 1955. Der fünfgeschossige Stahlbetonskelettbau mit der Rasterfassade steht im Stadtzentrum in der Lammstr. und wurde 1998 durch Erich Schneider-Wessling modernisiert. Herrmann Backhaus (1921–2001) und Harro Brosinsky (1920–1992) haben neben Wohnsiedlungen und Bürogebäuden auch die Neue Synagage (1971) in Karlsruhe geplant und umgesetzt. © Jan Dimog
Versuchskraftwerk. Entwurf: Egon Eiermann, 1956. Versuchskraftwerk der Technischen Karlsruhe. Die großflächig verglaste Halle ist eine Stahlkonstruktion mit dem seitlich errichteten Sichtbeton-Treppenhaus und dem freistehenden Kühlturm an der Nordseite. Es ist der einzige Bau des einflussreichen Baumeisters der Nachkriegsmoderne in Karlsruhe, den er in der Stadt, in der er als Architekturlehrer wirkte, umsetzen konnte.
Versuchskraftwerk Entwurf: Egon Eiermann, 1956. Versuchskraftwerk der Technischen Karlsruhe. Die großflächig verglaste Halle ist eine Stahlkonstruktion mit dem seitlich errichteten Sichtbeton-Treppenhaus und dem freistehenden Kühlturm an der Nordseite. Es ist der einzige Bau des einflussreichen Baumeisters der Nachkriegsmoderne in Karlsruhe, den er in der Stadt, in der er als Architekturlehrer wirkte, umsetzen konnte. © Hendrik Bohle
Landesbank Baden-Württemberg BW-Bank. Entwurf: Hermann Blomeier, 1956. Die dreigeschossige Stahlbetonkonstruktion mit der streng gegliederten Fassade und den Arkaden war der erste Neubau am Zirkel nach dem Zweiten Weltkrieg und damit ein für Karlsruhe symbolträchtiges Projekt.
Landesbank Baden-Württemberg BW-Bank Entwurf: Hermann Blomeier, 1956. Die dreigeschossige Stahlbetonkonstruktion mit der streng gegliederten Fassade und den Arkaden war der erste Neubau am Zirkel nach dem Zweiten Weltkrieg und damit ein für Karlsruhe symbolträchtiges Projekt. © Hendrik Bohle
Amtsgericht. Entwurf: Fritz Langenbach, 1957. Das Hauptgebäude des Prinz-Karl-Palais wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. An dieser Stelle entstand das Amtsgericht als dreigeschossiger Bau mit Walmdach und dem offenen Arkadengang.
Amtsgericht Entwurf: Fritz Langenbach, 1957. Das Hauptgebäude des Prinz-Karl-Palais wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. An dieser Stelle entstand das Amtsgericht als dreigeschossiger Bau mit Walmdach und dem offenen Arkadengang. © Jan Dimog
Bürogebäude. Entwurf: Clemens Grimm, Hans-Detlev Rösiger, 1963. Das achtgeschossige Bürogebäude mit der konkaven Form steht quer über einem spitzwinkligen Grundstück an einer markanten Stelle nahe der wichtigen innerstädtischen Kreuzung Kriegstraße und Karlstraße.
Bürogebäude Entwurf: Clemens Grimm, Hans-Detlev Rösiger, 1963. Das achtgeschossige Bürogebäude mit der konkaven Form steht quer über einem spitzwinkligen Grundstück an einer markanten Stelle nahe der wichtigen innerstädtischen Kreuzung Kriegstraße und Karlstraße. © Jan Dimog

1970 bis 1980: expressiv und wuchtig

Badisches Staatstheater. Entwurf: Helmut Bätzner, 1975. Der große Komplex am Ettlinger Tor besteht aus mehreren wie ineinander geschobenen und gestapelten Volumen und Betonkuben. Bätzner (1928–2010) betonte die Eigenständigkeit des Baus auch mit der Wahl der Materialien aus Sichtbeton und Aluminium. Zugleich sind die inneren Funktionen von außen erkennbar. Die Berliner Philharmonie von Hans Scharoun diente Bätzner als Vorbild.
Badisches Staatstheater Entwurf: Helmut Bätzner, 1975. Der große Komplex am Ettlinger Tor besteht aus mehreren wie ineinander geschobenen und gestapelten Volumen und Betonkuben. Bätzner (1928–2010) betonte die Eigenständigkeit des Baus auch mit der Wahl der Materialien aus Sichtbeton und Aluminium. Zugleich sind die inneren Funktionen von außen erkennbar. Die Berliner Philharmonie von Hans Scharoun diente Bätzner als Vorbild. © Hendrik Bohle
Badisches Staatstheater. Nach über 40-jähriger Nutzung wird das Staatstheater umfangreich saniert und erweitert. Die Generalsanierung umfasst den barrierefreien Umbau, die zeitgemäße Anpassung der Werkstätten und Büros. Der Neubau eines Schauspielhauses mit Kinder- und Jugendtheater ist Teil der Arbeiten. Die Pläne stammen vom Wiener Büro Delugan Meissl, die mit dem Büro Wenzel + Wenzel aus Karlsruhe kooperieren. Es gibt drei Bauabschnitte mit dem voraussichtlichen Abschluss 2030.
Badisches Staatstheater Nach über 40-jähriger Nutzung wird das Staatstheater umfangreich saniert und erweitert. Die Generalsanierung umfasst den barrierefreien Umbau, die zeitgemäße Anpassung der Werkstätten und Büros. Der Neubau eines Schauspielhauses mit Kinder- und Jugendtheater ist Teil der Arbeiten. Die Pläne stammen vom Wiener Büro Delugan Meissl, die mit dem Büro Wenzel + Wenzel aus Karlsruhe kooperieren. Es gibt drei Bauabschnitte mit dem voraussichtlichen Abschluss 2030. © Hendrik Bohle
Landeskreditbank Baden-Württemberg L-Bank. Entwurf: Heinz Mohl, 1983. Das postmoderne, dreigeschossige Gebäude mit der Klinkerfassade an prominenter Stelle am Schlossplatz fügt sich in die vorhandene Nachbarschaft. Gleichzeitig betonte Mohl mit dem tiefen und hohen Fassadeneinschnitt die Eigenständigkeit seines Baus.
Landeskreditbank Baden-Württemberg L-Bank Entwurf: Heinz Mohl, 1983. Das postmoderne, dreigeschossige Gebäude mit der Klinkerfassade an prominenter Stelle am Schlossplatz fügt sich in die vorhandene Nachbarschaft. Gleichzeitig betonte Mohl mit dem tiefen und hohen Fassadeneinschnitt die Eigenständigkeit seines Baus. © Jan Dimog
Heinrich-Hübsch-Schule. Entwurf: Heinz Mohl, 1985. Das postmoderne, formenreiche Schulgebäude greift den Verlauf der Straßenzüge und Plätze auf. Die Unterrichtsräume sind den beiden lärmberuhigten Höfen zugeordnet und haben symmetrische Fassaden.
Heinrich-Hübsch-Schule Entwurf: Heinz Mohl, 1985. Das postmoderne, formenreiche Schulgebäude greift den Verlauf der Straßenzüge und Plätze auf. Die Unterrichtsräume sind den beiden lärmberuhigten Höfen zugeordnet und haben symmetrische Fassaden. © Hendrik Bohle
Heinrich-Hübsch-Schule. Die Nebenräume sind zu den (verkehrsreichen) Straßen ausgerichtet und haben asymmetrische Fassaden. So sind hier Außentreppen sichtbar. Die Verklinkerung verweist auf die durch Heinrich Hübsch (1795–1863, Architekt und großherzöglicher Baubeamter in Karlsruhe) begründete Tradition der Ziegelbauten.
Heinrich-Hübsch-Schule Die Nebenräume sind zu den (verkehrsreichen) Straßen ausgerichtet und haben asymmetrische Fassaden. So sind hier Außentreppen sichtbar. Die Verklinkerung verweist auf die durch Heinrich Hübsch (1795–1863, Architekt und großherzöglicher Baubeamter in Karlsruhe) begründete Tradition der Ziegelbauten. © Hendrik Bohle

Neue Bezüge, neuer Anspruch

Nach den moderat-reduzierten 1950ern wurde es expressiver und wuchtiger. Sei es im Wohnungsbau mit der Sichtbetonarchitektur des Rüppurer Schlosses, einer gewaltigen Hochhaus-Wohnanlage mit Terrassenhaus im Stil und in der Unité d’habitation-Tradition von Le Corbusier, sei es im Kulturbereich mit dem Badischen Staatstheater. Der 1975 fertiggestellte Komplex ist formenreich, offen und muss von außen wie von innen erarbeitet werden. Ebenso die postmoderne Heinrich-Hübsch-Schule von Heinz Mohl, einem wichtigen Baumeister für Karlsruhe, der unter anderem am Schlossplatz gebaut hat. Ab den 1990er-Jahren entstand im Südwesten der Stadt mit der Verwandlung des Hallenbaus A zum ZKM ein „Kulturschloss“, flankiert vom futuristischen Multiplex-Kino, dem Ungers-Projekt (Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof) und dem Arbeitsamt von Michael Weindel. All diese Projekte wurden in den 1990ern fertiggestellt. 

Karlsruhe heute erscheint mit den aktuellen Großprojekten geschäftig, verkehrsreich, wirkungsvoll. Karlsruhe kann beides: Riesenprojekte und „Human scale“-Vorhaben. Zu letzterem zählen wir die zurückhaltend-souveränen Gebäude von Lederer Ragnarsdóttir Oei, den gelungenen Kirchenneubau von Peter Krebs in der Nordweststadt und den Citypark des Karlsruher Büros Rossmann + Partner. Zum Stadtumbau dagegen gehören die Riesenbauten von dm und Ikea, die Baustellen für Autotunnel und Untergrundbahn, das großflächig angelegte Büroquartier des IT-Unternehmers Ralph Dommermuth für die Firma 1&1. Dass Karlsruher Kulturinstitutionen mit diesem Wachstum mithalten sollen, sieht man an den Plänen für das Staatstheater. Das Wiener Büro Delugan Meissl (mit Wenzel + Wenzel) wird den Bätzner-Bau ein Jahrzehnt lang bis voraussichtlich 2030 sanieren, erweitern, umbauen. 

Die stadtweite Umgestaltung ist für Karlsruhe eine enorm wichtige Phase. Die Baukultur wird diesen Schub spiegeln, so wie sie für andere, vergangene Epochen gestanden hat. Dass im Zuge des Sprungs ins 21. Jahrhundert keine Tabula rasa-Architektur entsteht, ist für Karlsruhes Identität der komplexen Vielschichtigkeit essentiell. Vielleicht kann der Ausspruch von Heinz Mohl so verstanden werden – als Anleitung und Anspruch für die neue, alte Karlsruher Architektur:

"Ein Paradigmawechsel zur Ordnung des Herzens, zur Menschlichkeit, zur Fähigkeit zu fragen, zu neuer Einfachheit ist nicht nur am Horizont zu erkennen, er ist bereits eingeläutet."

Heinz Mohl, Architekt

Ab 1990: dynamisch und vielschichtig

Filmpalast am ZKM. Entwurf: Till Sattler, 2000. Das Multiplex-Kino bildet mit dem gegenüber befindlichen ZKM einen großen Platz abseits der lauten, mehrspurigen Brauerstraße. Wichtige Merkmale sind das weit auskragende Vordach und die technisch-anmutende Gestaltung mit der Verkleidung aus Edelstahlplatten. Weitere Kinopaläste hat der Kölner Architekt Sattler in Düsseldorf und Frankfurt realisiert.
Filmpalast am ZKM Entwurf: Till Sattler, 2000. Das Multiplex-Kino bildet mit dem gegenüber befindlichen ZKM einen großen Platz abseits der lauten, mehrspurigen Brauerstraße. Wichtige Merkmale sind das weit auskragende Vordach und die technisch-anmutende Gestaltung mit der Verkleidung aus Edelstahlplatten. Weitere Kinopaläste hat der Kölner Architekt Sattler in Düsseldorf und Frankfurt realisiert. © Jan Dimog
Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof. Entwurf: Oswald Mathias Ungers, 1998. Der Komplex in Sichtweite des ZKM ist mit seinen Mauern abweisend und mit der konkaven Eingangshalle einladend zugleich. Im Hof positionierte Ungers das freistehende, fünfgeschossige Hauptgebäude. Die Natursteinfassade bezieht sich zu den historischen öffentlichen Bauten der Stadt.
Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof Entwurf: Oswald Mathias Ungers, 1998. Der Komplex in Sichtweite des ZKM ist mit seinen Mauern abweisend und mit der konkaven Eingangshalle einladend zugleich. Im Hof positionierte Ungers das freistehende, fünfgeschossige Hauptgebäude. Die Natursteinfassade bezieht sich zu den historischen öffentlichen Bauten der Stadt. © Hendrik Bohle
Kongresshotel. Entwurf: Schweger Architekten, 2002. Die streng gegliederte Fassade aus Betonsteinelementen zeigt durch die Fenster die jeweilige Nutzung: das hohe Erdgeschoss, die Kongressebene im ersten Obergeschoss und die vier Zimmeretagen darüber. Die Kanten nehmen die Fluchtlinien der Ettlinger Straße und der Stadthalle auf.
Kongresshotel Entwurf: Schweger Architekten, 2002. Die streng gegliederte Fassade aus Betonsteinelementen zeigt durch die Fenster die jeweilige Nutzung: das hohe Erdgeschoss, die Kongressebene im ersten Obergeschoss und die vier Zimmeretagen darüber. Die Kanten nehmen die Fluchtlinien der Ettlinger Straße und der Stadthalle auf. © Jan Dimog
Bundesgerichtshof, Erweiterung. Entwurf: Dohle und Lohse, 2003. Die schlichte Natursteinfassade und eine insgesamt skulpturale Architektur sind die Merkmale der großen Erweiterung des Bundesgerichtshofs. Das Braunschweiger Büro entwarf die Bibliothek als Zentrum des Gebäudes mit einem Lesesaal im Erdgeschoss.
Bundesgerichtshof, Erweiterung Entwurf: Dohle und Lohse, 2003. Die schlichte Natursteinfassade und eine insgesamt skulpturale Architektur sind die Merkmale der großen Erweiterung des Bundesgerichtshofs. Das Braunschweiger Büro entwarf die Bibliothek als Zentrum des Gebäudes mit einem Lesesaal im Erdgeschoss. © Hendrik Bohle
Bundesgerichtshof, Erweiterung. Entwurf: Michael Schrölkamp, 2007. Seit der Gründung 1951 hat das Bundesverfassungsgericht seinen Sitz in Karlsruhe. 1969 zog es in das von Paul Baumgarten entworfene Gebäude in Schloss-Nähe. Platzmangel machte die Erweiterung durch Schrölkamp nötig. Auffälligstes Merkmal ist das Stahlgerüst, eine Art Regal, an der Fassade gegenüber des Torhauses des Botanischen Gartens. Das kontrovers diskutierte Projekt wurde erst nach der Überarbeitung des Ursprungsentwurfs realisiert.
Bundesgerichtshof, Erweiterung Entwurf: Michael Schrölkamp, 2007. Seit der Gründung 1951 hat das Bundesverfassungsgericht seinen Sitz in Karlsruhe. 1969 zog es in das von Paul Baumgarten entworfene Gebäude in Schloss-Nähe. Platzmangel machte die Erweiterung durch Schrölkamp nötig. Auffälligstes Merkmal ist das Stahlgerüst, eine Art Regal, an der Fassade gegenüber des Torhauses des Botanischen Gartens. Das kontrovers diskutierte Projekt wurde erst nach der Überarbeitung des Ursprungsentwurfs realisiert. © Jan Dimog
Hauptverwaltung Volksbank. Entwurf: Herrmann Bosch, 2008. „3xL“ war Anspruch und Anleitung für das Büro aus Stuttgart: Licht, Luft und Lebensqualität. Drei eingeschnittene Lichthöfe und eine Art Schild, das Fassade und Dach zugleich bildet, sind die Merkmale des Gebäudes, das Platz für 250 Angestellte bietet.
Hauptverwaltung Volksbank Entwurf: Herrmann Bosch, 2008. „3xL“ war Anspruch und Anleitung für das Büro aus Stuttgart: Licht, Luft und Lebensqualität. Drei eingeschnittene Lichthöfe und eine Art Schild, das Fassade und Dach zugleich bildet, sind die Merkmale des Gebäudes, das Platz für 250 Angestellte bietet. © Jan Dimog
Wohn-, Büro- und Geschäftshaus. Entwurf: Lederer Ragnarsdóttir Oei, 2013. Im Vorgängerbau hatte Götz Werner mit dem ersten dm-Drogeriemarkt sein Unternehmen begonnen. Die Fassade des Neubaus besteht aus Betonfertigteilen. Diese sind in einem hellen Sandton gefärbt und wirken nahezu fugenlos.
Wohn-, Büro- und Geschäftshaus Entwurf: Lederer Ragnarsdóttir Oei, 2013. Im Vorgängerbau hatte Götz Werner mit dem ersten dm-Drogeriemarkt sein Unternehmen begonnen. Die Fassade des Neubaus besteht aus Betonfertigteilen. Diese sind in einem hellen Sandton gefärbt und wirken nahezu fugenlos. © Hendrik Bohle
Multimediakomplex MUT. Entwurf: Fischer Rüdenauer Architekten (vorher Architekten.3P Feuerstein Rüdenauer & Partner), 2013. Auf dem Areal rund um das Schloss Gottesaue sind mit dem Neubau alle Einrichtung der Hochschule für Musik vereint. Das 80 m lange Gebäude beherbergt u. a. ein Theatersaal und Proberäume. Die Fassade besteht aus polygonal geformten Keramikhohlelementen.
Multimediakomplex MUT Entwurf: Fischer Rüdenauer Architekten (vorher Architekten.3P Feuerstein Rüdenauer & Partner), 2013. Auf dem Areal rund um das Schloss Gottesaue sind mit dem Neubau alle Einrichtung der Hochschule für Musik vereint. Das 80 m lange Gebäude beherbergt u. a. ein Theatersaal und Proberäume. Die Fassade besteht aus polygonal geformten Keramikhohlelementen. © Hendrik Bohle
Bürogebäude Synus. Entwurf: Kramm Strigl, 2014. Der Bau ist mehrfach gerundet und in der Höhe mehrfach gestaffelt. Das Gebäude mit 9.400 m2 Bürofläche ist Green Building-zertifiziert, die Architekten aus Darmstadt legten wert auf hohe Energieffizenz durch Fernwärme sowie ein flexibles und praktisches Büorkonzept für die über 200 Angestellten.
Bürogebäude Synus Entwurf: Kramm Strigl, 2014. Der Bau ist mehrfach gerundet und in der Höhe mehrfach gestaffelt. Das Gebäude mit 9.400 m2 Bürofläche ist Green Building-zertifiziert, die Architekten aus Darmstadt legten wert auf hohe Energieffizenz durch Fernwärme sowie ein flexibles und praktisches Büorkonzept für die über 200 Angestellten. © Jan Dimog
Fichte-Gymnasium. Entwurf: netzwerkarchitekten, 2015. Das Konzept der Darmstädter Architekten übersetzt die Bewegungen und Aktivitäten des Schulbetriebes in der Schichtung der Fassade mit Fensterbändern und der farbigen Innenverglasung. Die Straßenfassade ist mit einer „gläsernen Haut“ überzogen mit zur Straße ausgestülpten Fenster-Sitznischen. Das dreigeschossige Gebäude fügt sich in das Hauptgebäude, aber auch in die Linien der Nachbarn.
Fichte-Gymnasium Entwurf: netzwerkarchitekten, 2015. Das Konzept der Darmstädter Architekten übersetzt die Bewegungen und Aktivitäten des Schulbetriebes in der Schichtung der Fassade mit Fensterbändern und der farbigen Innenverglasung. Die Straßenfassade ist mit einer „gläsernen Haut“ überzogen mit zur Straße ausgestülpten Fenster-Sitznischen. Das dreigeschossige Gebäude fügt sich in das Hauptgebäude, aber auch in die Linien der Nachbarn. © Jan Dimog
Laborgebäude MZE und Mikrotribologie Centrum. Entwurf: Valentyn Architekten, 2016. Die Kölner Architekten entwarfen zwei ähnliche und im 90 Grad Winkel zueinander angeordneten Bauten, das eine mit zwei, das andere mit drei Obergeschossen, beide auf zweigeschossigen Betonsockeln. Das Ensemble vereint mit den Betonquadern Kantigkeit mit den organischen Formen der gläsernen Obergeschosse.
Laborgebäude MZE und Mikrotribologie Centrum Entwurf: Valentyn Architekten, 2016. Die Kölner Architekten entwarfen zwei ähnliche und im 90 Grad Winkel zueinander angeordneten Bauten, das eine mit zwei, das andere mit drei Obergeschossen, beide auf zweigeschossigen Betonsockeln. Das Ensemble vereint mit den Betonquadern Kantigkeit mit den organischen Formen der gläsernen Obergeschosse. © Jan Dimog
Petrus-Jakobus-Kirche mit Gemeindehaus. Entwurf: Peter Krebs, 2017. Ein ruhiges, stimmiges Gesamtbild ist das Merkmal des Kirchenneubaus in der Nordweststadt von Karlsruhe. Der Architekt aus Karlsruhe konzipierte das Gebäudeensemble mit einer Fassade aus geschlämmtem Ziegelmauerwerk, Kirchenboden und Altarbereich sind aus Kalkstein sowie hellen Holzelementen. Ein zeitlos-bescheiden wirkender Kirchenneubau, der exemplarisch für die neue Karlsruher Baukunst stehen sollte.
Petrus-Jakobus-Kirche mit Gemeindehaus Entwurf: Peter Krebs, 2017. Ein ruhiges, stimmiges Gesamtbild ist das Merkmal des Kirchenneubaus in der Nordweststadt von Karlsruhe. Der Architekt aus Karlsruhe konzipierte das Gebäudeensemble mit einer Fassade aus geschlämmtem Ziegelmauerwerk, Kirchenboden und Altarbereich sind aus Kalkstein sowie hellen Holzelementen. Ein zeitlos-bescheiden wirkender Kirchenneubau, der exemplarisch für die neue Karlsruher Baukunst stehen sollte. © Jan Dimog

Von Jan Dimog Publizist und Gründer, veröffentlicht am .