"Holz hat als Baumaterial eine Bedeutung gewonnen, die noch vor wenigen Jahren kaum für möglich gehalten worden wäre. Das sich seit den 1970er-Jahren entwickelnde globale Bewusstsein für eine Schonung der Ressourcen und die Beachtung ökologischer Grundsätze hat auch im Bauwesen ein neues Denken herbeigeführt …"

Hermann Kaufmann, Professor für Entwerfen und Holzbau, TU München und Winfried Nerdinger, Architekturmuseum, TU Museum

Holz ist angesagt. Holzhochhäuser mit über 80 Meter Höhe stehen seit kurzem in Norwegen (Mjøstårnet, Voll Arkitekter) und in Wien (von RLP Architekten). Baukulturell anspruchsvolle, hölzerne Gemeindezentren mit Mehrfachnutzung vereinen in den ländlichen Regionen Österreichs mehrere Funktionen und sind zugleich auch architektonische Pionierwerke wie die Projekte von Hermann Kaufmann. Auf mehreren Recherchereisen konnten wir die moderne Holzarchitektur des 21. Jahrhunderts im Bregenzerwald, im Großen Walsertal und Ötztal, aber auch in Köln erkunden. Holz als Baumaterial ist in den letzten Jahren nicht nur “wiederentdeckt” worden, sondern gewinnt für Planer und Architekten immer mehr an Bedeutung.

Die Messe DACH+HOLZ International 2020 in Stuttgart unterstreicht den neuen Holz-Wert mit dem eintägigen Architekturkongress „LivingWOOD“ am 29.1.2020. Hinzu kommen weitere Veranstaltungen, Führungen und Formate, die den diesjährigen Schwerpunkt betonen. Die viertägige Leitmesse für Holzbau, Ausbau, Dach und Wand findet alle zwei Jahren abwechselnd in Köln und Stuttgart statt. Auch die 2020-Ausgabe in der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg wird wieder die nationale und internationale Dach- und Holzbaubranche sowie die ganze Vielfalt der Gewerke anziehen, von Zimmerern über Klempner bis hin zu Dachdeckern, Architekten und Immobilienfachleuten. 

BUS:STOP. Entwurf: Rintala Eggertsson Architects. Die Erneuerung einiger "Buswartehüsle" war der Anlass für eines der ungewöhnlichsten Architekturprojekte in Österreich. Sieben international renommierte Architekturbüros entwarfen spektakuläre Bushaltestellen, meisterhaft von den Handwerkern des Bregenzerwaldes umgesetzt.
BUS:STOP Entwurf: Rintala Eggertsson Architects. Die Erneuerung einiger "Buswartehüsle" war der Anlass für eines der ungewöhnlichsten Architekturprojekte in Österreich. Sieben international renommierte Architekturbüros entwarfen spektakuläre Bushaltestellen, meisterhaft von den Handwerkern des Bregenzerwaldes umgesetzt. © Jan Dimog
Im Bregenzerwald. gelingt die Verbindung aus Handwerk, Tradition und Architektur vor allem im modernen Holzbau.
Im Bregenzerwald gelingt die Verbindung aus Handwerk, Tradition und Architektur vor allem im modernen Holzbau. © Hendrik Bohle
Pfarramt von Krumbach. Entwurf: Hermann Kaufmann. Fertigstellung: 2013. Kaufmann (*1955) entstammt einer alteingesessenen Zimmermannsfamilie im Bregenzerwald und hat mit seinem Büro HK Architekten zahlreiche, preisgekrönte Projekte umgesetzt.
Pfarramt von Krumbach Entwurf: Hermann Kaufmann. Fertigstellung: 2013. Kaufmann (*1955) entstammt einer alteingesessenen Zimmermannsfamilie im Bregenzerwald und hat mit seinem Büro HK Architekten zahlreiche, preisgekrönte Projekte umgesetzt. © Jan Dimog
DACH+HOLZ International 2020. ist die Leitmesse für Holzbau und Ausbau, Dach und Wand und präsentiert die ganze Vielfalt der Gewerke.
DACH+HOLZ International 2020 ist die Leitmesse für Holzbau und Ausbau, Dach und Wand und präsentiert die ganze Vielfalt der Gewerke. © GHM
DACH+HOLZ International 2020. ist die Plattform für die nationale und internationale Dach- und Holzbaubranche und findet alle zwei Jahre abwechselnd in Köln und Stuttgart statt.
DACH+HOLZ International 2020 ist die Plattform für die nationale und internationale Dach- und Holzbaubranche und findet alle zwei Jahre abwechselnd in Köln und Stuttgart statt. © GHM
DACH+HOLZ International 2020. Von 28.–31. Januar 2020 auf dem Kongress- und Messegelände Stuttgart jeweils von 9–18 Uhr. Besonderer Fokus: der Architekturkongress "LivingWOOD" am 29.1.2020.
DACH+HOLZ International 2020 Von 28.–31. Januar 2020 auf dem Kongress- und Messegelände Stuttgart jeweils von 9–18 Uhr. Besonderer Fokus: der Architekturkongress "LivingWOOD" am 29.1.2020. © GHM

Aktionen, Apps und Architekturkongress

“Sehen, anfassen, ausprobieren”, so lautet das Motto der Sonderschau “Digitalisierung” mit dem “Innovationspfad Digitales Bauen” (Halle 6, Stand 6.410). Hier können an verschiedenen Stationen verschiedene digitale Werkzeuge getestet werden. Dazu passt die Start-up Area (Halle 4, Stand 4.407), in der neue Entwicklungen und Lösungen für Werkzeuge, Software und Zubehör präsentiert werden. Die Ausstellung “Triple Wood” mit nachhaltigen, innovativen Holzbauten aus dem Alpenraum fügt sich gut in das Messekonzept mit dem Architekturkongress “LivingWOOD”, der ja ebenfalls die Bandbreite und Möglichkeiten des modernen Holzbaus thematisiert. Architekt Jochen Weissenrieder und Zimmerermeister Reinhold Müller, aber auch der Geschäftsführer der halbkommunalen Wohnungsbaugesellschaft Esslinger Wohnungsbau GmbH werden mit Best-Practice-Beispielen einen aktuellen Überblick des Holzbaus geben. So werden in Esslingen-Pliensauvorstadt vier bestehende Mietwohnhäuser aus den 1950er-Jahren saniert und barrierefrei umgebaut. Zudem werden die Gebäude in Holzbauweise aufgestockt, so dass zu den 64 Bestandswohnungen 16 neue Dachgeschosswohnungen hinzukommen. Komplettiert wird der Kongress mit der Podiumsdiskussion zu “Urbanen Entwicklungsräumen” (u. a. mit Andreas Hofer, Intendant der Internationalen Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart, den Professoren Marco Einhaus und Tatjana Vautz), wo der Bürgermeister der Gemeinde Frickingen, Jürgen Stukle, berichten wird, wie seine Gemeinde bereits vor drei Jahrzehnten Holz als Baustoff und Energieträger als kommunales Leitbild festgesetzt hat – und erfolgreich ist. Die Entwicklung dieser “Holzbaukultur”  passt gut zum Vortrag des Schirmherren der Messe. Winfried Kretschmann, Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, wird ab 14.30 Uhr Bezug zur aktuellen gesellschaftlichen Debatte über den Klimawandel nehmen und welche Vorteile das Bauen mit Holz dabei hat. Um es mit “Kretsch” zu sagen: 

"Auch im Bauwesen braucht es einen Paradigmenwechsel hin zu klimaschonendem und ressourceneffizientem Bauen. Unsere Klimaziele werden wir nur erreichen, wenn wir auch beim Bauen umdenken und Beton durch Holz ersetzen, wo immer es geht."

Winfried Kretschmann, Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg und Politiker (Grüne)
Winfried Kretschmann. Der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg ist Schirmherr der DACH+HOLZ International 2020 und wird zum Ende des Architekturkongress über die Bedeutung des heutigen Holzbaus sprechen.
Winfried Kretschmann Der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg ist Schirmherr der DACH+HOLZ International 2020 und wird zum Ende des Architekturkongress über die Bedeutung des heutigen Holzbaus sprechen. © Staatsministerium Baden-Württemberg
Architekturkongress mit einem Vortrag von. Reinhold Müller, Zimmerermeister: Tragwerke aus Holz am Beispiel der Sporthalle Waldau
Architekturkongress mit einem Vortrag von Reinhold Müller, Zimmerermeister: Tragwerke aus Holz am Beispiel der Sporthalle Waldau © Conne van d. Grachten
Architekturkongress mit Projektvortrag. von Gordian Kley, Tragswerksplaner, merz, kley und partner GmbH.
Architekturkongress mit Projektvortrag von Gordian Kley, Tragswerksplaner, merz, kley und partner GmbH.
Architekturkongress mit Projektvortrag. mit Hagen Schröter, Geschäftsführer,
Esslinger Wohnungsbau GmbH. Er wird über das "EWB-Projekt Weilstraße" in Esslingen-Pliensauvorstadt sprechen, wo vier bestehende Mietwohnhäuser aus den 1950er-Jahren saniert und barrierefrei umgebaut. Zudem werden die Gebäude in Holzbauweise aufgestockt.
Architekturkongress mit Projektvortrag mit Hagen Schröter, Geschäftsführer, Esslinger Wohnungsbau GmbH. Er wird über das "EWB-Projekt Weilstraße" in Esslingen-Pliensauvorstadt sprechen, wo vier bestehende Mietwohnhäuser aus den 1950er-Jahren saniert und barrierefrei umgebaut. Zudem werden die Gebäude in Holzbauweise aufgestockt. © Fotohaus Kerstin Sänger
Podiumsdiskussion "Urbane Entwicklungsräume". mit Prof. Dr.-Ing. Marco Einhaus, Leiter DGUV Fachbereich Bauwesen, Sachgebiet Hochbau Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft und Lehrbeautragter der TU München
Podiumsdiskussion "Urbane Entwicklungsräume" mit Prof. Dr.-Ing. Marco Einhaus, Leiter DGUV Fachbereich Bauwesen, Sachgebiet Hochbau Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft und Lehrbeautragter der TU München © Andreas Heddergott / TU München
Podiumsdiskussion "Urbane Entwicklungsräume". mit Architekt Andreas Hofer, Geschäftsführer und Intendant der Internationalen Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart GmbH
Podiumsdiskussion "Urbane Entwicklungsräume" mit Architekt Andreas Hofer, Geschäftsführer und Intendant der Internationalen Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart GmbH © IBA’27 / © Sven Weber

Von Jan Dimog Publizist und Gründer, veröffentlicht am .