Gefaltet, gekrümmt und gebogen: Ulrich Müther setzte voll auf Beton. Seine Schalenbauten sind legendär. Besonders an der Küste schuf der Betonbaukünstler experimentelle Wunderbauten der Moderne, darunter die Rettungsstation in Binz, die Strandperle in Glowe und den Teepot in Warnemünde (alle 1968). Weniger bekannt ist sein Kunstpavillon in Heringsdorf. Er hatte ihn ursprünglich als Prototyp für einen Ausstellungspavillon entworfen, den er in den 1960er-Jahren dem Außenhandelsministerium der DDR vorschlug. Ein Exportschlager wurde er nicht, dafür erhielt er einen angemessenen Platz an der Heringsdorfer Strandpromenade. Das gefaltete Dach scheint über dem kreisrunden Grundriss zu schweben. Die Unterseiten des Schirms sind mit Holz bekleidet. Die Galerie ist umlaufend verglast. Die Landschaft scheint hindurchzufließen. Seit 1991 bespielt der Usedomer Kunstverein den Raum für Kunst mit wechselnden Ausstellungen, Lesungen und Konzerten. Eingeweiht wurde er bereits 1971 mit einer Schau von Otto Niemeyer Holstein anlässlich seines 75. Geburtstages. Das seit 1933 historisch gewachsene Ensemble um Wohnhaus, Atelier und Garten des Malers kann im benachbarten Lüttenort bei Koserow besichtigt werden: inklusive einer von ihm bewohnten Berliner S-Bahn.

Kunstpavillon. Entwurf: Ulrich Müther, Fertiggestellung 1970. Der Umfang beträgt 52 Meter, die höchste Innenhöhe ist bei 4,60 Meter. Der Pavillon wurde 1971 mit einer Ausstellung des Malers Otto Niemeyer Holstein eingeweiht.
Kunstpavillon Entwurf: Ulrich Müther, Fertiggestellung 1970. Der Umfang beträgt 52 Meter, die höchste Innenhöhe ist bei 4,60 Meter. Der Pavillon wurde 1971 mit einer Ausstellung des Malers Otto Niemeyer Holstein eingeweiht. © Jan Dimog

Von Hendrik Bohle Architekt, Autor und Stadtforscher, veröffentlicht am .