Unser Interview (auf Englisch) mit Lieve Vermeiren, Architektin aus Antwerpen: The Spectrum Of Architecture

Unser Bericht zu einem der schönsten Bahnhöfe der Welt: Contemporary Central

Mit der Umstrukturierung des alten Hafengebiets Eilandje nördlich des historischen Zentrums erfährt Antwerpen derzeit eine gewaltige Stadterweiterung. Inmitten der alten Dockanlagen um Bonapartedok, Willemdok und Kattendijkdok. Dort wo vor einigen Jahren noch Waren gelöscht und Kreuzfahrtschiffe vor Anker gegangen sind, entstehen entlang der Hafenbecken eine ganze Reihe anspruchsvoller Projekte. Dazu gehören Kulturbauten, neue Wohn- und Geschäftshäuser und Umbauten alter Hafengebäude, sowie attraktive Grünanlagen. Der Park Spoor Nord des italienischen Studios Secchi-Vigano gehört heute bereits zu den beliebtesten öffentlichen Räumen der Stadt. In Kürze wird Zaha Hadids aufsehenerregendes Port House fertiggestellt. Dann durchbricht ein weithin sichtbarer facettierter Schimmeraufbau das Dach der ehemaligen Hafenfeuerwehr. Es lohnt aber auch ein Blick zurück, denn die Geschichte der Turmbauten ist eine lange in der Scheldestadt.

Amerikanisch. Er ist noch immer der Star der modernen Antwerpener Skyline. Bei seiner spektakulären Eröffnung anlässlich der Weltausstellung 1930 war der Boerentoren (Bauernturm) eines der höchsten Gebäude Europas. Seinen Namen erhielt der 87,5 Meter hohe Turm durch die damaligen Hauptklienten der Bauherrin "Kredietbank". Sie waren zumeist Bauern. Der Architekt Jan Van Hoenacker ließ sich bei seinem Entwurf unverkennbar von den Art Déco-Legenden Chicagos und New Yorks inspirieren. Durch spätere Umbauten und Aufstockungen wuchs er auf mittlerweile 97 Meter an. Für viele ist "Den Oudaan" das hässlichste Gebäude der Stadt. Die Modernisten Renaat Braem, J. De Roover und M. Wijnants errichteten den Turm zwischen 1957 und 1967 als neue Polizeizentrale. Ursprünglich waren sogar zwei Türme geplant, die durch ein sechsgeschossiges Sockelgebäude verbunden werden sollten. Ein großer Teil der alten Stadtstruktur wurde damals abgetragen, darunter eine einzigartige Einkaufspassage des belgischen Architekten J.P. Cluysenaar aus dem 19. Jahrhundert. Dem Stahlbetonriesen drohte dasselbe Schicksal, bis sich seit einiger Zeit die Bürgerinitiative "We kopen samen den Oudaan" (Lasst uns den Oudaan kaufen) für den Erhalt und die Umnutzung des Bauwerks einsetzt. Es gibt auch Liebhaber des Brutalismus.
Amerikanisch Er ist noch immer der Star der modernen Antwerpener Skyline. Bei seiner spektakulären Eröffnung anlässlich der Weltausstellung 1930 war der Boerentoren (Bauernturm) eines der höchsten Gebäude Europas. Seinen Namen erhielt der 87,5 Meter hohe Turm durch die damaligen Hauptklienten der Bauherrin "Kredietbank". Sie waren zumeist Bauern. Der Architekt Jan Van Hoenacker ließ sich bei seinem Entwurf unverkennbar von den Art Déco-Legenden Chicagos und New Yorks inspirieren. Durch spätere Umbauten und Aufstockungen wuchs er auf mittlerweile 97 Meter an. Für viele ist "Den Oudaan" das hässlichste Gebäude der Stadt. Die Modernisten Renaat Braem, J. De Roover und M. Wijnants errichteten den Turm zwischen 1957 und 1967 als neue Polizeizentrale. Ursprünglich waren sogar zwei Türme geplant, die durch ein sechsgeschossiges Sockelgebäude verbunden werden sollten. Ein großer Teil der alten Stadtstruktur wurde damals abgetragen, darunter eine einzigartige Einkaufspassage des belgischen Architekten J.P. Cluysenaar aus dem 19. Jahrhundert. Dem Stahlbetonriesen drohte dasselbe Schicksal, bis sich seit einiger Zeit die Bürgerinitiative "We kopen samen den Oudaan" (Lasst uns den Oudaan kaufen) für den Erhalt und die Umnutzung des Bauwerks einsetzt. Es gibt auch Liebhaber des Brutalismus.
Funktional. Der geschätzte belgische Funktionalist Hugo Van Kuyck errichtete den Bell Tower in den 1960er-Jahren. Das Gebäude wurde ursprünglich für die Telefongesellschaft Alcatel errichtet. Seit 2009 befinden sich in der renovierten Gebäudegruppe Verwaltungseinrichtungen der Stadt.
Funktional Der geschätzte belgische Funktionalist Hugo Van Kuyck errichtete den Bell Tower in den 1960er-Jahren. Das Gebäude wurde ursprünglich für die Telefongesellschaft Alcatel errichtet. Seit 2009 befinden sich in der renovierten Gebäudegruppe Verwaltungseinrichtungen der Stadt. © Jan Dimog
Geknickt. Der "Antwerp Tower" unweit der Meir, der Flaniermeile der Stadt, wurde 1974 von Conix Architecten und Vincent van Duysen Architects im internationalen Stil errichtet. Mit 87 Metern und 25 Etagen ist er nach der Liebfrauen-Kathedrale (UNESCO-Weltkulturerbe) und dem Boerentoren der dritthöchste Turm der Stadt.
Geknickt Der "Antwerp Tower" unweit der Meir, der Flaniermeile der Stadt, wurde 1974 von Conix Architecten und Vincent van Duysen Architects im internationalen Stil errichtet. Mit 87 Metern und 25 Etagen ist er nach der Liebfrauen-Kathedrale (UNESCO-Weltkulturerbe) und dem Boerentoren der dritthöchste Turm der Stadt. © Jan Dimog
Legomäßig. Gegenüber des fabelhaften Hauptbahnhofs geht es bunt und a la Lego zur Sache. In dem 1997 errichteten postmodernen (Alb)traum befinden sich das Aquatopia Aquarium und das Radisson Blue Hotel Antwerpen.
Legomäßig Gegenüber des fabelhaften Hauptbahnhofs geht es bunt und a la Lego zur Sache. In dem 1997 errichteten postmodernen (Alb)traum befinden sich das Aquatopia Aquarium und das Radisson Blue Hotel Antwerpen. © Jan Dimog

Mit der Eröffnung des MAS (Museum aan de Stroom) begann 2011 die Neuerfindung der Stadt. Das neue, weithin sichtbare Kraftzentrum entstand im geschichtsträchtigen Hafen. Das niederländische Büro Neutelings Riedijk Architecten schuf hier nicht nur eine angemessene Landmarke für das neue stadtgeschichtliche Museum Antwerpens, sondern auch ein unvergleichliches Raumerlebnis – ein Gang durch das Gedächtnis und die schmerzhafte Geschichte der Stadt. Auf 60 Meter stapeln sich zehn Kubaturen, die in roten indischen Sandstein gehüllt sind. Dabei verweist der Monolith in seiner Gestalt auf die historischen Lagerhäuser der Docks. An gleicher Stelle stand jahrhundertelang das Oosterhuis, das große Handelshaus der Hansekaufleute.

Bewegend. Das MAS wurde als sechzig Meter hoher Turm entworfen. Die Architekten stapelten zehn gewaltige Naturstein-Volumina übereinander. Der Museumsbau wird somit zur Metapher der schweren Geschichte der Stadt. Jedes Stockwerk des Turms wurde um ein Viertel gedreht, um eine Art Wendelgang zu schaffen.
Rolltreppen führen im Inneren durch eine stadtgeschichtliche Galerie. Die Besucher werden entlang gläserner Vitrinen und heller Wände, auf denen abwechselnd bewegende Bilder und Texte angezeigt werden, bis zum Panoramadach geleitet.
Bewegend Das MAS wurde als sechzig Meter hoher Turm entworfen. Die Architekten stapelten zehn gewaltige Naturstein-Volumina übereinander. Der Museumsbau wird somit zur Metapher der schweren Geschichte der Stadt. Jedes Stockwerk des Turms wurde um ein Viertel gedreht, um eine Art Wendelgang zu schaffen. Rolltreppen führen im Inneren durch eine stadtgeschichtliche Galerie. Die Besucher werden entlang gläserner Vitrinen und heller Wände, auf denen abwechselnd bewegende Bilder und Texte angezeigt werden, bis zum Panoramadach geleitet. © Jan Dimog
Spiralförmig. Die umlaufend verglaste Galerie schickt die Besucher auf eine szenografische Zeitreise, in der die reichhaltigen Exponate der angrenzenden Ausstellungssäle immer wieder mit den wechselnden Stadtansichten verknüpft werden.
Spiralförmig Die umlaufend verglaste Galerie schickt die Besucher auf eine szenografische Zeitreise, in der die reichhaltigen Exponate der angrenzenden Ausstellungssäle immer wieder mit den wechselnden Stadtansichten verknüpft werden. © Jan Dimog
Historisch. Durch die gewellten Glasscheiben fällt der Blick hinunter auf die ältesten Docks der Stadt, den Willemdok und den Bonapartedok.
Historisch Durch die gewellten Glasscheiben fällt der Blick hinunter auf die ältesten Docks der Stadt, den Willemdok und den Bonapartedok. © Hendrik Bohle
Schlicht. Die Türme 3 + 4 von David Chipperfield Architects kommen gewohnt geradlinig und ruhig daher.
Schlicht Die Türme 3 + 4 von David Chipperfield Architects kommen gewohnt geradlinig und ruhig daher. © Jan Dimog

Von Hendrik Bohle Architekt, Autor und Stadtforscher, veröffentlicht am .