Formen und Funktionalismus des Ferienzentrums

Ferienzentrum. Urlaubsgebiet mit Architektur von Arne Jacobsen und Otto Weitling, Fertigstellung: 1968–1972.
Ferienzentrum Urlaubsgebiet mit Architektur von Arne Jacobsen und Otto Weitling, Fertigstellung: 1968–1972. © Jan Dimog
Das Ensemble. Die dänischen Architekten entwarfen Apartmenthäuser, Bungalows, die 17-geschossigen IFA-Fernblickhäuser (in der Mitte), das Meerwasserwellenbad (li.), das Haus des Kurgastes und das Vitamar (re.).
Das Ensemble Die dänischen Architekten entwarfen Apartmenthäuser, Bungalows, die 17-geschossigen IFA-Fernblickhäuser (in der Mitte), das Meerwasserwellenbad (li.), das Haus des Kurgastes und das Vitamar (re.). © Jan Dimog
Die IFA Fernblickhäuser. waren ursprünglich mit je vier Geschossen geplant. Auf Druck der Auftraggeber wurden alle als 17-geschossige Türme realisiert.
Die IFA Fernblickhäuser waren ursprünglich mit je vier Geschossen geplant. Auf Druck der Auftraggeber wurden alle als 17-geschossige Türme realisiert. © Hendrik Bohle
Fassadenspiel. des IFA-Fernblickhauses Berlin. Pro Etage gibt es jeweils neun Zimmer, die alle Meerblick haben. Besonderes Merkmal: die manuell verstellbaren Lamellen der Balkone.
Fassadenspiel des IFA-Fernblickhauses Berlin. Pro Etage gibt es jeweils neun Zimmer, die alle Meerblick haben. Besonderes Merkmal: die manuell verstellbaren Lamellen der Balkone. © Jan Dimog
Der Südstrand. mit dem feinsandigen Sandstrand ist knapp 1,7 km lang und bis zu 150 m breit.
Der Südstrand mit dem feinsandigen Sandstrand ist knapp 1,7 km lang und bis zu 150 m breit. © Hendrik Bohle
Der Südstrand. Für den Bau des Ferienzentrums wurde er zusätzlich künstlich aufgespült. Dünen trennen den Strand von der Südstrandpromenade ab.
Der Südstrand Für den Bau des Ferienzentrums wurde er zusätzlich künstlich aufgespült. Dünen trennen den Strand von der Südstrandpromenade ab. © Jan Dimog
Trio. Das Haus des Kurgastes (li.) war das erste fertiggestellte Gebäude des Ferienzentrums.
Trio Das Haus des Kurgastes (li.) war das erste fertiggestellte Gebäude des Ferienzentrums. © Hendrik Bohle
Haus des Gastes. Heute ist der eingeschossige Stahlskelettbau in einem schlechten Zustand und soll nach dem Rückkauf instandgesetzt werden. Vielleicht als Kulturzentrum? Gar als Arne Jacobsen-Museum?
Haus des Gastes Heute ist der eingeschossige Stahlskelettbau in einem schlechten Zustand und soll nach dem Rückkauf instandgesetzt werden. Vielleicht als Kulturzentrum? Gar als Arne Jacobsen-Museum? © Jan Dimog
Das Meerwasserwellenbad. war der letzte Bau des Ensembles, der fertiggestellt wurde.
Das Meerwasserwellenbad war der letzte Bau des Ensembles, der fertiggestellt wurde. © Jan Dimog
Das Meerwasserwellenbad. Schräges, hängendes oder schwebendes Dach? Die Ausseinandersetzung mit den konstruktiven Möglichkeiten ist typisch für die Architektur der Moderne und ein immer wieder kehrendes Thema in der Arbeit von Jacobsen.
Das Meerwasserwellenbad Schräges, hängendes oder schwebendes Dach? Die Ausseinandersetzung mit den konstruktiven Möglichkeiten ist typisch für die Architektur der Moderne und ein immer wieder kehrendes Thema in der Arbeit von Jacobsen. © Hendrik Bohle

"Almost every time I make a building, some people will condemn it straight to hell."

Arne Jacobsen, dänischer Architekt und Designer

Es gab mindestens zwei Arne Jacobsens. Der eine dachte organisch, minimalistisch und detailverliebt. Der andere mochte große Dimensionen und Ganzheitlichkeit. Beiden gemeinsam war das konzeptionelle Denken. Seine Entwürfe sowohl für Möbel als auch in der Architektur waren durchdacht und bis ins Kleinste ausformuliert. Jacobsen und sein kongenialer Büropartner Otto Weitling folgten ihren Plänen so strikt es ging und hatten mit einem Schwierigkeiten: Änderungswünsche. Wer sich als Auftraggeber also “Danish Design” wünschte, bekam auch “Danish Dickkopf”, was nicht immer gut gehen konnte. Diese Kontraste sind für das Verständnis der Architektur von Jacobsen und Weitling hilfreich. Und die Tatsache, dass sich Bauherren manchmal mehr XL herbeifantasierten, als das organisch Ausgewogene, das die beiden z. B. in den 1960er-Jahren für die neue Feriensiedlung in Burgtiefe auf der Fehmarn entwickelt hatten.

Der Plan

Es war das Jahrzehnt, als die Ostseeinsel mit dem Festland verbunden wurde. Statt Fähren gibt es seit 1963 die 963 m lange Fehmarnsundbrücke, eine Netzwerkbogenbrücke, die von Ingenieuren der Gutehoffnungsbrücke Sterkrade AG aus Oberhausen und dem Architekten Gerd Lohmer geplant wurde. In den 1960er- und 1970er-Jahren boomte der Tourismus in Schleswig-Holstein und neue, moderne Ostseebäder entstanden unter anderem in Grömitz, Damp und am Timmendorfer Strand.
Für das Projekt in Burgtiefe wählte die Jury um den Vorsitzenden Egon Eiermann (1904–1970), einen der bedeutendsten Architekten der deutschen Nachkriegsmoderne, den Entwurf von Jacobsen und Weitling. Kernpunkte des Plans der Dänen: Respekt für die Landschaft, behutsame Eingriffe und Bauten mit dem "Haus des Gastes" als Zentrum, dem Kurmittelhaus und dem Wellenbad in unmittelbarer Nachbarschaft. Hinzu kamen Bungalows, Apartmenthäuser und die drei Türme, die mit bis zu vier Stockwerken wesentlich niedriger geplant waren, als das Resultat mit 17 Etagen. Doch mit dem Verweis auf Wirtschaftlichkeit und Maximierung der Möglichkeiten drängte das Baukonsortium auf mehr Fläche und damit auf mehr Zimmer. Es sollte nicht die einzige Revision bleiben. Nirgends sind die starken Eingriffe sichtbar wie bei den Türmen. Statt der trapezförmigen Pavillonbauten mit Sonnenterrassen zwischen den Hochhäusern umklammert das Vitarium das Erdgeschoss wie einen gläsernen Schaukasten. Genau das war nicht im Sinn von Jacobsen und Weitling, die sich von herkömmlicher und verschlossener Hotelarchitektur hin zu neuen Erlebniswelten des 20. Jahrhunderts bewegen wollten.

Das Erbe

Ähnlich schwerfällig wirkt das FehMare. Es ist die Erweiterung der alten Schwimmhalle, die 1972 als letztes Teil des Ensembles fertiggestellt wurde. Der 2008 eröffnete Neubau nimmt mit Spa, Sauna und der Wasserrutsche zwar die Idee der dänischen Planer auf, wonach das Erlebnis ins Zentrum des Kurbades gerückt werden soll. Architektonisch und gestalterisch bleibt es weit hinter dem Bestandsbau zurück. Diesen wiederum positionierten die Architekten auf einem Podium, mehr modernistischer Badetempel, denn schnödes Bad. Die Tragkonstruktion wurde nach außen gestellt, das schräge Dach scheint über dem Becken zu schweben und strebt von der Promenade ausgehend steil nach oben. Allein für den Blick von innen nach außen lohnt der Besuch: die Südfassade rahmt Düne, Meer und Himmel auf eine lichte und leichte Architektur-Art.

Ähnlich fein, aber weniger expressiv als das Heilbad entwarfen Jacobsen und Weitling das Haus des Gastes. Von außen ist von der fragilen Linearität wenig zu erkennen. “Vielleicht ist es ein Sportraum?”, so die Besucherin zu ihrem Begleiter, als beide das eingezäunte Gebäude bemerken. Nach einem kurzen Stirnrunzelstopp flanieren sie weiter. Tatsächlich finden sich im gesamten Areal kaum Hinweise oder Schilder über die Geschichte des Ferienzentrums, geschweige denn über den berühmten Architekten. Und zum Haus des Kurgastes, das Ende der 1960er entstand, gibt es erst recht nichts. Ähnlich wie das Meerwasserwellenbad positionierten die Planer den schlichten, eingeschossigen Stahlskelettbau auf einem Podest. Eine grazile Pergola umschließt das Gebäude. Dieses Element nutzten die Architekten auch für das Rathaus-Forum in Castrop-Rauxel. Weitere Ähnlichkeiten: die Wendeltreppe im Innenraum und die Farbgebung z. B. an den Türen. Der aktuell schlechte Zustand des Pavillons soll geändert werden, eine Modernisierung ist dringend notwendig. Pläne für den Abriss wurden verworfen. Zusammen mit den übrigen Gebäuden steht das gesamte Ensemble seit 2004 unter Denkmalschutz, das Meerwasserwellenbad bereits seit 1991.

Damals und Details

Arne Jacobsen. schloss sein Architekturstudium an der Königlichen Dänischen Akademie der Schönen Künste 1927 ab. Zwei Jahre später folgte ein wichtiger Karriereschritt. Denn sein Siegerentwurf für das "Haus der Zukunft" brachte die moderne Architektur nach Dänemark.
Arne Jacobsen schloss sein Architekturstudium an der Königlichen Dänischen Akademie der Schönen Künste 1927 ab. Zwei Jahre später folgte ein wichtiger Karriereschritt. Denn sein Siegerentwurf für das "Haus der Zukunft" brachte die moderne Architektur nach Dänemark. © Jørgen Strüwing, Republik of Fritz Hansen
Serie 7. Von 1950 an gestaltete er auch Möbel, die auch heute noch begehrt sind und nach wie vor produziert werden. 1952 schuf er den Stuhl "Ant Chair" (Ameise) für den dänischen Möbelhersteller Fritz Hansen, der heute noch in verschiedenen Farben erhältlich ist. Die Serie 7 (1955, siehe Foto) entwickelte sich zur meist verkauften Stuhlserie weltweit.
Serie 7 Von 1950 an gestaltete er auch Möbel, die auch heute noch begehrt sind und nach wie vor produziert werden. 1952 schuf er den Stuhl "Ant Chair" (Ameise) für den dänischen Möbelhersteller Fritz Hansen, der heute noch in verschiedenen Farben erhältlich ist. Die Serie 7 (1955, siehe Foto) entwickelte sich zur meist verkauften Stuhlserie weltweit. © Ditte Isager / Fritz Hansen
Haus des Kurgastes. Bei der Eröffnung mit Arne Jacobsen (li.)
Haus des Kurgastes Bei der Eröffnung mit Arne Jacobsen (li.) © Stadtarchiv Fehmarn
Haus des Gastes. Mit Musik und großem Andrang
Haus des Gastes Mit Musik und großem Andrang © Stadtarchiv Fehmarn
Das Urlaubszentrum. Die Luftaufnahme zeigt den Zustand kurz nach Fertigstellung des Ensembles. Gut zu erkennen: die Sonnenterrassen zwischen den IFA-Türmen.
Das Urlaubszentrum Die Luftaufnahme zeigt den Zustand kurz nach Fertigstellung des Ensembles. Gut zu erkennen: die Sonnenterrassen zwischen den IFA-Türmen.
Lageplan Burgtiefe. Aus einem IFA-Heft
Lageplan Burgtiefe Aus einem IFA-Heft © Stadtarchiv Fehmarn
Grundriss. in Form eines Y der Fernblickhäuser. Manche erinnert der Grundriss auch an einen Flügelschlag.
Grundriss in Form eines Y der Fernblickhäuser. Manche erinnert der Grundriss auch an einen Flügelschlag. © Stadtarchiv Fehmarn
Bungalows und Zimmer. Die Einrichtung nach Fertigstellung des Ferienzentrums
Bungalows und Zimmer Die Einrichtung nach Fertigstellung des Ferienzentrums © Stadtarchiv Fehmarn
IFA-Fernblickhaus. Beispiel einer heutigen Einrichtung
IFA-Fernblickhaus Beispiel einer heutigen Einrichtung © IFA Hotel und Touristik AG
Vitamar. Die Apartmentanlage Vitamar grenzt östlich an die Fernblickhäuser an. Der Baustil ähnelt dem der Apartmenthäuser im Westteil der Halbinsel.
Vitamar Die Apartmentanlage Vitamar grenzt östlich an die Fernblickhäuser an. Der Baustil ähnelt dem der Apartmenthäuser im Westteil der Halbinsel. © Hendrik Bohle
Vitamar. Trotz Modernisierungsbedarf im Innenbereich gab es im und um das Vitamar relativ wenige Eingriffe in das Jacobsen-Weitling-Design.
Vitamar Trotz Modernisierungsbedarf im Innenbereich gab es im und um das Vitamar relativ wenige Eingriffe in das Jacobsen-Weitling-Design. © Hendrik Bohle
Haus des Gastes. Gebäude und Umfeld wirken vernachlässigt. Das abgesperrte Gebäude wird für temporäre Veranstaltungen genutzt.
Haus des Gastes Gebäude und Umfeld wirken vernachlässigt. Das abgesperrte Gebäude wird für temporäre Veranstaltungen genutzt. © Hendrik Bohle
Haus des Gastes. Das städtebauliche Ziel ist die Sicherung und der Erhalt der historischen Bausubstanz.
Haus des Gastes Das städtebauliche Ziel ist die Sicherung und der Erhalt der historischen Bausubstanz. © Jan Dimog
Haus des Gastes. "Von der Lampe bis zum Fußboden, überall steckt Jacobsen drin", so die Denkmalpfleger über das Gebäude.
Haus des Gastes "Von der Lampe bis zum Fußboden, überall steckt Jacobsen drin", so die Denkmalpfleger über das Gebäude. © Jan Dimog
Meerwellenwasserbad. Das Ostsee-Heilbad mit dem spektakulär steil aufragenden Dach.
Meerwellenwasserbad Das Ostsee-Heilbad mit dem spektakulär steil aufragenden Dach. © Jan Dimog
Meerwasserwellenbad. Eine momentan nicht genutzte Zwischenebene.
Meerwasserwellenbad Eine momentan nicht genutzte Zwischenebene. © Jan Dimog
Meerwasserwellenbad. Weiß gefliest und linear und typisch für die Innengestaltung von Jacobsen.
Meerwasserwellenbad Weiß gefliest und linear und typisch für die Innengestaltung von Jacobsen. © Jan Dimog
Apartmentsiedlung. Neun drei- und fünfgeschossige, linienförmige Apartmentkomplexe stehen im Westteil der Halbinsel.
Apartmentsiedlung Neun drei- und fünfgeschossige, linienförmige Apartmentkomplexe stehen im Westteil der Halbinsel. © Jan Dimog
Apartmentsiedlung. Ein Großteil der Apartments und Bungalows gehört nach wie vor den Erstbesitzerinnen und -besitzern.
Apartmentsiedlung Ein Großteil der Apartments und Bungalows gehört nach wie vor den Erstbesitzerinnen und -besitzern. © Jan Dimog
Ferienanlage. Vorgelagerte, eingeschossige Bungalows
Ferienanlage Vorgelagerte, eingeschossige Bungalows © Hendrik Bohle
Die Bungalows. mit den Flachdächern sind ebenfalls Teil der Arne-Jacobsen-Feriensiedlung.
Die Bungalows mit den Flachdächern sind ebenfalls Teil der Arne-Jacobsen-Feriensiedlung. © Hendrik Bohle
Yachthafen Burgtiefe. Die 1,4 km lange Promenade am Yachthafen wird bis 2020 umgebaut. Teil der Maßnahmen ist ein Aussichtsturm mit Rundumblick.
Yachthafen Burgtiefe Die 1,4 km lange Promenade am Yachthafen wird bis 2020 umgebaut. Teil der Maßnahmen ist ein Aussichtsturm mit Rundumblick. © Hendrik Bohle

Die Zukunft

Silos? Depots? Lagerklötze? Die drei IFA-Türme am Südstrand wirken mit ihrem undefinierbarem Äußeren verschlossen und ihrer hochaufragenden Präsenz sehr dominant. Für viele auch abweisend. Der Gegensatz zu Burg, dem Hauptort der Ostseeinsel, mit dem mittelalterlich geprägten Zentrum, Kopfsteinpflaster-Geruckel und der Backstein-Heimeligkeit ist groß. Genau so stellen sich viele ein Ostseebad vor. Am liebsten mit Reetdach-Gemütlichkeit. Doch von der Strandstraße gen Burgtiefe kommend, sind die Klinkerklischees wie weggewischt: die Hoteltürme, Apartmentanlagen und Bungalows sowie das Heilbad, das Haus des Gastes und das Kurmittelhaus haben Jacobsen und Weitling im Geiste des nüchtern-logischen Funktionalismus geplant. Was sich nordisch-kühl liest, ist in Wahrheit organisch, detailliert und "atmend" gedacht. Vor allem an den Apartmenthäusern im westlichen Teil der Halbinsel und am Vitamar mit den Laubengängen bemerkt der Flaneur wie eingebettet die Blöcke in das Dreispiel aus Himmel, Landschaft und Meer sind, während die Architektur sich zurücknimmt und zugleich gestaltet. Dass eine Gebäudehierarchie durch die Anordnung, die unterschiedlichen Höhen und Sichtachsen aufgebrochen werden kann, zeigt sich an den flachen, eleganten Pavillons (nah am Wasser), den Apartmenthäuser mit drei Geschossen (Mittelposition) und die fünfstöckigen Blöcke (in dritter Reihe).
Die drei Türme, an denen sich heute noch viele stören, scheinen hier weit weg zu sein. Als ehemaliges Inselkind kann ich das nachvollziehen. Ich bin auf Fehmarn aufgewachsen. Die insulare Mentalität wird durch Bodenständigkeit, Bescheidenheit und Eigensinn geprägt. Zu hoch und zu viel ist einfach zu hoch und zu viel. Die IFA-Fernblickhäuser waren schon für mich als Kind wie ein Sprung aus den kleinen, engen Gassen und Straßen von Burg in eine andere Welt. Hier am Südstrand schien der Himmel weiter und höher und die Türme wie eine maximale Strandhybris. In diversen Online-Bewertungen des Dreisternehotels wird oft das Wort "renovierungsbedürftig" benutzt. Gleichzeitig schwärmen die Gäste über das Preis-Leistungsverhältnis und vor allem über die Aussicht. Alle Zimmer der 16 Etagen haben unverstellten Blick auf das Meer. Die Anlage wird von der IFA Hotel und Touristik AG betrieben, gehört zur spanischen Lopesán-Gruppe und hat eine sehr gute Auslastung. Drinnen dominiert eine praktische Polster- und Vollholzeinrichtung. Arne Jacobsens ebenfalls prägende Entwürfe für Einrichtungsgegenstände darf man in der Innengestaltung nicht erwarten. Die manuell verstellbaren Lamellen der Balkone sind ein Element, das für die Raffinesse und Originalität von Jacobsen und Weitling steht. Bei geöffneten Lamellen scheint der Blick förmlich aufgesogen zu werden vom Meer. "Das Meer und mein Blick" – das könnte auch für die künftige Entwicklung von Burgtiefe ein maßgebliches Motto werden.
Tatsächlich ist nun einiges in Bewegung. Die Sieger des Ideen- und Realisierungswettbewerbs zum Bau eines Aussichtsturms und einer Seebrücke wurden im Juni 2018 gekürt. Eine stromlinienförmige, 200 m lange Seebrücke – laut Jury passend zum Arne Jacobsen-Stil – soll ebenso gebaut werden wie ein über 18 m hoher Aussichtsturm mit Panoramablick. Dieser ist Teil der seit Ende 2017 entstehenden neuen 1,4 km langen Promenade am Yachthafen. Im Sommer 2020 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.
Nach Jahren der Vernachlässigung, Konzeptionslosigkeit und des Gerangels können Burgtiefe diese Entwicklungen nur gut tun. Denn Jacobsen hatte Möglichkeiten der Erweiterung bereits in seinem ersten Bebauungsvorschlag bedacht. Er hatte Atrien und "Inseln auf der Insel" angeregt, so dass ein "unkomplizierter etappenweiser Aufbau der Anlage" ermöglicht werden konnte. Parallel zu den Neubauten sollte die Modernisierung des Ferienzentrums folgen. Das wichtige Zeugnis der Seebad-Architektur der Nachkriegsmoderne ist in die Jahre gekommen. Um die architektonisch-gestalterische Bandbreite des weitläufig-luftigen Ferienzentrums zu zeigen, müsste zudem einiges weg, wie z. B. das Vitarium. In erster Linie jedoch geht es um die Rettung des Erbes, vor allem des "Haus des Gastes". Der filigrane Pavillon könnte wieder zu dem Zentrum der Feriensiedlung werden wie von Jacobsen und Weitling gedacht. Einem Mittelpunkt, der so bescheiden, leicht und minimalistisch wirkt, dass er wie für Fehmarn gemacht ist.

"The primary factor is proportions."

Arne Jacobsen
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Wir danken Tourismus-Service Fehmarn für die Einladung zu den Übernachtungen im IFA Fehmarn Hotel & Ferien-Centrum für unsere redaktionell unabhängige Recherchereise. Danke auch an das Stadtarchiv Fehmarn für die Bilder aus der Entstehungszeit der Siedlung.

Von Jan Dimog Autor, Redakteur und (Foto)Journalist, veröffentlicht am .