Die Architektur der Universitätsstadt –  Die Ideengeber der Idealstadt

Der Weinbrenner-Stil und Eiermann-Einfluss.

Die Ideengeber der Idealstadt Die Ideengeber der Idealstadt

Backstein — Deutschland | 

»In welchem Style sollen wir bauen.«

Publikation von 1828 von Heinrich Hübsch (1795–1863), Architekt und Baubeamter, nutzte für seine Bauten mit Vorliebe Ziegel

Die Tradition

In unserem Architekturfeature Stadt der Schichten haben wir den aktuellen Bauboom in Karlsruhe beschrieben. Dort beleuchteten wir die Nachkriegs- und Postmoderne sowie die Bauten ab 1990 bis heute. Bauen ist fester Teil der DNS dieser Stadt, die 1715 als barocke Planstadt gegründet und dessen Entfaltung maßgeblich von Baumeistern und Planern vorangetrieben wurde, die eines gemeinsam hatten: die Verbindung zur Hochschule und zu Akademien in Karlsruhe. Universität und Architekturfakultät wurden 1825 gegründet. Seitdem haben Architekten wie unter anderem Friedrich Weinbrenner, Heinrich Hübsch, Hermann Alker und Egon Eiermann eine wichtige Rolle gespielt. 

Die Baumeister

Sie prägten die Hochschule, Aussehen und Struktur von Karlsruhe und nachfolgende Architektengenerationen. Alleine Friedrich Weinbrenner, der Planer des Rathauses und der Pyramide auf dem Marktplatz, hat über 100 Schüler ausgebildet, darunter Heinrich Hübsch, der Weinbrenner als Leiter der badischen Baudirektion folgte. Dieser wiederum beeinflusste Schüler und Kollegen mit seiner Philosophie, die effiziente Konstruktion, sinnliche Erscheinung und ganzheitliche Gestaltung verband. Karl Friedrich Schinkel in Berlin nahm sich an Hübsch’ Auffassung und dessen Ziegelarchitektur ein Beispiel. 

Mit dem Karlsruher Architekten Hermann Reinhard Alker setzte ein weiterer Hochschullehrer mit dem Alker-Block ein Zeichen. Der Wohnblock war konservativ und modern zugleich, da er Elemente der Neuen Sachlichkeit mit den Grundformen der klassischen Blockrandbebauung verknüpfte. Zuvor hatte er mit der Tribüne des Hochschulstadions der TU eines seiner schönsten Projekte umgesetzt. Ein Ziegelsteinbau, der klar und sachlich wirkt und bei näherer Betrachtung in seiner detailverliebten Vielfalt überrascht. 

Nach dem Zweiten Weltkrieg war es Egon Eiermann, der an der Universität seine Schule der modernen Architektur etablierte. Hier lehrte er fast ein Vierteljahrhundert lang. Er zählt zu den bedeutendsten Architekten der Nachkriegsmoderne in Deutschland. In den 1930er-Jahren wurde er durch den Bau moderner Villen bekannt. Nach 1945 realisierte er zahlreiche Projekte im Stil der Nachkriegsmoderne, z. B. die Weberei in Blumberg, den Deutschen Pavillon auf der Brüsseler Expo 1958 (mit Sep Ruf) und den Neubau der zerstörten Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin. 

Ab den 1960er-Jahren stieg die Zahl der Studierenden stark an, so dass es in der Hochschul-Architektur große Veränderungen gab. Neue Lehrstühle und Fakultäten mit neuen Forschungsgebieten kamen hinzu mit markanten Bauten wie z. B. die Türme der Chemischen Institute von Schmitt Kasimir Partner (Fertigstellung 1967) oder die Pädagogische Hochschule und die Fachhochschulbauten von Erich Rossmann, Anton El­säs­ser, Wer­ner Groh, Theo Kause und Gün­ther See­mann (1968) im Stil des Brutalismus. 

Auch nach der Eiermann-Ära lehren und lehrten renommierte Professoren an der Universität, z. B. der niederländische Städteplaner Jo Coenen, der Schweizer Architekt Fritz Haller und Arno Lederer aus Stuttgart, der mit dem Büro Lederer Ragnarsdóttir Oei u. a. das Kaiserkarree (2011) und ein Wohn- und Geschäftshaus (2013) in Karlsruhe realisierte. Neue Projekte wie die Mensa von Jürgen Mayer H. (2006), der Multimediakomplex der Hochschule für Musik (2013) oder der Firmensitz von Weisenburger Bau von Pritzker-Preisträger Tadao Ando (im Bau) zeugen von der dynamischen Entwicklung in der Fächerstadt.

Die Fakultät für Architektur will weiterhin Wert auf eine breite, vielschichtige und zeitgemäße Lehre legen. So kooperiert man (teils seit Jahren) mit Kunst- und Kulturinstitutionen wie dem ZKM, der HfG Karlsruhe und der Erich-Schelling-Stiftung. Hinzu kommen über 50 internationale Partneruniversitäten in Europa und anderen Regionen. Grundsätzlich wird die Hochschullandschaft ein essentieller Bestandteil der Architekturzukunft Karlsruhe bleiben, gerade jetzt inmitten des Baubooms. Schließlich ist die Bau-DNS fester Teil der „Idealstadt“. 

» … wie wichtig, für den Staat und die Individuen, die ächte Bildung des Baumeisters sey. Bei Aufführung des einfachsten Bauerhauses, wie des grössten Prachtgebäudes, ist Er die Seele des Baues, der Geist, der das Ganze, bis in die kleinsten Theile, forschend und ordnend durchdringen muss. Er wirkt, durch seine Werke, kräftiger und dauernder, als Wort und Schrift, auf Sitte und Geschmack, auf Wohlstand und physische Wohl des Volkes. Er arbeitet, wie irgend einer, für Bedürfniss, Bequemlichkeit, Lebensgenuss und Veredlung, auch für Achtung der Nation im Auslande. Enkel und Urenkel ernten, wo er säete.«

Aus "Architektonisches Lehrbuch von Friedrich Weinbrenner, Grosherzogl. Badischem Oberbaudirektor", 1811
Heinrich Hübsch, 1846 (re.), Heinz Mohl 1990. Der Komplex zeigt die Architekturgeschichte von Karlsruhe auf einem Raum: entworfen vom Weinbrenner-Schüler Heinrich Hübsch, der wiederum eine neue Generation ausbildete, z. B. Josef Durm, der bei Heinrich Lang studierte und seine Staatsprüfung bei Hübsch ablegte. Durm verantwortete die Erweiterung der Kunsthalle (1896). Etwas über ein Jahrhundert später plante Prof. Heinz Mohl den modernen Erweiterungsbau. Mohl wiederum studierte bei Otto Haupt und Egon Eiermann.

Kunsthalle Karlsruhe

Heinrich Hübsch, 1846 (re.), Heinz Mohl 1990. Der Komplex zeigt die Architekturgeschichte von Karlsruhe auf einem Raum: entworfen vom Weinbrenner-Schüler Heinrich Hübsch, der wiederum eine neue Generation ausbildete, z. B. Josef Durm, der bei Heinrich Lang studierte und seine Staatsprüfung bei Hübsch ablegte. Durm verantwortete die Erweiterung der Kunsthalle (1896). Etwas über ein Jahrhundert später plante Prof. Heinz Mohl den modernen Erweiterungsbau. Mohl wiederum studierte bei Otto Haupt und Egon Eiermann.

Bild vergrößern (Kunsthalle Karlsruhe)(Abbildung © Jan Dimog)
Heinrich Lang, 1869. Wiederaufbau: 1958 durch das Staatliche Hochbauamt. Heinrich Lang (1824–1893) studierte bei Heinrich Hübsch und wurde Professor am Polytechnikum in Karlsruhe. Einer seiner Schüler war der Karlsruher Architekt und Forscher Josef Durm. Lang hat in Karlsruhe zahlreiche Gebäude realisiert, u. a. Schulen, Wohnhäuser, Villen, Geschäftshäuser und Hotels.

Pädagogische Hochschule (vorher Evang. Schullehrerseminar)

Heinrich Lang, 1869. Wiederaufbau: 1958 durch das Staatliche Hochbauamt. Heinrich Lang (1824–1893) studierte bei Heinrich Hübsch und wurde Professor am Polytechnikum in Karlsruhe. Einer seiner Schüler war der Karlsruher Architekt und Forscher Josef Durm. Lang hat in Karlsruhe zahlreiche Gebäude realisiert, u. a. Schulen, Wohnhäuser, Villen, Geschäftshäuser und Hotels.

Bild vergrößern (Pädagogische Hochschule (vorher Evang. Schullehrerseminar))(Abbildung © Jan Dimog)
Hermann Reinhard Alker, 1934. Der Tribünenbau war Teil eines Masterplans, der nicht vollständig ausgeführt wurde. Heute steht er inmitten von Universitätsbauten der Nachkriegsära. Alker studierte übrigens u. a. bei Josef Durm.

Hochschulstadion

Hermann Reinhard Alker, 1934. Der Tribünenbau war Teil eines Masterplans, der nicht vollständig ausgeführt wurde. Heute steht er inmitten von Universitätsbauten der Nachkriegsära. Alker studierte übrigens u. a. bei Josef Durm.

Bild vergrößern (Hochschulstadion)(Abbildung © Hendrik Bohle)
Otto und Peter Haupt, 1966. Otto Haupt (1891–1966) war Rektor der TH Karlsruhe Professor und gleichzeitig Direktor der Kunstakademie Karlsruhe.

KIT-Bibliothek Süd (li.), Hochschulstadion

Otto und Peter Haupt, 1966. Otto Haupt (1891–1966) war Rektor der TH Karlsruhe Professor und gleichzeitig Direktor der Kunstakademie Karlsruhe.

Bild vergrößern (KIT-Bibliothek Süd (li.), Hochschulstadion)(Abbildung © Hendrik Bohle)
Egon Eiermann, 1956. Die großflächig verglaste Halle ist eine Stahlkonstruktion und diente der Grundlagenforschung an Dampf- und Gasturbinen sowie ...

Versuchskraftwerk der Technischen Hochschule Karlsruhe

Egon Eiermann, 1956. Die großflächig verglaste Halle ist eine Stahlkonstruktion und diente der Grundlagenforschung an Dampf- und Gasturbinen sowie ...

Bild vergrößern (Versuchskraftwerk der Technischen Hochschule Karlsruhe)(Abbildung © Jan Dimog)
... wärmetechnischen Untersuchungen an Teilen von Kraftanlagen. Farben sind ein weiteres wichtiges Merkmal.

Versuchskraftwerk der Technischen Hochschule Karlsruhe

... wärmetechnischen Untersuchungen an Teilen von Kraftanlagen. Farben sind ein weiteres wichtiges Merkmal.

Bild vergrößern (Versuchskraftwerk der Technischen Hochschule Karlsruhe)(Abbildung © Jan Dimog)
Das Stahlskelett ist hellblau gestrichen; die Stahlfenster sind weiß, die nicht verglasten Außentüren gelb, Schornstein und Kühlturm silbergrau.

Versuchskraftwerk der Technischen Hochschule Karlsruhe

Das Stahlskelett ist hellblau gestrichen; die Stahlfenster sind weiß, die nicht verglasten Außentüren gelb, Schornstein und Kühlturm silbergrau.

Bild vergrößern (Versuchskraftwerk der Technischen Hochschule Karlsruhe)(Abbildung © Hendrik Bohle)
Klaus Arnold, 1960. Arnold (1928–2009) war Bildhauer, Maler und Rektor der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Er schuf zahlreiche Arbeiten im öffentlichen Raum und Kunst-am-Bau-Projekte wie Farbverglasungen (an Kirchen), Brunnenanlagen sowie Gestaltungen von Foyer des Schwedenpalais (heute Führungsakademie Baden-Württemberg, 1978).

Nusselt-Hörsaal

Klaus Arnold, 1960. Arnold (1928–2009) war Bildhauer, Maler und Rektor der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Er schuf zahlreiche Arbeiten im öffentlichen Raum und Kunst-am-Bau-Projekte wie Farbverglasungen (an Kirchen), Brunnenanlagen sowie Gestaltungen von Foyer des Schwedenpalais (heute Führungsakademie Baden-Württemberg, 1978).

Bild vergrößern (Nusselt-Hörsaal)(Abbildung © Jan Dimog)
Der kantige Betonbau auf Stelzen war viele Jahrzehnte der Hörsaal der Maschinenbauer. Arnold versah die Betonkapsel mit einem Relief aus Linien und Einkerbungen, die den Bau noch skulpturaler und UFO-ähnlicher machen. Seit 2009 ist der Hörsaal wegen Baufälligkeit gesperrt. Im Zuge der Entwicklung des Campus Süd soll der Hörsaal (Uni-Gebäude Nr. 10.23) abgerissen werden, ein Neubau für das Lern- und Anwendungszentrum Mechatronik wird hier entstehen.

Nusselt-Hörsaal

Der kantige Betonbau auf Stelzen war viele Jahrzehnte der Hörsaal der Maschinenbauer. Arnold versah die Betonkapsel mit einem Relief aus Linien und Einkerbungen, die den Bau noch skulpturaler und UFO-ähnlicher machen. Seit 2009 ist der Hörsaal wegen Baufälligkeit gesperrt. Im Zuge der Entwicklung des Campus Süd soll der Hörsaal (Uni-Gebäude Nr. 10.23) abgerissen werden, ein Neubau für das Lern- und Anwendungszentrum Mechatronik wird hier entstehen.

Bild vergrößern (Nusselt-Hörsaal)(Abbildung © Jan Dimog)
Günter Seemann, Erich Rossmann, Werner Groh, 1961. Erich Hauser gestaltete die Skulptur an der Fassade.

Campus-Gebäude der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft

Günter Seemann, Erich Rossmann, Werner Groh, 1961. Erich Hauser gestaltete die Skulptur an der Fassade.

Bild vergrößern (Campus-Gebäude der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft)(Abbildung © Jan Dimog)
Schmitt, Kasimir + Partner, 1967. Georg Kasimir und Herbert Schmitt haben beide bei Egon Eiermann studiert und gründeten 1960 ihr gemeinsames Büro. Ihre auch als Chemietürme bekannten und im Stil des Brutalismus geplanten Bauten auf dem Campus Süd der Universität Karlsruhe wurden 2016 durch den Architekten Michael Weindel saniert.

Chemische Institute

Schmitt, Kasimir + Partner, 1967. Georg Kasimir und Herbert Schmitt haben beide bei Egon Eiermann studiert und gründeten 1960 ihr gemeinsames Büro. Ihre auch als Chemietürme bekannten und im Stil des Brutalismus geplanten Bauten auf dem Campus Süd der Universität Karlsruhe wurden 2016 durch den Architekten Michael Weindel saniert.

Bild vergrößern (Chemische Institute)(Abbildung © Hendrik Bohle)
Sanierung 2012, Assem Architekten, Ursprungsbau 1974. Das Gebäude wurde 1974 in Skelettbauweise aus Stahlbetonelementen erstellt. Das Karlsruher Büro Assem Architekten war von 2004–2012 für die umfangreiche Schadstoffsanierung verantwortlich.

Pädagogische Hochschule

Sanierung 2012, Assem Architekten, Ursprungsbau 1974. Das Gebäude wurde 1974 in Skelettbauweise aus Stahlbetonelementen erstellt. Das Karlsruher Büro Assem Architekten war von 2004–2012 für die umfangreiche Schadstoffsanierung verantwortlich.

Bild vergrößern (Pädagogische Hochschule)(Abbildung © Jan Dimog)
Hinzu kamen die Entfernung sämtlicher Einbauten, um den gesamten Innenausbau und die Haustechnik neu zu installieren. Neben der Neugliederung der Raumstruktur stand im Zentrum der Modernisierung die Schaffung von neuen Kommunikations- und Aufenthaltsbereichen für die Studierenden. Helle, offene Zonen werden geschaffen und ermöglichen vielfältige Blick- und Sichtbeziehungen. Ein brutalistischer Bau, dem die Schwere genommen und der gut im 21. Jahrhundert angekommen ist.

Pädagogische Hochschule

Hinzu kamen die Entfernung sämtlicher Einbauten, um den gesamten Innenausbau und die Haustechnik neu zu installieren. Neben der Neugliederung der Raumstruktur stand im Zentrum der Modernisierung die Schaffung von neuen Kommunikations- und Aufenthaltsbereichen für die Studierenden. Helle, offene Zonen werden geschaffen und ermöglichen vielfältige Blick- und Sichtbeziehungen. Ein brutalistischer Bau, dem die Schwere genommen und der gut im 21. Jahrhundert angekommen ist.

Bild vergrößern (Pädagogische Hochschule)(Abbildung © Hendrik Bohle)
Umgeben von den Straßen Adenauerring, Am Fasanengarten und Parkstraße entstanden ab den 1960er-Jahren mehrere Komplexe im filigran-wuchtigen Betonstil jener Jahre.

KIT Fachschaft Informatik

Umgeben von den Straßen Adenauerring, Am Fasanengarten und Parkstraße entstanden ab den 1960er-Jahren mehrere Komplexe im filigran-wuchtigen Betonstil jener Jahre.

Bild vergrößern (KIT Fachschaft Informatik)(Abbildung © Jan Dimog)
Auf dem Areal sind die KIT-Fakultäten der Informatik, der Bau-, Geo- und Umweltwissenschaften sowie das TMB.

Institut für Technologie und Management im Baubetrieb (TMB)

Auf dem Areal sind die KIT-Fakultäten der Informatik, der Bau-, Geo- und Umweltwissenschaften sowie das TMB.

Bild vergrößern (Institut für Technologie und Management im Baubetrieb (TMB))(Abbildung © Jan Dimog)
Lederer Ragnarsdóttir Oei, 2013. Die Fassade besteht aus Betonfertigteilen. Diese sind in einem hellen Sandton gefärbt und wirken nahezu fugenlos. Lederer war von 1997–2005 Direktor des Lehrstuhls für Gebäudelehre an der Universität Karlsruhe. Seit 2005 ist er Leiter des Instituts für Öffentliche Bauten und Entwerfen an der Universität Stuttgart.

Wohn-, Büro- und Geschäftshaus

Lederer Ragnarsdóttir Oei, 2013. Die Fassade besteht aus Betonfertigteilen. Diese sind in einem hellen Sandton gefärbt und wirken nahezu fugenlos. Lederer war von 1997–2005 Direktor des Lehrstuhls für Gebäudelehre an der Universität Karlsruhe. Seit 2005 ist er Leiter des Instituts für Öffentliche Bauten und Entwerfen an der Universität Stuttgart.

Bild vergrößern (Wohn-, Büro- und Geschäftshaus)(Abbildung © Hendrik Bohle)
Fischer Rüdenauer Architekten, 2013. Der 80 m lange Neubau vereint alle Einrichtungen der Hochschule für Musik. Die ungewöhnliche Fassade besteht aus polygonal geformten Keramikhohlelementen.

Multimediakomplex MUT

Fischer Rüdenauer Architekten, 2013. Der 80 m lange Neubau vereint alle Einrichtungen der Hochschule für Musik. Die ungewöhnliche Fassade besteht aus polygonal geformten Keramikhohlelementen.

Bild vergrößern (Multimediakomplex MUT)(Abbildung © Hendrik Bohle)
Valentyn Architekten, 2016. Die Kölner Architekten entwarfen auf dem Campus Süd in Nachbarschaft zum KIT-Audimax und den Chemietürmen zwei im 90-Grad-Winkel zueinander angeordnete Bauten – das eine mit zwei, das andere mit drei Obergeschossen, beide auf Betonsockeln, kantig und organisch-weich zugleich.

Laborgebäude MZE und Mikrotribologie Centrum

Valentyn Architekten, 2016. Die Kölner Architekten entwarfen auf dem Campus Süd in Nachbarschaft zum KIT-Audimax und den Chemietürmen zwei im 90-Grad-Winkel zueinander angeordnete Bauten – das eine mit zwei, das andere mit drei Obergeschossen, beide auf Betonsockeln, kantig und organisch-weich zugleich.

Bild vergrößern (Laborgebäude MZE und Mikrotribologie Centrum)(Abbildung © Hendrik Bohle)

»Wer als Künstler die Baukunst gründlich studirt, muss geleitet werden, von den Anfangsgründen des geometrischen Zeichnens, der Optik und der Perspektiv, zu der Lehre von der Holz- und SteinConstruction, von dieser zu der Theorie der Säulen und Verzierungen, endlich zu den übrigen Details der Gebäude und zu ihrer Ausführung.«

Aus "Architektonisches Lehrbuch von Friedrich Weinbrenner, Grosherzogl. Badischem Oberbaudirektor", 1811

KIT – Karlsruher Institut für Technologie

Das KIT ist die größte Universität von Karlsruhe. Die Elite-Uni wurde 2009 durch einen Zusammenschluss der Universität Karlsruhe und des Forschungszentrums Karlsruhe gegründet. Das KIT ist über mehrere Standorte verteilt, das Zentrum ist in der Innenstadt-Ost mit über 25.000 Studierenden und den großen Bereichen Ingenieurwissenschaften, Mathematik, Naturwissenschaften und Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Hinzu kommen die kleinere Fachbereiche wie Geistes- und Sportwissenschaften. Auf dem Campus-Gelände sind auch die Mensa und die KIT-Bibliothek. Das KIT ist eine Technische Universität des Landes Baden-Württemberg und ein nationales Forschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft.

Friedrich Weinbrenner

1766–1826, geboren und gestorben in Karlsruhe, Stadtplaner und Baumeister des Klassizismus. Absolvierte eine Zimmermannslehre im Betrieb seines Vaters. Studium der Architektur in Wien mit Studienaufenthalten in Wien, Dresden und Berlin. Weitere archäologische Studien in Rom, Pompeji und Herculaneum. Ab 1800 kehrte er nach Karlsruhe zurück, wo er schnell Karriere machte: als Badischer Baudirektor und als Leiter einer staatlich geförderten privaten Bauschule. Diese ging 1825 in der neu gegründeten Polytechnischen Schule Karlsruhe auf, der Vorgängerin der Universität Karlsruhe, dem heutigen Karlsruher Instituts für Technologie. Weinbrenner bildete über 100 Schuüler aus und prägte Architektengenerationen mit seinem „Weinbrenner-Stil“. Seine Hauptaufgabe jedoch bestand im Umbau der Residenz Karlsruhe in die Hauptstadt des Landes Baden. Wichtige Projekte (Auswahl): Rathaus (1825), Evangelische und Katholische Stadtkirche (1816 und 1814), Karlsruher Pyramide (1825) sowie weitere Bauten in Karlsruhe, Baden-Baden und anderen Städten.

Heinrich Hübsch

1795–1863, in Weinheim geboren, in Karlsruhe gestorben. Architekt, Hochschullehrer und großherzoglich badischer Baubeamter in Karlruhe. Studium an der Bauschule von Friedrich Weinbrenner und dessen direkter Nachfolger als Leiter der badischen Baudirektion, wo er von 1832–1854 lehrte. Wichtige Projekte in Karlsruhe (Auswahl): Bau der Polytechnischen Schule (1833), Kunsthalle (1846), Orangerie (1857). Weitere Bauten in Baden-Baden, Bruchsal sowie Sakralbauten u. a. in Wuppertal und Ludwigshafen. Seine Bauten, Schriften und Architekturauffassung (effiziente Konstruktion, sinnliche Erscheinung, Farbigkeit der Materialien und die Integration von Kunstwerken) hatten Einfluss auf andere Architekten wie z. B. Karl Friedrich Schinkel in Berlin und Friedrich von Gärtner in München.

Hermann Reinhard Alker

1885–1967, geboren in Lambrecht, gestorben in Karlsruhe. Deutscher Architekt. 1904–1911 Studium an der TH Karlsruhe u. a. bei Carl Schäfer und Friedrich Ostendorf. Er war Assistent im Büro Ostendorfs und vertrat ihn ab 1914 auch auf dessen Lehrstuhl. Ab 1913 war er als Baupraktikant in der Staatlichen Hochbauverwaltung tätig, ab 1918 Assistent bei Karl Caesar (1874–1942) an der Karlsruher Hochschule. Regierungsbaumeister ab 1919. 1920 promovierte er bei Walter Sackur (1871–1926) und habilitierte. Ab 1920/21 hatte er an der TH Karlsruhe einen Lehrauftrag inne, 1924 erhielt er eine außerordentliche Professur. 1935 wurde er von den Nationalsozialisten als einer von zwölf Durlacher Stadtverordneten eingesetzt. 1936 erhielt er den Kulturpreis des Gauleiters in Baden. Am 1. September 1937 wurde Alker von Adolf Hitler zum "Stadtbaurat mit besonderen Aufgaben" in München ernannt und übernahm die Leitung der "Sonderbaubehörde Ausbau der Hauptstadt der Bewegung". Auf Weisung Hitlers wurde Alker aber bereits am 27. Juni 1938 ohne Angabe von Gründen mit sofortiger Wirkung wieder entlassen. 1939 erhielt Alker eine ordentliche Professur an der TH Karlsruhe. Im selben Jahr erkannte man ihm den 1. Preis im Wettbewerb um einen Entwurf für das Funkhaus des "Reichssenders Stuttgart" zu, dieser Entwurf wurde allerdings nicht ausgeführt. Ab 1940 lehrte er in Nachfolge von Hermann Billing an der Karlsruher Hochschule. Wegen seiner NS-Vergangenheit wurde Alker von der Militärregierung am 30. Juni 1945 vom Hochschuldienst ausgeschlossen und 1950 nachträglich emeritiert. Im Nachkriegsdeutschland war er als freischaffender Architekt tätig.

Egon Eiermann

1904–1970, geb. in Neuendorf, gestorben in Baden-Baden. Architekt, Möbeldesigner, Hochschullehrer. Er gilt als einer der bedeutendsten Architekten der Nachkriegsmoderne mit der Betonung der Geometrien, Funktionalität und filigranen Präzision. Er war Professor an der Architekturfakultät der Technischen Hochschule Karlsruhe. Seine in Stahlskelettbauweise ausgeführten Industriebauten wurden zum Vorbild für den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Projektauswahl: Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, 1963; deutsche Botschaft in Washington, D.C., 1964; Abgeordneten-Hochhaus des Bundestags in Bonn („Langer Eugen“), 1969.

Lederer Ragnarsdóttir Oei

Mehrfach ausgezeichnetes Architekturbüro mit Sitz in Stuttgart. 1979 gegründet und heute von Arno Lederer, Jórunn Ragnarsdóttir, Marc Oei geleitet. Projektauswahl: Sanierung und Erneuerung Staatstheater Darmstadt, 2006; Büro- und Geschäftshaus Kaiserkarree in Karlsruhe, 2011; Kunstmuseum Ravensburg, 2013.