Groninger Gelassenheit

“Stadt der Talente”: so bewirbt sich die 230.000-Einwohnerstadt im Norden der Niederlande. Weit über 50.000 junge Menschen studieren hier an der Universität und der Fachhochschule und bilden einen Teil der Talente, von denen sich die Stadt Impulse, Ideen und Inspirationen erhofft. Verantwortliche und Bürgerschaft haben Kreative und Kunstschaffende oft unterstützt und gefördert, auch in der Architektur.

Ein Stadtrundgang zu den besonderen Bauten ist entspannt. Das liegt an der Groninger Gelassenheit und der für die Niederlande typischen Infrastruktur, die dem Gehen und Fahrradfahren Priorität einräumt. Eine gute Art, um Architektur in den Niederlanden zu erkunden. Hinzu kommt die kompakte Größe Groningens. Die meisten sehenswerten Projekte – ob Backsteinexpressionismus der Amsterdamer Schule, Projekte ab den 1990ern oder Pavillons von Bernard Tschumi, dem französisch-schweizerischen Architekten des Akropolismuseum in Athen – befinden sich in der “Binnenstad”, dem Zentrum, das keine anderthalb Kilometer Durchmesser misst. Vom Groninger Museum am Hauptbahnhof sind es etwa ein Kilometer bis zur mittelalterlichen Martinikirche am Grote Markt. Mit dem Fahrrad sind es ca. 5 Minuten. 

Hauptbahnhof. Architekt: Isaac Gosschalk. Fertigstellung: 1896. Der aus Amsterdam stammende Gosschalk (1838 –1907) verband für das Gebäude niederländische Renaissance mit Neogotik.
Hauptbahnhof Architekt: Isaac Gosschalk. Fertigstellung: 1896. Der aus Amsterdam stammende Gosschalk (1838 –1907) verband für das Gebäude niederländische Renaissance mit Neogotik. © Hendrik Bohle
Kornbörse. Architekt: J.G. van Beusekom. Fertigstellung: 1865. Der Stadtarchitekt entwarf den Bau mit der neoklassizistischen Fassade während einer neuen Blütezeit des Getreidehandels.
Kornbörse Architekt: J.G. van Beusekom. Fertigstellung: 1865. Der Stadtarchitekt entwarf den Bau mit der neoklassizistischen Fassade während einer neuen Blütezeit des Getreidehandels. © Jan Dimog
Waagstraatcomplex. Architekturbüro: Adolfo Natalini, Natalini Architetti. Fertigstellung: 1996. Für den Wiederaufbau des Komplexes rekonstruierte das Büro auch das Gebäude der Goldbörse.
Waagstraatcomplex Architekturbüro: Adolfo Natalini, Natalini Architetti. Fertigstellung: 1996. Für den Wiederaufbau des Komplexes rekonstruierte das Büro auch das Gebäude der Goldbörse. © Hendrik Bohle
Bushaltestelle/Pavillon. Architekt: Rem Koolhaas. 1990 beauftragte das Groninger Museum fünf Architekten damit, im Rahmen der Ausstellung "What a Wonderful World" Pavillons zu entwerfen, in dem während der Ausstellung kurze Videofilme gezeigt werden sollten. Der von Koolhaas gestaltete Pavillon steht noch an ursprünglicher Stelle wie auch die Konstruktion von Bernard Tschumi.
Bushaltestelle/Pavillon Architekt: Rem Koolhaas. 1990 beauftragte das Groninger Museum fünf Architekten damit, im Rahmen der Ausstellung "What a Wonderful World" Pavillons zu entwerfen, in dem während der Ausstellung kurze Videofilme gezeigt werden sollten. Der von Koolhaas gestaltete Pavillon steht noch an ursprünglicher Stelle wie auch die Konstruktion von Bernard Tschumi. © Hendrik Bohle
Universitätsklinik. "University Medical Center Groningen" (UMCG): eine Stadt in der Stadt mit 17.000 Angestellten und fast 1.400 Betten.
Universitätsklinik "University Medical Center Groningen" (UMCG): eine Stadt in der Stadt mit 17.000 Angestellten und fast 1.400 Betten. © Hendrik Bohle

Amsterdamer Schule

Groningen war einst Hansestadt. Nordisch-niederländische Ziegelbauten gehören zum Stadtbild. Experimente ebenfalls, gut an den Gebäuden der Amsterdamer Schule zu sehen. Diese entstand im frühen 20. Jahrhundert, als der Architekt Jan Gratama (1877–1947) eine Gruppe junger Architekten 1916 so bezeichnete. Diese bezogen sich in ihrem Schaffen und Stil auf Hendrik Petrus Berlage, der als Pionier der modernen, niederländischen Architektur gilt. Hauptmerkmale der Amsterdamer Schule sind die Verwendung von Backstein und eine ausgeprägte Fassadengestaltung mit starker Gliederung und Verzierungen am Mauerwerk. Typisch sind auch die horizontalen, breiten Fenster. Einige Gebäuden weisen zudem Elemente des Kubismus, Art déco und De Stijl auf.

In Deutschland entwickelte sich zeitgleich zur Amsterdamer Schule und zu den Anfängen des Bauhaus mit dem Backsteinexpressionismus eine Variante expressionistischer Architektur mit ornamentalen, teils eigenwilligen Formen und kantigen, spitzen Elementen, ergänzt um Plastiken und Keramiken bei der Dekoration.

In der Provinz Groningen war die Amsterdamer Schule besonders populär mit Architektur von Egbert Reitsma, Siebe Jan Bouma und Evert Linge. Der Groninger Architekt und Stadtplaner Siebe Jan Bouma (1899–1959) übertrug die Philosophie der Amsterdamer Schule in das Stadtbild seines Heimatortes auf eine mannigfaltige Weise. Bevor er Stadtarchitekt wurde, arbeitete er als Zimmermann und Bauzeichner. Das erklärt die Vielfalt seiner Entwürfe, die von Umspannwerken, Schulen über Wohnbauten und öffentliche Einrichtungen bis hin zu Stadtmöbel und Laternenmasten reichten. 

Vensterschool. In der Parkstraße, S.J. Bouma. Fertigstellung: 1927. Die Vorder- und Rückseite unterscheiden sich stark. Die Amsterdamer Schule zeigt sich vorne mit einer geschlossenen, gegliederten Front und ...
Vensterschool In der Parkstraße, S.J. Bouma. Fertigstellung: 1927. Die Vorder- und Rückseite unterscheiden sich stark. Die Amsterdamer Schule zeigt sich vorne mit einer geschlossenen, gegliederten Front und ... © Jan Dimog
Vensterschool. ... mit Variationen der Fensterformen. Auf der Rückseite wirkt das Gebäude mit den vielen Fenstern und der einheitlichen Gestaltung heiter und offen.
Vensterschool ... mit Variationen der Fensterformen. Auf der Rückseite wirkt das Gebäude mit den vielen Fenstern und der einheitlichen Gestaltung heiter und offen. © Jan Dimog
Simon van Hasseltschool. Siebe Jan Bouma, 1928 fertiggestellt.
Simon van Hasseltschool Siebe Jan Bouma, 1928 fertiggestellt. © Hendrik Bohle
Schule an der Jan Hissink Jansenstraat. Entwurf: S. J. Bouma. Fertigstellung: 1926. Das langgezogene Schulgebäude besteht aus verschiedenen Baukörpern mit unterschiedlichen Fassadenflächen und Dachformen sowie großen Fenstern. Seit 2002 ist der Komplex eine Wohnanlage.
Schule an der Jan Hissink Jansenstraat Entwurf: S. J. Bouma. Fertigstellung: 1926. Das langgezogene Schulgebäude besteht aus verschiedenen Baukörpern mit unterschiedlichen Fassadenflächen und Dachformen sowie großen Fenstern. Seit 2002 ist der Komplex eine Wohnanlage. © Hendrik Bohle
S. J. Boumaschool. Entwurf: S. J. Bouma. Fertigstellung: 1932.
S. J. Boumaschool Entwurf: S. J. Bouma. Fertigstellung: 1932. © Hendrik Bohle
S. J. Boumaschool. Mit den typischen Treppenfenstern …
S. J. Boumaschool Mit den typischen Treppenfenstern … © Hendrik Bohle
S. J. Boumaschool. … und Buntglasfenstern im Treppenhaus.
S. J. Boumaschool … und Buntglasfenstern im Treppenhaus. © Hendrik Bohle
Grafikmuseum. In der Rabenhauptstraat, Siebe Jan Bouma. Fertigstellung: 1929. Kubistische Formen prägen das Gebäude, gut am turmartigen Schornsteinschacht zu sehen. Willem Valk gestaltete den Pelikan über dem Hauteingang, ein Symbol für Fürsorge und Aufmerksamkeit für Kinder. Das Gebäude war ursprünglich eine Schule. Heute befindet sich ein Architekturbüro in dem historischen Bau.
Grafikmuseum In der Rabenhauptstraat, Siebe Jan Bouma. Fertigstellung: 1929. Kubistische Formen prägen das Gebäude, gut am turmartigen Schornsteinschacht zu sehen. Willem Valk gestaltete den Pelikan über dem Hauteingang, ein Symbol für Fürsorge und Aufmerksamkeit für Kinder. Das Gebäude war ursprünglich eine Schule. Heute befindet sich ein Architekturbüro in dem historischen Bau. © Hendrik Bohle
Gemeentewerken (Dienst RO/EZ). Stadtwerke in der Ubbo Emmiusstraat, Siebe Jan Bouma. Fertigstellung: 1928. Das Spiel mit vertikaler und horizontaler Struktur und Kunst des Groninger Bildhauers Willem Valk (1898–1977)
Gemeentewerken (Dienst RO/EZ) Stadtwerke in der Ubbo Emmiusstraat, Siebe Jan Bouma. Fertigstellung: 1928. Das Spiel mit vertikaler und horizontaler Struktur und Kunst des Groninger Bildhauers Willem Valk (1898–1977) © Hendrik Bohle
Oosterkerk. Jan Kuiler (1883–1952) und Lucas Drewes (1870–1969) war ein Architektenduo aus Groningen, wo sie für den Bau mehrerer Gebäude verantwortlich waren – darunter auch die expressionistische Kirche, das ein "Rijksmonument" ist, ein nationales Denkmal.
Oosterkerk Jan Kuiler (1883–1952) und Lucas Drewes (1870–1969) war ein Architektenduo aus Groningen, wo sie für den Bau mehrerer Gebäude verantwortlich waren – darunter auch die expressionistische Kirche, das ein "Rijksmonument" ist, ein nationales Denkmal. © Hendrik Bohle

25 Jahre Groninger Museum

Symbolhaft, bunt, formenreich – das Groninger Museum gegenüber des Hauptbahnhofs ist ein Statement. Wer aus dem Zug steigt und gen Innenstadt geht, muss zwangsläufig an dem Kunstmuseum vorbei. Der Weg ist ein Kunstparkour mit der Skulptur des italienischen Großdesigners Alessandro Mendini, auf der Unterseite der Brücke befinden sich Aufkleber des belgischen Künstlers Wim Delvoye. So eindrücklich und farbig das Museum ist, zu Beginn des Projekts wurde lange und intensiv darum gerungen, so Museumsdirektor Andreas Blühm bei unserem Rundgang. Die Bewohner der nahen Patrizierhäuser fürchteten um den Wert ihrer Immobilien, andere kritisierten die Exzentrik des Entwurfs. Der damalige Museumsdirektor Frans Haks (1938–2006) hatte Mendini als Chefarchitekten für den Neubau beauftragt, da das alte Haus den neuen Anforderungen nach 100 Jahren nicht mehr gerecht wurde. Der Mailänder Meister der selbstsicheren Stil-Synthese lud drei Gastarchitekten ein. Diese Offerte war zugleich die Lösung, die in der “Auflösung” des Museums in drei Pavillons bestand: der zylindrisch-silbrige Philippe Starck-Bau mit dem Backsteinpavillon von Michele de Lucchi, der gelbe Turm von Alessandro Mendini und die dekonstruktivistische Innen-Außen-Struktur von Coop Himmelb(l)au aus Österreich. Der Komplex erscheint durchlässig, offen und wie ein Zusammenspiel von Formen- und Raumensembles. Solisten mit starkem Ego in einem Orchester, das herausfordert und sich mit Sicherheit nicht einschmeicheln möchte. Der Komplex gleicht einer Insel und hat drei große, im Wasser liegende Baukörper, die über Wege und Plätze miteinander verbunden sind. Der mittlere Teil von Mendini ist das Herzstück. Er wird von dem goldenen Turm überragt, den der italienische Designer und Architekt als Depot geplant hatte. Der Pavillon des Gastarchitekten Michele de Lucchi ähnelt einer Backsteinfestung und ist ein Verweis auf die Geschichte der Stadt. Oberhalb des de Lucchi-Baus ist der Starck-Pavillon, der in seiner runden Form an eine Töpferscheibe erinnert. Die Inszenierung mit Gardinen und Vitrinen in Form von großen Eiswürfeln passt zum symbolträchtigen Gebäude. Das Grau steht für die Farbe des Töpfertons, die Risse im Boden und an den Wänden für die narbig-maschenartigen Haarrisse und Sprünge auf der Oberfläche von Steinen, Ölgemälden, Lackierungen und Keramiken. 

Der Querkopf der Architekturorchesters ist der Entwurf des Wiener Büros Coop Himmelb(l)au. Frei von Symmetrie schieben sich Teile des Pavillons hinaus, scheinen Räume zu stürzen, Wände zu kippen, Wege zu schweben. Stärker und kompromissloser als in ihrem ebenfalls gelungenen Musée des Confluences in Lyon, Frankreich. Der größte Teil wurde auf einer Schiffswerft nahe Groningen gebaut. Vieles bezieht sich auf den Schiffsbau, die Farben wiederum beziehen sich auf das im Bau verwendete Grundmaterial. Grau steht für Beton, Rot für Stahl, Schwarz für Teer. 

Das Museum ist sich auch bei der Revitalisierung treu geblieben. Museumsdirektor Blühm erklärt, dass man nach Mendinis Zustimmung junge Designer wie Maarten Baas, Studio Job und Jaime Hayon beauftragte mehrere Räume, das Restaurant und die Job Lounge sowie das Info Center neu zu gestalten. 2019 ist das Jubiläumsjahr für das Groninger Museum, das es mit einem prallen Ausstellungsprogramm zelebriert. Von “Mondo Mendini” des Chefarchitekten Alessandro Mendini, der im Frühjahr 2019 verstarb bis zu dem eigens für das Groninger Museum entwickelten Kunstwerk des Designavantgardisten Daan Roosegaarde. Der Titel der interaktiven Arbeit: Presence. 

Groninger Museum. Michele de Lucchi, Alessandro Mendini, Philippe Starck, Coop Himmelb(l)au. Fertigstellung: 1994
Groninger Museum Michele de Lucchi, Alessandro Mendini, Philippe Starck, Coop Himmelb(l)au. Fertigstellung: 1994 © Hendrik Bohle
Groninger Museum. Wir waren mit Museumsdirektor Dr. Andreas Blühm im Komplex unterwegs. Der 1959 in Berlin geborene Kunsthistoriker ist seit 2012 Leiter des Groninger Museums.
Groninger Museum Wir waren mit Museumsdirektor Dr. Andreas Blühm im Komplex unterwegs. Der 1959 in Berlin geborene Kunsthistoriker ist seit 2012 Leiter des Groninger Museums. © Jan Dimog
Groninger Museum. ... Stationen zuvor: Volontariat am Museum für Kunst und Kunstgeschichte der Hansestadt Lübeck, Ausstellungsleiter am Museum Ostdeutsche Galerie Regensburg, Leitung des Wallraf-Richartz-Museum in Köln. Seit 2016 lehrt er auch als Professor für Kunstgeschichte an der Universität Groningen.
Groninger Museum ... Stationen zuvor: Volontariat am Museum für Kunst und Kunstgeschichte der Hansestadt Lübeck, Ausstellungsleiter am Museum Ostdeutsche Galerie Regensburg, Leitung des Wallraf-Richartz-Museum in Köln. Seit 2016 lehrt er auch als Professor für Kunstgeschichte an der Universität Groningen. © Jan Dimog
Groninger Museum. Der gelbe Turm von Alessandro Mendini
Groninger Museum Der gelbe Turm von Alessandro Mendini © Hendrik Bohle
Groninger Museum. Die von Mendini gestaltete Wendeltreppe als Kunstwerk an sich mit tausenden Mosaiksteinen. Vom Eingangsbereich geht es hinunter zur Kunst.
Groninger Museum Die von Mendini gestaltete Wendeltreppe als Kunstwerk an sich mit tausenden Mosaiksteinen. Vom Eingangsbereich geht es hinunter zur Kunst. © Jan Dimog
Groninger Museum. Der französische Designer Philippe Starck entwarf den Pavillon für Kunsthandwerk, unterstützt vom Groninger Künstler Albert Geertjes.
Groninger Museum Der französische Designer Philippe Starck entwarf den Pavillon für Kunsthandwerk, unterstützt vom Groninger Künstler Albert Geertjes. © Hendrik Bohle
Groninger Museum. Der Pavillon der Wiener Avantgardisten und Dekonstruktivisten Coop Himmelb(l)au
Groninger Museum Der Pavillon der Wiener Avantgardisten und Dekonstruktivisten Coop Himmelb(l)au © Jan Dimog
Groninger Museum. Das Museum zelebriert 2019 das 25jährige Bestehen des Mendini-de Lucchi-Starck, Coop Himmelb(l)au-Komplexes mit einem üppigen und teils spektakulären Programm. Darunter eine eigens für das Museum entwickelte Arbeit des Künstlers Daan Roosegaarde.
Groninger Museum Das Museum zelebriert 2019 das 25jährige Bestehen des Mendini-de Lucchi-Starck, Coop Himmelb(l)au-Komplexes mit einem üppigen und teils spektakulären Programm. Darunter eine eigens für das Museum entwickelte Arbeit des Künstlers Daan Roosegaarde. © Hendrik Bohle
Groninger Museum. Der innere Aufbau des Komplexes erschließt sich nicht zwangsläufig. Die Bereiche der Pavillons und Verbindungswege sind teils labyrinthisch, teils verwinkelt.
Groninger Museum Der innere Aufbau des Komplexes erschließt sich nicht zwangsläufig. Die Bereiche der Pavillons und Verbindungswege sind teils labyrinthisch, teils verwinkelt. © Jan Dimog
Groninger Museum. Dazu kommen die unterschiedlichen Sammlungen und Themenbereiche mit entsprechender Gestaltung und (Licht)Atmosphäre. Die Architektur und die Dauer- und Sonderausstellungen erfordern Zeit und Muße und sind im Zusammenspiel ein Erlebnis.
Groninger Museum Dazu kommen die unterschiedlichen Sammlungen und Themenbereiche mit entsprechender Gestaltung und (Licht)Atmosphäre. Die Architektur und die Dauer- und Sonderausstellungen erfordern Zeit und Muße und sind im Zusammenspiel ein Erlebnis. © Jan Dimog

Zeitgenössische Architektur

Die historischen Gebäude der Innenstadt bestimmen das Bild der fast 1000 Jahre alten Hansestadt Groningen. Doch sowohl hier als auch außerhalb des Zentrums sind viele zeitgenössische Bauten entstanden. Bemerkenswert ist der Mut zu Architektur mit ungewöhnlichen Formen und Farben und das Zusammenspiel aus Kubaturen und Komplexität, das oft leicht, heiter und damit sehr souverän daherkommt. Das organisch-asymmetrische Gasunie-Gebäude aus den Neunzigerjahren spielte in der Entwicklung der neueren Stadtgeschichte eine wichtige Rolle. Das 2001 fertiggestellte Wall House II des tschechisch-amerikanischen Baukünstlers und Architekturlehrers John Hejduk wiederum erscheint skulptural und surreal. Ein Haus der Farben, Symbolik und fast ohne Ecken. Es steht stellvertretend für Groningens Herangehensweise an die Möglichkeiten der heutigen Architektur. In vielen Neubauten führen die Planer und Gestalter Asymmetrie, Nonkonformistisches und die meisterhafte Nutzung der heutigen Technologien zusammen. Ohne Selbstzweck zu sein. Auch das ist ein Talent Groningens. 

Wall House II. John Hejduk, 2001.
Wall House II John Hejduk, 2001. © Hendrik Bohle
Gasunie. Alberts & Van Huut, 1994. 18 Stockwerke und 89 Meter hoch: eines der bekanntesten Gebäude Groningens und lange das zweithöchste der Stadt (abgelöst durch Kempkensberg, das neue Finanzamt von UN). Königin Beatrix eröffnete das Hauptquartier von Gasunie, das die Architekten als "organisches Gebäude" beschreiben. Links: "La Liberté" von Dominique Perrault.
Gasunie Alberts & Van Huut, 1994. 18 Stockwerke und 89 Meter hoch: eines der bekanntesten Gebäude Groningens und lange das zweithöchste der Stadt (abgelöst durch Kempkensberg, das neue Finanzamt von UN). Königin Beatrix eröffnete das Hauptquartier von Gasunie, das die Architekten als "organisches Gebäude" beschreiben. Links: "La Liberté" von Dominique Perrault. © Jan Dimog
Forum. NL Architects, im Bau. Das 1997 von Pieter Bannenberg, Walter van Dijk, Kamiel Klaasse and Mark Linnemann gegründete Büro sieht eine Art "gebautes Wikipedia" für Groningen vor. Ein mächtiger, dominanter Kulturbau, der öffentlicher Platz, Wissenshaus und Treffpunkt der Stadt werden soll.
Forum NL Architects, im Bau. Das 1997 von Pieter Bannenberg, Walter van Dijk, Kamiel Klaasse and Mark Linnemann gegründete Büro sieht eine Art "gebautes Wikipedia" für Groningen vor. Ein mächtiger, dominanter Kulturbau, der öffentlicher Platz, Wissenshaus und Treffpunkt der Stadt werden soll. © Hendrik Bohle
De Rokade. Arons en Gelauff Architecten, 2008. Der Wohnturm ist 63 Meter hoch und gehört mit seinen 21 Etagen zu den höchsten Gebäuden der Stadt. "De Intense Stad" war ein Baumanifest und Plan der Stadt zur Verdichtung und Anbindung der Stadtteile an das Zentrum. „Die Rochade“ ist eines der ersten sichtbaren Ergebnisse dieses Vorhabens. Die Landschaftsarchitektur stammt von Kraaivanger Urbis.
De Rokade Arons en Gelauff Architecten, 2008. Der Wohnturm ist 63 Meter hoch und gehört mit seinen 21 Etagen zu den höchsten Gebäuden der Stadt. "De Intense Stad" war ein Baumanifest und Plan der Stadt zur Verdichtung und Anbindung der Stadtteile an das Zentrum. „Die Rochade“ ist eines der ersten sichtbaren Ergebnisse dieses Vorhabens. Die Landschaftsarchitektur stammt von Kraaivanger Urbis. © Jan Dimog
Kempkensberg. UNStudio, 2011. Der Komplex mit den fließenden Formen des renommierten niederländischen Architekturbüros von Ben van Berkel und Caroline Bos markiert eine neue Zeit in Groningens Stadtbild. UNStudio krönt die Anlage mit einem Hochhaus, das mit 92 Meter Höhe fast so hoch ist wie die traditionelle Landmarke, die Martinikirche mit dem 97 Meter hohen Martiniturm.
Kempkensberg UNStudio, 2011. Der Komplex mit den fließenden Formen des renommierten niederländischen Architekturbüros von Ben van Berkel und Caroline Bos markiert eine neue Zeit in Groningens Stadtbild. UNStudio krönt die Anlage mit einem Hochhaus, das mit 92 Meter Höhe fast so hoch ist wie die traditionelle Landmarke, die Martinikirche mit dem 97 Meter hohen Martiniturm. © Hendrik Bohle
Kempkensberg. Die Fassade des Bürogebäudes besteht aus verschiedenen Elementen wie z. B. Aluminiumlamellen, die auch der Regulierung z. B. des Lichteinfalls dienen.
Kempkensberg Die Fassade des Bürogebäudes besteht aus verschiedenen Elementen wie z. B. Aluminiumlamellen, die auch der Regulierung z. B. des Lichteinfalls dienen. © Hendrik Bohle
Kempkensberg. Insgesamt arbeiten über 2.000 Menschen in dem Gebäude des Finanzamtes, das zu einem der nachhaltigsten Bürobauten der Niederlande zählt. Hinzu kommen Parkplätze für 600 Fahrzeuge und – wie sollte es in diesem Fahrrad-freundlichen Land anders sein – für 1.500 Zweiräder. Das Zentrum der Anlage ist die Parkanlage, zu dem auch der Gartenpavillon Sterrebos gehört.
Kempkensberg Insgesamt arbeiten über 2.000 Menschen in dem Gebäude des Finanzamtes, das zu einem der nachhaltigsten Bürobauten der Niederlande zählt. Hinzu kommen Parkplätze für 600 Fahrzeuge und – wie sollte es in diesem Fahrrad-freundlichen Land anders sein – für 1.500 Zweiräder. Das Zentrum der Anlage ist die Parkanlage, zu dem auch der Gartenpavillon Sterrebos gehört. © Hendrik Bohle
La Liberté. Dominique Perrault Architecture (mit Oving Architekten), 2012. Büros, einem Hotel und Sozialbauwohnungen.
La Liberté Dominique Perrault Architecture (mit Oving Architekten), 2012. Büros, einem Hotel und Sozialbauwohnungen. © Hendrik Bohle
DOT. CIG Architecture, 2014. Café und Restaurant mit Veranstaltungsräumen.
DOT CIG Architecture, 2014. Café und Restaurant mit Veranstaltungsräumen. © Jan Dimog

Wir danken Marketing Groningen / Visit Groningen sowie den Partnern für die Einladung zu der redaktionell unabhängigen Recherchereise! Weitere Architekturgeschichten über die Baukunst in den Niederlanden: hier.

Von Jan Dimog Publizist und Gründer, veröffentlicht am .