Rathaus Mainz
Bauwerk :
Politische Moderne am Rhein: Mainz hatte seit Jahrhunderten kein repräsentatives Rathaus mehr, als die Stadt Ende der 1960er-Jahre den Neubau am heutigen Jockel-Fuchs-Platz plante. Arne Jacobsen und Otto Weitling entwickelten ein Haus, das Verwaltung, Stadtbild und Öffentlichkeit verbindet. Das Rathaus steht zwischen Altstadt, Rhein und Rheinstraße; eine Brücke bindet das erhöhte Plateau an die Fußgängerzone an. Drei Gebäudeflügel umschließen einen dreieckigen Innenhof. Zum Rhein tritt der Ratssaal als eigener Baukörper hervor. Die Fassade verbindet helle Steinflächen, dunkle Sonnenschutzraster und raumhohe Fenster zu einem blockhaften, tief gegliederten Baukörper. Innen zeigt sich der Anspruch als Gesamtkunstwerk: Eingangshalle, röhrenförmige Aufzüge, Foyers, Wandverkleidungen, Leuchten, Uhren, Möbel und Ratssaal folgen einer gemeinsamen Ordnung. Das kreisförmige Plenum macht den Rat als Gemeinschaft sichtbar; der Teppich in der Mitte zeigt den Stadtgrundriss von Mainz. Arne Jacobsen starb 1971. Otto Weitling und Dissing+Weitling führten das Projekt bis zur Inbetriebnahme Ende 1973 weiter. Seit 2006 steht das Rathaus unter Denkmalschutz. Die laufende Sanierung erneuert Technik, Fassade und Innenräume. Weil der ursprüngliche norwegische Naturstein nicht mehr verfügbar ist, wird die Fassadenwirkung mit neuen Platten rekonstruiert. So bleibt das Rathaus ein Prüfstein dafür, wie die Nachkriegsmoderne erhalten, genutzt und an heutige Anforderungen angepasst werden kann.
»Ein Für und Wider wäre schon ein positives Zeichen, denn ein Haus, über das man nicht redet, ist meist nicht der Rede wert.«
Otto Weitling, 1974