Wanderausstellung und Buch Gesamtkunstwerke –  Die Formgeber des Funktionalen

Ausstellungen / Publikationen :

Die Architektur von Arne Jacobsen und Otto Weitling in Deutschland: eine dreijährigeTour in acht Städten und zwei Ländern .

Die Formgeber des Funktionalen Die Formgeber des Funktionalen

Funktionalismus — Deutschland | 

Entwurf: Arne Jacobsen, Otto Weitling. Fertigstellung: 1972.

Seebad Burgtiefe, Fehmarn

Entwurf: Arne Jacobsen, Otto Weitling. Fertigstellung: 1972.

Bild vergrößern (Seebad Burgtiefe, Fehmarn)(Abbildung © Jan Dimog, thelink.berlin)

English version and key facts

Gesamtkunstwerke traces the German footprint of Arne Jacobsen and Otto Weitling’s post-war modernism. From 2020 to 2023 the exhibition travelled to eight cities in Germany and Denmark, combining research, site-specific scenography and public debate. Five concise chapters—Works & Character, Ideas & Ideals, Form & Functions, Perfection & Precision, Value & Impact—made buildings readable in terms of scale, material and use. Across museums, civic venues and original Jacobsen/Weitling sites, the show reached a broad audience and sparked discussions on conservation, adaptation and future use. Recognised with the Iconic Award 2022 (Scenography) and covered by leading media, Gesamtkunstwerke offered a clear, contemporary lens on late modernism: not nostalgia, but architecture as civic culture and shared responsibility.

Key Facts

  • Laufzeit gesamt: Oktober 2020–September 2023
  • 8 Stationen in 2 Ländern: Berlin (Felleshus), Hannover, Castrop-Rauxel, Hamburg, Fehmarn, Mainz, Haderslev (DK), Rødovre (DK)
  • Auszeichnung: Iconic Award 2022 (Szenografie)
  • Reichweite: 10.000+ Besucher:innen (gesamte Tour)
  • Projektarchiv: gesamtkunstwerke.eu
  • Kuratorisches Team: THE LINK (Jan Dimog, Hendrik Bohle)

Ansatz & Dramaturgie

Die Ausstellung setzte auf ortsbezogene Vermittlung: Originalbauten, lokale Partner und öffentliche Programme verbanden sich mit einer klaren Erzähllogik in fünf Kapiteln – Werk und Wesen, Ideen und Ideale, Form und Funktionen, Perfektion und Präzision, Wert und Wirkung. Fotografien, Pläne, Modelle und kurze, kontextualisierende Texte machten Maßstab, Material und Gebrauch der Bauten lesbar. Ziel war die Debatte über Pflege, Anpassung und Weiterbauen – jenseits von Nostalgie.

Die Idee zur Ausstellung „Gesamtkunstwerke – Architektur von Arne Jacobsen und Otto Weitling in Deutschland“ entstand am Meer. Wir waren in der Ferienanlage Burgtiefe auf Fehmarn und blickten auf vergessene Weltarchitektur: Auf der Ostseeinsel schufen die dänischen Baumeister Arne Jacobsen und Otto Weitling zwischen 1968 und 1973 ein modernes, weitläufiges Seebad. Seitdem haben hier, wie auch an ihrem Rathaus Mainz, die Kräfte der Zeit und Vernachlässigung gearbeitet. So erging es nicht all ihren Bauwerken. In Hamburg stehen das HEW-Verwaltungsgebäude und das Christianeum gut da. Das Glasfoyer in den Herrenhäuser Gärten in Hannover ist nach der musterhaften Sanierung ein gelungenes Beispiel für die Wiederbelebung der deutsch-dänischen Nachkriegsmoderne. 

Die Formgeber des Funktionalismus

Die Formgeber des nordischen Funktionalismus sind also nicht durchgehend in Vergessenheit geraten. Trotzdem werden Sie in ihrer herausragenden Bedeutung für die späte Moderne in Deutschland wenig oder kaum gewürdigt. Diese Lücke in der Wahrnehmung möchten wir, die Kuratoren, mit der Wanderausstellung und der dazugehörigen Publikation schließen. Mit acht Projekten in Deutschland haben die beiden Baumeister hier die meisten Bauten außerhalb ihrer Heimat realisiert. Erstmals werden sieben Gebäude in einer Ausstellung präsentiert. Sie findet im Rahmen des deutsch-dänischen Freundschaftsjahres 2020 und anlässlich Jacobsens fünfzigsten Todestages 2021 statt. 

Deutsch-dänische Verbundenheit

Der Funktionalismus von Jacobsen und Weitling ist ein Spiegel der Visionen und Wünsche der alten BRD. Es ging bei den Entwürfen und Aufträgen um Kulturforen, Rathäuser und neue Schulbauformen, um Demokratie und Prestige. Ausstellung und Publikation werfen ein Schlaglicht auf die Formgeber und die baukulturelle Verbundenheit zwischen Dänemark und Deutschland. Sie sind zugleich eine Bestandsaufnahme der heutigen Situation und des Umgangs mit dem Erbe der Spätmoderne. Der Wert ihrer Architektur mit den ganzheitlichen, präzise artikulierten Antworten auf damalige Fragen wird zunehmend (wieder)erkannt. Doch der Verweis auf den Denkmalschutz genügt nicht. Es braucht Bereitschaft und Beständigkeit, um die Bauwerke gestärkt ins 21. Jahrhundert zu bringen. Viele haben uns ermutigt und darin unterstützt, diesen kaum bekannten Teil der deutsch-dänischen Architektur- und Kulturgeschichte zu zeigen. Für uns war es eine Reise zur mal strengen, mal lichten Baukunst des Nordens wie sie Jacobsen und Weitling interpretierten. Eine Unternehmung in die Ära des alten Westdeutschland. Eine Reise ans Meer, in Modellstädte der Moderne und zu einer Vielschichtigkeit, die eine Auseinandersetzung im Sinne von Otto Weitling provoziert:

»Ein Für und Wider wäre schon ein positives Zeichen, denn ein Haus, über das man nicht redet, ist meist nicht der Rede wert.«

Erschienen bei arnoldsche, herausgegeben von Jan Dimog und Hendrik Bohle. 248 Seiten, deutsch-englisch, 38 €

"Gesamtkunstwerke –  Architektur von Arne Jacobsen und Otto Weitling in Deutschland"

Erschienen bei arnoldsche, herausgegeben von Jan Dimog und Hendrik Bohle. 248 Seiten, deutsch-englisch, 38 €

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Entwurf: Arne Jacobsen. Fertigstellung: 1957.

Atriumhäuser, Berlin

Entwurf: Arne Jacobsen. Fertigstellung: 1957.

Bild vergrößern (Atriumhäuser, Berlin)(Abbildung © Hendrik Bohle)
Entwurf: Arne Jacobsen und Otto Weitling. Fertigstellung: 1966.

Glasfoyer, Herrenhäuser Gärten, Hannover

Entwurf: Arne Jacobsen und Otto Weitling. Fertigstellung: 1966.

Bild vergrößern (Glasfoyer, Herrenhäuser Gärten, Hannover)(Abbildung © Hendrik Bohle, thelink.berlin)
Entwurf: Arne Jacobsen und Otto Weitling. Fertigstellung: 1969.

HEW-Zentrale, Hamburg

Entwurf: Arne Jacobsen und Otto Weitling. Fertigstellung: 1969.

Bild vergrößern (HEW-Zentrale, Hamburg)(Abbildung © Hendrik Bohle, thelink.berlin)
Entwurf: Arne Jacobsen und Otto Weitling. Fertigstellung: 1971.

Christianeum

Entwurf: Arne Jacobsen und Otto Weitling. Fertigstellung: 1971.

Bild vergrößern (Christianeum)(Abbildung © Jan Dimog, thelink.berlin)
Entwurf: Arne Jacobsen und Otto Weitling. Fertigstellung durch Dissing+Weitling: 1973.

Rathaus Mainz

Entwurf: Arne Jacobsen und Otto Weitling. Fertigstellung durch Dissing+Weitling: 1973.

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Entwurf: Arne Jacobsen und Otto Weitling. Fertigstellung durch Dissing+Weitling: 1976.

Forum Castrop-Rauxel

Entwurf: Arne Jacobsen und Otto Weitling. Fertigstellung durch Dissing+Weitling: 1976.

Bild vergrößern (Forum Castrop-Rauxel)(Abbildung © Jan Dimog, thelink.berlin)
An der Baustelle des Rathaus Mainz

Arne Jacobsen und Otto Weitling (beide mit Brillen)

An der Baustelle des Rathaus Mainz

Bild vergrößern (Arne Jacobsen und Otto Weitling (beide mit Brillen))(Abbildung © Stadtarchiv Mainz, Klaus Benz)

Die Wanderausstellung

Die szenografische Grundidee der Ausstellung ist eine Reihe von semitransparenten Wänden, die flexibel aufgestellt werden können. Die Displays bestehen aus einem regelmäßigen Rastersystem (Grid) und sind mit teils bedrucktem Stoff bespannt. Dazwischen sind Plattformen als Sitzgelegenheiten, für Modelle und weitere Exponate angeordnet. In den jeweiligen Themengruppen und Kapiteln werden Zeichnungen, Zitate, historische und zeitgenössische Fotografien sowie Modelle und AJ-Produktentwürfe (u. a. von Fritz Hansen, Howe, Vola und Louis Poulsen) gezeigt. Die Drucke sind auf Dibond platziert und an den Wänden oder zwischen dem System befestigt. Die stoffbespannten Wände dienen auch als Projektionsflächen für Fotos und Filmausschnitte. Alle begleitenden Texte zur Ausstellung sind in deutscher und englischer Sprache verfasst.

Die Szenografie arbeitete mit einem modularen, halbtransparenten System und folgte den Räumen: Blickachsen, Maß und Material erzeugten Lesbarkeit.

Flexibel, modular, rasterhaft

Die Szenografie arbeitete mit einem modularen, halbtransparenten System und folgte den Räumen: Blickachsen, Maß und Material erzeugten Lesbarkeit.

Bild vergrößern (Flexibel, modular, rasterhaft)(Abbildung © Hendrik Bohle)
An mehreren Stationen ergänzten Symposien, Lehrkooperationen und Familienangebote das Programm.

Transparenz

An mehreren Stationen ergänzten Symposien, Lehrkooperationen und Familienangebote das Programm.

Bild vergrößern (Transparenz)(Abbildung © Hendrik Bohle)
Die Vermittlung verlagerte sich während der Pandemie phasenweise ins Netz und in die sozialen Medien (digitale Führungen, Kurzformate).

Das Grundelement

Die Vermittlung verlagerte sich während der Pandemie phasenweise ins Netz und in die sozialen Medien (digitale Führungen, Kurzformate).

Bild vergrößern (Das Grundelement)(Abbildung © Jan Dimog)

»Verständnis schaffen für die Spätmoderne und Architekturvermittlung sind Kernelemente unserer Wanderausstellung und Publikation.«

Hendrik Bohle und Jan Dimog, Kuratoren

Wirkung & Resonanz

Gesamtkunstwerke-Kuratoren Jan Dimog und Hendrik Bohle, thelink.berlin mit Ronald Clark, dem langjährigen Direktor der Herrenhäuser Gärten.

Hannoversche Allgemeine Zeitung HAZ

Gesamtkunstwerke-Kuratoren Jan Dimog und Hendrik Bohle, thelink.berlin mit Ronald Clark, dem langjährigen Direktor der Herrenhäuser Gärten.

Bild vergrößern (Hannoversche Allgemeine Zeitung HAZ)(Abbildung © HAZ / Irving Villegas)

Antje Rössler in der Süddeutschen Zeitung: „Die Herausgeber setzen sich nicht zuletzt dafür ein, dieses spätmoderne Erbe ins 21. Jahrhundert zu überführen.“

Ulf Meyer, german-architect.com: „Die kleine, aber ebenso elegant gestaltete wie präzise erdachte Schau trägt nicht nur zu einem neuen Blick auf die westdeutsche Nachkriegs-Moderne und deutsch-dänische Gemeinsamkeiten in Architektur und Städtebau bei, sondern beleuchtet auch ein Dilemma der Denkmalpflege hierzulande.“

Martina Conrad, SWR2: „Das Buch „Gesamtkunstwerke“ von Jan Dimog und Hendrk Bohle stellt die Zusammenarbeit der Architekten Arne Jacobsen und Otto Weitling vor. Es ist ein Lesebuch, wenn der Enkel von Jacobsen über das Leben seines Großvaters und dessen Formensprache mit Anregungen aus der Natur erzählt. Es ist aber auch ein Architekturführer, der an Ideale wie Demokratie, Prestige und Effizienz erinnert, an denen sich die Architektur der 1960er- und 1970er-Jahre orientiert hat. Die klare Formensprache, die Geometrie und Offenheit machen die Bauten von Arne Jacobsen zu Ikonen der Nachkriegsarchitektur. Liest man die Texte und betrachtet die zahlreichen Bilder, die immer die Architektur in Bezug zu ihrer Umgebung stellen – so wächst das Verständnis für die Bauwerke. Und das betrifft auch des Mainzer Rathauses.“

Olaf Bartels, Bauwelt: „Dezidiert führt das Begleitbuch dazu die jeweiligen Einschätzungen, Bewertungen und Perspektiven der Denkmalpfleger auf. Die Ausstellung wirbt für die Akzeptanz der Bauten von Arne Jacobsen und Otto Weitling und verweist vor allem auf die Leistungen des Letzteren.“

Inge Pett, NXT A: „Mit dem populären Möbeldesigner Jacobsen schmückt man sich, dagegen scheint es schwer, sich für seine und Weitlings Architektur zu engagieren“, konstatieren die Kuratoren Hendrik Bohle und Jan Dimog. Mit ihrer Ausstellung und der begleitenden Publikation jedenfalls korrigieren sie dieses Bild skandinavischer Formgebung, jenseits von hygge.“

 

 

Der gleichnamige Katalog zur Ausstellung ist im Arnoldsche Verlag erschienen und ist auch im Felleshus erhältlich, ISBN 978-3-89790-611-2, 38€
Konzept: Dipl.-Ing. Hendrik Bohle und Jan Dimog (thelink.berlin)
Ausstellungsgestaltung: Philipp Mecke, Hendrik Bohle, Jan Dimog
Gestaltung Medien: strobo B M
Ausstellungsbau: form art, Berlin

#gesamtkunstwerke2020#arnejacobsen #ottoweitling

Gesamtkunstwerke – Architektur von Arne Jacobsen und Otto Weitling in Deutschland

Herausgegeben von Hendrik Bohle und Jan Dimog. Erschienen bei arnoldsche Verlagsanstalt GmbH, 248 Seiten, 170 Abbildungen, Klappenbroschur, 20,5 x 28 cm, Deutsch und Englisch, 38 Euro, ISBN 978-3-89790-611-2. https://gesamtkunstwerke.eu

Wanderausstellung "Gesamtkunstwerke – Architektur von Arne Jacobsen und Otto Weitling in Deutschland"

  1. Berlin (Felleshus, Nordische Botschaften): 30.10.2020 – 27.06.2021
  2. Hannover (Arne-Jacobsen-Foyer, Herrenhäuser Gärten): 09.07.2021 – 29.08.2021
  3. Castrop-Rauxel (Ratssaal-Foyer, Rathaus Castrop-Rauxel): 06.09.2021 – 4.11.2021
  4. Hamburg (Jenisch Haus): 14.11.2021 – 17.04.2022
  5. Fehmarn (Haus des Gastes, Burgtiefe): 23.04.2022 – 06.09.2022
  6. Mainz (Zentrum Baukultur RLP): 13.09.2022 – 21.10.2022
  7. Haderslev (Historie Haderslev, DK): 03.02.2023 – 23.04.2023
  8. Rødovre (Rødovre Bibliotek, DK): 29.04.2023 – 19.08.2023

Partner & Förderer (Auswahl)

Nordische Botschaften/Felleshus (Berlin) · Königlich Dänische Botschaft (Berlin) · Stadt Hannover/Herrenhäuser Gärten · Leibniz Universität Hannover · Stadt Castrop-Rauxel · Baukultur NRW · Stiftung Historische Museen Hamburg/Jenisch Haus · Stadt Fehmarn · BIG-Städtebau · IFA · Zentrum Baukultur Rheinland-Pfalz/Architektenkammer RLP · Stadt Mainz ·Kommune Haderslev/Historie Haderslev · Kommune Rødovre/Rødovre Bibliotek · Dreyers Fond · Realdania · Danish Arts Foundation (Statens Kunstfond) · ZEIT-Stiftung · Sutor-Stiftung · Fritz Hansen · Vola · Howe · GRID

Karte mit den Bauwerk(en)

Interaktive Karte mit Bauwerke(n):

Atriumhäuser (Arne Jacobsen [Berlin-Tiergarten] ; 1957–1958) | Arne-Jacobsen-Foyer (Arne Jacobsen, Otto Weitling [Hannover-Herrenhausen] ; 1966) | HEW-Zentrale (Arne Jacobsen, Otto Weitling [Hamburg] ; 1969) | Christianeum (Arne Jacobsen, Otto Weitling [Hamburg] ; 1971) | Forum Castrop-Rauxel (Arne Jacobsen, Otto Weitling [Castrop-Rauxel] ; 1976) | Seebad Burgtiefe (Arne Jacobsen, Otto Weitling [Fehmarn] ; 1973) | Rathaus Mainz (Arne Jacobsen, Otto Weitling [Mainz] ; 1973) | Rødovre Bibliothek (Arne Jacobsen [DK. Rødovre] ; 1969) |